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LOOLOGISCHE ANNALEN,

ZEITSCHRIFT

FÜR

GESCHICHTE DER ZOOLOGIE

HERAUSGEGEBEN VON

GEH. REG.-RAT DR MAX BRAUN,

O. Ö. PROFESSOR DER ZOOLOGIE UND VERGL. ANATOMIE UND DIREKTOR DES ZOOLOG. MUSEUMS IN KÖNIGSBERG I. PR.

BAND VI.

MIT 19 TEXTABBILDUNGEN UND 8 TAFELN.

WÜRZBURG.

WEE Te IL AG? WON EU RTERERBIHEZSICER KGL. UNIVERSITATS-VERLAGSBUCHHANDLER. 1914. -

Alle Rechte, insbesondere das der Ubersetzung vorbehalten

Druck der Kénigl. Universitatsdruckerei H. Stürtz A. G., Würzburg.

Enhalt

Cummings, Bruce F., A biographical sketch of Col. George Montagu (1755—1815), english field Be Corrigenda et Addenda zum Aufsatz in Band V BR BETEN TER A ER ER EN SUR

Gudger, Dr. E. W., Georg Me (Aus dem Englischen von Dr. W. Pre ikcubach)) Mit 4 Abbildungen à

Killermann, Dr.Seb., Das Tierbuch des Petrus dd er ehsichen 1460, gemalt im se Jahrhundert. Mit 16 Abbildungen auf 8 Tafeln

Klunzinger, Dr. C. B., Erinnerungen aus meinem Leben als Natur- forscher und Arzt zu Koseir am Roten Meer. Mit 15 Abbildungen

Poche, Franz, Supplement zu C. O. Waterhouses Index Zoologicus No. II

Szalay, Dr. W., Der Wisent im Brehm —, Der Meerochs . Besprechungen

Seite

Georg Marcgrave.

Von Dr. E. W. Gudger.

(Aus dem Englischen von Dr. W. Breitenbach in Brackwede.) Mit 4 Abbildungen.

„GEORG Marccrave ! wurde in Liebstadt in Sachsen im Jahre 1610 geboren, ging als Arzt mit der Expedition des Grafen Moritz von Nassau-Sriecen im Jahre 1638 nach Brasilien, schrieb die „Historia Rerum Naturalium Brasiliae“ und starb 1644 an der Kiiste von Guinea.“ So lauten die berichtigten Notizen, die in unseren biographischen Nachschlagewerken über Marccrave zu finden sind.

Da ich indessen Gelegenheit hatte, auf Marccrave als auf den ersten Beschreiber und Zeichner drei amerikanischer Fisch- arten oder Gattungen, deren Lebensgeschichte ich bearbeitet habe, zurückzugreifen, so bin ich mit seinem Lebenslauf etwas besser bekannt geworden. Und da ich diesen sehr interessant fand, habe ich mich bemüht, die zerstreuten Tatsachen zu sammeln und zu der folgenden Skizze zu verarbeiten. Ich tat das in der Hoffnung, daß auch andere jetzige Naturforscher mit Interesse etwas über den Mann erfahren würden, der als erster den Versuch gemacht hat, die alte Welt mit der wirklichen Naturgeschichte der neuen Welt bekannt zu machen. Wenn diese Abhandlung dazu bei- trägt, Marccraves ausgezeichnete Arbeiten bekannt zu machen und ihm zu der verdienten Anerkennung zu verhelfen, so ist meine Mühe reichlich belohnt.

!) Man trifft auch die Schreibweise Markgrave, Marggrave, Margrave, Markgraf, Marcgraf; er selbst schrieb sich aber Marcgrave.

Zool. Annalen VI. 1

2 Breitenbach, Georg Marcgrave.

Wie das Nachstehende zeigen wird, ist das Material zu einer Lebensbeschreibung Marccraves spärlich, weit zerstreut und in wenig bekannten Quellen verborgen. Ich habe wahrend des letzten Jahres (1911) viele Zeit und große Mühe darauf verwandt, es zusammen zu bringen, aber ohne die Hilfe und Mitwirkung einer Anzahl von Bibliothekaren!) würde ich wohl nur verhält- nismäßig wenig zusammen gebracht haben.

Unsere Kenntnis von Marccraves Jugendjahren ist besonders dürftig; unser vertrauenswürdigster und fast einziger Gewährs- mann ist Mancer oder der unbekannte Schriftsteller in dessen „Bibliotheca Scriptorum Medicorum“, (73), dessen Bericht die anderen Schriftsteller wahrscheinlich benutzt haben ?).

Aus dieser Quelle erfahren wir, daß Grorc Marccrave am 10. September 1610 in Liebstadt bei Meißen geboren wurde. Er stammte aus guter Familie, die schon 200 Jahre in Liebstadt gewohnt hatte. Sein Vater und sein Großvater mütterlicher Seite waren für jene Zeit unterrichtete Männer, „gelehrt in Theologie, Latein und Griechisch.“

Da diese Männer sahen, daß Marccrave als Knabe einen guten Charakter hatte und viel versprach, so scheinen sie viel Zeit und Aufmerksamkeit auf seine Erziehung verwandt zu haben.

1) Die meisten der angeführten Werke verdanke ich der Freundlichkeit der Herren HERBERT PuTMAnnN, Bibliothekar und W. W. BisHop, Oberaufseher des Lese- saales der Kongreßbibliothek. Große Gefälligkeiten in bibliographischer Hinsicht er- wiesen mir die Herren Harry CLEMENS, Bibliothekar an der Universität Princeton und H. H. B. Meyer, Oberbibliothekar der Kongreßbibliothek. Auch bin ich Herrn H. M. LypENBERG, Bibliothekar an der öffentlichen Bibliothek zu New York, sehr zu Dank verpflichtet. Herr LypEnBERG hat sich persönlich für diese Arbeit interessiert und mich mit Daten und Nachweisen versehen, die ich nie ohne seine Freundlichkeit erhalten hätte. Ferner danke ich sehr Herrn Dr. PerLBUcH von der Königl. Bibliothek zu Berlin für Photographien der Originalzeichnungen brasilianischer Gegenstände (die hier veröffentlicht werden), für Nachweise und Abschriften von in Amerika nicht er- hältlichen Aufsätzen. Die Damen BoppiıE und Dameron sind mir bei der Übersetzung einer großen Anzahl lateinischer Stellen behilflich gewesen. Allen, die mir bei Anfertigung dieses Aufsatzes so freundlich geholfen haben, spreche ich meinen herz- lichen Dank aus.

?) Es ist ein interessantes Problem, wer der Verfasser dieser Skizze ist; Herr LYDENBERG hat sich vergeblich bemüht es zu lösen. Er bemerkt, daß der Schreiber, der es klar und deutlich sagt, daß er ein persönlicher Freund MARCGRAVES und ein Zeitgenosse der leitenden Persönlichkeiten bei der Expedition des Grafen Moritz nach Brasilien sei, nicht MAnGEr selbst gewesen sein kann, denn dieser war nicht vor 1652 geboren und MARCGRAVE starb 1644. Unter dieser Einschränkung und um Wiederholungen zu vermeiden, wird immer von ihm als MancET gesprochen werden.

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Breitenbach, Georg Marcgrave. 3

Sie lehrten ihn Latein und Griechisch und sorgten dafür, daf sein Talent für Musik und Zeichnen entwickelt wurde, so daß er schließlich kein schlechter Musiker und „kein zu verachtender Maler“ wurde. Da diese klugen Männer weiter erkannten, daß Marccrave, sollte er im Leben etwas leisten, in die Welt hinaus mußte, so ermunterten sie ihn zum Reisen und zum Studieren, und er ging gern darauf ein, verließ 1622 in seinem sieb- zehnten Jahre seine Vaterstadt und kehrte erst nach elf Jahren zurück.

Während dieser Zeit besuchte er. zehn deutsche Univer- versitäten und studierte an ihnen Mathematik, Botanik, Chemie und Medizin. Diese Universitäten waren Straßburg, Basel, Ingolstadt, Altdorff, Erfurt, Wittenberg, Leipzig, Greifswald und Rostock, wo er bei Simon Pautti, einem berühmten Botaniker, wohnte und studierte. Von da ging er nach Stettin, wo er zwei Jahre blieb, um bei Lorenz von Ercusrapt, dem berühmtesten Astro- nomen der damaligen Zeit, Astronomie zu studieren. Hier scheint er so große Fortschritte gemacht zu haben, daß er seinem Lehrer bei der Ausarbeitung gewisser astronomischer Ephemeriden behilflich sein konnte, und Marccrave selbst erzählt uns, daß Ercx- sTADT ihn in der Vorrede seines 1634 veröffentlichten Werkes ehrenvoll erwähnt habe.

Nach verschiedenen Reisen in Norddeutschland und in Däne- mark ging Marccrave nach Leyden in Holland, wo er zwei Jahre blieb. Nachts widmete er sich dem Studium der Astro- nomie auf dem Turm des Observatoriums der Universität, bei Tage botanisierte er in den Gärten und auf den Feldern. Seine Lehrer waren hier der Botaniker ApotpH Vorrrius und der Astro- nom JacoB Gotius.

_ Marccrave war jetzt 28 Jahre alt und im Vollbesitz seiner körperlichen und geistigen Kräfte. Seine Reisen und seine Studien in den verflossenen elf Jahren, sein Aufenthalt und seine Arbeit auf den verschiedenen Universitäten, seine enge Berührung mit gelehrten Professoren, besonders mit den vier oben genannten, hatten ihn mächtig angespornt. Er hatte das Beste empfangen, das Europa zu geben hatte, aber doch war er nicht zufrieden, Mancer sagt, er habe beständig das Wort seines Vaters und Großvaters vor Augen gehabt, daß die Welt offen vor ihm liege.

Während seines Aufenthaltes in Leyden erhielt er einen anderen und noch mächtigeren Ansporn, der sein ganzes zu-

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4 Breitenbach, Georg Marcgrave.

künftiges Leben beeinflussen sollte. Das benachbarte Amsterdam war der Sitz der Hollandischen Westindischen Kompagnie. Diese Gesellschaft war gebildet worden, nicht, wie die große Ostin- dische Kompagnie, um Handel zu treiben und Kolonien anzulegen, sondern hauptsachlich, um den Handel und die Niederlassungen der Spanier und Portugiesen in der neuen Welt zu plündern. In erster Linie aber war ihr Zweck, Schiffe zu kapern und für die Belgier einzutreten, mit denen die Spanier im Krieg waren. Im Laufe dieser Ereignisse nun hatten die Hollander die ganze Nordostküste Brasiliens weggenommen und besetzt.

Marccrave kannte viele aus Brasilien zurückgekehrte Hollander, und ihre Erzählungen aus der neuen Welt erregten seine Ein- bildungskraft und reizten seinen Ehrgeiz mächtig an. Er scheint sich vorgenommen zu haben, nach Brasilien zu gehen, nicht als bloßer Abenteurer, sondern als Gelehrter und Forscher. Mancer erzählt uns: „Er hatte den sehnlichen Wunsch, die südlichen Sterne, besonders Merkur, zu studieren und er sah vor sich das große, noch unbearbeitete Feld der Naturgeschichte und die reiche Ernte, die auf ihm in Amerika eingeheimst werden könne. Des- halb suchte er jede Gelegenheit, um nach Amerika gehen zu können.“

Zu jener Zeit war Jan pe Larr in Amsterdam Präfekt oder leitender Direktor der Westindischen Kompagnie. Marccrave Kannte De Laer und suchte seinen Einfluß und seine Hilfe; es gelang ihm, zum Astronom der Gesellschaft ernannt zu werden, er wurde als solcher in die Listen des Archivs eingetragen und für For- schungen in Brasilien bestimmt.

Demgemäß verließ Marccrave Holland, das er niemals wieder- sehen sollte, am 1. Januar 1638 und erreichte nach einer Reise von 2 Monaten die Küste Brasiliens. Die Expedition stand unter dem Befehl des Graren Moritz von Nassau-Srecen, der den Oberbefehl über die holländischen Eroberungen in der neuen Welt hatte und der etwas über ein Jahr früher als Marccrave nach Brasilien gereist war. Dieser bemerkenswerte Mann war nicht nur ein großer Soldat und Staatsmann, sondern er liebte und pflegte auch die Wissenschaften, in denen er wohl bewandert war!) Auf dieser Expedition nahm er seinen Vertrauten, Franz

1) Mit Bezug auf den Grafen Moritz kann ich nichts besseres tun als SWAINSONS Lobrede anzuftihren, der alle anderen Schriftsteller, die vom Grafen sprechen, zu- stimmen. ,Es ist fast unbegreiflich, wie dieser gefeierte Mann, dessen Leben in

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Breitenbach, Georg Marcgrave. 5

PLAUTE, seinen Hofprediger (der später Professor der Theologie in Breda wurde) und WirHELM Piso, seinen Leibarzt, mit, während später als Geograph und Astronom Gerorc Marccrave und Hrenric® Crazrrz, ein junger deutscher Gelehrter, der leider kurz nach der Ankunft in Brasilien starb, hinzukamen.

Piso war Arzt des Grafen Morrrz und Chefarzt der ee Wahrscheinlich war er auch Leiter der wissenschaftlichen Ar- beiten der Expedition (Driesen, DE Crane), da er viel älter und erfahrener als Marccrave war. Er beschränkte sich aber, wie wir nachher sehen werden, persönlich auf das rein medizinische Gebiet, während Marccrave auf der anderen Seite ein viel größeres Arbeitsfeld hatte. Wohl befaßte auch er sich bis zu einer ge- wissen Ausdehnung mit praktischer Medizin, seine größte Tätig- keit galt aber der Astronomie, Geographie und Naturgeschichte und auf allen drei Gebieten hat er eine ganz enorme Arbeit ge- leistet.

Marccrave, der den Grafen Moritz schon viele Monate vor seiner Abreise nach Brasilien gekannt zu haben scheint, verstand es bald, die Gunst seines Patrons zu erwerben. Mancer versichert, das sei vor allen Dingen dem Umstande zu verdanken gewesen, daß Marccrave einige Kenntnis vom militärischen Bauwesen be- sessen habe. Diese Kenntnisse waren dem Grafen wahrscheinlich beim Bau seiner neuen Hauptstadt Mauritia in der Nähe von Pernambuco von Nutzen.

Aber sei dem, wie ihm sei, jedenfalls stieg Marccrave schnell in der Achtung seines Chefs, denn wir finden, daß der letztere für ihn im Jahre 1639 in der Stadt Mauritia ein astronomisches Observatorium aus Stein erbauen ließ, von dem aus Marccrave die Bewegungen der Sterne, ihren Auf- und Untergang, ihre Größen, en und andere Erscheinungen studierte 1).

dieser Zeit sich abwechselnd im Lager und im Rat abzuspielen schien, Mufe finden konnte, an die Wissenschaft auch nur zu denken, viel weniger sich mit ihr noch eingehend zu beschäftigen. Aber die Beweglichkeit seines Geistes, und die Kraft seines Denkens waren so groß, daß das doch der Fall war. Er unterstützte und schiitzte nicht nur die Arbeiten derjenigen, die er zu diesem Zwecke angestellt hatte, sondern war selbst in den schwierigsten Zeiten seiner Regierung tätig und beschrieb und zeichnete selbst die verschiedenen neuen brasilianischen Tiere.

1) Auf dieser Insel Antonio Valf im Hafen von Recife erbaute Graf Moritz nach den Plänen PETER Posts einen vor der Mauritius genannten Stadt gelegenen vizeköniglichen Palast, der den Namen „Freiburg“ erhielt. Dieses Gebäude hatte zwei Türme, die 6—7 Meilen weit vom Meere aus sichtbar waren und den Seefahrern

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Aus Sorge fiir seine Sammlungen lieB sein generòser Freund und Schutzherr (nach Lichtenstein und Driesen) in Mauritia Gärten, Käfige und Fischteiche einrichten. Mancer erzählt uns weiter, der Graf habe sich selbst einen Schüler Marccraves ge- nannt, und wie wir noch sehen werden, nahm er in seinen Mußestunden an der Bearbeitung der Sammlungen lebhaft teil.

Auf seinen Sammelreisen scheint Marccrave den nordöstlichen Teil Brasiliens ziemlich gründlich erforscht zu haben, besonders jene Gegenden, die die heutigen Staaten Pernambuco, Parahyba und Rio Grande do Norte umfassen. Wie viele Forschungs- reisen Marccrave machte, ist nicht bekannt, es ist aber sicher, daß er mindestens drei gemacht hat. Er scheint seit seiner Ab- reise aus Holland ein Tagebuch geführt zu haben, das für die Jahre 1638, 1639 und 1640 in die Hand des unbekannten Schrift- stellers bei Mancer gefallen zu sein scheint. Dieser Mann sagt ausdrücklich, daß das Buch tägliche Aufzeichnungen enthalten habe und daß es in seinem Besitz gewesen sei. Was aus dem Tagebuch für die übrigen 31/2 Jahre (1641— 1644) geworden sei, wußte er nicht.

Die erste Reise wurde am 21. Juni 1639 angetreten und dauerte 39 oder 4o Tage. Die zweite begann am 20. Oktober 1639 und dauerte 20 Tage. Die dritte und kürzeste umfaßte die Zeit vom 8.—19. Dezember 1640. Wie viele weitere Forschungs- reisen Marccrave außer diesen noch gemacht hat, ist nicht be- kannt; aber wenn er auch nur diese unternommen hätte, so würde er doch hinreichend Gelegenheit zum Studium der Naturgeschichte gehabt haben. Denn er brauchte nur zur Stadt hinaus ins Freie zu gehen, um sich von Pflanzen und Tieren umgeben zu finden, die der wissenschaftlichen Welt bis dahin unbekannt waren.

Man darf indessen nicht meinen, daß, weil der Urwald vom Lager aus leicht erreicht werden konnte, es leicht gewesen sei,

als Leuchttürme dienten (NreNHorr). Einen dieser Türme hat MARCGRAvE wahr- scheinlich als Observatorium benutzt. Es war das sehr wahrscheinlich das erste astronomische Observatorium, das auf der südlichen Halbkugel und in der neuen Welt errichtet worden ist. Und zur selben Zeit erhielt er vom Grafen Morirz eine Ab- teilung Soldaten zugewiesen, die ihn durch jene Teile Brasiliens begleiteten, die er durchforschte, so daß er in der Lage war, wilde Tiere aller Art, Fische, Vögel und Pflanzen zu jagen, zu fangen, zu sammeln und zu trocknen. Mit allen diesen Gegen- ständen, die gesammelt, konserviert und ausgestopft waren, erregte er das Entzücken des Grafen und empfing dessen höchstes Lob’).

1) Das wußte MANGET vom Obersten von MAnsrEeLD, dem Führer der Truppen.

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Breitenbach, Georg Marcgrave. 7

die in ihm lebenden Tiere zu sehen oder gar zu sammeln. Alle Forschungsreisenden und Naturforscher, die sich an den Wild- nissen Brasiliens aufgehalten haben, haben nachdrücklich betont, daß man Stunden und Tage durch die Urwälder reisen könne, ohne jemals einen Vogel oder ein Säugetier zu sehen oder zu hören. Das ist natürlich eine Folge der außerordentlich dichten Vege- tation und der Tatsache, daß die meisten Waldbewohner sich in den Spitzen der Bäume aufhalten und hoch oben in und an diesen gefunden werden. Man muß sich wundern, daß Marccrave in dem wilden und unbewohnten Lande und mit seiner geringen Kenntnis der Gewohnheiten der Tiere, die er suchte, überhaupt eine solche Menge wertvollen Materials sammeln konnte. Daß er keine Gelegenheit versäumte, seine Sammlungen und Be- obachtungen zu vervollständigen, werden wir noch sehen, und es ist wahrscheinlich, daß, nachdem er sich akklimatisiert hatte und mit der Fauna und Flora Brasiliens bekannt geworden war, die Jahre 1641—44 wissenschaftlich reichere Ergebnisse gehabt haben wie die drei vorhergehenden Jahre.

Endlich kam die Zeit heran (Mai 1644), in der seine Arbeit ihr Ende erreichte. Sein Chef bereitete seine Rückkehr nach Holland vor, und er selbst beschloß ebenfalls heimzukehren. Bezüglich dieses Punktes ist der unbekannte Schriftsteller bei Mancer sehr deutlich, so daß ich die Stelle wörtlich an- führen will.

„SAMUEL KECHELIUS, ein bedeutender Astronom, der viele Jahre in Leyden lehrte und früher mit Marccrave zusammen wohnte, hat mir von Briefen erzählt, die ihm Marccrave aus Bra- silien geschickt habe, in denen letzterer mitteilte, daß er alle seine Habe eingepackt habe und nur noch auf günstigen Wind warte, um mit Gottes Hilfe mit dem berühmten Fürsten in die Heimat zurückzukehren. Aber trotz dieser Bestimmung wurde er, wie Kecuetius erzählt (und dasselbe berichten auch andere Schrift- steller), unerwartet nach Angola in Afrika geschickt; zu welchem Zweck, wußte er selbst nicht, und hier starb er bald nach seiner Ankunft.“

So starb im Alter von 34 Jahren, im Zenith seiner Wirk- samkeit und seines Ruhmes Grorc Marccrave, der, hätte er nur einige Jahre länger gelebt, um seine brasilianischen Sammlungen und Beobachtungen selbt zu bearbeiten, sich bestimmt auf den

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8 Breitenbach, Georg Marcgrave.

Rang des ersten Naturforschers seiner Zeit erhoben haben würde, wenn nicht zu dem des größten seit ARISTOTELES !).

Die wissenschaftlichen Früchte dieser brasilianischen Expe- dition des Grafen Moritz, Pıros und besonders Marccraves sind vierfach: 1. die astronomischen und mathematischen Manuskripte MarccRaves; 2. die großen naturwissenschaftlichen Sammlungen; 3. die Manuskripte Marccraves und Pisos’ über naturgeschichtliche und medizinische Gegenstände; 4. zwei Sammlungen von Zeich- nungen brasilianischer Pflanzen und Tiere, eine in Ol, die andere in Wasserfarben; wir kommen darauf noch zuriick.

Uber die naturgeschichtlichen Sammlungen, die Graf Morirz aus Brasilien heimbrachte, erzählt uns LICHTENSTEIN, daß außer dem von Marccrave auf seinen Forschungsreisen zusammenge- brachten Material der Graf Expeditionen östlich nach Afrika und westlich bis an den stillen Ozean geschickt habe (vgl. Marccraves Schrift über die Chilenen, mit der Zeichnung eines Lamas, auf die noch zurück zu kommen sein wird) und daß diese viele naturgeschichtliche Gegenstände mitgebracht hätten. Um diese Sammlungen unterzubringen, verwandelte der Graf Freiburg in ein Museum und seine Grundstücke in einen botanisch-zoloogischen Garten (van Kampen.)

Als dieser berühmte Schutzherr der Naturwissenschaften sich endlich entschloß, nach Holland zurückzukehren, nahm er alle angesammelten Schatze aus Freiburg mit sich, und so umfang- reich waren diese (,,die reichsten, die jemals ein Schiff nach Europa brachte“), daß LicHTENSTEIN versichert, der Graf habe mit ihnen sein eigenes Museum, das zweier Universitàten (Leyden und noch eine andere) und diejenigen vieler Privatpersonen (Martius spricht besonders von dem SeBas) mit einer solchen Menge naturwissen- schaftlichen Materials versorgt, daß es nach hundert Jahren noch nicht völlig verarbeitet worden sei.

Es scheint gewiß zu sein, daß diese Sammlungen größtenteils das Werk Marccraves waren. Und als Beweis für die Sorgfalt,

1) Ich bedaure sehr, daß ich dieser Arbeit kein Bild Marccraves beigeben kann. In keinem der Werke, die am Schluß dieses Aufsatzes aufgeführt werden, ist ein solches Bild oder ein Hinweis auf ein solches zu finden. Herr LYDENBERG ist so freundlich gewesen und hat das große Portrait-Verzeichnis der öffentlichen Bibliothek in New York und andere Verzeichnisse (von denen eines 30000 Deutsche enthält) durchgesehen, ohne ein Bild Marccrave’s zu finden. Wahrscheinlich ist gar kein Bild Marceraves vorhanden.

Breitenbach, Georg Marcgrave. 9

die er auf sie verwandt hat, und fiir den Wert derselben mag hier eine Stelle aus Mancer angeführt werden, der schreibt:

„SAMUEL KEcHELIUs sah, daß in Harlem ein Kasten mit ge- trockneten brasilianischen Insekten fiir 4000 Gulden verkauft wurde, deren Namen sämtlich von Marccraves eigener Hand geschrieben waren.“

Über Umfang und Inhalt der mathematischen und astro- nomischen Arbeiten Marccraves wissen wir wenig. Der Schrift- steller bei Mancer!) erzählt uns, daß er Zeichnungen für Lager, Städte und Befestigungen anfertigte und Karten der erforschten Gegenden zeichnete. Auch brachte Graf Moritz wichtige Manu- skripte mit heim.

De Laer, der Marceraves literarischer Testamentsvollstrecker war, erzählt in der Vorrede zu Marccraves Teil des großen Fo- liowerkes von 1648, daß es nach unter Marccraves Papieren auf- gefundenen Notizen klar sei, daß unser Autor seine mathema- tischen und astronomischen Niederschriften zu einem großen drei- teiligen Werke unter dem Titel „Progymnastica Mathematica Americana“ verarbeitet habe.

Der erste Teil handelt von Astronomie und Optik und ent- hält eine Übersicht über alle südlichen Sterne, die zwischen dem Sternbild des Krebses und dem Südpol gefunden wurden; viele verschiedene Beobachtungen über alle Planeten und die Bahn der Sonne und des Mondes waren in origineller Art bearbeitet; es fanden sich neue Theorien über die inneren Planeten Venus und Merkur, die sich auf besondere Beobachtungen stützten; ferner waren darin eine Theorie der Refraktionen und Parallaxen und schließlich Angaben über Sonnenflecken und andere astro- nomische Seltenheiten. Der zweite Teil behandelt geographische und geodatische Gegenstände, er enthält eine Theorie der geo- graphischen Länge und der Art, dieselbe zu berechnen; er zeigt die wahren Dimensionen der Erde auf Grund besonderer Beobachtungen und deckt die Irrtümer alter und neuer Geographen auf. Der

!) DRIESEN, DE CRANE und van Kampen sagen, dafs MARCGRAvE vier Spezialkarten von Brasilien angefertigt habe und daß Graf Moritz nach seiner Rückkehr nach Holland sie in Kupfer habe stechen lassen und daß viele Abdrücke von ihnen ge- macht worden seien. Das müssen die Karten gewesen sein, von denen MANGET sagt, daß sie in den Fluren der besser situierten Holländer ganz allgemein als Wandschmuck anzutreffen gewesen seien. Später wurde eine zweite Auflage gedruckt, aber da Marceraves Name auf ihr fortgelassen wurde, büßte er seinen ganzen Ruhm ein.

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IO Breitenbach, Georg Marcgrave.

dritte Teil basiert auf den beiden ersten und besteht aus den Morırz’schen Tafeln. (Es ist fraglich, ob die Tafeln in dem Ob- servatorium zu Mauritia angefertigt sind oder ob sie so heißen, weil sie dem Grafen Moritz gewidmet sind.)

Nach gewissen Angaben in den verschiedenen Vorreden und Einleitungen zu den großen Werken von 1648 und 1658 scheint es ziemlich wahrscheinlich zu sein, daß Piso diese Manuskripte besessen hat; auf jeden Fall aber steht es fest, daß alle diese Niederschriften auf Befehl des Grafen Moritz oder De Larrs zum Zweck der Herausgabe an Gorıus, den Leydener Astronomen und ehemaligen Lehrer Marccraves, weiter gegeben worden sind. Unglücklicherweise scheinen sie verloren gegangen zu sein, auf jeden Fall sind sie niemals veröffentlicht worden.

„Dadurch geschah Marccrave ein großes Unrecht, und sein Werk wurde mit großer Reklame von Care und La Conpamine ausgenutzt“. (LICHTENSTEIN.)

Dieser Ansicht ist auch De Crane und er deutet weiter an, daß Huycens viele Originalbeobachtungen Marccraves nur wieder- entdeckt habe.

De Crane und ebenso Van Kampen und Driesen, die ihn un- zweifelhaft abschrieben, behauptet, der Grund, weshalb GoLius diese Manuskripte niemals veröffentlicht habe, sei der gewesen, daß sie in Geheimschrift geschrieben gewesen seien. Das scheint indessen ein Irrtum zu sein, da es, soweit ich sehe, weder von De Laer noch von einem anderen Biographen Marccraves be- statigt wird. Doch macht Laranpe bezüglich der astronomischen Tafeln im dritten Teil folgende interessante Bemerkung:

„Unter Manuskripten von M. de l'Isle habe ich auch eine Notiz über einige Beobachtungen verschiedener anderer Astronomen gefunden, Beobachtungen, die niemals veröffentlicht worden sind. Unter ihnen sind die, die Marccrar in den Jahren 1639 und 1640 auf der Insel de Vaaz in Brasilien machte und die in den Archiven aufbewahrt liegen; das Original aber liegt mit den Manuskripten von pe LonviLLe und anderen in Cadix, wohin Gopm sie gebracht hat und von denen man glaubt, Don ANTONIO DE ULLoa habe sie in Händen gehabt“.

An einer anderen Stelle bemerkt Laranpe noch, daß FLam- STEED die Beobachtungen Marccraves über die Sonnenfinsternis nachgeprüft habe. Diese Bemerkungen machen es wahrscheinlich, daß die Manuskripte nicht in Geheimschrift abgefaßt waren.

Breitenbach, Georg Marcgrave. II

De Crane deutet an, daß das Exemplar in den Archiven der französischen Marine sich befinde, und van Kampen meint, die Papiere seien (auf welche Art, sagt er nicht) in die Hände der Spanier gefallen und Gopm und ULLoa hätten sie benutzt, als sie im Jahre 1835 auf dem Hochland von Ekuador einen Längengrad auszumessen hatten. Ich habe aber in dem süd- amerikanischen Reisebericht UrLLoas keinerlei Angabe hierüber gefunden, trotzdem ich sorgfältig danach gesucht habe.

Nur eins jener Manuskripte ist erhalten geblieben. Es ist der ,,Iractatus Topographicus et Meteorologicus Brasiliae cum Eclipsi Solaris“ (von 1640), den BarLaeus (1647) aufbewahrt zu haben scheint und den Pıso in dem Werk von 1658 veröffentlicht hat. Während dieses Werk auf Marccraves eigenen Beobachtungen beruht, ist es weiter noch bekannt, daß Graf Moritz, um noch mehr Angaben zu erhalten, allen holländischen Schiffskapitänen in Brasilien befohlen hat, sorgfältige Notizen und Zeichnungen der Sonnenfinsternis anzufertigen und sie an Marccrave zu schicken.

Von Interesse ist Marccraves eigene Bemerkung über sein Werk, die sich in seiner Vorrede zu der „Progymnastica“ findet und die De Laet (1648) anführt. Sie lautet:

„Ein Werk, das vielfach gewünscht, aber bis heute von niemand unternommen worden ist, nunmehr aber in glücklichster Weise mit Unterstützung des gefeierten Helden Jomann MORITZ, Graf von Nassau— Siegen, Präfekten über Land und Meer in Bra- silien, und mit Gottes Hilfe begonnen und nach vieler Arbeit vollendet wurde in der neuen Stadt Mauritia in der brasilianischen Region Süd-Amerikas von dem Verfasser, Grorc MARCGRAVE, einem Deutschen aus Liebstadt“.

Sowie der Turm zu Freiburg, der Marccrave zum Gebrauch überwiesen wurde, wahrscheinlich das erste auf der südlichen Halb- kugel erbaute Observatorium war, so wahrscheinlich ist es auch, daß Marccraves Beobachtungen über die südlichen Sterne die ersten waren, die jemals auf der Erde angestellt wurden. Aus diesem Grunde ist, auch wenn wir von ihrem wissenschaftlichen Wert absehen, ihr Verlust unersetzlich.

Bezüglich der naturgeschichtlichen Schriften Marccraves ist uns das Schicksal etwas günstiger gewesen, denn sie sind uns einigermaßen vollkommen erhalten geblieben!). Ehe wir indessen

1) Die einzige, von der bestimmt bekannt ist, daß sie fehlt, ist eine Abhandlung über die geographische Verbreitung der Pflanzen. Das wurde von DRIESEN festgestellt.

12 Breitenbach, Georg Marcgrave.

ihre Geschichte genauer verfolgen, müssen wir zunächst einen un- erfreulichen Punkt erörtern, nämlich die Beziehungen Marccraves zu biso;

Die Sammlung des Materials fiir die vorliegende Abhandlung war noch nicht sehr weit gediehen, als ich fand, "daß Marccrave seine „Zıstorrae Rerum Naturalium Brasıhae“ in Geheimschrift geschrieben hatte. Das führte mit anderen Anzeichen zu dem Schluß, daß die Beziehungen zwischen ihm und Piso gespannte waren. Dem unbekannten Schriftsteller bei Mancrr waren alle Hauptpersonen der brasilianischen Expedition persönlich bekannt; das sagt er uns an verschiedenen Stellen. Auch schreibt er:

„Aus vielen Anzeichen schließe ich, daß Piso und Marccrave sich gegenseitig nicht verstanden, obgleich Piso sich als einen Schüler Marceraves bezeichnete“.

Ferner scheint dieser Schriftsteller vieles gewußt zu haben, von dem er behauptet, es gereiche Pıso nicht zum Ruhme. Wenn man die Parteilichkeit dieses Biographen berücksichtigt, so scheint es, daß der lebende Piso sich den Ruhm des toten Marccrave vielfach angeeignet hat. Ferner sollte man im Auge behalten, daß Pıso als Chefarzt der Expedition nach Brasilien ging und . daß seine wissenschaftliche Arbeit mehr nebensächlich war, während Marccrave vielmehr als Gelehrter und Forscher hinaus- ging und seine medizinische Arbeit nebensächlich war. Während Piso in dem von Marccraves Freund De Larr 1648 herausgege- benen Werk Marccrave mächtig rühmt, kombiniert er in dem Werke von 1658, wie wir nachher sehen werden (nachdem De Laer 1649 oder 1650 gestorben war), die Arbeiten Marccraves mit seinen eigenen und erwahnt die ersteren nur noch in Anmer- kungen.

In den Vorreden zu beiden Werken, von 1648 und 1658, nennt Piso Marccrave ,meus domesticus“. Selbst wenn wir diesen Ausdruck sehr günstig mit „mein Hausgenosse“ übersetzen, zeigt er doch noch, daß Marccrave ihm untergeordnet war. An irgend einer anderen Stelle zeigt sich, daB Piso sich für den Leiter des wissenschaftlichen Stabes der Expedition hielt und daß Marc- GRAVE für seine Arbeiten von ihm Anweisungen erhalten habe.

Bestätigt wird das durch eine Bemerkung von DE LAET, er habe an MARCGRAVE einige aus Ximines erhaltene Notizen und für ihn (pe LAEr) auf den amerikanischen Tafeln gesammelte Exemplare geschickt, damit MARCGRAVE sie mit den Pflanzen Brasiliens vergleichen solle. +

Breitenbach, Georg Marcgrave. 18

Während die wirklichen Verhältnisse wahrscheinlich niemals sicher festgestellt werden können, scheint es doch, als wenn Pıso nur dem Namen nach wissenschaftlicher Leiter gewesen sei. So- weit ich selbst feststellen konnte, bestand Pısos einzige Vorbe- reitung auf wissenschaftliche Arbeit in seinem medizinischen Studium, und dieses war natürlich (er war 1596 geboren) sehr gering. Marccrave dagegen hatte elf Jahre lang an den besten deutschen und holländischen Universitäten studiert und hatte nicht nur reiche Erfahrungen in der Medizin, sondern auch in Botanik, Naturgeschichte, Mathematik und Astronomie. Auf Grund dieser wissenschaftlichen Kenntnisse hatten Dr Larr und Grar Moritz ihn ausgewählt, erhielt er die Stelle eines Astro- nomen mit festem Gehalt und wurde der intime persönliche Freund des Grafen Moritz und war als solcher fast ein Glied seiner Familie.

Aus vielen Stellen, besonders aber aus der Vorrede De Larr’s zu Marccraves „Historiae Rerum Naturalium Brasiliae“ erfahren wir, daß dieses Werk in der Stadt Mauritia, und zwar in Ge- heimschrift, geschrieben worden ist. De Laer schreibt:

„Als mir diese verworrenen und unvollendeten Papiere durch den berühmten Grafen Jonann Morirz, durch dessen Güte, Gunst und Unterstützung er allein diese Arbeiten ausführen konnte, übergeben wurden, bot sich eine nicht geringe Schwierig- keit dar. Denn der Schreiber hatte in der Furcht, daß irgend- jemand versuchen könnte, seine eigenen Arbeiten für sich zu benutzen, falls er zufällig sterben sollte, ehe es ihm möglich sei, seine Beobachtungen der Welt bekannt zu geben, einen großen Teil dieser Dinge, die ihm am wichtigsten erschienen, in einer gewissen von ihm selbst als zweites Alphabet bezeichneten Ge- heimschrift geschrieben, die erst mit größerer Mühe, als man an- nehmen sollte, verstanden und umgeschrieben werden mußte. Ob- gleich ich mit anderen Gegenständen beschäftigt war, habe ich diese Aufgabe doch mit großer Mühe ausgeführt“.

Wenn LicarensreN hierüber schreibt, spricht er folgende Vermutung aus:

„Aus der wunderbaren Energie, mit der er während seines Aufenthaltes in Brasilien seine Beobachtungen machte und nieder- schrieb, Könnte man schließen, daß Marccrave seinen frühen Tod vorhergefühlt und daß er sich deshalb so beeilt habe, seinen Ruhm sicher zu stellen“,

14 Breitenbach, Georg Marcgrave.

Und wenn man von seinem frühen und fast plòtzlichen Tode und von dem Schicksal seines litterarischen Nachlasses liest, so kann man sein gesundes Urteil in dieser Angelegenheit nur rühmen.

Aber ich wünsche im Licht der oben gegebenen Daten die Aufmerksamkeit auf die Tatsache zu lenken, daß die unter dem Gesamttitel „Progymnastica Mathematica Americana“ zusammen- gefaßten astronomischen und mathematischen Schriften nicht in Geheimschrift geschrieben gewesen zu sein scheinen. Die Be- deutung dieser Tatsache für den Streit Marccrave-Piso scheint nur die zu sein, daß, da Piso keine mathematischen Kenntnisse hatte, keine Gefahr vorlag, er könne diese Schriften als seine eigenen ausgeben, falls dem Verfasser ein Unfall zustoßen sollte, daß aber eine solche Gefahr sehr wohl bezüglich der naturge- schichtlichen Schriften bestand; daher die Geheimschrift!). So vorsichtig war Maccrave, daß einige Gegenstände in einer zweiten Geheimschrift geschrieben waren. (De Larr, Vorrede 1648.)

Indessen pe Larr, der ein gelehrter und geschickter Mann war, löste seine Aufgabe ?) trotz zweier großen Schwierigkeiten. Die erste war die, daß er keine großen Kenntnisse in Naturgeschichte hatte und die zweite die, daß Marcgraves Notizen in keiner Weise geordnet waren; die jedes einzelne Tier betreffenden be- fanden sich auf einem besonderen Bogen. Die meiste Arbeit machten aber die Notizen über die Pflanzen, denn Marccrave war nicht in der Lage gewesen, gleichzeitig auf demselben Bogen Blätter, Blüten und Früchte ein und derselben Pflanze zu be- schreiben. Diese Notizen hatte Marccrave natürlich auf dem Felde und in Mauritia geschrieben und es ist klar, daß er die Absicht hatte, sie nach seiner Rückkehr nach Holland zusammen zu heften und im ganzen herauszugeben.

Wie gut pe Laer diese Arbeit ausführte, wissen diejenigen, die mit der 1648 in Leyden und Amsterdam veröffentlichten „Historia Naturalis Brasiliae“ bekannt sind, die folgende Widmung an Graf Moritz enthält:

1) Siehe die Fußnote auf Seite 9.

?) Es mag im Vorbeigehen bemerkt werden, daß pe Larr über hundert An- merkungen zu Marccrave’s Beschreibungen der Pflanzen und Tiere hinzufügt. Sie bestehen größtenteils aus Daten, die Ximines Berichten über Pflanzen und Tiere Neu- Spaniens entnommen waren.

Breitenbach, Georg Marcgrave. 15

»Die Naturgeschichte von Brasilien, vorbereitet unter der Oberaufsicht und mit Unterstützung des gefeierten Johann Moritz, Grafen von Nassau, Oberstkommandierenden zu Land und Wasser, in der nicht nur Pflanzen und Tiere, sondern auch die Krank- heiten des Landes, der Charakter und die Sitten beschrieben und durch mehr als 500 Bilder erläutert werden“.

Der erste Teil des Werkes besteht aus Pisos ,,De Medicina Brasiliensi“ und umfaßt vier Bücher: 1. Uber Luft, Wasser und Wohnorte; 2. über medizinische Krankheiten; 3. über Gifte und ihre Gegengifte; 4. über den Gebrauch von Heilkräutern. Dieser Teil, der WirHELM von ORANIEN gewidmet ist, ist 132 Folio- seiten stark und durch 104 Abbildungen illustriert, die sich auf Buch 3 und 4 beziehen. Von diesen Bildern erläutern drei die Herstellung von Mandioca (Farinha) und Zucker, neun stellen Tiere dar (5 Schlangen, 1 Tausendfuß, 1 Seegurke, 1 Kugelfisch, 1 Frosch) und g2 Pflanzen.

Der zweite Teil des Werkes, Marccraves ,,Historiae Rerum Naturalium Brasiliae“, wird dem Grafen mit folgenden beredten Worten gewidmet:

„Dem Grafen Jonann Moritz von Nassau, dem großen Be- fehlshaber zu Land und zu Wasser über Brasilien, widmet Grorc Marccrave aus Liebstadt, ein Deutscher aus Sachsen, diese Dinge, die er während seiner Reisen durch Brasilien mit unermudlichem Eifer untersucht hat, die er sorgfaltig beschrieben und nach dem Leben abgebildet hat, deren Namen bei den Eingeborenen er nach Möglichkeit erkundet und deren Nutzen er erforscht und die er in dieser Geschichte zum Nutzen aller Erforscher und Bewunderer der Naturgeschichte geordnet hat, in schuldiger Anerkennung und als Zeichen der Dankbarkeit für die große Güte, die ihm von diesem erwiesen wurde)“.

Dieses Werk umfaßt 303 Folioseiten, besteht aus acht Büchern und enthält 429 Abbildungen.

Es ist wie folgt eingeteilt: 1. Buch, in dem 149 Kräuter mit 86 Figuren beschrieben werden; 2. Buch mit Beschreibungen von 48 Sträuchern und fruchttragenden Pflanzen mit 39 Figuren; 3. Buch mit 104 beschriebenen und 75 abgebildeten Bäumen; 4. Buch handelt von Fischen und Krebsen, sowohl aus dem Meere

1) Diese Dedikation wurde in Mauritia geschrieben (MANGET) und scheinbar in Vorahnung des schließlichen Resultates seiner Reise nach Afrika.

16 Breitenbach, Georg Marcgrave. ©

wie aus dem Süßwasser; es werden von ersteren 26 beschrieben und 19 abgebildet, von letzteren 105 beschrieben und 86 abge- bildet; außerdem befindet sich noch die Beschreibung und Ab- bildung eines Seesternes dabei; 5. Buch enthält Beschreibungen von 117 Vögeln, von denen 54 abgebildet sind; 6. Buch handelt von Vierfüßern und enthält Beschreibungen von 46 und Abbil- dungen von 26, zusammen mit 19 Reptilien, von denen 7 abge- bildet sind; 7. Buch ist den Insekten gewidmet und enthält 55 Beschreibungen und 29 Abbildungen; 8. Buch, das letzte, befaßt sich mit dem Lande, seinen Ureinwohnern und seinen jetzigen Bewohnern und hat 5 Bilder. Ein Anhang handelt von den Bewohnern Chiles und enthält zwei Abbildungen, von denen die eine wahrscheinlich die erste Zeichnung eines Lama ist.

Wie am Schluß des Inhaltsverzeichnisses bemerkt wird, sind die 429 Abbildungen dieses Teiles größtenteils vom Verfasser sorgfältig gezeichnet worden.

Wenn wir von dem 8. Buch und dem Anhang mit seinen 7 Figuren absehen, so sind also 301 Pflanzen beschrieben und 200 abgebildet; von Tieren sind 367 beschrieben und 222 abge- bildet. Diese 668 Formen waren praktisch fiir die Wissenschaft sämtlich neu, und die 422 abgebildeten waren wahrscheinlich vorher noch niemals gezeichnet worden.

Trotzdem Marccrave nichts von den Feinheiten der Klassi- fikation wußte, die auf dem Bau und der Stellung der Staub- gefäße und Griffel der Blüten und der Zählung der Flossenstrahlen und der Seitenschuppen bei den Fischen beruhte, war die von. ihm in Brasilien geleistete Arbeit doch epochemachend. Dadurch daß er die Gelehrten Europas mit den Wundern Brasiliens be- kannt machte, wurde er der würdige Vorläufer des PRINZEN von Wien, von Spıx und Martius. Seine Naturgeschichte Brasiliens ist wahrscheinlich das wichtigste naturgeschichtliche Werk seit dem Wiedererwachen der Wissenschaften und bis zu den Forschungen des Prinzen von Wırp ohne Zweifel das bedeutendste Werk über Brasilien überhaupt.

Aber, Ehre, wem Ehre gebührt; man darf den Grafen Moritz nicht vergessen, denn er allein ermöglichte es MARCGRAVE, diese ganze prächtige Arbeit auszuführen. Van Kampen vergleicht Grar Moritz mit NapoLeon, der einen ganzen Stab von Gelehrten auf seiner Expedition nach Ägypten bei sich hatte. Pıso aber ver- gleicht ihn mit ArexANDER, in welchem Vergleich aber MARCGRAVE,

= 6 vu

Breitenbach, Georg Marcgrave. 17

und nicht er selbst, den Platz des ARISTOTELES einnehmen muß. Alle Ehre dem Grafen Moritz!

Es ist aber nicht meine Absicht, eine eingehende Analyse der naturgeschichlichen Arbeiten Marccraves vorzunehmen. Das ist längst geschehen, und zwar in sehr geschickter Weise für einen großen Teil der Tiere von LicHTEnsSTEIN (1814— 15, 1816— 17) und für die Pflanzen von Martius (1853—55). Ich interessiere mich am meisten fiir das Buch ùber die Fische und es scheint deshalb nicht unangebracht zu sein, die Urteile einiger der großen Ichthyologen darüber anzuführen.

Cuvier und VALENCIENNES (1828) sagen:

„GEORGE Marccrave... der gelehrteste, der exakteste und der- jenige, der die Geschichte der Fische am meisten bereichert hat. Er machte uns mit 100 (105) zu jener Zeit fùr die Wissenschaft neuen Fischen bekannt und gab Beschreibungen, die denen aller friheren Autoren tiberlegen sind“.

GÜNTHER (1880) schreibt:

„MARcGRAvE studierte besonders die Fauna des Landes, sein viertes Buch behandelt die Fische. Er beschreibt etwa 100 Arten, die vorher sämtlich unbekannt waren, in einer Weise, die die aller seiner Vorgänger übertrifft. Die beigegebenen Abbildungen sind nicht gut, aber fast immer erkennbar und geben eine gute Vor- stellung von der Gestalt des Fisches“.

Jorpan (1905) bemerkt, daß

»Marccrave etwa 100 für die Wissenschaft neue Arten unter portugiesischen Namen und mit Geist und Genauigkeit beschrieb. Es ist die erste Untersuchung einer lokalen Fischfauna außerhalb der Mittelmeer-Region und gereicht Marccrave und dem berühmten Fürsten, dessen Gehilfe er war, zum Ruhme In hundert Jahren wurden keine Versuche von ähnlicher Bedeutung mehr gemacht“.

Da ich Kopien seiner Abbildungen besitze, so will ich hier Marccraves Beschreibung von zwei wohlbekannten Fischen wieder- geben, um zu zeigen, wie genau er beobachtete und wie sorg- faltig er seine Beschreibungen abfaßte.

Der erste Fisch, den unsere Fig. ı nach der „Naturgeschichte Brasiliens‘ !) wiedergibt, ist der gefleckte Stachelroche, den wir

1) Die Kongreßbibliothek besitzt zwei Exemplare dieses seltenen Werkes. In dem einen sind die Holzschnitte ungefärbt, in dem andern mit der Hand koloriert. Mein eigenes Exemplar hat ungefärbte Abbildungen.

Zool. Annalen VT. 2

18 Breitenbach, Georg Marcgrave.

unter dem zoologischen Namen Aefobatus narinari kennen. Marccrave beschreibt ihn wie folgt:

„Von den verschiedenen, von den Brasilianern ‚„Narıinarı“ ge- nannten Fischarten, heißt der, den wir hier beschreiben, Narınarı pinima. Die Portugiesen nennen ihn „Raja“, die Holländer „Pyl- steerte“ oder „Siecle“. Er ist eine Marina partinaca.

Sein Körper ist lang, breit, fast dreieckig geformt, nach beiden Seiten in sehr breite dreieckige Flügel ausgezogen, die fleischiger Natur sind. Nahe am Schwanze befinden sich zwei Flossen etwa von Handgröße, mit rundem Umriß und beide gleich lang. Sein Kopf, der dick, zu- sammengedrückt und in der Mitte von einer Furche durch- zogen ist, ist etwa so lang wie der eines ausgewachsenen Schwei- nes. Das unten abgerundete Maul ist dreieckig, etwas zu- sammengedrückt und endet in einer Schnauze. Das Maul ist 21/2 Zoll breit, zahnlos, besitzt aber statt der Zähne einen Unter- kiefer in Form einer Zunge. Diese ist 4 Zoll lang, 11/2 Zoll breit und reicht bis an die äußere Öffnung des Maules. Es ist auch ein quergestellter Ober- kiefer vorhanden, 2 Zoll lang und ebenso breit.

Der Unterkiefer besteht aus ı7 harten weißen Knochen, die die Gestalt des Buchstabens V haben und durch Häute fest mit- einander verbunden sind. Unter ihnen liegen 17 andere Knochen, der eine unter dem anderen; sie haben ein schwammiges An- sehen und sind nicht so hart. Der Oberkiefer besteht aus 14 Knochen, die ebenso gestaltet sind wie die letzteren und eben- falls durch Haute miteinander verbunden. Uber diesen 14 Knochen liegen wieder 14 andere. Auferdem sind die zwei Kiefer mit den anderen Kopfknochen durch Haute verbunden.

Die Schädelhöhle, in der das Gehirn liegt, ist etwa 6 Zoll lang und kaum 2 Zoll breit. Die Schnauze ist ganz knorpelig. Der Fisch hat zwei kleine Augen etwa von der Größe eines Nummus mis-

Fig. 1. Narinari. (Nach Marcgrave.)

TX =

Breitenbach, Georg Marcgrave. 19

micus. Hinter diesen Augen liegt jederseits eine große Atem- höhle, in der etwa ein Apfel von gewöhnlicher Größe Platz hat. In diesen Höhlen liegen die Kiemenblätter verborgen. Auf der unteren Seite des (hinteren) Kopfendes bemerkt man fünf läng- liche Einschnitte.

Die ganze obere Körperfläche ist dunkel gefärbt und mit weißen Flecken von der Größe eines Nummus misnicus bedeckt, während die Unterseite ganz weiß ist. Die Haut ist überall weich und ohne Schuppen.

Die Körperlänge von der Spitze der Schnauze bis zur Schwanzwurzel beträgt 11/2 Fuß; die Spannung zwischen den äußersten Enden der dreieckigen Flügel 3 Fuß 10 Zoll. Die Länge der Floßen in der Nähe des Schwanzes ist 7 Zoll bei einer Breite von 4 Zoll. Der Kopf ist 10 Zoll lang, 7 breit und 11/2 Fuß dick. Der Schwanz ist 4 Fuß 3 Zoll lang, am Anfang 5 Zoll dick, er nimmt aber dann allmählich an Dicke ab. Etwas hinter dem Schwanzende befindet sich eine kleine Art Flosse von etwas über einem Zoil lang, und dicht hinter dieser stehen zwei kleine, wie Fischangeln gekrümmte Haken von 3 Zoll Länge. Sein Fleisch hat einen guten Geschmack und genügt zur Nahrung für 40 Personen“.

Den Krötenfisch beschreibt er so:

„Dieser Fisch wird von den Brasilianern „Niqui“und von unseren Leuten „Pietermann“!) genannt. Er hat einen dicken K opf, ein großes froschähnliches Maul, ist zahnlos, hat eine dicke Zunge und der Unterkiefer istetwaslänger als der Oberkiefer. Die Ki,“ we vordere Mittelregion des Körpers ist y > ziemlich breit, die hintere schmal und Fig. 2. Niqui. (Nach Marcgrave.) abgerundet. Er ist höchstens 6 oder 7 Zolllang und im vorderen Teil etwa 11/2 Zoll oder etwas mehr breit. Seine Augen sind klein und vorspringend, sie stehen auf Cylindern gleich denen der Landkrabben, die Pupille ist dunkel und die Iris aschbraun. Er hat große Kiemen und etwas hinter diesen auf jeder Seite eine etwa einen Zoll lange und breite Flosse, die am Ende abgerundet ist; unterhalb derselben, auf der Bauchseite,

1) Der heutige Name dieses Krötenfisches ist mir nicht bekannt. JoRDAN und EVERMANN (Fishes of North America, B. III, S. 2315) schreiben über „Die brasiliani- sche Gattung Marcgravia (cryptocentra) . . . .“, der möglicherweise der hier be- schriebene Fisch angehört.

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20 Breitenbach, Georg Marcgrave.

und etwas mehr nach hinten vereinigen sich die Kiemen. Die Flosse auf der Mitte des Rückens läuft fast bis zum Schwanze, sie ist 11/2 Zoll hoch und wird nach hinten niedriger; auf der Bauchseite des Körpers befindet sich eine entsprechende Flosse. Der Schwanz ist über einen Zoll lang, weniger breit, von der Gestalt eines Parallelogramms und am äußeren Ende abgerundet. Vor der Rickenflosse stehen zwei kräftige Stacheln und vor jeder postbranchialen steht je ein scharfer. Der Fisch ist mit einer Haut bedeckt, deren Farbe von dunkel bis schwarz variiert; auf dem ganzen Ricken, auf dem Kopf, an den Seiten und an allen Flossen erscheint sie gemischt grau. Die Unterseite ist weiß, an den Seiten weniger weiß als schwarz oder grau. Auf dem ganzen Riicken, auf dem Kopf und an den Seiten sind kleine schwarze Flecken von der GrôBe eines Mohnkorns zer- streut. Das Tier liegt im Sande in der Nahe der Kiste verborgen und verwundet die Füße der über den Strand hingehenden Menschen“.

Die Uniibertrefflichkeit des Marccraveschen Buches und sein Unterschied von den Werken Gesners und ALprovannıs liegt in seiner unbedingten Originalität. Wenn diese Naturforscher auch Großes und Gutes für die Naturwissenschaft geleistet haben, so waren sie doch nur Kompilatoren, Abschreiber, Männer, die die Beobachtungen von Reisenden systematisch zusammenstellten, die aber selbst nicht das Geringste von den Tieren gesehen hatten, die sie in ihren großen Folianten beschrieben und abbildeten. Daher ist es nicht wunderbar, daß ihre Bücher mit Abbildungen sagenhafter Ungeheuer angefüllt sind, die es dem modernen Naturforscher zuzeiten schwer machen, ihnen die Anerkennung zu zollen, die sie trotzdem verdienen.

Ganz anders war Marccrave. Er ging nach Brasilien und lebte in dessen Wildnissen. Seine Abbildungen und Beschrei- bungen wurden nach den Tieren selbst angefertigt, in den meisten Fällen sogar wahrscheinlich nach dem Leben 1). Sodann waren alle oder doch fast alle Pflanzen und Tiere in seiner ,,Natur- geschichte von Brasilien“ fiir die Wissenschaft neu, und seine Ab- bildungen und Beschreibungen sind so genau, daß der heutige

1) In Freiburg in Mauritia hatte Graf Moritz Gärten, in denen viele Pflanzen des Landes angepflanzt waren, er hatte auch Käfige, in denen die Tiere gehalten wurden, und Fischteiche mit Süßwasser- und Seefischen (NIENHOFF).

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Breitenbach, Georg Marcgrave. . 21

Forscher sie auf den ersten Blick erkennen kann. Der folgende Vorfall wird zeigen, mit welcher Sorgfalt er seine Beobachtungen anstellte. In seiner oben angeführten Beschreibung des gefleckten Stachelrochen gab er die Anzahl der Zähne für den Oberkiefer mit ı4 und für den Unterkiefer mit ı7 an. Zufällig fand ich selbst bei dem ersten von mir untersuchten Exemplar dieses Rochens genau dieselben Zahlen.

Nach verschiedenen Anzeichen erscheint es sehr zweifelhaft, daß Pıso an der Herausgabe der „Naturgeschichte von Brasilien“ (1648) einen großen Anteil hatte, und tatsächlich erklärt Licnren- STEIN, daß De Laer in Abwesenheit Pisos die Herausgabe des ganzen Werkes besorgt habe. Ob er nun daran Teil hatte oder nicht, jedenfalls war Pıso sehr unzufrieden und er beschuldigte DE Lart, seine Arbeit übereilt und oberflächlich gemacht zu haben. Zehn Jahre später (1658) veröffentlichte er ein großes Foliowerk unter dem Titel „De Indiae Utriusque Re Naturale et Medica“ mit der Absicht, das frühere Werk zu vervollständigen. Der erste Teil dieses Werkes, das er dem Kurfürsten von Branden- burg widmete, führt den Titel „Historiae Naturalis et Medicae Indiae Occidentalis“ und besteht aus Marccraves „Naturgeschichte von Brasilien“ und Prsos ,,Medizinalpflanzen von Brasilien“, die zu fünf Büchern zusammen gearbeitet sind: ı. Über das Klima. 2. Über Krankheiten. 3. Über Tiere. 4. Über Pflanzen. 5. Über Gifte und Gegengifte. Es umfaßt 327 Seiten. Darauf folgt Marc- GRAVES ,,lractatus Topographicus“ usw., mit 39 Seiten, dann Jacos Boxrs ,,Historiae Naturales et Medicae Indiae Orientalis“ mit 160 Seiten und den Schluß bildet seine eigene ,,Mantissa Aromatica“ mit 66 Seiten.

Nicht nur ist das eine Verbesserung des früheren Werkes, sondern in vielen Beziehungen sogar eine deutliche Verschlech- terung. Marccraves Werk über die Pflanzen Brasiliens wird ge- kürzt und verliert seine Originalität, da es mit Pısos Angaben über die medizinischen Eigenschaften vermengt wird. Am meisten leidet aber der zoologische Teil, denn Pıso war noch weniger Zoologe als Botaniker. Es scheint, als habe er die (gleich zu beschreibenden) Originalzeichnungen nicht mehr zur Verfügung gehabt, nach denen die Abbildungen der ersten Auflage an- gefertigt wurden; deshalb wurden seine Abbildungen nach der Ausgabe von 1648 kopiert oder nach Beschreibungen angefertigt, oder an die falsche Stelle des Textes gestellt oder gänzlich fort-

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gelassen (LiCHTENSTEIN). Im ganzen trägt die Ausgabe zum Ruhme Pisos wenig oder nichts bei.

Wir müssen jetzt von der vierten Abteilung der wissen- schaftlichen Denkwürdigkeiten der brasilianischen Expedition des Graren Moritz sprechen. Im Jahre 1786 teilte ScHNemer der Welt das Vorhandensein dieser kostbaren Schätze mit folgenden Worten mit:

„ich habe so oft von einer Sammlung von Originalzeich- nungen brasilianischer Tiere gehört, die Graf Jonann Morirz von Nassau, früher Gouverneur des ehemals holländischen Teiles Brasiliens, gemacht und in seiner eigenen Handschrift verzeichnet und später nach seiner Rückkehr dem Großen Kurfürsten von Brandenburg geschenkt habe, daß ich sehr begierig war, diese Handschriften zu sehen. Im Anfang dieses Jahres wurde mein Wunsch endlich erfüllt. Ich fand diese Sammlung in der König- lichen Bibliothek zu Berlin in zwei Foliobänden verschiedener Größe unter dem Titel ,Icones Rerum Brasiliensium“. Alle Blätter sind numeriert, doch ohne regelmäßige Folge in den zwei getrennten Bänden. Bei einem Vergleich derselben mit (den Figuren in) Marccraves „Naturgeschichte von Brasilien“ er- kennt man deutlich, daß Marccrave alle besten Bilder in der Originalgröße in Holzschnitt wiedergegeben hat. Wie treu? Darüber hat er sich selbst geäußert. Die hinzugefügten Be- merkungen sind holländisch und, wie wir bestimmt wissen, vom Grafen selbst geschrieben!) und stimmen überall mit Marccraves Text überein. Sie sind aber außerordentlich kurz und geben nur die Größe und die Beziehungen der Tiere zueinander an. Die Sammlung wird wohl nicht mehr vollständig sein, jedenfalls habe ich in ihr vergeblich nach einigen Skizzen Marccraves ge- sucht; es sind aber einige Skizzen vorhanden, die MARCGRAVE nicht kopierte, und einige Tiere, die er nicht kannte. Im allge- meinen bemerkte ich, daß bei einem sorgfältigen Vergleich diese Sammlung Marccraves Text gut erklärt. Dieser kann auch nicht

1) Lichtenstein kommentiert die charakteristischen, halb scherzhaften Bemer- kungen, die Graf Moritz hinzugefügt hat und von denen die folgende hier mitgeteilt werden mag. Auf das Blatt, das die Abbildung des Ameisenfressers Zamandua guacu, enthält, hat der Graf geschrieben: „Dies ist der große Ameisenfresser, der so groß wie eine Otter ist. Er steckt seine Zunge in ein Loch, die Ameisen setzen sich auf sie und dann zieht er sie in sein Maul hinein. Die Zunge ist etwa eine halbe Elle Wangs nn... Er kann gar nicht laufen.“

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Breitenbach, Georg Marcgrave. 23

falsch sein, da Marccrave nur Holzschnitte bieten konnte und sein Zeichner die Originalabbildungen oft ganz falsch kopiert hat; in der erwähnten Sammlung haben dagegen alle Tiere ihre natürlichen Farben, aus deren Verschiedenheiten man so oft die wichtigsten Unterscheidungsmerkmale nahe verwandter Arten und Gattungen hernimmt!)“.

Dann drückt Scaneiner den Wunsch aus, es möchten noch mehr Autoren wie Broch ihre Bücher nach diesen prächtigen Bildern illustrieren. Brock kannte nicht nur diese Zeichnungen, sondern er kopierte auch eine große Anzahl derselben für seine „Ausländischen Fische“ und seine große „Ichthyologie“. In der Vorrede zu Band 6 dieses letzteren Werkes (1788) schreibt Brocu, diese Sammlung von Bildern bestehe aus zwei Abteilungen und die Bilder seien auf weißem Pergament ausgeführt.

„Die erste Abteilung enthält 32 Vierfüßer, 87 Vögel, 9 Am- phibien, 80 Fische, 31 Insekten, einige Schaltiere, Seesterne und einen Tintenfisch, im ganzen 183 Blatter. Auf jedem Blatt befindet sich die Abbildung eines Fisches, Vogels, Vierfüßers, Amphibiums, Insektes oder Wurmes. Alle sind sehr schòn gezeichnet und gemalt, teilweise in sehr glänzenden und schönen Farben. Über der Zeichnung des Tieres findet man den Namen, den es in Brasilien trägt, und unten stehen oft in holländischer Sprache Notizen über seine Größe?)., ‘Die zweite Abteilung, ebenfalls auf Pergament, enthält 2 Vierfüßer, 15 Vögel, 46 Amphibien, 45 Fische, 46 Insekten und verschiedene Seiten mit Pflanzen . . . sie be- steht aus 114 Blättern, auf denen man die erwähnten Bemerkungen von derselben Hand wie in der ersten Abteilung geschrieben findet“.

Es kann nicht geleugnet werden, daß diese Abteilungen durch Brocxs Reproduktionen der Welt bekannt wurden, ich selbst lernte sie durch die Vorrede zu Band 6 der „Ichthyologie“ kennen; über die Treue der Wiedergabe wollen wir Cuvier und VALEN- CIENNES Sprechen lassen.

»BLocH hatte viele dieser Bilder in seiner „Ichthyologie“ kopiert, ohne, wie es scheint, daran zu zweifeln, daß sie vom Grafen ge- zeichnet worden seien, und, was noch tadelnswerter bei ihm ist,

1) Für diese Übersetzung bin ich Herrn Dr. PERLBACH von der Königl. Bibliothek in Berlin zu Dank verpflichtet. ?) Siehe Fig. 3.

24 Breitenbach, Georg Marcgrave.

er fügte manche Einzelheit ganz willkürlich hinzu oder ließ solche fort !)“.

Die erwähnte Sammlung von Zeichnungen ist in Wasser- farben ausgeführt und findet sich in der Königlichen Bibliothek in Berlin unter folgender Bezeichnung: „Brasilianische Naturgegen- stande (Collectio rerum naturalium Brasiliae) in zwei Bänden. Libri pieturati AY 30. 37%.

Über Verfasser und Geschichte derselben werden wir später sprechen. Fig. 3 ist eine Photographie der Zeichnung des gefleckten Stachelrochen Narinari aus dieser Sammlung. Wenn man in Be- tracht zieht, daß diese Wasser- farbenzeichnung etwa 270 Jahre altist, so wundert man sich über ihre Frische und ihre scharfen Umrisse. Daß sie wunderbar genau ist, kann ich aus eigener Anschauung bestätigen, denn ich habe dem Studium dieses Fisches eine beträchtliche Zeit gewidmet.

Außer dieser Sammlung von Zeichnungen befinden sich in der Königlichen Bibliothek zu Berlin noch zahlreiche Ölbilder unter

Fig. 3. Photographie des Wasserfar- 2 benbildes vom Nin folgendem Titel: „Iheatrum re-

rum Naturalium Brasiliae (Icones) in 4 Bänden. Libri picturati A. 32—35“. Zum erstenmal wurden diese in der Literatur erwähnt in einem anonymen Aufsatz in

„Neue Zeitungen von Gelehrten“ Sachen, Erster Teil, Nr. 4, 1717,“ und es wurde dazu bemerkt: „Außer diesem Ost- indianischen Werke ist in der Königl. Bibliothek auch ein West- indianisches unter folgendem Titel enthalten: ,,Theatrum rerum naturalium Brasiliae, imagines, etc.“ Dieser Autor bemerkt, daß diese Ölbilder in 4 Bänden vorliegen und daß im ersten 357 Fische, im zweiten 303 Vögel, im dritten 245 „andere Tiere vom Menschen bis zu den Insekten“, und im vierten 555 Pflanzen abge- bildet seien, im ganzen 1460 Bilder. Er erwähnt auch eine kleinere

!) Das wurde wahrscheinlich von VALENCIENNES geschrieben, der 1826 eine be- sondere Reise nach Berlin machte, um sich diese Zeichnungen anzusehen.

es 24 ==

Breitenbach, Georg Marcgrave. 25

Sammlung in Wasserfarben, gibt aber nicht an, wie viele Zeich- nungen sie enthalt.

Im Jahre 1785 gibt Böhmer in seiner „Bibliotheca Historiae Naturalis“ einen kurzen Auszug aus der vorstehenden Notiz. Die nächste Bezugnahme ist noch unklarer. Licurenstein erzählt, daß IrLinger die wissenschaftliche Welt auf diese Bilder auf- merksam gemacht habe. Was er getan hat, kann ich nicht sagen, da es mir trotz größter Mühe nicht möglich gewesen ist, Näheres festzustellen. Wir dürfen deshalb vielleicht annehmen, daß es nicht besonders wichtig war. Zuletzt hat LicHtENSTEIN (1814—15) die Bilder gefunden und ausführlich beschrieben. Wir kommen auf seine Abhandlung noch zurück.

Man kann nicht daran zweifeln, daß alle diese Zeichnungen in Brasilien angefertigt worden sind und daß Graf Moritz sie im Jahre 1644 mitgebracht hat. Bei seiner Rückkehr wurde die- ser ausgezeichnete Mann in einer seinen hervorragenden Verdien- dii zen. sten um das holländische Volk De angemessenen Weise gefeiert, Ehren über Ehren wurden auf sein Haupt gehäuft. Im Jahre 1652 trat er in die Dienste des Großen Kurfürsten, durch den er im den Fürstenrang erhoben wurde. Zwischen den beiden ge- feierten Männern entstand eine enge Freundschaft, die ununterbrochen bis zu dem Tode des Fürsten im Alter von 76 Jahren (1679) dauerte, zu welcher Zeit er Gouverneur von Berlin war.

Die zwei Sammlungen von Zeichnungen brasilianischer Ge- genstände, nach deren kleinerer inzwischen Abbildungen für die „Naturgeschichte von Brasilien“ angefertigt worden waren, ver- machte der Fürst dem die Wissenschaft fördernden Kurfürsten: Dieser übergab sie Dr. Christus Mentzer, seinem Leibarzt und Günstling, der ein geschickter Sprachkundiger war; er sollte sie in Ordnung bringen, in Bände einbinden lassen und dann sollten sie der Bibliothek der Hauptstadt Berlin zur Aufbewahrung übergeben werden.

Die Ölzeichnungen, die sich auf einzelnen Blättern befanden,

Fig. 4. Photographie des Ölgemäldes vom Narinari.

20 Breitenbach, Georg Marcgrave.

sammelte Dr. MenTzEL in vier Bänden, die heute die Bezeichnung „Libri picturati A. 32—35“ tragen; die Blätter wurden logisch geordnet und mit den brasilianischen Namen und den Bezug- nahmen auf Marccrave und Piso versehen, bei denen man eine genauere Beschreibung finden kann und wo auch die Hinweise auf die Sammlung in Wasserfarben sind).

Für diese Sammlung hatte Dr. MentzeL ein farbiges Titel- blatt gezeichnet. Es scheint, daß es beträchtliche Zeit gedauert hat, eine Klassifikation dieser Sammlung auszuarbeiten, denn das Titelblatt ist datiert 1660, die Vorrede 1664.

In dieser Weise wurde die unschätzbare Sammlung von Bildern der Nachwelt erhalten. In Wirklichkeit blieb sie aber 150 Jahre lang unbekannt, bis LICHTENSTEN in den Jahren 1814—17 in den „Abhandlungen“ der Berliner Akademie auf ihren großen Wert aufmerksam machte. Seine erste Abhandlung wird durch einen historischen Bericht und eine kritische Auseinandersetzung über die Arbeiten Marccraves und Pisos in Brasilien eingeleitet, aus dem ich große Anregung geschöpft und dem ich viele An- gaben entnommen habe. Dann folgt eine kritische Besprechung des Textes und der Abbildungen in der „Naturgeschichte von Brasilien“.

Die Wasserfarbenzeichnungen werden ebenfalls in der König- lichen Bibliothek in Berlin aufbewahrt, es ist aber nicht klar, wie sie dorthin gekommen sind. Doch konnten auf Grund der Angaben von Driesen. die folgenden interessanten Tatsachen festgestellt werden. Im Jahre 1652 verkaufte Graf Morirz an den Kurfürsten von Brandenburg für 50000 Taler eine große Sammlung brasilianischer Merkwürdigkeiten. Das Geld scheint aber nicht in bar ausgezahlt worden zu sein, vielmehr übertrug der Kurfürst an den Grafen als Sicherheit einen ausgedehnten Besitz in der Stadt Cleve. Die Verkaufsurkunde oder der Kata- log der Sammlung ist datiert vom ı8. Februar 1652, und in ihr heißt es unter Nr. 14 nach DRIESEN:

„Ein großes Buch in Royal Folio und ein etwas kleineres, enthaltend (Abbildungen von) Menschen, vierfüßigen Tieren, Vögeln, Reptilien, Fischen, Bäumen, Kräutern und Blumen, in denen alles, was in Brasilien gesehen und gefunden wurde, im kleineren Maßstabe deutlich nach dem Leben abgebildet ist, mit

1) Siehe Fig. 4, der früher beschriebene gefleckte Stachelrochen Narinari.

LE

Breitenbach, Georg Marcgrave. 27

beigesetzten Namen, Eigenschaften und Eigentümlichkeiten (auf besonderen Zetteln). Nr. 15 enthalt mehr als 100 Abbildungen von Indianern in Ol auf Papier und diese sind nicht gebunden“,

Driesen bemerkt, daß der erste von diesen unter Nr. 14 auf- geführten Banden 455, der zweite 488 Blatter enthielt, die in der Regel nur eine Abbildung aufweisen, während das Inventar an einer Stelle von 100 und an einer anderen von „mehreren Hundert“ spricht. Da aber die Gesamtzahl in der Sammlung heute 1460 beträgt, so meint DrieseN (S. 109), es sei nur eine kleine Anzahl durch Kauf erworben worden, der größere Teil sei dem Kur- fürsten vom Grafen Moritz geschenkt worden.

Es erhebt sich nun von selbst die interessante Frage, wer diese Zeichnungen gemacht hat. Wir wissen von Mancer, daß Marcerave ein geschickter Zeichner war. In seiner Dedikation der „Historiae Rerum Naturalium Brasiliae“ sagt Marccrave, daß er die in ihr enthaltenen Zeichnungen nach dem Leben angefertigt habe. De Laer sagt in seiner Inhaltsgabe von Marccraves acht Büchern, daf die Abbildungen vom Verfasser gemacht worden seien. Ein Vergleich der Figuren in Marccraves Buch mit den beiden Sammlungen von Bildern zeigt deutlich, daf die ersteren nach den Wasserfarben-Zeichnungen hergestellt worden sind. Daher darf man wohl mit Recht schließen, daß Marccrave die Wasser- farben-Zeichnungen gemacht hat.

Da aber diese Zeichnungen Notizen in der Handschrift des Grafen Morirz tragen (Mentzer und andere sagen ausdrücklich, daß sie vom Grafen herrühren), so meinen ScHnEIDER, BLocH und Swainson, daß der Graf die Zeichnungen. angefertigt habe. Andererseits stellt Lichrenstem folgende treffende Vermutung auf:

- . man kann vielleicht nicht ohne Grund annehmen, daß der Fürst, der Marccrave sehr gern hatte, dieser und nicht der größeren Sammlung Bemerkungen in seiner eigenen Handschrift hinzufügte“.

Ich selbst habe gute Gründe zu glauben, daß Fürst Morirz einige dieser Zeichnungen selbst gemacht hat. LicHTENSTEIN er- zählt, daß der Fürst „mit seinen gelehrten Gehilfen die Pflanzen und Tiere des Landes studierte, beschrieb, und zeichnete“.

Ein Vergleich der Handschrift unter der Wasserfarben- zeichnung des gefleckten Stachelrochen mit dem Facsimile eines Briefes des Grafen Morrrz, den Driesen mitteilt, führt zu der Ansicht, daß beide von derselben Hand geschrieben sind.

28 Breitenbach, Georg Marcgrave.

Lichtenstein, der sich tiefer als ein anderer in die Frage nach dem Urheber dieser Zeichnungen versenkt hat, hat sich mit dem Glauben begnügt, daß die meisten von Marccrave stammten. Hier mögen die fünf Punkte folgen, auf denen dieser Glaube be- ruht: 1. Marccrave sagt, daß er sie gemacht habe und BaArLAEUS bestätigt das; 2. die Buchstaben, mit denen die Namen ge- schrieben sind, sind in ihrem Charakter mehr deutsch als hol- landisch; 3. in Form und Farbe stimmen sie mehr mit Marccraves Beschreibungen überein; 4. die Holzschnitte in Marccraves Text sind zum größten Teil nach ihnen hergestellt worden; 5. Niemand anders als Marccrave hätte sie machen können. Er vermutet aber weiter, daß sie Kopien der Ölbilder seien, da sie kleiner und weniger geschickt ausgeführt seien. Die beiden Abbildungen des gefleckten Stachelrochen, die ich hier wiedergebe, sind die ein- zigen, die ich gesehen habe, aber ich zweifle nicht, daß die Wasser- farben-Zeichnung nach dem Leben gemacht ist und daß, wenn eine eine Kopie ist, es die Ölzeichnung sein wird, die aber mehr aus- sieht, als sei sie nach einem toten und getrockneten Exemplar angefertigt worden. Nach meiner Meinung kann es nicht zweifel- haft sein, daß Marccrave alle oder doch fast alle diese Wasser- farben-Zeichnungen gemacht hat.

Nicht so bestimmt ist die Urheberschaft der Ölbilder, von denen LicHTENSTEIN vermutet, sie seien von gewissen „namenlosen Künstlern‘ gemacht, die den Grafen Moritz nach Brasilien be- gleitet hätten. Cuvier und Varenciennes und auch Drirsen be- gnügen sich damit zu sagen, daß sie auf Befehl des Grafen ge- malt worden seien. Pıso sagt in der En une zu dem Folio- Werk von 1658:

„Ich habe Abbildungen beigegeben, die von dem Maler, der mit mir durch diese Wildnisse wanderte, nach dem Leben ge- zeichnet sind“.

Danach scheint es ziemlich festzustehen, daß Graf Morrrz außer Marccrave noch einen anderen Zeichner bei sich hatte. Indessen klärt Drizrsen (1849) dieses Geheimnis auf. Er sagt:

„Herr Waagen, Direktor der Gemäldegallerie des Berliner Museums, hat versichert, der Maler sei Franz Porr aus Harlem, der Bruder des berühmten Architekten Perer Porr. Holländische Autoren berichten ausdrücklich, daß JonHann Moritz gewisse bra- silianische Landschaftsbilder sehr gelobt habe, die Franz Port auf Segeltuch gemalt und aus Brasilien mitgebracht habe“.

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Breitenbach, Georg Marcgrave. 29

Nun war aber Prrer Porr mit dem Grafen Morirz in Bra- silien und der Erbauer des Freiburg genannten Palastes und der umgebenden Gärten auf der Insel Antonio Vaez (NiexHorr) Daß sein Bruder ihn begleitet habe, erscheint sehr wahrscheinlich.

Martius (1853—55) kommt zu fast genau demselben Schluß und es ist wahrscheinlich, daß er seine Angaben DRIESsEN ent- nommen hat. Er stellt ausdrücklich fest, daß dieser Künstler mit dem Grafen aus Brasilien zurückkam. Eine weitere Bestätigung findet diese Vermutung bei Dr Larr in seiner „L’Histoire de Nouveau Monde ou Description des Indes Occidentales‘ (1640):

„Ich habe von einem gewissen jungen Landsmann, der ein ganz geschickter Maler ist, drei Abbildungen von anderen Fischen erhalten, die irgendwo aus jenem Meere stammen (Maranham oder der Nordostküste Brasiliens)“.

Diese Abbildungen gleichen so auffallend denen in Marc- GRAVES Buch, daß sie mit demselben Druckstock gedruckt sein müssen oder daß doch beide Druckstöcke nach derselben Zeichnung angefertigt sein müssen. Es ist natürlich möglich, daß dieser „ge- wisse junge Mann“ Marccrave selbst war.

Fassen wir die wissenschaftlichen Früchte des Lebens GEorG Marccraves zum Schluß kurz zusammen. Von seiner „Progym- nastica Mathematica Americana‘ ist nur ein Bruchstück erhalten. Seine glänzende „Historia Rerum Naturalium Brasiliae“ wurde von fremder Hand herausgegeben. Seine prächtigen naturwissen- schaftlichen Zeichnungen, wie man solche vorher noch nicht gesehen hatte, waren für die Welt ı50 Jahre lang verloren. Seine glänzenden Sammlungen wurden in alle vier Winde zer- streut. Sein Schicksal ist wahrhaft tragisch. Gestorben im Alter von 34 Jahren auf der Höhe seiner Fähigkeiten, welch’ ein Verlust für die Welt! Rufen wir uns die Ergebnisse seines sechs und einhalbjährigen Aufenthaltesin Brasilien ins Gedächtnis zurück! Was würde es für die Wissenschaft bedeutet haben, hätte er seine Manuskripte selbst herausgeben, seine Zeich- nungen selbst veröffentlichen, seine Sammlungen selbst beschreiben können, kurz hätte er die von ihm geplante „Naturgeschichte von Brasilien“ selbst herausgeben können, die die Bewohner der Luft, des Landes und des Wassers umfassen sollte und von der uns glänzende Bruchstücke erhalten sind, als ein gewaltiges Denkmal seines Genius. Wohl kann Lichtenstein sie ein „kost-

==) 294.4

30 Breitenbach, Georg Marcgrave.

bares Vermächtnis“ nennen und fragen, ob von irgend einem anderen Lande bei seiner ersten Erforschung ein gleich voll- ständiger und erschöpfender Bericht über dessen Naturgeschichte vorhanden sei. Und weiter schreibt LIcHTENSTEIN:

„Das alles . . . ist... nur ein kleiner Teil von dem, was er in einem längeren Leben vollführt haben würde und ein Beispiel eines beklagenswerten Schicksals, das einen so befähigten Forscher so früh aus dem Leben rief. Wie viele Irrtümer, wie viele leere Vermutungen, wie viele zwecklose Debatten würden uns erspart geblieben sein, wenn Marccrave selbst in der Lage gewesen wäre, seine Beobachtungen zu ordnen und zu veröffentlichen“.

Wäre er am Leben geblieben, so würde nach meiner Ansicht unsere Kenntnis der Naturgeschichte Brasiliens im Jahre 1650 weiter vorgeschritten gewesen sein als sie es im Jahre 1800 war.

Nachdem er den Gefahren der Tiefe, den Zufällen und Epi- demien des Lagers und der Belagerung entgangen war (bei zwei Gelegenheiten, bei denen er eben mit dem Leben davonkam), nachdem er glücklich durch die Gefahren des Waldes und des Wassers, des Fiebers, der wilden Tiere, der giftigen Schlangen und der menschenfressenden Wilden hindurch gekommen war, starb dieser begabte Mann an endemischem Fieber in jenem schrecklichen, Fieberloch, an der Goldküste Westafrikas. Mit 34 Jahren auf dem Höhepunkte seiner Fähigkeiten zu sterben, sein großes Werk unvollendet zu lassen, welch’ ein Verlust für die Welt! Mit Recht darf LicHrENsTEIN ihn einen großen Helden der Wissenschaft nennen.

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Supplement zu C. O. Waterhouses Index Zoologicus No. II.

Von Franz Poche, Wien.

Vor kurzem erschien die im Titel genannte Arbeit WATER- HOUSE’S (1912), die gewiss von allen systematisch arbeitenden Zoologen aufs freudigste begrüsst worden ist. Ein ganz besonderes Verdienst hat sich der Verfasser dadurch erworben, daß er sich nicht darauf beschränkte, die im Zool. Rec., Bd. 38—47, und im Intern. Cat. Sci. Lit, N, Zool, Jg. 1—10 (für 1901—ıg10) ent- haltenen neuen Gattungs- (und Untergattungs-) Namen in einem Alphabet zu vereinigen, was die Hauptaufgabe des Werkes war, sondern sich bestrebte, auch möglichst viele andere vor 1911 ein- geführte Gattungsnamen, die aber weder in jenen Werken noch in WATERHOUSE (1902) noch in ScuppER (1882, 2) enthalten sind, zu sammeln, so daß es im Vereine mit diesen beiden Veröffent- lichungen ein vollständiges Verzeichnis der bis Ende ıgıo ein- geführten Gattungsnamen bilden sollte. Angesichts der großen Wichtigkeit nun, die der tunlichst vollständigen Sammlung dieser in mehrfacher Hinsicht zukommt wie ich 1908, p. 273 näher ausgeführt habe —, möchte ich im folgenden eine Anzahl von Lücken in WATERHOUSE, 1912, wie sie nach der Natur des Werkes ganz unvermeidlich sind, bzw. in den beiden anderen gedachten

Publikationen, ausfüllen. Im Interesse der Sache muß ich hier darauf hinweisen, daß außer den von WATERHouSsE (1912, p. III f.) angeführten und be- nützten von verschiedenen Autoren veröffentlichten Ergänzungen zu seiner früheren Arbeit (1902) noch -andere solche erschienen sind, die von ihm nicht benützt wurden. Es sind dies die von mir bereits 1908, p. 274 angeführte und kurz besprochene Arbeit

Zool. Annalen VI. 3

I

34 Poche, Supplement zu C. O. Waterhouses Index Zoologicus No. II.

von Csıkı, und Ricumonp, 1903 [ca. 20 Namen, aber ohne Zitat, nur mit Angabe des Autors und des Datums, und überdies ein paar Berichtigungen; durchwegs Vögel. Die in diesen ent- haltenen Namen fehlen daher wenigstens im allgemeinen in WATERHOUSE, t. c. Von so großem Vorteile es nun auch wäre, diese Namen mit den nachstehend angeführten in einer Arbeit vereinigt zu haben, statt sie in drei verschiedenen Zeitschriften suchen zu müssen, so sehe ich doch, insbesondere aus Gründen der Raumerparnis, davon ab, dies im folgenden zu tun.

Die vorliegende Publikation stellt durchaus eine Originalarbeit dar. Neben in den genannten Arbeiten ganz fehlenden Namen bringe ich im folgenden auch eine Anzahl von Berichtigungen zu jenen. Hierbei gebe ich stets auch die in jenen enthaltene be- zügliche Information genau wieder, einerseits um den betreffenden Autoren Gerechtigkeit widerfahren zu lassen, andererseits um darauf hinzuweisen, dass die fraglichen Namen mit schon in jenen ent- haltenen identisch und daher letztere nicht etwa neben ihnen anzuführen sind; und in jenen Fällen, wo der Name selbst un- richtig wiedergegeben ist, führe ich ihn überdies auch in dieser Form an der betreffenden Stelle des Alphabets in und mit einem entsprechenden Hinweis an, um die Aufmerksamkeit auf die Notwendigkeit seiner Streichung aus den Listen in dieser Form zu lenken. Ferner sei speziell auf die ausschlaggebende Wichtigkeit hingewiesen, die der Feststellung der tatsächlichen Zeit der Einführung eines Namens bei der Entscheidung von Prioritätsfragen oft zukommt. Ich betone aber ausdrücklich, daß die Verantwortung für fast alle diese Unrichtigkeiten und Unvollständigkeiten nicht die Verfasser der betreffenden Ver- öffentlichungen, die ja zum weitaus größten Teil nicht Original- arbeiten, sondern Kompilationen sind und sein wollen, sondern den der von ihnen jeweils benützten Quelle trifft.

Die Gesamtzahl der nachstehend angeführten Namen beträgt ca. 240.

Bei jedem Namen gebe ich die Klasse an, in die die be- treffende Gattung tatsächlich gehört. Dabei lege ich durchgehends das von mir (1911) aufgestellte System des Tierreichs zu- grunde, was zur Vermeidung von Mißverständnissen wohl zu be- achten ist.

Zusätze in | ] rühren, wenn nicht ausdrücklich das Gegenteil angegeben ist, stets von mir her. Scupper, 1882, 2 führe ich der

d

Poche, Supplement zu C. O. Waterhouses Index Zoologicus No. II. 35

Kürze halber stets bloß als Scupper an. Wo ich neben der ersten Seitenzahl auf eine zweite hinweise (cf. p....) —, ent- hält die letztere Stelle nomenklatorisch oder sachlich wichtige Angaben, so insbesondere die Kennzeichnung, die Angabe, daß es sich um einen neuen Namen handelt, usw.

Zu beachten ist endlich, daß WATERHouSsE (1912) Namen, die ich (1908) ausdrücklich als nomina nuda angeführt hatte, durch- wegs ohne diesen Zusatz anführt, und überdies in Fällen, wo Namen bei ihrer ersten Veröffentlichung nomina nuda darstellten, später aber in Begleitung einer Kennzeichnung ver- öffentlicht ‘wurden, und wo ich daher diese letztere Stelle gleich- falls zitierte, dieses Zitat weglässt. Es ist also eine allerdings geringe Anzahl der von ihm angeführten Namen, wenigstens auf Grund der von ihm zitierten Stelle, überhaupt nicht zu- lässig (cf. darüber Pocus, 1912, p. 6f). Ein so wichtiger Um- stand dies natürlich ist, so führe ich doch aus Rücksicht auf den Raum diese Fälle im folgenden nicht einzeln an, zumal sie sich an der Hand meiner erstgenannten Arbeit ohnedies relativ leicht feststellen lassen.

Abu-defduf [corr.: Abudefduf] Forskal, Descript. Animalium, 1775, p. 59. Pisces.

Abu Hamrur [corr.: Abuhamrur] Forskäl, Descript. Animalium, 1775, P- 44. Pisces.

Acanthorhinus Blainville, Journ. Phys. Chim. Hist. nat. Arts 83, 1816, p. Selachii. [In Scudder als ,,Acanthorhinus Blainv. Pisc. 1828. A.“ a geführt.]

Acanthurus W. Bertoni, An. Cient. Parag. 1901, p. 72. Reptilia.

„Actinotrochidea Poche ’08 Verm. 47“ in Waterhouse, 1912: delendum [ist kein Gattungs-, sondern ein Ordnungsname].

Aérornis W. Bertoni, An. Cient. Parag. Igor, p. 66. Reptilia.

Agreocantor a Direct. Birds East. North America, 1907, p. 243. Reptilia. [Cit. nach „Committee“: Allen, Richmond, Brewer, Dwight, Merriam, Ridgway, Stone, Auk 26, 1909, p. 301.]

Allomorpiime Reuss, Denkschr. kais. Ai Wiss., Math.-natwiss. Cl., 1, 1850, 1. Abth., p. 380. Rhizopoda. [In Scudder als ,,Allomorphina Reuss. Prot. 1861. M.“ angefihrt.] GESSO

Allorchestes Dana, Amer. Journ. Sci. Arts (2) 8, 1849, p. 136. Carci- noidea. [In Scudder als „Allorchestes Dana. Crust. 1852 M.“ angeführt.]

Amphibelone Haeckel, Radiolarien, 1862, p. 292. Rhizopoda. [In Water-

~ house, 1902, als noe Haeckel, ’81, Prot. 20“ angeführt.]

„Anapas, Bergendal, ’92, Verm. 85“ in Waterhouse, 1902: delendum [vide Anapus]. 3

je

30 Poche, Supplement zu C. O. Waterhouses Index Zoologicus No II.

Anapus Bergendal, Bih. Svenska Vet. Akad. Handl. 18, Afd. IV, Nr. 4, 1893, p. 18. Rotifera. [In Waterhouse, 1902, angeführt als , Anapas, Bergen- dal, ’92, Verm. 85“.]

Anisodontes Rosen, Ann. Mag. Nat. Hist. (7) 16, 1905, p. 128. Reptilia. -

Anodontohyla Boulenger, Ann. Mag. Nat. Hist. (7) 13, 1904, p. 44. Amphibia.

Aptus Sharpe, Hand-list Gen. Spec. Birds, 5, 1909, p. 511 (cf. p. 645). Reptilia.

Autonoe Bruzelius, Svenska Vet.-Akad. Handl. (N. S.) 3, 1859, 1860, Nr. 1 1859, p. 23. Carcinoidea. [In Scudder als , Autonoe Bruz. Crust. 1861. M.“ angeführt.]

Avagina [Leiper], Nature 66, 1902, p. 641. Planarioidea.

Aymardia Trouessart, Cat. Mammalium, Quinquenn. Suppl. 1904, 1904, p. 224. Mammalia.

Azuria Maynard, Direct. Birds East. North America, 1907, p. 238. Reptilia. [Cit. nach ,, Committee“: Allen, Richmond, Brewster, Dwight, Merriam, Ridgway, Stone, Auk 26, 1909, p. 301.] >

Barnesia W. Bertoni, An. Cient. Parag. 1901, p. 77. Reptilia.

Bergia W. Bertoni, An. Cient. Parag. 1901, p. 86. Reptilia.

Berlepschia W. Bertoni, An. Cient. Parag. 1901, p. 114. Reptilia.

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Caeruleocantor Maynard, Direct. Birds East. North America, 1907, p. 236. Reptilia. [Cit. nach ,, Committee“: Allen, Richmond, Brewster, Dwight, Merriam, Ridgway, Stone, Auk 26, 1909, p. 301.]

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Campecopea [Leach in litt., Brewster, Edinburgh Encyclop., 7, 1830, [1813/14], p. 387 (cf. p. 405). Carcinoidea. [In Scudder als ,Campe- copea Leach. Crust. 1818. A.“ angeführt.]

Campylorhamphus W. Bertoni, An. Cient. Parag. IgoI, p. 70. Reptilia.

yCaryophyllus Bloch. Verm. 1782. A,“ in Scudder: delendum [vide Chario- phyllus].

Cassidulus Lamarck, Syst. Anim. sans Vertèbres, 1801, p. 348. Echinoidea. [In Scudder als ,Cassidulus Lam. Ech. 1816. A.“ angeführt.]

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Ceraphanes W. Bertoni, An. Cient. Parag. 1901, p. 115. Reptilia.

4

Poche, Supplement zu C. O. Waterhouses Index Zoologicus No. II. 37

Chaitophoroides Mordwilko, Ann. Mus. Zool. Acad. Sci. St.-Pétersbourg 13, 1908, 1909, p. 382. Insecta.

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Chamaebates W. Bertoni, An. Cient. Parag. 1901, p. 150. Reptilia.

Chariophyllus Bloch, Abh. Erzeug. Eingeweidewirmer Mitt. wid. dieselb., 1782, p. 34. Cestoidea. [In Scudder als „Caryophyllus Bloch. Verm. 1782. A.“ angefiihrt. ]

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yCoenomorphina, Blochmann, ’93, Prot. 33“ in Waterhouse, 1902: delendum [s. Caenomorphina. ]

Colomastix Grube, Ausfl. Triest Quarnero, 1861, p. 125 (cf. p. 137). Carcinoidea. [In Scudder als „Colomastix Grube. Crust. 1864. M." an- gefiihrt. ]

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„Conopothorax Oberholser ’o5 Aves 66“ in Waterhouse, 1912: delendum [vide Conopotheras].

38 Poche, Supplement zu C. O. Waterhouses Index Zoologicus No. II.

Corynosoma Lühe, Zool. Ann. 1, 1904, p. 231. Acanthocephaloidea.

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Cyphinidura Haeckel, Rep. Radiolaria Challenger (in: Rep. Voyage Chal- lenger, Zool., 18), 1887, 1. T., p. 372. Rhizopoda. [In Waterhouse, 1912, als: ,Cyphinodura Haeckel 1887 Rhizop.; Challenger XVIII pt. 1, 372“ angefihrt. |

„Cyphinodoma Haeckel 1897 Rhizop ; Challenger XVIII pt. 1, 371“ in Water- house, 1912: delendum [vide Cyphinidoma].

„Cyphinodura Haeckel 1887 Rhizop.; Challenger XVIII pt. 1, 372“ in Water- house, 1912: delendum [vide Cyphinidura].

„Daphaenositta, De Vis, ’97, Aves 47“ in Waterhouse, 1902: delendum [vide Daphoenositta ].

Daphoenositta De Vis, Ibis (7) 3, 1897, p. 380. Reptilia. [In Water- house, 1902, als „Daphaenositta, De Vis, ’97, Aves 47“ angeführt.]

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Dendrocichla Sharpe, Hand-List Gen. Spec. Birds, 3, 1901, p. 74. Reptilia.

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Diomedea Linnaeus, Syst. Nat, 10. Aufl., 1, 1758, p. 84 (cf. p. 132). Rep- tilia. [In Scudder als „Diomedea Linn. 1766. Aves. A.“ angeführt.]

Diplochilus W. Bertoni, An. Cient. Parag. 1901, p. 88. Reptilia.

Dipsadoides Annandale, Journ. Proc. As. Soc. Bengal 1, 1905, p. 212. Reptilia.

Dissemuropsis Dubois, Synops. Avium, 1. T., 1901, p. 532. Reptilia. Dryomys Thomas, Proc. Zool. Soc. London 1905, 2, 1906, p. 347. Mammalia. Echinogaster Monticelli, Ann. Mus. Zool. Univ. Napoli (N. S.) 1, Nr. 25,

1905, p. 11. Acanthocephaloidea.

E dwardsia O.-G. Costa, Cenni Zool. Descr. somm. Spec. nuov. Anim., 1834, p. 62. Carcinoidea. [In Waterhotise, 1902, als „Edwardsia, Cosfa, ’40, Crust.; [Z]“ (die [ ] ist von Waterhouse d. Verf.) angeführt.]

Ehrenbergina Reuss, Denkschr. kais. Akad. Wiss., Math.-natwiss. Cl., 1, 1850, 1. Abth., p. 377. Rhizopoda. [In Scudder als ,Ehrenbergina Reuss. Prot. 1861. M.“ angefiihrt.]

Poche, Supplement zu €. O. Waterhouses Index Zoologicus No. II. 39

Elasmocera Rondani, Ann. Accad. Aspir. Nat. Napoli 2, 1845—1846, 1846, p. 152. Insecta. [In Scudder als ,Elasmocera Rond. Dipt. 1856. M.“ angeführt.]

Ellopostoma Vaillant, Notes Leyden Mus. 24, 1902, p. 145. Pisces.

Embrithopoda Andrews, Nature 73, 1906, p. 224. Mammalia.

Endophrys Przesmycki [errore: Ppzesmycki (cf. p. 334)], Anz. Akad. Wiss. Krakau 1901, Math.-Natwiss. Cl., p. 367 (cf. p. 373). Rhizopoda.

Eriopsis Wrzesniowski, Zeitschr. wiss. Zool. 50, 1890, p. 632. Carcinoidea. [In Waterhouse, 1912, als: ,Eriopsis Moehring 1758 Aves; Geslacht. Vogel. Nozeman u. Vosmaer 26“ angeführt.]

Euchromulina Lemmermann, Algen I (Schizophyceen, Flagellaten, Peri- dineen) (in: Kryptogamenflora Mark Brandenburg angrenz. Gebiete, heraus- geg. von dem Botanischen Verein der Provinz Brandenburg, 3), Heft II, 1908, p. 418 (cf. p. 420). Flagellata.

Eulepocinclis Lemmermann, Algen I (Schizophyceen, Flagellaten, Peri- dineen) (in: Kryptogamenflora Mark Brandenburg angrenz. Gebiete, heraus- geg. von dem Botanischen Verein der Provinz Brandenburg, 3), Heft IV, 1910, p. 503. Flagellata.

Euphacus Lemmermann, Ber. deutsch. bot. Ges. 19, 1901, p. 88. Flagellata.

Eurrhinospiza Bianchi, Ann. Mus. Zool. Acad. Sci. St.-Petersbourg 12, 1907, 1908, p. 569 (cf. p. 572). Reptilia.

Eurystheus Bate, Rep. Brit. Assoc. Adv. Sci. 25, 1855, 1856, Rep. State Sci., p. 58 [nom. nud.]; u. Ann. Mag. Nat. Hist. (2) 19, 1857, p. 143. Carcinoidea. [In Scudder als „Eurytheus Bate. Crust. 1857. M.“ angeführt.]

Eurytenes Lilljeborg, Nov. Act. Soc. Sci. Upsal. (3) 6, Nr. 1, 1865, p. 11. Carcinoidea. [In Scudder als „Eurythenes Lillj. Crust. 1865. S.“ angeführt.]

„Eurythenes Lillj. Crust. 1865. S.“ in Scudder: delendum [vide Eurytenes].

„Eurytheus Bate. Crust. 1857. M.“ in Scudder: delendum [vide Eurystheus].

Fissula Lamarck, Syst. Anim. sans Vertébres, 1801, p. 339. Nematoidea. [In Scudder als ,Fissula Bosc. Verm. A.“ angeführt.]

Fissurina Reuss, Denkschr. kais. Akad. Wiss., Math.-natwiss. Cl. 1, 1850, 1. Abth., p. 366. Rnizopoda. [In Scudder als ,Fissurina Reuss. Prot. 1861. M.“ angeführt.]

Fruticantor Maynard, Direct. Birds East. North America, 1907, p. 246. Reptilia. [Cit. nach ,, Committee“: Allen, Richmond, Brewster, Dwight, Merriam, Ridgway, Stone, Auk 26, 1909, p. 301.]

Frutiornis Maynard, Direct. Birds East. North America, 1907, p. 251. Reptilia. [Cit. nach ,, Committee“: Allen, Richmond, Brewster, Dwight, Merriam, Ridgway, Stone, Auk 26, 1909, p. 301. ]

Galerites Lamarck, Syst. Anim. sans Vertèbres, 1801, p. 346. Echinoidea. [In Scudder als ,Galerites Lam. Ech. 1816. A.“ angeführt.]

Genarches Looss, Zool. Jahrb., Syst., 16, 1902, p. 732. -— Planarioidea.

Geoffroya Sherborn, Index Animal., 1, 1902, p. 414. —- Insecta.

Geooecia W. Bertoni, An. Cient. Parag. 1901, p. 79. Reptilia.

Geophilus W. Bertoni, An. Cient. Parag. 1001, p. 43. Reptilia.

„Gnoremopsar Richmond ’08 Aves 146“ in Waterhouse, 1912: delendum [vide Gnorimopsar]. |

40 Poche, Supplement zu C. O. Waterhouses Index Zoologicus No. II.

Gnorimopsar Richmond, Proc. United States Nat. Mus. 35, 1909, 1908, p. 584. Reptilia. [In Waterhouse, 1912, als „Gnoremopsar Richmond ’o8 Aves 146“ angeführt.]

Grateloupina Dall, Proc. United States Nat. Mus. 26, 1902, p. 348. Lamellibranchia.

Greeniella Banks, Proc. United States Nat. Mus. 28, 1904, p. 56. Arachnoidea.

Gùmbelia Prever, Nummuliti Forca di Presta dint. Potenza (in: Mém. Soc. Paléont. Suisse 29), 1902, p. 11. Rhizopoda.

Guercioja Mordwilko, Ann. Mus. Zool. Acad. Sci. St..Pétersbourg 13, 1908, 1909, p. 361. Insecta.

Gueriniella M. E. Fernald, Cat. Coccidae World, 1903, p. 331. Insecta.

Gymnodinium Stein, Organism. Infusionsthiere, III. Abth, 1. H., 1878, p 80. Flagellata. [In Waterhouse, 1902, als ,Gymnodinium Stein, 83 Prot. 10“ angeführt.]

Halcampomorphe Carlgren, Svenska Vet.-Akad. Handl. (N. F.) 25, 1892, No. 10, 1893, p. 38. Anthozoa.

Hantkenia Prever, Nummuliti Forca di Presta dint. Potenza (in: Mem. Soc. Paléont. Suisse 29), 1902, p. 11, Rhizopoda.

Heliocladus Haeckel, Nat. Schépfgesch., 7. Aufl., 1879, p. 705. Rhizopoda. [In Waterhouse, 1902, als „Heliocladus, Haeckel, 81, Prot. 20“ angeführt.]

Hemidinium Stein, Organism. Infusionsthiere, III. Abth., 1. H., 1878, p. ot. Flagellata. [In Waterhouse, 1902, als , Hemidinium, ‚Stein, 283, Prot. 10“ angefiihrt. |

Heterodontherium Trouessart, Cat. Mammalium, Quinquenn. Suppl. 1904, 1905, p. 811. -- Mammalia.

Hexancistra Haeckel, Nat. Schöpfgesch., 7. Aufl., 1879, p. 705. Rhizo- poda. [In Waterhouse, 1902, als ,Hexancistra, Haeckel, ’81, Prot. 19“ angeführt.]

Hicksonia Delage Hérouard, Traité Zool. Concr., 2, 2. T., 901, p. 386. Anthozoa.

Homalosoma Boulenger, Proc. Zool. Soc. London 1901, I, p. 270. Pisces. [Nach der beigegebenen Abbildung etc. ganz offenbar errore pro: Homa- loptera.]

Hydatis Lamarck, Syst. Anim. sans Vertèbres, 1801, p. 335. Cestoidea. [In Scudder als ,Hydatis Lam. Verm. 1816. A.“ angeführt.]

Hydnophorella Delage Hérouard, Traité Zool. Concr., 2, 2. T., Ig01, p. 628. Anthozoa.

Hydrolegus W. Bertoni, An. Cient. Parag. 1901, p. 74. Reptilia.

Hylocentrites W. Bertoni, An. Cient. Parag. 1901, p. 126. Reptilia.

Hyoboops Trouessart, Cat. Mammalium, Quinquenn. Suppl. 1904, 1905, p. 651. Mammalia.

Ibis Lacépède, Tabl. Méth. Mammiféres Oiseaux, An VII [1799], p. 18. Reptilia. [In Scudder als ,Ibis Cuv. Aves. 1817. A.“ angeführt.]

„los Jordan & Starks ’or Pisces 23“ in Waterhouse, 1912: delendum [vide Iso].

Iso Jordan u. Starks, Proc. United States Nat. Mus. 24, 1901, p. 204. Pisces. [In Waterhouse, 1912, als ‚los Jordan & Starks ’o1 Pisces 23“ angeführt.]

cal Oe

Poche, Supplement zu C. O. Waterhouses Index Zoologicus No. II. 41

Jabiru Hellmayr, Abh. math.-phys. Kl. Bayer. Akad. Wiss. 22, 1906, p. 711. Reptilia.

Klebsia Oifers, Schrift. Physik.-ökon. Ges. Königsberg 48, 1907, 1908, p. 8. Insecta.

Kreischeria Geinitz, Sitzber. Abh. Natwiss. Ges. Isis Dresden 1882, Abh., p- 31. Arachnoidea. [In Waterhouse, 1902, als ,,Kreischiria, Geinitz, ’82, Arachn. 23‘ angeführt.]

„Kreischiria, Geinitz, 82, Arachn. 23“ in Waterhouse, 1902: delendum [vide Kreischeria ].

Kuwania Cl[oc]k[ere]ll in M. E. Fernald, Cat. Coccidae World, 1903, p. 32. Insecta.

Kuwanina C[oc]k[ere]ll in M. E. Fernald, Cat. Coccidae World, 1903, p. 121. Insecta.

Laetmatophilus Bruzelius, Svenska Vet -Akad. Handl. (N. S.) 3, 1859, 1860, Nr. 1, [1859], p. 10. Carcinoidea. [In Scudder als ,,Laetmophilus Bruz. Crust. 1861. M.“ angeführt.]

„Laetmophilus Bruz. Crust. 1861. M.“ in Scudder: delendum [vide Laetmato- philus].

Laharpeia Prever, Nummuliti Forca di Presta dint. Potenza (in: Mém. Soc. Paléont. Suisse 29), 1902, p. 11. Rhizopoda.

Lepidopomus Meek, Publ. Field Columb. Mus., Zoòl. Ser., 5, 1904, p. 189 (cf. p. 190). Pisces.

Lepismodion Olfers, Schrift. Physik.-ökon. Ges. Königsberg 48, 1907, 1908, p. 16. Insecta.

Lepocincliella Lemmermann, Algen I (Schizophyceen, Flagellaten, Peri- dineen) (in: Kryptogamenflora Mark Brandenburg angrenz. Gebiete, herausgeg. von dem Botanischen Verein der Provinz Brandenburg, 3), Heft IV, 1910, p. 504. Flagellata.

„Leucoma Rôm. Moll. 1857. M.“ in Scudder: delendum [vide Leukoma].

Leukoma Römer, Krit. Untersuch. Art. Molluskengeschl. Venus bei Linné u. Gmelin, 1857, p. 17. Lamellibranchia. [In Scudder als ,,Leucoma Rôm. Moll. 1857. M.“ angeführt.]

Lineocantor Maynard, Direct. Birds East. North America, 1907, p. 240. Reptilia. [Cit. nach „Committee“: Allen, Richmond, Brewster, Dwight, Merriam, Ridgway, Stone, Auk 26, 1909, p. 301.]

Liocerca Looss, Zool. Jahrb., Syst., 16, 1902, p. 732. Planarioidea.

Loxiipasser Sharpe, Hand-list Gen. Spec. Birds, 5, 1909, p. 207. Reptilia.

Machilinus Silvestri, «Redia» 2, 1904, p. 2. Insecta.

Machilodes Olfers, Schrift. Physik.-ökon. Ges. Königsberg 48, 1907, 1908, p. 11. Insecta. È

Machilopsis Olfers, Schrift. Physik.-ökon. Ges. Königsberg 48, 1907, 1908, p. 10. Insecta.

Maculocantor Maynard, Direct. Birds East. North America, 1907, p. 238. Reptilia. [Cit. nach ,, Committee“: Allen, Richmond, Brewster, Dwight, Merriam, Ridgway, Stone, Auk 26, 1909, p. 301. ] .

Martinella Cockerell, Ann. Mag. Nat. Hist. (7) 12, 1903, p. 450. Insecta.

Megacephalus W. Bertoni, An. Cient. Parag. 1901, p. 39. Reptilia. _

42 Poche, Supplement zu C. O. Waterhouses Index Zoologicus No. IL.

Megascapheus Elliot, Field Columb. Mus., Zoòl. Ser., 3, 1903, p. 190. Mammalia.

Melanomys Thomas, Ann. Mag. Nat. Hist. (7) 10, 1902, p. 248. Mammalia.

Melithreptes Sharpe, Hand-list Gen. Spec. Birds, 5, 1909, p. 64. Reptilia.

Micraétus W. Bertoni, An. Cient. Parag. 1901, p. 156. Reptilia.

Micropa Olfers, Schrift. Physik.-ökon. Ges. Königsberg 48, 1907, 1908, p. 8. Insecta.

Microsqualodon Abel, Verh. Deutsch. Zool. Ges. 1905, p.94. Mammalia.

Microtrogon W. Bertoni, An. Cient. Parag. 1901, p. 41. Reptilia.

Myiophthorus W. Bertoni, An. Cient. Parag. 1901, p. 128. Reptilia.

Myiornis Bertoni, An. Cient. Parag. 1901, p. 129. —- Reptilia.

„Myiospiza, Ridgway, ’98, Aves 49“ in Waterhouse, 1902: delendum [vide Myospiza].

Myiospiza Sharpe, Aves (in: Zool. Rec. 35, 1898, 1899), p. 49. Reptilia.

Myospiza Ridgway, Auk (N. S.) 15, 1898, p. 224. Reptilia. [In Water- house, 1902, als ,,Myiospiza, Ridgway, ’98, Aves 49“ angeführt.]

Neodendroica Maynard, Warblers New England, 4. T., 1901, p. 69. Reptilia. [Cit. nach Richmond, Proc. United States Nat. Mus. 35, 1908, p. 625.]

Nesihierax Dubois, Synops. Avium, 2. T., 1902, p. 869. Reptilia.

Nesospiza [errore pro: Neospiza] Reichenow, Végel Afrikas, 3, 1904, p. 226 (cf. p. 278). Reptilia.

Notabilia Mordwilko, Ann. Mus. Zool. Acad. Sci. St.-Pétersbourg 13, 1908, 1909, p. 362. Insecta.

Ocellia Olters, Schrift. Physik.-ökon. Ges. Königsberg 48, 1907, 1908, P. 7. Insecta.

Odontocoelus Elliot, Publ. Field Columb. Mus., Zoòl. Ser., 4, 1. T., 1904, p. 68. Mammalia.

Odontocyrtus Trouessart, Cat. Mammalium, Quinquenn. Suppl. 1904, 1905, p. 860. Mammalia.

Omophora Olfers, Schrift. Physik.-ökon. Ges. Königsberg 48, 1907, 1908, p. 21. Insecta.

Oreomystes Sharpe, Hand-list Gen. Spec. Birds, 5, 1909, p. 132. Reptilia.

Orthezia [(Bosc) d’Antic (s. [d’Orthez], Obs. Phys. Hist. Nat. Arts 26, 1785, p. 207)], Obs. Phys. Hist. Nat. Arts 24, 1784, p. 171. Insecta.

„Pachlysa Berthold 1827 Hemiptera; Latreille Nat. Fam. Theirreichs [errrore pro: Thierreichs] 417“ in Waterhouse, 1912: delendum (vide Pachlysd).

Pachlysd Berthold in: Latreille, Nat. Famil. Thierreichs, 1827, p. 417. Insecta. [In Waterhouse, 1912, als „Pachlysa Berthold 1827 Hemiptera; Latreille Nat. Fam. Theirreichs [errore pro: Thierreichs] 417“ angeführt.]

Pachycordyle Weismann, Entsteh. Sexualzell. Hydromedusen, 1883, p. 87. Hydrozoa.

Palpiger Olfers, Schrift. Physik.-ökon. Ges. Königsberg 48, 1907, 1908, p. 19. Insecta.

Palpigeridia Olfers, Schrift. Physik.-ökon. Ges. Königsberg 48, 1907, 1908, p. 19. Insecta.

Palpigerina Olfers, Schrift. Physik.-6kon. Ges. Kònigsberg 48, 1907, 1908,

. p. 19. Insecta.

Poche, Supplement zu C. O. Waterhouses Index Zoologicus No. II. 43

„Parahydromys Thomas ’06 Mamm. 724 in Waterhouse, 1912: statt Thomas lies: Poche.

Paulomagus Howe, Suppl. Birds Rhode Island, 1903, p. 22. Reptilia. [Cit. nach ,,Committee“: Allen, Richmond, Brewster, Dwight, Merriam, Ridgway, Stone, Auk 21, 1904, p. 423.]

Perimenia Nierstrasz, Ergebn. Fortschr. Zool. 1, 1908, p. 291 (cf. p. 298).

Aplacophora. Phaedra Bate, Quart. Journ. Geol. Soc. London 15, 1859, 1. T., p. 138 (cf. p. 140). Carcinoidea. [In Scudder als ,,Phaedra Spence-Bate. Crust.

1862. S.“ angeführt.]

„Phalangodes Gerv. Arachn. 1842. A.“ in Scudder: delendum [vide Pha- langodus].

Phalangodus Gervais, Mag. Zool. 1842, Arachn., p. 3. Arachnoidea. [In Scudder als ,,Phalangodes Gerv. Arachn. 1842. A.“ angeführt.]

Phrynus (Oliv[ier] in) Lamarck, Syst. Anim. sans Vertèbres, 1801, p. 175. Arachnoidea. [In Scudder als ,,Phrynus. Latr. Arachn. 1802. A.“ an- geführt.]

Phyllobates W. Bertoni, An. Cient. Parag. 1901, p. 142. Reptilia.

Phyllooecia W. Bertoni, An. Cient. Parag. 1901, p. 120. Reptilia.

Physalia Lamarck, Syst. Anim. sans Vertèbres, 1801, p. 355. Hydrozoa. [In Scudder als ,,Physalia Lam. Acal. 1819. A.“ angeführt.]

Piceacantor Maynard, Direct. Birds East. North America, 1907, p. 2. Reptilia. [Cit. nach „Committee“: Allen, Richmond, Brewster, Dwight, Merriam, Ridgway, Stone, Auk 26, 1909, p. 301.]

Pinacantor Maynard, Direct. Birds East. North America, 1907, p. 244. Reptilia. [Cit. nach „Committee“: Allen, Richmond, Brewster, Dwight, Merriam, Ridgway, Stone, Auk 26, 1909, p. 301.]

Pitaria Dall, Proc: United States Nat. Mus. 26, 1902, p. 353. Lamelli- branchia.

Pneumonoeces Looss, Zool. Jahrb., Syst., 16, 1902, p. 732. Planarioidea.

„Polychaerus, Mark, °92, Verm. 72“ in Waterhouse, 1902: delendum [vide Polychoerus].

Polychoerus Mark, Festschr. siebenzigst. Geburtst. R. Leuckarts, 1892, p- 298. Planarioidea. [In Waterhouse, 1902, als ,,Polychaerus, Mark, ’o2, Verm. 72“ angeführt.]

Polystylus Olfers, Schrift. Physik.-ökon. Ges. Königsberg 48, 1907, 1908, p. 24. Insecta.

Pomphorhynchus Monticelli, Ann. Mus. Zool. Univ. Napoli (N. S.) 1, Nr. 25, 1905, p. 11. Acanthocephaloidea.

Poroperidinium Lemmermann, Algen I (Schizophyceen, Flagellaten, Peri- dineen) (in: Kryptogamenflora Mark Brandenburg angrenz. Gebiete, herausgeg. von dem Botanischen Verein der Provinz Brandenburg, 3), Heft IV, 1910, p. 657 (cf. p. 661). Flagellata.

Porpita Lamarck, Syst. Anim. sans Vertébres, 1801, p. 355. Hydrozoa. [In Scudder als ,,Porpita Lam. Acal. 1819. A.“ angeführt.]

Potamolegus W. Bertoni, An. Cient. Parag. 1901, p. 158. Reptilia.

Praemachilis Silvestri, »Redia« 2, 1904, p. 1. Insecta. {In Waterhouse, 1912, als „Praemachilus Syvestri ’05 Aptera; 5 751“ angeführt.]

44 Poche, Supplement zu C. O. Waterhouses Index Zoologicus No. II.

‚Praemachilus Silvesitri ’o5 Aptera; 5 751“ in Waterhouse, 1912: delendum [vide Praemachilis].

Prionochilus W. Bertoni, An. Cient. Parag. 1901, p. 8. Reptilia.

Procellisterna [Sclater u. Evans (?)], Ibis (8) 3, 1903, p. 417 (cf. p. 416). Reptilia.

Propareutatus Trouessart, Cat. Mammalium, Quinquenn. Suppl. 1904 1905, p. 815. Mammalia.

Protomonas Haeckel, Gener. Morpholog., 2, 1866, p. XXIII]. Rhizopoda. [In Waterhouse, 1902, als „Protomonas, Haeckel, ’68, Prot.; Jena Zeitschr. Naturw. IV p. 131“ angefiihrt. ]

Psaliurus W. Bertoni, An. Cient. Parag. 1901, p. 105. Reptilia.

Pseudo-aphrites [corr.: Pseudoaphrites] Zietz, Trans. Proc. Rep. Soc. South Australia 26, 1902, p. 266. Pisces.

Pyrorhamphus W. Bertoni, An. Cient. Parag. 1901, p. 85. Reptilia.

Pyrrhocorax Moehring, Geslacht. Vogelen, Ausg. v. Nozeman u. Vosmaer, 1758, p. I (cf. p. 15). Reptilia. [In Waterhouse, 1912, als „Pyrrhocoryx Moehring 1758 Aves; Geslacht. Vogel. Nozeman u. Vosmaer 1“ angeführt.]

yPyrrhocoryx Moehring 1758 Aves; Geslacht. Vogel. Nozeman u. Vosmaer 1“ in Waterhouse, 1912: delendum [vide Pyrrhocorax].

Razocorys Bianchi, Bull. Acad. Sci. St.-Pétersbourg (5) 23, 1905, Cl. Phys.- Math., p. 230. Reptilia. [In Waterhouse, 1912, als „Rhazocorys Bianchi ’o6 Aves 99° angeführt.]

Reganella C. H. Eigenmann, Science (N. S.) 21, 1905, p. 794. Pisces.

Renggerornis W. Bertoni, An. Cient. Parag. 1901, p. 130. Reptilia.

„Rhazocorys Bianchi ‘06 Aves 99“ in Waterhouse, 1912: delendum [vide Razocorys].

Rhiacichthys Boulenger, Proc. Zool. Soc. London 1903, 2, p. 124. Pisces.

Salacella Delage Hérouard, Traité Zool. Concr., 2, 2. T., 1901, p. 247. Hydrozoa.

Saphedera Looss, Zool. Jahrb., Syst., 16, 1902, p. 732. Planarioidea.

Saturnulus Haeckel, Nat. Schöpfgesch., 7. Aufl., 1879, p. 705. Rhizopoda. [In Waterhouse, 1902, als ,,Saturnulus, Haeckel, ’81, Prot. 19“ angeführt.]

Schizolachnus Mordwilko, Ann. Mus. Zool. Acad. Sci. St.-Pétersbourg 13, 1908, 1909, p. 375. Insecta.

Silvestrius (M. u. W. Bertoni in) W. Bertoni, An. Cient. Parag. 1901, p. 136.

Reptilia. Simocephalus Schödler, Jahrber. Louisenstädt. Realschule [Berlin] 1858, p. 17. Carcinoidea. [In Waterhouse, 1902, als „Simocephalus, Schrödler,

’58, Brach.“ angeführt.] :

Sinniculus Loman, Zool. Jahrb., Syst., 16, 1902, p. 198. Arachnoidea.

„Solenopoda Zarnik ’o7 Prot. 47“ in Waterhouse, 1912: delendum [ist kein Gattungs-, sondern ein Ordnungsname].

Sphenodontherium Trouessart, Cat. Mammalium, Quinquenn. Suppl. 1904, 1905, p. 794. Mammalia.

Spirophacus Lemmermann, Ber. deutsch. bot. Ges. 19, 1901, p. 88. Flagellata.

Sporothraupis Sharpe, Hand-list Gen. Spec. Birds, 5, 1909, p. 379. Reptilia.

Poche, Supplement zu C. O. Waterhouses Index Zoologicus No. II. 45

Spumaria Persoon, Neu. Mag. Bot. 1, 1794, p. 88. Rhizopoda. [In Water- house, 1912, als ,Spumaria Persoon 1894 Rhizop.; Neu. Mag. Bot. I 88" angefihrt.]

Steinina Léger et Duboscq, Arch. Protistk. 4, 1904, p. 351 (cf. p. 352). Sporozoa.

Stylonotus Olfers, Schrift. Physik.-ökon. Ges. Königsberg 48, 1907, 1908, p. 20. Insecta.

Sylviocantor Maynard, Direct. Birds East. North America, 1907, p. 239. Reptilia. [Cit. nach „Committee“: Allen, Richmond, Brewster, Dwight, Merriam, Ridgway, Stone, Auk 26, 1909, p. 301. |

Tangarius Sharpe, Hand-list Gen. Spec. Birds, 5, 1909, p. 489. Reptilia.

Tatus Trouessart, Cat. Mammalium, Quinquenn. Suppl. 1904, 1905, p. 813. Mammalia.

Tenes Thomas, Ann. Mag. Nat. Hist. (8) 3, 1909, p. 468. Mammalia.

Terracantor Maynard, Direct. Birds East. North America, 1907, p. 245. Reptilia. [Cit. rach ,, Committee“: Allen, Richmond, Brewster, Dwight, Merriam, Ridgway, Stone, Auk 26, 1909, p. 301.]

Tetrameres Creplin, Arch. Natgesch., 12. Jg., 1, 1846, p. 130. Nematoidea.

Theileria Bettencourt, Franca & Borges, Arch. Inst. Bacter. Camara Pe- Stana I, 1907, p. 343 (cf. p. 346). Sporozoa.

Thrasyaccipiter (M. u. W. Bertoni in) W. Bertoni, An. Cient. Parag. 1901, p. 164. Reptilia.

Triaenura Olfers, Schrift. Physik.-ökon. Ges. Königsberg 48, 1907, 1908,

. p. 26. Insecta.

Trichocerca (Cuvlier] in) Lamarck, Syst. Anim. sans Vertèbres, 1801, p. 394. Rotifera. [In Scudder als „Trichocerca Lam. Rot. 1816. A.“ angeführt ]

Tricomys Trouessart, Cat. Mammalium, Quinquenn. Suppl. 1904, 1904, p. 504. Mammalia.

Tricranastrum Haeckel, Nat. Schöpfgesch., 7. Aufl., 1879, p. 705. Rhizo- poda. [In Waterhouse, 1902, als „Tricranastrum, Haeckel, ’81, Prot. 20“ angefùhrt.]

„Iriopes Schranck 1803 Crust.“ in Waterhouse, 1912: delendum [vide Triops in Poche, 1908, p. 339.]

Tuberolachnus Mordwilko, Ann. Mus. Zool. Acad. Sci. St.-Pétersbourg 13, 1908, 1909, p. 374. Insecta.

Urobarrouxia Mesnil, Bull. Inst. Pasteur 1, 1903, p. 479. Sporozoa.

Vaillantella Fowler, Proc. Acad. Nat. Sci. Philadelphia 57, 1905, p. 474. Pisces. [In Waterhouse, 1912, als: ,,Vaillentella Fowler ’05 Pisces; 5 118“ angefùhrt.]

„Vaillentella Fowler ‘os Pisces; 5 118“ in Waterhouse, 1912: delendum [vide Vaillantella].

Vireocantor Maynard, Direct. Birds East. North America, 1907, p. 242. Reptilia. [Cit. nach „Committee“: Allen, Richmond, Brewster, Dwight, Merriam, Ridgway, Stone, Auk 26, 1909, p. 301.]

Willia L. Agassiz, Contrib. Nat. Hist. United States, 4, 1842, p. 346. Hydrozoa. [In Scudder als „Willia Haeck. Acal. 1879. S.“ angeführt.]

46 Poche, Supplement zu C. O. Waterhouses Index Zoologicus No. II.

Eiteraturverzeichnns.

(Mit Ausschluss der lediglich in den Zitaten von Gattungsnamen angeführten Veröffentlichungen.)

Poche, F. (1908), Supplement zu C. O. Waterhouses Index Zoologicus. (Zool. Ann. 2, p. 273-343.)

Poche, F. (1911), Die Klassen und höheren Gruppen des Tierreichs. (Arch. Natgesch., 77. Jg., 1, 1. Supplhft., p. 63—136.)

Poche, F. (1912), Die Bestimmung des Typus von Gattungen ohne urspriing- lichen solchen, die vermeintliche Existenz der zoologischen Nomenklatur vor ihrem Anfange und einige andere nomenklatorische Fragen; zugleich eine Erwiderung auf die von Herrn Stiles an alle Zoologen der Welt gerichtete Herausforderung und eine Begriindung dreier von zahlreichen Zoologen gestellter Antrage zwecks Einschrankung der Zahl der Namensänderungen und Abschaffung des liberum veto in der Nomen- klaturkommission. (Arch. Natgesch., 78. Jg., Abt. A, 8. Heft, p. 1-110.)

R[ichmond], C. W. (1903), The ‘Index Zoologicus’. (Auk 20, p. 450—451.)

Scudder, S. H. (1882), Nomenclator Zoologicus. 2 Bde. (Bull. United States Nat. Mus., No. 19.)

Waterhouse, C. O. (1902), Index Zoologicus.

Waterhouse, C. O. (1912), Index Zoologicus No. II.

Der Wisent im Brehm.

Aufreihung der Fehler nebst den veralteten Stellen fiir die neue Brehm-Auflage

Dr. B. Szalay in N.-Szeben-Hermannstadt.

Es gibt wenig Werke, welche das Gefallen aller Klassen derart gewonnen, welche das Liebgewinnen der Natur in solchem Grade gefördert hätten, als gerade Brenms Tierleben. Mit Freude blättert darin Alt und Jung, Laie und Gelehrter, weil dieses Werk infolge des umfangreichen Materials, das darin aufgespeichert ist, ein wahres Lexikon der Zoologie darstellt. Es ist in jeder größeren Gemeinde vorhanden, deshalb leicht zugänglich, ist in alle Kultur- sprachen übersetzt, es bildet ein Nachschlagebuch für Millionen.

Solche Werke werden tausend und abertausendmal zitiert und deshalb sind die Irrtümer, die Fehler in keinem Buche mit solch schweren Folgen verbunden als jene im Breum, denn diese haben ein tausendfaches Echo. Wir hoffen deshalb, daß den Verfassern der neuen Auflage die Beseitigung der leider hie und da zahl- reichen Fehler der alten Ausgabe gelingen wird, denn nur so kann dieses so prachtvolle Werk seines Ruhmes würdig werden, welches auch dem guten, wahrhaftig sprichwörtlichen Rufe deutscher Gründlichkeit vollauf entsprechen muß.

Wir beanstanden z. B., daß in den früheren Auflagen die im Text erwähnten und zitierten Werke fast nie mit dem pünktlichen vollen Titel (durch Fußnoten) angeführt wurden, weshalb man selbe auch nicht kontrollieren kann. Die Folge ist, daß viele Irrtümer, weil unentdeckt geblieben, in die folgende Auflage durchschlüpfen. Das darf nicht weiter so fortgehen!

I

48 Szalay, Der Wisent im Brehm.

Die Bilder sind zwar immer prachtvoll jedoch nicht durch- wegs treu. Auffallend ist, welche kleine Rolle unter den Illu- strationen den Lichtbildern zugeteilt worden war. Gute Photo- graphien der großen außereuropäischen Tiere, in unseren Tier- gärten aufgenommen, würden den wissenschaftlichen Wert des »Brehm nur fördern, denn diese Bilder sind immer treuer als die schònsten Zeichnungen.

In der 3. Auflage war die Ubersichtlichkeit des Textes schwach; man muffte immer suchen, wo der Teil über die Be- schreibung, wo jener über die Lebensweise, über die Geschichte etc. des betreffenden Tieres sich befindet. Es wäre deshalb not- wendig, besonders die längeren Absätze in mit Titeln versehene Unterabteilungen zu scheiden.

Wir finden es ferner für nicht ganz praktisch, wenn so riesen- hafte Teile, wie jener „der Säugetiere“ nur von einem wenn auch noch so gelehrten Forscher beschrieben werden. Die wichtigsten Tiere haben ihre Spezialisten, die selbstredend einen bedeutend tieferen Blick in ihr Spezialgebiet besitzen, als der genialste Generalforscher. Die Mitwirkung der ersteren sollte aus kleinlichen pekuniären Hinsichten doch nicht abgelehnt werden, denn dadurch leidet das Werk gewiß. Auf diese Weise ist es freilich nicht zu wundern, wenn eine ganze Legion von Fehlern aus der ersten Ausgabe in die zweite, von da in die dritte übergegangen ist.

Dies ist z. B. in einem der interessantesten Kapitel, welches von dem europäischen wilden Ochsen, vom Wzsent und Ur, be- richtet, der Fall. Von diesen Tieren wird auch in der übrigen Literatur manch Falsches behauptet, weil außer uns noch niemand die riesige Literatur dieser Tiere (4000 Werke) gesammelt und durchforscht hat. Es gibt kaum jemand, der nur die wichtigsten historischen Quellen im Original gesehen hätte geschweige denn die übrigen; so kommt es, daß die Fehler irgend eines an- gesehenen Forschers (Cuvier, BreHM etc.) fortwährend wiederholt werden, wodurch sie fast unausrottbar erscheinen. Mit diesen wollen wir uns nun im nachstehenden befassen.

Da ich mich auf eine große Anzahl von langbetitelten Werken beziehen muß (ein Krebsschaden der Bibliographie!) so werde ich diese abkürzen. Die ausführlichen Titel finden sich in meinem umfangreichen Werke: Die Literatur des Wisent, wo der Inhalt von 4000 Werken kurz besprochen wird. (Manuskript).

Szalay, Der Wisent im Brehm. 49

Die unrichtigen und veralteten Stellen im Brehm, Saugetiere, 3. Auflage, III. Band, Seite 257—277, im histori- schen Teil sind folgende:!) |

1. Seite 258, I. Zeile: „Früher verbreitete sich (der Wisent) nachweislich über ganz Europa: wohl genauer, „fast über ganz Europa,“ gerade mit dem Nachweisen hapert es ja; außerdem fand man im höchsten Norden gewiß nicht überall Reste.

2. Seite 258, Z. 2: „Zur Zeit der Blüte Griechenlands war er in dem heutigen Bulgarien häufig.“ Dies behauptet in dieser Weise zuerst GEORGE Cuvier (Recherches s. 1. ossem. foss. Paris 4. Auflage, 1834. Band IV, p. 226). Dort, wo er den pa- onischen Wildochsen des ArisroreLes bespricht, meint er, Päonien sei das heutige Bulgarien, was man ihm etwa 5o Male nachsagte, ohne die Richtigkeit dieser Aussage zu prüfen. In der Tat entspricht aber Päonien der Gegend von Üsküb (direkt südlich unter Serbien) in der Türkei, nördlich von Saloniki, west- lich von Bulgarien.

3. 258. Z. 4: „ARISTOTELES nennt ihn Bonassus.“ Richtiger Bonasos, siehe alle besseren Aristoteles-Ausgaben und Wörter- bücher. Die Schreibart „bonassos“ ist nur in ungenauen nicht authentischen Codices zu finden. (Wörterbuch v. Pape etc.)

4. 258. Z. 6: ,,Carrurnius beschreibt ihn um das Jahr 282 n. Chr.“ Hier ist Tırus Carpurnius SıcuLus gemeint, der die im Zirkus kämpfenden Wildochsen beschrieb (Eclogae). Von diesem Dichter, einem Nachahmer der Vergilischen Bucolica, wußte man lange nicht, wann er gelebt hat, so daß sowohl Moncez (p. 448) als das große Krorzsche Wörterbuch ihn in das 3. Jahrhundert n. Chr. versetzten. Jetzt wissen wir es aber schon bestimmt, daß er ein großer Bewunderer Neros war, und um das Jahr 50 n. Chr. lebte. (Siehe: Barnrens, 1879, III. 65; Rippex, auch Meyers Gr. Konvers. Lex. etc.) |

5. 258. Z. 6; „Alte Schriften erwähnen seiner im 6. und 7. Jahrhundert.“

Breum befaßte sich nie intensiv mit der Geschichte des Wisent; er hing mit Leib und Seele an den Lebenserscheinungen der Tiere somit verweist er hier gewiß nur auf schon oft er-

1) Daß ich alle bemerkt hätte, dessen darf ich mich nicht rühmen. Ich reihe nur jene auf, die mir ohne vieles Nachsuchen aufgefallen sind.

Zool. Annalen VI. 4

50 Szalay, Der Wisent im Brehm.

wahnte Quellen. Solche gibt es aber aus dieser Zeit nur eine, mithin kann nur diese gemeint sein, die er aus BLasius (pag. 494) schöpfte, ein Werk, das er, wie wir sehen werden, öfter be- nutzt hat. Da lesen wir namlich:

»Die Leges Alamannorum aus dem 6. und 7. Jahrhundert erwahnen den Auer“ (= bison), (also fast buchstäblich über- nommen). Diese Gesetze wurden namlich zirka 600 n. Chr. ver- faßt. Das Unrichtige bei Brenn besteht darin, daß man bei seinem Texte unwillkürlich an zwei verschiedene Quellen denkt, deren eine im 6. die andere im 7. Jahrhundert verfaßt worden wäre. Statt „alte Schriften“ soll also „Leg. Alm.“ ge- druckt werden,

6. 258, Z. 8: „Das Nibelungenlied (erwähnt seiner) als im Wasgau vorkommend.“ Das ist eine Anspielung auf die be- rühmte letzte Jagd des Helden SIEGFRIED, von welcher nur ZARNCKE nachgewiesen hat (1885, p. 384—389), daß sich selbe in der Vorstellung des Dichters nicht im Wasgau, auch nicht im Odenwald (wie vielfach behauptet wurde) abgespielt haben muß, sondern zwischen diesen beiden Orten, ganz nahe unter Worms, höchstens eine '/, Stunde vom Rhein entfernt (der Oden- wald ist vom Flusse mehrere Stunden weit) also in jenem höchstens hügeligen Walde, der in alten Akten unter dem merkwürdigen Namen „Forehahi“ erwähnt wird. Dieser Ort be- fand sich neben der heutigen Gemeinde Edigheim, die früher nachweisbar am rechten Rheinufer lag.

7. 258. Z. 8. „Zu Karls des Großen Zeiten fand er sich im

Harze“. Die Quelle dieser Behauptung ist sehr wenigen be- kannt. Sie lautet (Eck#art, Comment. 1720, II. 32): „Imperator (Karl d. Gr.) .... Saxonica pace conclusa ex palatio Salae in

Baioariam profectus est; sed antea venationem bubalorum, caetera- rumque ferarum per saltum Hircanum exercuit. Inde vero ad Regensburch veniens . . . .“ etc. Dies geschah 803, und nicht 805, wie GERARD meint. Laut den gründlichen Forschungen EckHaRT's ist es bewiesen, daß das genannte Palatium Salae (der Palast an der Saale) der Ort „Salz“ der alten Schriften war, gleich unterhalb Salzburg bei Neustadt an der Saale in Unter- franken. Der Saltus Hircanus kann unmöglich der Schwarzwald sein (dies wurde auch oft gesagt), sondern nur ein Wald, der sich zwischen Unterfranken und Sachsen ausbreitet und nicht weit vom

Szalay, Der Wisent im Brehm. SI

Zentrum der kaiserlichen Jagden, dem Palatium Salae liegt. Das ist sicher der Thüringerwald! und nicht der Harz. Da fanden sich also damals jedoch nicht die Wisente! sondern die Bubali, d. s. die Ure, denn immer diese letzteren sind in der Geschichte der frankischen Herrscher gemeint, dafiir haben wir

Beweise (= Erwahnung der sehr langen Horner). Es ist zwar äußerst wahrscheinlich, daß unter der Bezeichnung ,,caeterarumque ferarum“ auch der Wisent mitinbegriffen ist allein dies ist

nicht bewiesen!

Dieser Beleg ist infolgedessen hier zu streichen, und muß zu jenen des Ur gestellt werden.

Außer dieser kennen wir auch die Geschichte einer zweiten Bubalus-Jagd Karls des Großen —; diese ist viel bekannter, fand aber bei Aachen im Jahre 807 statt.

Ich bemerke noch, daß fast alle Erwähnungen des mittel- alterlichen Wisents im Harz sich in ultima analysi auf den Carsar’schen Urus zurückführen lassen, weil der Harz wegen der Wortähnlichkeit mit der Sylva hercynica identifiziert wird. Das ist auch nicht richtig. Sylva hercynica ist bei Caesar (in zoolog. Hinsicht!) einfach der süddeutsche Urwald im allgemeinen.

8. 258. Z. 8. „(Der Wisent) fand sich im Sachsenlande“. Das ist nicht nur möglich, sondern fast sicher, weil die Ausläufer des Thüringer-Waldes sich hier ausbreiten, nur hat Brekm hierfür keine Beweise! Überhaupt brachte man das Sachsenland unter Kart pem Grossen nur deshalb mit den Wisenten in Ver- bindung, weil die Jagden im Thiringerwald mit dem sachsischen Kriege im Zusammenhang stehen. Hier fand infolgedessen eine etwas oberflachliche Verallgemeinerung statt.

Es existiert eine alte Urkunde, die den sächsischen Ur im Jahre 782 bezeugt das ist aber wieder der Ur und nicht der Wisent (Vorz, 133; WEGENER p. 9). Bream wußte von diesem letzten Belege kaum etwas, sonst hätte er denselben wegen seines Interesses gewiß näher geschildert.

9. 258. 9. „Um das Jahr 1373 lebte der Wisent in Pommern“.

Vom pommerschen Bison existiert aus dem 14. Jahrhundert nur eine und zwar sehr bekannte Nachricht, die Brenm Seite 259 selbst näher schildert: WrarısLaw V. tötete im Jahre 1364 einen riesigen Wisent. Diese Jahreszahl darf deshalb nicht geändert werden, weil selbe als die letzte derartige Jagd in dieser Provinz betrachtet wird (Buyack, 1839 18.)

4*

Szalay, Der Wisent im Brehm.

on N

10. 258. 20, ,,1717 (gelangten) zwei Wisente an den Kénig Grorc von England (aus Preußen)“. Von diesem Gegenstand besitzen wir zwei Quellen: Nach Bock (1784, p. 107 und 193) ge- schah dies im Jahre 1726. Er gedenkt dessen auch zweimal in gleicher Weise; nach Hacen aber (1819, p. 226/227) im Jahre 1724. Hacen schrieb hievon zwar spater, aber wie es scheint, auf Grund- lage ausführlicherer Belege. Nach ihm soll der englische König im Jahre 1733 noch weitere zwei Exemplare erhalten haben. Die beiden Zahlen 1724 und 1726 müssen sich auf dieselbe Sendung beziehen, doch konnte ich bis heute nicht feststellen, welche die richtige ist.

11. 258. 21. „Im Jahre 1738 wurden aus Preußen einige Wisente an die Kaiserin KarHARINA von Rußland gesandt“.

Diese Tiere gingen im nächsten. Jahr an der Rinderpest zu- grunde D. Wirpr, Prosektor in St. Petersburg vollzog eine Sektion an denselben (1739, November) und beschrieb deren Er- gebnisse, die dann durch Partas veröffentlicht wurden (1781, p. 6.) Hasen behauptet, dies wäre im Jahre 1730 geschehen, (1819, p. 208) das ist aber sicher nur ein Druckfehler (siehe hierüber Parras; ferner Bock 1784, p. 193).

Diese Zubrs gingen auf Befehl Frreprich WILHELM I. nach St. Petersburg; beehrt mit denselben war aber nicht die Kaiserin KATHARINA diese war 1738 erst 9 Jahre alt sondern die Kaiserin Anna, die seit 1730 regierte.

Nach Hacen bestand die Sendung aus einem alten Stiere und mehreren Kühen (p. 208), später redet derselbe Autor (p. 227) von 2 Stieren und 6 Kühen (1739). Es kann immer nur derselbe Transport gemeint sein, weil eine’ zweite Sendung etwa als Ersatz für die an Pest verendeten Tiere unmöglich schon im selben Jahre (1739) nach St. Petersburg gelangen konnte, da die Tiere erst im November zugrunde gingen.

12. 258:24. Die Schreibart „Bialowitsch‘“ ist entschieden falsch. Die Bauern sprechen den Namen ,,Bjelowesch“ aus; die offizielle Schreibart ist aber ,,Bialowieza.“ Laut dem Edikt des internationalen geographischen Kongresses soll in wissenschaft- lichen Werken immer die offizielle Schreibart des Landes maß- gebend sein. Von dem Namen Bialowieza siehe Näheres bei WESTBERG, 1895. 280.

13. 258, 3. Absatz: „In der Johann Thurocischen Chronik ist die Abbildung eines ungarischen Königs . . . die Lanze nach

LE cr 2

Szalay, Der Wisent im Brehm. 53

einem Wisent schwingend“. BreHms Gewahrsmann bezüglich der ungarischen Daten war Gr. KoLoman LAz&r, ein tüchtiger Zoologe, der ihn aber auch nur mit den Forschungen eines Historikers, des Grafen Joser KEMÉNY bekannt machte. Dieser schrieb in der Form eines Briefes, i. J. 1840, die wichtigsten, ihm be- kannten Erwähnungen des ungarischen Wisents zusammen (er- schienen im: „A szabad termeszetböl Aus der freien Natur 1873, pag. 181 u. 182, ungarisch). Hier lesen wir: „Ich habe in Wien in der Bibliothek des verstorbenen Erzherzogs Anton eine Ausgabe der Thurocischen Chronik gesehen, . . . .“ etc. Diese Chronik führt den Titel „Chronica Hungarorum“, von welcher nur zwei Hauptausgaben bekannt sind, die Augsburger und Brünner, 1488. Ich kenne beide von der erwähnten Abbildung ist in diesen aber keine Spur zu finden. Die Angaben des Grafen Kemeénys sind oft kontrollbedürftig, deshalb gebe ich mir schon seit mehreren Jahren große Mühe, Klarheit in diese Angelegen- heit zu bringen. Ich habe konstatiert, daß in dieser Bibliothek tatsächlich ein Thuroczius vorhanden war (welche Ausgabe weiß ich noch nicht), die Bücher dieser Sammlung wurden aber später versteigert, und sind verschwunden. Näheres hierüber siehe in meiner Monographie vom ungarischen Wisent.

Wir wissen, daß von berühmteren Werken (so z. B. auch von solchen HerBERSTAINS) manchmal Separat-Prachtdrucke für Fürsten gedruckt wurden vielleicht handelt es sich hier auch um einen ähnlichen Fall.

14. 258:37. „Erwiesenermaßen hauste er noch im Jahre 1729 in den Gebirgswaldungen Ungarns“. Auch dieses wird in dem zitierten Briefe Keménys angeführt. Ein gewisser LavısLaus Turòczi (nicht der vorige) erwähnt (Ungaria suis cum regibus, 1729. —), daß zu seiner Zeit der Wisent (urus) im Bakonyerwalde

(westlich von der Donau in Ungarn) noch anzutreffen sei: „In SilvaWbalkonyiafsunt Merde innumerae... alces, uri). «Mete: (p. 210); das ist aber ein großartiger Irrtum. Im 16., 17. und

18. Jahrhundert haben in der Gegend viele große Jager (Graf Zrınyı etc.) gelebt, deren Jagdkorrespondenz uns erhalten geblieben ist. In dieser wird der Bison aber nie erwähnt und das ist entscheidend. Turöczı huldigte einfach jener bekannten Gewohn- heit der alten Schriftsteller, daß sie solche Daten, die aus uralter Zeit stammen, ohne Kritik auf ihr eigenes Zeitalter beziehen. Wir wissen ganz bestimmt, daß im eigentlichen Ungarn (Sieben-

54 Szalay, Der Wisent im Brehm.

bürgen und die Marmaros ausgenommen) seit dem Anfange des 16. Jahrhunderts kein Wildochs mehr existierte. In Nordosten Siebenbiirgens hat sich aber dieses Wild bis zirka 1790 erhalten und zwar im Székler-Moldauer Grenzgebirge.

Das Wort „erwiesenermaßen“ ist demnach gerade hier am schlechtesten angebracht.

15. 258. Vierter Absatz: (,Der Wisent hauste) gegen Ende des vorigen Jahrhunderts in den Székler Bergwaldungen (bei) . . . Eule“

Graf Keménys (p. 184) Quelle ist hiefür eine Stelle in Joser BEnkö: „Urus visus (est) hoc (1775. M. Mart.) etiam anno in Silva Boroszlanos, pagi File.“ (Transsilvania, 1778. I. 131.)

Die Jager haben einen Wisent ,gesehen“. Freilich nur so aus der Ferne denn sonst hatten sie ihn ja erlegt.

File (Udvarhely-er Komitat) liegt im südöstlichen Teile Sieben- bürgens. Wir wissen aber mit Bestimmtheit, dass die Waldochsen bei uns im Süden viel früher ausgerottet worden sind, als im Norden. Gegen 1775 waren aber auch hier schon nur die letzten Mohikaner dieses Wildes vereinzelt zu treffen, und so ist dieser Beleg etwas verdächtig. Beweise für die Siebenbürger Wisente, in der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts haben wir nur aus dem Rodnaer- und Kelemen-Gebirge.

16. 258. Vierter Absatz: „Ur, Auer oder Auerochs ... mit letzterem Namen bezeichneten unsere Vorfahren ... ein aus- gestorbenes Rind“ (= Los primigenius). :

Diesen Satz wiederholt man seit NeHRING sehr oft und wird das Urrind leider in den meisten modernen Werken mit dem Namen „Auerochs“ wiedergegeben. Das ist aber nicht ganz richtig. Von ca. 1450 bis 1860 war der offizielle Name des Bison stets „Auerochs“, der sich auch in die Volkssprache unausrottbar ein- gebürgert hat. Auch HERBERSTAIN bestätigt dies schon für die erste Halfte des 16. Jahrhunderts. Ich sammelte aus der mittelalter- lichen Literatur viele hundert Erwähnungen des Gos primigenius und fand, daß seitens der Tierkundigen (MrcENpERG z. B.) dieses Tier nie den Namen „Auerochs“ führt; es heißt Ur, Urrind, Ur- stier. Ich kenne dessen Erwähnung in 14 Heldengedichten u. dgl. aus dem 12.—14. Jahrhundert, deren Dichter die Hofjagden und oft auch dieses Tier gut kannten dasselbe wird aber hier nie anders als Ur, Urrind genannt, was doch kein Zufall sein kann. Hingegen kommt das Wort „Urochs“ (urosse), aber nicht „Auer-

Se

Szalay, Der Wisent im Brehm. 55

ochs“ hie und da in biblischen Glossen vor, und zwar nur bei den geistlichen Herren (9.—14. Jahrh.), die damit sehr vereinzelt den biblischen Bubalus verdeutschen wollten vielleicht überhaupt nur 1—2 Mönche, deren Glossen (bubalus = urohso) dann von den späteren einfach nachgeschrieben wurden. STEINMEYER III. 32, 33, 53 78, 201, 366, 444, 672.)

Es ist auch unwahrscheinlich, daß wirkliche Jager diesen König des Waldes einen „Ochsen“ genannt hätten. Die Form „Auerochs“ existiert in der Wirklichkeit seit dem Aussterben des Urs in Deutschland (15. Jahrh.), und zwar zur Bezeichnung des Bison. Der Name Wisent war aber seit ca. ı600 so gut wie vergessen, und kam erst gegen 1870 wieder in Mode.

Deshalb ist es unrichtig, wenn NeHRING den Dos primigenius „Auerochs“ nennt; bleiben wir nur beim richtigen Namen Ur oder Urrind, und lassen wir das zweideutige „Auerochs“ als einen historischen Namen des Wisent gelten. Durch unsere moderne forcierte Neuerung (Dos primigenius = Auerochs) ist schon jetzt so ein Chaos, so eine Ungewißheit entstanden, so viele Mißverständ- nisse herbeigeführt worden, daß dies unhaltbar ist. So z. B. er- wähnt eine alte Notiz neun „Auerochsen“, die 1569 aus Polen nach Prag geschickt worden sind. Selbstverständlich handelt es sich im 16. Jahrhundert bei diesem Namen gewiß nur um Wisente und dennoch, durch unsere Neuerung irregeführt, hält ein sehr angesehener Forscher diese Tiere für Ure (Zeitschr. Landw. Ver- suchswesen. XI. 1908. 20).

Ich wiederhole: Kenner nannten den Dos primigenius Ur, Urrind; das unwissende Volk sehr selten auch Urochs. Den Namen Auerochs führte nur der Wisent. (Eine Ausnahme von diesem Satz wäre höchstens im 15. Jahrhundert denkbar solche kennen wir aber noch nicht), Bedingt wird dieser Umstand dadurch, daf die Form , Auer“ viel jiinger ist als ,Ur“, und dann entstand, als die Ure schon sehr selten wurden.

17. 258. 3. Zeile von unten. ,Altdeutsche Gesetze sprechen von zwei gleichzeitig lebenden Wildrindern.“ Es sind auf uns verschiedene altdeutsche Gesetze übergegangen, die bayerischen, alemannischen, salischen etc. Wer dies weil, wird glauben, daf von diesen mehrere die beiden Wildrinder erwahnen. In der Tat gilt dies aber nur von den alemannischen.

Allgemeine Ausdriicke besonders wenn mit derselben Buch- stabenzahl auch eine korrekte Bezeichnung môglich ist sind

NO

56 Szalay, Der Wisent im Brehm.

in wissenschaftlichen Werken wegen der Zweideutigkeit zu ver- meiden.

18. 259. 3. yPrinius kennt den Bonasus, weil derselbe lebend nach Rom gebracht wurde.“ Seit Puscu ist es Mode geworden, von den zoologischen Kenntnissen des Prinıus verachtend zu reden. Das ist aber ungerecht. Prius muß den Wisent aus Germanien kennen, wo er mehrere Jahre als Kavallerie-Offizier weilte.

19. 259. 9. Lukas Davip gibt an, daß der Herzog Orro von BRAUNSCHWEIG im Jahre 1240 „den Brüdern“ Aueroxen und Bisonten schenkte“. Ein vollkommen irrtümlicher Satz! BrenM ent- lehnte diese Zeilen aus BLasius, wo es heißt (p. 499): , Lukas Davin berichtet, daß Herzog Orto von Braunscuwetc den Brüdern Auer- oxen, Visonten etc. gegeben“.

Es entging aber BreHm, daß dies hier nur eine unpünktliche Abkürzung einer anderen Stelle des Bıasıvs ist, die folgend lautet (p. 494): „L. Davin erwähnte bei der Abreise des Herzogs Otto... aus Preußen im Jahre 1240 großer Jagden, auf denen Auer- oxen und Bisonten erlegt wurden.“ |

Luxas Davip sagt nämlich im Jahre 1576 (deshalb gebraucht er den Ausdruck Auerochs für den Wisent; er ist mit den beiden Wildochsarten nicht im reinen): „Doch ehe dann er (= Otto) ver- reiset (nämlich aus Preußen) begabet er die brüder mit vielen gaben. Ins erste gab er Inen viel speck, schinken . . . (etc.) und so dann im lande viel wildes vorhanden von Auer- oxen, Visonten, wilde pferde, Elende, grose und kleine Beere, rehe und hasen, liesse er Inen seine garne und hunde und Federspiel, die er mit sich brachte .... und seinen obersten Jegermeister (der dann später) wart ein Bruder Deut. Ordens“. Er schenkte also keine Auerochsen den Brüdern von wo hätte er sie auch gehabt, da er nur ein Gast der deutschen Ordens- brüder in Preußen war!

20. 259. IT. , Wradislaw“ richtiger Wratislaw.

21. 259. 12. ,Marrutas v. Mrcnow“. (Chronica Polonorum 1521, Krakau.) Dieser Schriftsteller wurde im Palatinat Krakau, in Miechow 1456 geboren, weshalb man ihn auch Miechowita nennt. Es gibt aber auch einen Schriftsteller, der aus einer anderen Gemeinde: „Michow“ stammt und diesen Namen führt, weshalb der Irrtum Breums leicht erklarlich ist.

22. 260. 2. , GRATIANI versichert 1662. . .“ etc. Dies kann nur so verstanden werden, daß Gratiani im Jahre 1662 in Kônigs-

Szalay, Der Wisent im Brehm. 57

berg Auer und Wisente gesehen hat. Deshalb wundert sich auch HrrzHEIMER, einer unserer gründlichsten Forscher (Jahrb. f. w. u. pr. Tierzucht, 1910. 46.), wie GRATIANI so spät noch Ure angetroffen haben kann, da die letzten in Masovien schon langst vorher aus- gestorben sind. Wieder ein Beweis, daß solche Werke wie Brenm nicht Fehler enthalten dürfen.

In der Tat hat Antonio Gratiant A Burco sein Werk 1563 geschrieben und nur gedruckt wurde es 1669.

23. 260. 8. „Ein altes Ölgemälde aus dem ersten Viertel des 16. Jahrhunderts (mit dem Worte) Tur“ Dieses ist sehr bekannt, hat schon eine ziemliche Literatur und wird immer unter dem Namen „das Augsburger Turbild (Urbild)* erwähnt. Um Mißverständnissen vorzubeugen, soll dieser Name des Bildes immer angeführt werden.

24. 260, zweiter Absatz: „Der Wisent hat ı4, der ameri- kanische Bison ı5 Rippen“. Ein großer Irrtum. Beide haben nur 14 Rippen.

ARISTOTELES sezierte 334 v. Chr. rein aus Zufall einen Bonasus, dessen Hörner sich ausnahmsweise abwärts krümmten weshalb der große griechische Naturforscher ihn mit den entsprechenden Hörnern beschrieb. Fast 2100 Jahre hindurch sagte ihm jeder diesen Fehler nach, sogar noch Linné, und nur Burron und später Cuvier verbesserten ihn. Aber gerade Cuvier hatte ein ähn- liches „Pech“ im Jahre 1819, denn er beschrieb einen amerikanischen Bison, der, wieder rein aus Zufall 15 Rippen (statt der normalen 14) aufzuweisen hatte. Dieser Irrtum wurde infolge des großen Ansehens Cuviers überall aufgenommen, sogar durch R. Owen (Notes on the anatomy of the male Aurochs, Proceed. Zool. Soc’ London. XVI. 1848. p. 126—133).

RÜTIMEYER (Versuch. nat. Gesch. Rindes, Neue Denkschr. all. schw. Ges. Nat. Wiss. Zürich. 1867. II. 68.) erwähnt zwar, daß das Skelet des amerikanischen Bisons in Amsterdam nur 14 Rippen besitzt betrachtet dies aber als eine Ausnahme! So stark war die falsche Annahme von den 15 Rippen eingewurzelt.

So ging dies bis zum Jahre 1876 (die III. Aufl. des BreHM erschien 1891), als die großartige Monographie von J. A. ALLEN endgültig die Lösung der Frage brachte (The Amer. Bisons living and extinct p. 2. und... 42).: „Ihe American bison has ¢he same number of pairs of ribs, and the same number of lumbar ver-

58 Szalay, Der Wisent im Brehm.

tebra, as the European, notwithstanding numerous statements to the contrary“.

25. 260. Dritter Absatz: „Ein im Jahre 1555 in Preußen erlesten iN Visemtstent 2:

Dies wissen wir aus der „Erclerung“ des HENNEBERGER (1595. p. 25): „Fürst Jou. Sicismunp, Markgraf zu Brandenburg etc. (erlegte) durch anordnung GasrieL DIEMINGERS, Jegermeister zu Friedrichsburg im new gemachten Wolffsgarten“ einen , Auhrochs“, der , 19 Centner und 5 Pfundt Nürembergische Gewicht“ schwer war.

Dies konnte um so weniger 1555 geschehen, da ja der Mark- graf erst 1572 geboren wurde.

Es ist nun auffallend, daß diese Jagd im Jahre 1595 statt- gefunden haben soll, in demselben Jahre, in welchem das Werk HENNENBERGERS erschienen ist! Der Verfasser schreibt zuerst tat- sächlich 1585, und nur das zweite Mal 1595, so daß man die erste Zahl als die authentische annehmen könnte wenn der Mark- graf dann älter als 13 Jahre alt gewesen wäre. So aber müssen wir folgern, daß die Jagd im Januar 1595 abgehalten wurde und das HEnNENBERGERSche Werk erst Ende dieses Jahres erschienen ist.

26. 261. Zweiter Absatz: , RouLLIER erzählt... .“. BRANDT aber, Breums Quelle, schreibt ROUILLER (p. 159 = 127). Beide Schreibarten sind schlecht, denn der Name lautet nach der maß- gebenden Bibl. Zoolgc. p. 2077 (Carus = Engelmann)... CHARLES RourLLier. Er war Professor in Moskau und veröffentlichte 1848 in der russischen Zeitschrift „Sowremennik“ (Zeitgenosse, Nr. 5) einen Artikel über den kaukasischen Wisent.

27. 262. Ende des zweiten Absatzes: „In Bialowieza sind nach FRIESE gegenwärtig 1500 Wisents“.

Wie wir auch diese Behauptung immer betrachten, ist selbe und war selbe immer falsch. Büchner unterzog die erschienenen Statistiken der Bielowiezaer Wisente einer genauen Prüfung, und fand, daß sich die wirkliche Zahl der Wisente daselbst z. B. in den Jahren 1884/85 höchstens nur auf 500 belief, trotz des „amt- lichen“ Ausweises, der von 1500 erzählt. (S. auch SIEMIRADZKI).

Diese falsche Zahl hat auch Friese irregeführt. Laut den korrekten Tafeln Avers waren hier 1885 nur 384 Bisons vorhanden, diese Zahl war seit 1867 überhaupt nie höher als 600! Im Jahre 1890 betrug sie 403; 1891 (Erscheinen der III. Aufl. Breums) 479.

28. 264. Mitte des dritten Absatzes: „(In Ungarn) blieb die Wisentjagd dem Könige . . . vorbehalten“. Leider war das

Szalay, Der Wisent im Brehm. 59

nicht so, denn sonst würde Ungarn gewiß noch heute dieses Wild besitzen. Die alten ungarischen Gesetze erwähnen nie den Bubalus (das war hier der offizielle Name des Bonasus seit ca.. 1100), um so weniger seine Schonung. Jeder Adelige konnte also seine Jagd auf eigenem Gute ausüben. Wir wissen nur so viel, daß es im 11.—14. Jahrhundert gewisse Wälder gab (forestae regum), wo die Jagd den Königen des A’rpadenhauses vorbehalten war, so im Bakonyer Gebiet, hauptsächlich aber in der Marmaros (NO-Ungarn). Ich habe nun eine Schenkungs-Urkunde aus dem Jahre 1272 entdeckt, wo es heißt: „Contulimus eisdem (nämlich den Inwohnern des Ortes Felszäsz im Komitat Ugocsa unweit von Marmaros) sylvam Stulba vocatam . . . in qua ... et feras mediocres; videlicet ursos, apros, cervos et capellas occidendi liberam habeant facultatem“. (Frjér, Cod. diplmtc. V/1. p. 176.). Es ist sehr auffallend, daß hier die edelsten Vertreter der hohen Jagd Schwarzwild, Hirsch, Bar) nur als zur ,mittleren Jagd“ gehòrig bezeichnet werden, die der König gar nicht beachtet! Was er sich aber vorbehielt, ist da nicht angegeben denn jeder Bauer wufte es das war der Wisent!

29. 264. Ende des dritten Absatzes: Nicht Bornemisser, sondern Bornemisza, siehe den Brief des Kermény.

30. 265, oben: „Der Kaiser von Rußland (ließ) der Königin Vikroria Wisente einfangen.“ „Es war im Juli“. Das Jahr dieses Ereignisses hat in mancher Hinsicht ein Interesse, und des- halb ist es fast ärgerlich, wenn man den Monat (Juli) pünktlich angegeben findet, vom Jahr aber nichts erfahren kann. Nur nach einem zweijahrigen Nachforschen ist es mir gelungen, diese Jahres- zahl (1846) festzustellen.

31. 266. Zweiter Absatz: Breum sagt: „Mein Vater schreibt mir Graf LAzir (nämlich KoLoman LAzAr) erzählte als Familienüberlieferung, daß Graf Franz LAzAr 1740 . . . in einem mit Wisenten bespannten Wagen (in Hermannstadt) umherfuhr“. Das ist aber wieder ganz falsch. Ich habe mich bei der Familie LAzir selbst erkundigt —, die weiß hiervon gar nichts. In den Jahrbüchern der Stadt Hermannstadt (N.Szeben) ist auch nichts zu ermitteln. Das Ganze beruht nur auf einem Gerede, ohne jeden wissenschaftlichen Wert.

Noch wichtiger ist aber dabei der Umstand, daß die Quelle dieses Märchens durchaus nicht der sehr zuverlässige Zoologe Koroman LAzAr ist, sondern wieder der kontrollbedürftige Graf

60 Szalay, Der Wisent im Brehm.

Joser Kemény, der in seinem schon erwähnten berühmten Briefe schreibt (p. 183): , Von meinem verstorbenen Vater vernahm ich als eine alte Tradition, daß der Graf Franz LAzAr 1740 in einem Wisentgespann etc:“ Diese Tradition lebte also nicht in der LAzArschen Familie (was bei uns mehr in die Wagschale fiele), sondern in der Keményschen und auch hier nur angeblich! Der Zoologe Koroman LAzir gab den Inhalt des Kreményschen Briefes BreHm bekannt wurde aber von diesem mißverstanden.

32. Zu 266. Infolgedessen kann man diesen Brief auch durchaus nicht als einen Beweis der Zahmung des Wisents be- trachten. BreHm hätte sich viel eher auf ein bekanntes Epigramm des MarrıaL berufen können, wo es heißt (Epig. Lib. I. Nr. CV.). „Lurpes esseda, quod trahunt bisontes . . . Quis spectacula non putet Deorum!“ (1617. p. 125). Martiatis erzählt, was er alles im Zirkus gesehen, in dem Zirkus, wo man sich in einen Götter- tempel versetzt fühlt da erblickte man auch kleine gallische Wagen, in denen Wisents (freilich junge) gespannt waren. Das ist gewiß keine Aufschneiderei, sonst hätte er sich vor der ganzen vornehmen römischen Welt blamiert.

33. 267. Zeile 3. „Nach den neueren Erfahrungen scheint (es) erwiesen zu sein“, daß der Wisent keinen Anteil an der Ent- stehung einzelner zahmer KRinderrassen hatte. Das Wort „scheint“ ist zu streichen, weil ja dies schon ganz ausgemacht ist.

34. 267. Zeile 4. „Zwischen Wisent und Hausrind besteht ein heftiger Abscheu . . .“ etc. Dies wird bei älteren Autoren infolge der ungenauen diesbezüglichen Untersuchungen GILIBERTS oft betont und stark übertrieben, obwohl die neuen Kontrollunter- suchungen dies nicht bestätigen. Der amerikanische Bison mischt sich sehr gerne mit dem Hausvieh, der europäische etwas schwerer aber doch ohne namhafte Schwierigkeiten. Dürsr sagt auch: „Sämmtliche Bisontina kreuzen sich mit den Taurinen und sind bedingungslos fruchtbar!“ (Witckens-Duerst, 1905. 246.)

35. 267:7. Nicht „Csiter Kreis“, sondern Kreis Csik, im Osten Siebenbürgens.

36. 267:8. Brenn zitiert zwischen Gänsefüßen aus dem 1781 erschienenen Werke des Franz SULZER, wo es heißen soll: „Im Csikerkreise verliebte sich ein Wisentstier in eine (Hauskuh)“ ... etc. Es wäre höchst auffallend und beachtenswert, wenn ein Geograph im Jahre 1781 das Wort „Wisentstier“ gebraucht hätte! da ja dasselbe seit dem ı6. Jahrhundert nicht mehr gebraucht

Szalay, Der Wisent im Brehm. 61

und ganz vergessen worden war. Erst gegen 1850 rief man es wieder ins Leben, aber nur seit ca. 1880 wird es wieder allgemein gebraucht. Bream kennt den SuLzEr wieder nur aus dem Briefe Keménys. SuLzer bedient sich selbstredend des Wortes „Auerochs“, Übrigens entsprechen auch die übrigen zitierten Zeilen im BREHM gar nicht jenen SULZERS —, es ist nur der Sinn wiedergegeben.

37. Zu 267:7. In Surzers Märchen beruht wahrscheinlich nur der Kern des Ganzen auf Tatsachen. Ein Wisentstier, der in der Zeit der Brunst ferne von den selten gewordenen, ausgerotteten Wisentkühen leben mußte, näherte sich den weidenden Hauskühen aus leicht begreiflichen Gründen (ein Beweis, daß er sich vom Hausrind nicht scheute) darin ist schließlich nichts Merk- würdiges. Daß er aber die Herde bis in den Stall hinein begleitet hätte, ist freilich eine Zugabe.

38. 275, zweiter Absatz: Gefährlichkeit der amerikanischen Bisonjagd.

Altere Reiseschriftsteller übertrieben deshalb die Gefährlich- keit der Buffalojagd, damit sie selbst für Helden gelten können. Europäische Autoren vergleichen wieder ganz falsch die gefähr- liche Natur des europäischen Bison mit jener des amerikanischen, und machten den Buffalo deshalb viel schlimmer als er war. Die Werke von Xantus, Dopce, ALLEN, Hornapay etc. brachten aber Licht in diese Frage. Die Natur unseres Wisent und des Buffallo ist ganz verschieden. Der letzte ist ein dem Schafe in Vielen ähnliches Wesen (harmlos, blöd in die Gefahr rennend, dumm Hornapay 420/421) und ist weder wilder, noch gefährlicher als unser Hirsch, und es ist ganz sicher, daß, wenn die berüch- tigsten berittenen Buffalojäger sich nicht in die Mitte der sich nie wehrenden fast zahmen, davonrennenden Bisonherde, sondern in einen derartigen Knäuel von Hirschen geworfen hätten wenigstens so viel Unfälle geschehen wären, als dies bei Buffalos der Fall war. Ich bezweifle übrigens, daß diese An- griffsart bei 10.000 dicht nebeneinander rennenden Hirschen über- haupt möglich gewesen wäre wie dies in Amerika in Mode war. Es gibt Gegenden, wo der Hausochse unvergleichbar ge- fährlicher ist, als der wilde Buffalo. Der Buffalo ist eines der zahmsten, schüchternsten Tiere, dies weiß ein jeder, der die Literatur studiert hat. Es ist doch bekannt, daß sogar Antilopen und Rehböcke oft zum Angriff übergehen, wenn sie sich anders nicht retten können. Der Oryx durchspießt manchmal den

62 Szalay, Der Wisent im Brehm.

Panther so vereinzelt kam Derartiges auch beim Buffalo aber nur beim verwundeten vor.

Hornapay lächelt über jene Unerfahrenen, die vom Erlegen eines Bison als von einer Heldentat reden: ,,By the ignorant it is considered so great on honor (?) to Kill one (bison) p. 524.

Diese Verhältnisse müssten mithin im Bre#m in das gehörige Licht gestellt werden.

39. 277, erster Absatz: „Erst seit einigen Jahrzehnten sieht man (amerikanische) Bisons in unseren Tiergärten“.

Dieser Satz ist unrichtig. Man kann erstens nicht wissen, ob mit den Worten „unsere Tiergärten‘ die deutschen oder über- haupt die europäischen gemeint sind. Zweitens werden die meisten hierdurch gewiß der Meinung sein, daß der amerikanische Bison erst vor einigen Jahrzehnten nach Europa gebracht worden wäre. Nachfolgende Daten werden deshalb hier von Nutzen sein:

Sehr wenige wissen, daß der Buffalo!) schon in der ersten Hälfte des ı6. Jahrhunderts nach Europa gebracht worden ist, um dem neugierigen spanischen Hofe in Madrid vorgestellt zu werden siehe Tuever 1558 p. 147 Db.

Zwischen 1766 und 1776 reiste eine Wander-Menagerie in ganz Deutschland, Holland und Frankreich mit so einem Tiere umher. Parras (1781:5) ließ dasselbe in Holland zeichnen, und SCHREBER nahm dieses Bild in seine große Naturgeschichte auf. Eine andere Abbildung ließ Burron in Paris von diesem Buffalo verfertigen, welches man in dessen Werken ebenfalls sehen kann. (Supplement.)

1827 finden wir den Bison im Pariser Zoologischen Garten; die Zeichnung desselben in der Cuvmr-Grorrroyschen Naturge- schichte (WAGNER p. 1515).

Im Jahre 1845 zeigte man in Deutschland in mehreren Stadten eine Bisonkuh. (Frrzincer 1860, 380.) Dann treffen wir selben in Tiergärten an. In Dresden 1863 (WecENER 1863, 8); in Paris 1867 vier Stück (PAGENSTECHER 1867, 283), in Cöln 1867, Stier und Kuh (PAGENSTECHER p. 288) wosie sich auch vermehrten; in Frankfurt 1867, und zwar aus dem Kölner Tiergarten stammend (Scumirr 1867); in Hannover 1867 (Nor 1867) usw.

40. Zu Seite 258-267. Ich glaube im Vorstehenden ge- nügend bewiesen zu haben, daß die Bearbeitung des historischen

1) Der aber damals diesen Namen noch nicht führte s. das Studium des

Verfassers „Geschichte des Buffalo-Namens“.

Ss

Szalay, Der Wisent im Brehm. 63

Teiles im Brenm im ganzen veraltet ist. Die Auswahl des Materiales entspricht nicht mehr den modernen Anforderungen. Breum verfasste diesen Teil in den sechziger Jahren. Damals brachte das ganze einschlägige Material die für seine Zeit groß-

artige Arbeit des Branpr zusammen (i. J. 1867) heute aber, wo durch meine Mühe die ganze Weltliteratur dieses Gegen- standes (4000 Werke) uns zur Verfügung steht, wissen wir

buchstäblich 30 mal so viel als BranpT, und zwar vieles, was für die Geschichte des Wisent äußerst wichtig ist und was BRANDT noch verborgen blieb. Ganz speziell gewann die Wissenschaft durch die Arıtik der alten Belege.

Die Geschichte des ungarischen Wisent ist entschieden eines der interessantesten Kapitel, doch konnte Graf Lizir (der Gewährsmann Breums) damals nur einige unsichere Daten liefern. Hochinteressant und einzig in ihrer Art war z. B. die Institution der „ungarischen königlichen Wisentjäger“ ,,venatores bubalini“ im 11., 12. und 13. Jahrhundert (s. Regestrum Vara- diense), deren Haupt der Comes venatorum bubalinorum war. Unter ihm standen gewiß mehrere Hundert solcher Jäger (ein Beweis für den großen Bestand an Wisenten im NO des Landes- Marmaros —), denn selbe hatten besondere Offiziere, die amtlich decuriones venatorum bubalinorum genannt wurden.

Sehr fesselnd ist auch die Beschreibung (16. Jahrhundert) einer wilden Jagd auf einen aus dem Tiergarten entflohenen Wisent in der Nacht denn der wilde Jäger, den man schon als tot beweint hat, war ein deutscher Kaiser. (Dies geschah während seines Aufenthaltes in Ungarn.)

Derartiges (ganz neue, unbekannte Belege) habe ich massen- haft beschrieben (Monographie des ungarischen Wisent.). Auch die hochinteressanten deutschen Wisent-Ortsnamen sollten mehr beachtet werden. Bisher wurden zwar nur 7 bekannt ge- macht meinen ı5jährigen Bemühungen ist es aber gelungen aus alten Akten weitere 50 zu entdecken, die auch für die Kenntnis der Verbreitung dieses Tieres wichtig sind. In Ungarn kenne ich zirka 60 derartige Ortsnamen, die sich meistens im Karpathengebirge befinden. Wir haben auch viele Belege vom ungarischen Wisent in hiesigen und ausländischen herrschaftlichen Tiergärten (13.—18. Jahrhundert). Ganz speziell aber versorgte im 18. Jahrhundert immer Siebenbürgen die Wiener kaiserlichen Menagerien mit diesen Tieren (mehrere Belege vorhanden)

17 =

Dawn Szalay, Der Wisent im Brehm.

bis zirka 1789. Ich kenne sogar Zeichnungen von solchen Sieben- bürger Wisenten in Wien, von denen ich eine Photographie ver- fertigen ließ. (S. „Geschichte der Wisente in Wien“)

Ich muß schließlich auch einiges über die Geschichte des Düffels mitteilen.

41. Seite 324, zweiter Absatz; „Die Begleiter ALEXANDERS des Großen trafen den gezähmten Büffel in Persien an.“ Ganz falsch!. Arrxanper begegnete in Arachosien dem wilden Büffel, der etwas früher auch in Mesopotamien bezeugt ist. Er sagt doch (Hist. Anim. Lib. II. Cap. ı. Pars 4yg.), daß dieses Tier vom zahmen Ochsen sich derart wunZerscherdet (mithin kann er nicht zahm sein!) wie das Schwarzwild vom Hausschwein.

42. Detto, „Später mögen ihn die Mohammedaner nach Syrien verpflanzt haben.“ Monammen lebte 571—632. ,,Moham- medaner“ existieren daher nur seit 632; der Buffel war aber gewiß schon früher und zwar zirka 100 Jahre früher in Syrien (siehe später).

43. 324. Anfang des zweiten Absatzes. ,,Wann und auf welche Wege der gezähmte Buffel sich weiter verbreitet hat, wissen wir nicht.“ Heute wissen wir aber das schon so ziemlich. In einigen Wochen wird mein Studium ùber den mittel- alterlichen europäischen ,,//eerochs‘‘ erscheinen, wo vieles über die Geschichte dieses Tieres mitgeteilt ist. (,„Meerochs“ ist durchaus nicht der Elch, wie TrEıcHEL, NEHRING, Daums und viele glauben !!)

44. Seite 324, zweiter Absatz. „Im Jahre 596 unter AcıLuLr gelangte er zu nicht geringem Erstaunen der Europäer nach Italien“. Das klingt gerade so, wie wenn die Europäer dieses Tier erst 596 zu Augen bekommen hätten. Aber woher? Dieser falsche Satz ist in der Literatur sehr oft abgedruckt und, um hierin Klarheit zu schaffen, muß ich die Resultate meiner Arbeiten („Der Bubalus* und ‚die Geschichte des Büffels“ [Manuskript] ganz kurz mitteilen:

Der Wanderweg des zahmen Arni nach Europa weist folgende Hauptstationen auf:

1. Urheimat Indien.

2. Im 2. Jahrhundert v. Chr. gelangt er nach Persien. Der persische Name gaumisch (Schafochse) deutet darauf hin, daß dies kein genuines Tier Persiens war. Besonders am Südrande

Foe

Va

Szalay, Der Wisent im Brehm. 65

des Kaspischen Meeres gedieh der Büffel vorzüglich (in der Provinz Masanderan).

3. Im 1. Jahrhundert n. Chr. kam er zu den Arabern, wo er, besonders in Mesopotamien, neben dem Euphrat eine zweite Heimat fand (Hann) und von diesem Zentrum aus sich nach allen Richtungen verbreitete. Sein arabischer Name (ghiamus) ist ein persisches Lehnwort, und so kann er den Arabern nur von Persien aus bekannt geworden sein (BocHART, Hommet).

4. Arabische Gedichte erwähnen schon im 2. Jahrhundert n. Chr. den Ghiamus! (Entdeckung Honners.)

5. Etwa Mitte des 4. Jahrhunderts kam er nach Armenien, zur Südküste des Schwarzen Meeres, denn von einem anderen Tier kann die Station Bubalia nicht ihren Namen erhalten haben, die wir 366 auf der Casroriusschen Karte verzeichnet finden.

Von diesem Zeitpunkt an verbreitet sich der zahme Bubalus außerordentlich rasch.

6. Im 5. Jahrhundert ist er überall in Kleinasien zu finden und kam gegen Ende dieses Jahrhunderts am Westrande des Kaspischen Meeres, am Ostrande des Schwarzen Meeres, auch zu Schiff, teils als Handelsgegenstand, teils als Tribut und Kriegs- beute nach Südrußland, und somit nach Europa, wo ihm später die Avaren begegneten. Inzwischen fand er aber auch den Weg nach dem Süden.

7. In der ersten Hälfte des 6. Jahrhunderts ist er in Syrien, und kam vereinzelt als Geschenk nach Griechenland. In Süd- rußland treiben die Avaren große Büffelherden davon. Bald darauf kam er nach Ägypten.

8. Im Jahre 560 bringen die Avaren ihre Büffel nach Ungarn und von da

9. im Jahre 596 nach Italien. Die in der Chronik erwähnten Bubali sind ganz bestimmt die Büffel. (Haun irrt sich ent- schieden.)

10. Im Jahre 679 überschwemmen die Bulgaren das heutige Bulgarien mit ihren Büffeln, die sich von da aus bald über den ganzen Balkan verbreiten, so auch in Griechenland, wo aber auch schon früher vereinzelt kleinere Herden angetroffen wurden.

11. WiırLıarn spricht 786 in einer Weise von den syrischen Büffeln, aus der hervorgeht, daß diese Tiere hier schon seit wenigstens 100—200 Jahren eingebürgert sein mußten.

Zool. Annalen VL 9 ti

66 Szalay, Der Wisent im Brehm.

12. Im Jahre 869 erfahren wir, daß eine große Büffelherde sogar im Zentrum von Konstantinopel herumrennt somit ist leicht einzusehen, daß das schwarze Tier in der Provinz schon seit wenigstens 150—250 Jahren gezüchtet werden mußte. Bald darauf bringen die Ungarn ihre Büffel und Kamele nach Pannonien.

13. Im Jahre 1097 wimmelt ganz Syrien, Kleinasien, Agypten von Büffeln hierfür nabe ich viele sichere Belege (s. auch ,,Der Meerochs“). Vor 1063 sind schon viele Büffel in Sizilien.

14. 1206 ist er bei Adrianopel und in Ostrumelien nach- gewiesen.

15. 1154 kam eine Herde nach Frankreich, 1252 eine nach England.

45. Seite 325 unten. .,Der Büffel verschmäht geradezu. . wohlschmeckende Kräuter, und wählt dafür die dürrsten... aus“, So dumm ist er aber wirklich nicht (Orner etc.) er begnügt sich nur auch mit schlechtem Futter, und verarbeitet das groß- artig wo er aber eine fette Weide findet, gedeiht er noch besser! Obigem Irrtum begegnet man sehr oft in der Literatur, wir aber hier in Siebenbürgen, die wir in manchen Gemeinden mehr Büffel haben als Kühe, kennen unsere Haustiere doch besser.

46. 326, dritter Absatz. „Eine Kreuzung (zwischen Büffel und Hauskuh) hat bis jetzt noch keinen Erfolg gehabt, weil das Junge, dessen Vater der Büffelstier ist, schon im Mutterleibe eine so bedeutende Größe erreichen soll daßes.... getötet wird .... Die Frage, ob so eine Kreuzung erfolgreich werden kann, hat schon eine bedeutende Literatur (Szentkiralyi etc.) und die neuesten Werke sind noch immer Brexus Meinung. Hiergegen bringe ich es hiermit mit der Erlaubnis des Herrn Professors WELLMANN in Budapest zur allgemeinen Kenntnis, daß sich in Budapest, im kleinen Museum des tierärztlichen Instituts (Rottenbillergasse) ein ziemlich großer Bastardbüffel ausgestopft befindet, der, wie ich weiß, längere Zeit gelebt hat wie sich hiervon jeder an Ort und Stelle überzeugen kann (Abteilung Prof. WELLMANNS) und somit ist auch diese strittige Frage endlich glücklich aus der Welt geschafft!

47. 327, zweiter Absatz. „Das Fleisch des Büffels wird von Europäern nicht gegessen.“ Ist im Allgemeinen auch nicht richtig. In Siebenbürgen essen viele arme „Europäer‘ dieses

Szalay, Der Wisent im Brehm. 67

Fleisch, das besonders wenn nicht zu alt, zwar etwas härter als das des Rindes, aber dennoch genießbar ist. Bei uns wird es oft statt Rindfleisch verkauft; die Wiener essen auch sehr viel Büffelfleisch nur wissen sie es nicht!

Bemerkung. a) Jene Werke, die ich als meine eigenen wiederholt erwähnt habe (Manuskripte), sollen schon in diesem und im nächsten Jahre nacheinander im Drucke erscheinen.

b) Das Benützen des in diesem Artikel besprochenen wissenschaftlichen Materiales ist in jedem Falle nur bei Erwähnung des Autors und dieser Quelle gestattet.

5*

ue BRD;

A biographical sketch of Col. George Montagu (1755—1815).

English Field Zoologist by Bruce F. Cummings, British Museum of Natural History.

(Antea 1913, pp. 307—325-) Corrigenda et Addenda.

CORRIGENDA.

Page 308, line 21, for “Yet none or very few” read “Yet very few”.

Page 300, line 8, for “irate” read “irascible”.

Page 316, line 2, for “Mouse Harvest” read “Harvest Mouse”.

Ibid, line 5 Rhinolophus ferrum-equinum was added to the British list by Latham who discovered specimens at Dartford, Kent. (Pennant, Brit. Zoology, ed. IV, 129, 1776.)

Ibid., line 12, for “Sowerly” read “Sowerby”.

Page 317, 8 lines from bottom, for “Dr. M. Dougall” read “Dr. M’Dougall”.

Ibid., 16 lines from bottom, for “in” read “is”.

ADDENDA.

Literature.

(4). Lady Holland’s Journal (pub. by Longmans, 1908) including an account of a visit to Lord Boringdon at Saltram in 1799 when she met. Col. Montagu at dinner.

(5). The Kingsbridge Gazette (pub. in Devonshire), July 7th 1899. Supplement dealing with Col. Montagu, by Dr. E. A. S. Elliot, M. B. O. U.

(6). The Field Newspaper (London), July 24th, 1897. “Recollections of Col. Montagu” by Dr. E. A. S. Elliot, M. B. O. U.

(7). Transactions of the Devonshire Association, 1903, XXXV, pp. 430—433. “An Original Article on the Pilchard Fishery at Borrough Island by Col. Montagu a Hundred Years Ago, with supplementary notes to the present time Dy, Dr WAS Elliot, M2B 02%.

(8). Ibid. 1900, XXXII. pp. 271—276, “Notes from an unpublished M S. of a Contemporary of Col. Montagu—Dr. A. G. C. Tucker, of Ashburton”, by Dre eas Elliot, MB OU

70 Cummings, A biographical sketch of Col. George Montagu.

Lady Holland (4) the famous grande dame, visited Lord Boringdon at Saltram in 1799, where she met Montagu. She writes in her gossipy journal: “Col. Montagu I saw but once. Lord Borringdon announced him as a superior man and I was therefore prepared for something remarkable tho’ his praises are often queerly bestowed, frequently for the love of paradox, to surprise by admiring where others disapprove However, Col. Montagu appears to be clever. He launched forth on the topics he is au fait of and during a three hours’ assemblage of people at and after dinner, he gave the natural history of every bird that flies and every fish that swims. He is a man of bad temper nor does it sound creditable to him that none of his officers speak to him and they are on the eve of bringing him to a court martial. He is separated from his wife and might inherit an estate of his brother’s if he would be united to her, but the condition is too hard and he renounces the possession of a benefit so encumbered.”

I am much indebted to Dr. E. A. S. Elliot, of Slade, Kingsbridge, Devon, for drawing my attention to his note in “The Field” (6) in which he gives an interesting account of a conversation he enjoyed with a cottager, aged 96, who knew Col. Montagu and as a glazier’s apprentice put the glass into all his cases of stuffed birds. The Colonel often used to come into the workshop with his gun and dogs and say there was a case ready to be glazed. He was very fond of his gun which he called his “Joe Manton”. The Colonel was very genial with a good word for everyone although a man with peculiar tastes. For example, the old cottager, as a house decorator, remembered the very peculiar wall-paper on the staircase at Knowle. The house and grounds resembled those of Charles Waterton, the “mad Englishman” who lived at Walton Hall and wrote the famous “Wanderings in S. America“, for the house itself “was full of curiosities” and there were “live birds all over the grounds”. On the pond, he had ducks, gulls and all sorts of swimming birds. While some repairs were being done to the house and a lot of old timber was lying about, the Colonel stepped on a rusty nail and died of lockjaw in three days.

Many years ago, when Kingsbridge Church was being restored, the vaults in the aisles were opened and the lead stolen from the coffins. Montagu’s coffin the most massive of all presented some difficulty, but the lead was finally ripped off and the remains of the coffin and of the Colonel’s bones were pitched back into the vault. More recently, during a second restoration, Dr. Elliot, who has kindly sent me this information, upon dis- covering the sacrilege, rescued the breastplate and had it suitably framed and placed on the Church wall over the vault.

Biicherbesprechung.

Otto Keller, Die antike Tierwelt. 2. Band, 617 Seiten, 161 Abbildungen, ‚sowie 2 Lichtdrucktafeln. Leipzig, Wilh. Engelmann 1913.

Schon bei Gelegenheit der Publikation des 1. Bandes von KELLER’s yAntiker Tierwelt“ sind an dieser Stelle (Zool. Annalen, Bd. 3. p. 339/40) die Vorztige betont worden, die das Unternehmen willkommen erscheinen lassen: 1. Reproduktion antiker Tierbilder im Rahmen des zoologischen Systems, 2. gleichzeitige Bearbeitung des Materials nach kulturgeschichtlichen, philo- logischen und zoologiegeschichtlichen Gesichtspunkten. In derselben Weise wie im 1. Band die Säugetiere werden nun im vorliegenden 2. Bande die Vögel, Reptilien, Amphibien, Fische und Wirbellosen behandelt.

Über Adler, Nachtigall, Schwalbe und Gans hatte KeLLER schon früher (1887) in seinen „Tieren des klassischen Altertums“ eingehend berichtet. Jetzt erfahren wir näheres über alle möglichen anderen Vögel. Schon die Alten wußten z. B., daß der Kuckuck seine Eier in fremde Nester legt. Der Rabe wieder war dafür bekannt, daß er Land wittern könne, eine Fähigkeit, die häufig von den antiken Seefahrern ausgenützt wurde, auch von solchen, die, wie die Wikinger, nicht auf strikte Küstenfahrt sich beschränkten. Mit Hilfe vom Schiff aus losgelassener Raben soll z. B. Island entdeckt worden sein. Eine ziemlich bedeutende Rolle im Leben der Schiffsleute spielte auch der Eisvogel (Halkyone), dessen Brutzeit in den Dezember fallen und von ruhigem Wetter begleitet sein sollte. Da sein Nest den Alten unbekannt war, betrach- teten sie die Schwamm-, Kork- und Lederpolypen (Alcyonidae) als Niststätten des Vogels. Vom Sperling erfahren wir, daß er in den Ländern der alten Kultur offenbar schon so verbreitet war, wie heute bei uns, während in Mittel- europa seine allmähliche Ausbreitung erst mit der Entstehung und Ent- wickelung der Städte erfolgt zu sein scheint. In Anbetracht seiner unermüd- lichen Liebesspiele und seiner großen Fruchtbarkeit war der Sperling in Griechenland der Aphrodite zugesprochen. Auch die Taube war durch ihr Liebesleben aufgefallen. Im allgemeinen galt sie jedoch, in einigem Gegen- satz zum Sperling, als Symbol der ehelichen Treue; doch sahen etliche in der strengen Monogamie der Taube eher ein Zeichen großer Verliebtheit als übermäßiger Keuschheit, und noch im 18. Jahrhundert schrieb ein gewisser Riepiin eine Abhandlung ‚De turturum dubia castitate“. Ihr mildes Wesen wurde mit dem Mangel an Galle in Verbindung gebracht. In Wirklichkeit fehlt ihr aber nur die Gallenblase, Galle dagegen wird gebildet. Weiter er- fahren wir allerlei Interessantes über Taubenmästen, Taubenschießen und Taubenpost der Alten. Andere Verwendung fanden Hähne, Steinhühner (die Rebhühner der Mittelmeerländer) und Wachteln, die alle zu blutigen Kampf- spielen herhalten mußten. Der Berücksichtigung der ägyptischen Antike ver- danken wir in der Gruppe der Vögel längere Berichte über Ibis, Strauß und

72 Bücherbesprechung.

Storch. Auch von eigentlich exotischen, dem Mittelmeergebiet ursprünglich fremden Vögeln, die später als Nutztiere des Menschen eingeführt wurden, ist mehrere Male die Rede. So hören wir von der Einführung des Fasans aus dem Kaukasus, des Huhns und des Pfaues aus Persien, des Perlhuhns aus Nordafrika, während der Truthahn aus guten Gründen nicht erwähnt wird: er ist erst im 16. Jahrhundert aus Amerika eingeführt worden. An weiteren exoti- schen Vögeln waren den Alten auch die indischen Papageie bekannt, die afrikanischen dagegen nicht. Der „Menschenzungenvogel“ war im alten Rom sehr geschätzt, und zeitweilig wurde ein rechter Sport damit getrieben, ihm Begrüßungs- und Huldigungsformeln für den Kaiser beizubringen. Dem Papa- geienartikel ist die farbige Lumierereproduktion eines pompejanischen Mosaiks mit 2 Papageien und einer Taube beigegeben.

Von den Reptilien werden u. a. eingehend Gecko, Schildkröte, Cha- mäleon behandelt, für welch letzteres die bekannte vortreffliche Darstellung aus den Aristotelischen Schriften erwähnt wird. Um so mehr nur ist man nach Lektüre derselben wieder erstaunt, feststellen zu müssen, daß den Alten offenbar die Froschmetamorphose unbekannt war.

Ganz dem Wesen der Mittelmeerländer entspricht es, daß das Fisch- kapitel durch eine allgemeine Einleitung besonders hervorgehoben wird. Welche Rolle den Fischen in jenen Gebieten zukommt, davon kann man sich noch heute auf den mediterranen Fischmärkten eine Vorstellung bilden. Nicht alle den Alten bekannten Fische werden diesmal von KELLER behandelt; für eine solche Übersicht verweist er auf die Darstellungen, die er und Trr STRAM in englischen Werken 1905 und roro über die griechische und römische Fauna gegeben haben. Nur die wichtigsten Vertreter sind hier wieder ein- gehend aufgenommen. Vor allem erhalten wir einen höchst interessanten Einblick in den so bedeutsamen Thunfischfang, der offenbar im klassischen Altertum schon in ganz ebenso blutiger Weise wie noch heute im Mittelmeer betrieben wurde. Auch eine andere noch weniger erfreuliche Fangart war schon bei den Alten, wie verbotenerweise noch heute im Golf von Pozzuoli, im Schwung: nämlich das Vergiften des Wassers mit Cyclamenwurzeln. In welcher Weise und in welchem Umfang die Muränenzucht bei den Römern betrieben wurde, weiß man zur Genüge aus den mehr oder weniger ver- bürgten Erzählungen römischer Schriftsteller über Vedius Pollio, Hirrius, Hor- tensius u. a. Aber auch Fische, die nicht gegessen wurden, entgingen der Aufmerksamkeit der Alten keineswegs. So kannten sie die spezifische Wir- kung des Zitterrochens und das Aussehen des wahrlich nicht jedem modernen Naturforscher bekannten Schiffshalters, Æcheneis, den sie nicht unrichtig mit einer großen Nacktschnecke (limax) verglichen. Daß sie daneben über manche dieser Tiere, so gerade auch über den Schiffshalter, die wunderlichsten Mären zu berichten wußten, beeinträchtigt den Wert solcher Beobachtungen durch- aus nicht.

Unter den Wirbellosen interessieren vielleicht diejenigen am meisten, die gezüchtet wurden, so die Austern, bei deren Erwähnung der Plan einer Parkanlage abgebildet ist, dann die Schnecken, deren Zuchtstätten, die Coc- learien, sich bis in die Kolonien verbreitet haben und z. B. unter den römi- schen Überresten in Bonn a. Rh. gefunden wurden, weiter die Seidenraupen, aber nicht die chinesischen, Bombyx mori, die erst unter Justinian’s Regie-

Biicherbesprechung. 73

rung, d. h. im 5. Jahrhundert n. Chr. nach Europa kamen, sondern die ganz anders gestalteten koischen, Lasiocampa otus. Dieser große Nachtfalter mit seiner stark behaarten Raupe und dem mächtigen Puppenkokon findet sich noch heute in den Mittelmeerlandern, und sein Gespinst wird von den Bauern der Basilicata als Scharpie benutzt. Sonst ist sonderbarerweise im Altertum von Schmetterlingen sehr selten die Rede; auch die Bibel erwähnt sie nicht. Man sah in ihnen offenbar die Seelenvégel (Psyche!) und dachte dabei wohl hauptsächlich an die dickleibigen Abend- und Nachtfalter, die schon eher etwas Unheimliches haben konnten, so z. B. an den Totenkopf, Acherontia atropos, von dem sich stilisierte Abbildungen in den mykenischen Gräbern gefunden haben. Erst spàter, meint KELLER, als ,eine tandelnde und idyllische Richtung in Poesie und bildender Kunst aufkam, in der alexandrinischen Epoche, be- gann man beim Psycheschmetterling immer weniger an den traurigen Nacht- falter zu denken, sondern an den frisch-fròhlichen Tagschmetterling, der honig- naschend von einer Blume zur andern huscht, im Sonnenglanz sein herrliches Flügelkleid schillern läßt und in Lebenslust und -freude paarweise umeinander tàndelt“ (p. 439). Von Insekten seien noch erwahnt Laus, Floh, Wanze, Zikade, Mistkäfer. Sehr lehrreich für die Beurteilung unserer Vorstellung vom Leben und Treiben der Bienen und Ameisen ist es zu erfahren, wie die Alten dar- über gedacht haben. KELLER bietet da reichhaltiges, z. T. wohl einzigartiges Material.

In anderen Fallen allerdings, und gerade bei den Wirbellosen, ist der Verfasser nur bemiiht fiir antike Tiernamen den richtigen Trager im modernen Tierbestand ausfindig zu machen. Solche Identifizierungsversuche sind, so- weit die Aristotelische Fauna in Betracht kommt, schon eingehend und in durchaus befriedigender Weise von SUNDEVALL, AUBERT und WIMMER u. a. gemacht worden, so dafs der Zoologe nicht viel Neues zu erwarten hat und manchmal unbefriedigt bleibt. Immerhin ist es in diesen Zeiten hochgehenden Interesses an nomenklatorischen Fragen nicht uninteressant z. B. daran er- innert zu werden, daß die Bezeichnung Aplysia (Schmutz) bei ARISTOTELES einen Schwamm, nicht wie bei Linné den Seehasen betrifft. Ob der Philologe KELLER in Zoologenkreisen Erfolg haben wird, wenn er in warmer und ein- dringlicher Weise für die ursprünglich geltende Schreibweise Lo/ligo (statt Loligo) und Pina (statt Pinna) eintritt, muß dahingestellt bleiben. Bedauern darf man wohl, dafs der Verfasser nicht bei möglichst vielen Tieren die in Betracht kommenden monographischen Bearbeitungen oder sonstigen Quellen zitiert hat, so z. B. für die Steckmuschel und ihr kommerziell verwertetes Produkt, den Byssus. Bei einer ganzen Reihe von Tieren, wie beim Huhn, bei der Perlmuschel, bei der Spinne, ist jeweils eine gute Literaturzusammen- stellung am Schluß des betreffenden Abschnittes angebracht. Andere Male, so bei der Biene, der Ameise, der Purpurschnecke sind die einschlägigen Arbeiten wenigstens zerstreut im Text erwähnt. Häufig, z. B. bei Echeneis, wünschte man auch ausdrücklich zu wissen, ob keine Abbildungen des be- treffenden Tieres aus dem Altertum bekannt sind, wie eine solche Angabe bei einzelnen Tieren sich auch in der Tat findet (Lämmergeier, Eisvogel, Trappe). Gerade die Abbildungen nämlich, das sei zum Schluß nochmals betont, bilden ja einen ganz besonderen, spezifischen Vorzug des KELLER- schen Werkes. Strohl (Zürich).

Der Meerochs.

Ein Beitrag zur Geschichte des Zebu, des „Büffels‘“, des Elches, der mit „Meer“- zusammengesetzten alten Tiernamen usw.

Von Dr. B. Szalay in N. Szeben-Hermannstadt.

IL Die Auffassung Treichels, Nehrings und Dahms.

Dr. Joacuim veröffentlichte im Jahre 1896 ein kulturhistorisch äußerst wertvolles Werk: ‚Das Marienburger Treßlerbuch der Jahre 1399 bis 1409‘. Es stellt die Rechnungsbücher des Deutschen Ordens dar, mit mannigfaltigem Inhalte, welcher auch für die Tiergeschichte eine reiche Quelle bildet. Es wird uns darin der lebende Wisent und der Ur (os primigenius) wiederholt vor Augen geführt (von diesem an einem anderen Orte) unsere Aufmerksamkeit wird aber hauptsächlich durch den Namen eines ganz unbekannten Tieres des Meerochsen gefesselt, welches am Anfange des XV. Jahrhunderts im Stuhmer Tiergarten (Stuhm in der Nähe von Marienburg in Westpreußen) in mehreren Exemplaren ver- treten wart).

Im Treßlerbuche ist hierüber folgendes zu lesen:

P. 126: ,1401. Nov. 5. Item 3 firdung dem manne, der zum Sthume der merochsen wart, und 3 fird, dem manne, der der tyr (Hirschtier) wart.“

1) Die erste Notiz von diesen Tieren finden wir in einem Werke von Jou. Vorcr:

Das Stilleben des Hochmeisters des deut. Ordens. Raumers Histor. Taschenbuch I. 1830. p. 196. Die zweite bei J. G. Buyack (Gesch. d. Preuss. Jagdw. 1839. 12). STRICKER

(Gesch. Menag. 13) erwähnt selbe mit Fragezeichen „Meerkühe und Meerochsen?“

Zool. Annalen VI 6

70 Szalay, Der Meerochs.

P. 153: „1402. Febr. 22! Item 3 Sch. dem manne der zum Sthume der meerkü wart P. 322. 1404. juni 9. item 4 scot Brandenburg (so hieß der

Verpfleger dieser Tiere) gegeben, der der meerkuwe hut zum Stume“,

P. 322. 1404. oct. 20: 16 scot Brandenburg, dem, der mer- kwu hut zum Sthume. zum rocke gegeben etc.

P. 360: 1405. Sept. 6, (vom Marienburger Hauskomptur:) »4 scot dem manne der der hirzen zum Sthume wart . 4 scot dem knechte gegeben der der kuw zu Sthume warte |

P. 363: 1405. Oct. 14: 5 fird. vor 7. elen groes (= grobes)

gewandes, dem knechte, der das meerkuw hüt..... dem hirzhüter ouch 10 elen“.

P. 365. 1405. ©Oet. 15: la Ard. 1% seh’ den #zwen (nämlıch Knechten) zum Sthume gegeben, die der merkü und der hirzen warten,

BP. 401. _ 1406. Juli 25. „a (scot idem! hirtens ders der meiew- kuw zu Sthume wart

P. 406 1406. Nov. 2. .... den zwen herten die der meer- qwü und den hirzen zu Sthume huten...

R417 = 1407 Bebr. 10.) ide ., zulSthumerdemy hir. hirten und merkuwhirte .

P.447..—= 1407." Nov.) 297,10 scotmzwen hirten‘. „2. die, .der merkuwe und der hirzen huten

P. 512. 1408. Nov. 19: 4 scot dem tyrhirten und merkü- hirten zum Sthume .

P. 583. 1409. Nov. 5 (vom „Huskompthur zu Koninges- berg“) item ı m. 24/2 scot vor 20 elen gro gewant dem

tyrhirten und merkühirten zum Sthume.*

A. Nenrinc bemerkt mit Recht (Über Ur und Wisent nach dem Treßlerbuche -— Globus [Andree] LXXIV. 44.—1898 Braun- schweig) daß hier immer von denselben Fxemplaren die Rede ist, deren Zahl sich erst im Jahre 1407 durch einige neue Stücke vermehrt hat.

Nerurinc hatte die Vorsicht, bei Dr. Joacum anzufragen, ob die Lesart dieser Namen außer Zweifel richtig sei, und ob selbe nicht auf Uerkuh zu deuten seien (= Urkuh). Der Befragte verneinte aber dies auf das Entschiedenste.

Szalay, Der Meerochs. 77

A. Treıcner hatte sich für die Deutung dieser Tiergattung sehr interessiert (Der Tiergarten zu Stuhm nach dem D. O. Treßler- buche, Zeitschr. d. hist. Ver. f. d. R.-Bez. Marienwerder, Heft XXXV. 1897. p. 61—77) und kam zu der Überzeugung, daß diese Tiere keine eigentlichen Meertiere sein kònnen, denn in Stuhm stand gewiß kein Salzwasser zur Verfügung außerdem könnte z.B. der 7richechus Manatı unmöglich mit den Hirschen zusammen, auf gleiche Weise im Stuhmer Park verpflegt werden. Und wenn das dennoch der Fall gewesen wäre, so müßten wir im Treßlerbuche gewiß vieles über die kostspielige Verpflegung lesen hiervon ist aber keine Spur vorhanden. Auch eine Robbenart (Halichoerus Grypus s. bei NeHRING) kann sich nicht unter dem Namen „Meerochs“ verbergen, denn diese hießen ge- wöhnlich Seehunde (TrEıcHEL 66. 67). Der Wisent, der unter diesem Namen im Treßlerbuche wiederholt erwähnt wird, ist mit Sicherheit auszuschließen. Nach all diesem bleibt uns nichts übrig, als den rätselhaften Namen mit dem des Elches zu identifizieren. Das Volk kannte nämlich das Elend, welches damals hauptsächlich an den Ostkiisten des Kurischen Haffes anzutreffen war. Bei dem Ausdrucke „Merochs“ handelte es sich mithin nicht um ein in der See selbst lebendes Wesen, sondern um ein lier vom oder am Meere“. Der Name „Ochse“ ist nicht auffallend, wir nennen doch auch heute das Weibchen des Elches: die Kuh, als Beweis, daß wir auch heute gewisse Be- ziehungen zwischen diesen beiden Tierarten wahrnehmen. Die Elche waren damals bei Stuhm selten, der Verfasser des Treßler- buches kannte sie nicht, kümmerte sich auch um die richtige Benennung wenig, sondern taufte sie, weil sie aus der Richtung des Meeres kamen, einfach Meerochsen. Sie bildeten eine Sehens- würdigkeit für die Stuhm besuchenden Ritter aus dem ober- : deutschen Binnenlande, die das Elch auch nicht kannten. (Treı- CHEL 67.)

Daums (1898. 268 b) hatte die in Frage stehende Stelle des Treßlerbuches auch erörtert und kam zu demselben Resultate, wie IREıcHEL: Die süddeutschen Gäste haben nie einen Elch ge- sehen; gaben ihm den Namen „Meerochs“, und dieser war dann unter den Preußen ‚zum Schluß kurzerhand im Gange“.

Hingegen behauptet aber NEHRING (p. 47) wohl mit Recht, daß das Elch im Jahre 1400 nicht nur neben dem Nordmeere, sondern überall in Preußen häufig war, derart, daß es in der ersten

6*

78 Szalay, Der Meerochs.

Halfte des 18. Jahrhunderts noch in Schlesien und sogar in Sachsen verzeichnet ist. Mithin kann sich die erste Silbe des Wortes Meer- ochs nicht auf die See beziehen, sondern selbe muf als eine Umwandlung des Wortes ‚Moor‘ aufgefaßt werden, da bekanntlich das Elen überall die sumpfigen Wälder mit Vorliebe zu seinem Aufenthaltsorte wählt. In dieser Annahme wurde NeHRING noch dadurch bestärkt, daß der richtige Name dieses Tieres (Elch) im Treßlerbuche nirgends erwähnt wird.

Durch diese Erörterungen wenig zufriedengestellt, suchte ich emsig im großen Deutschen Wörterbuche der beiden Grimm, um die alten Erwähnungen der Chroniken daraus kennen zu lernen, mußte aber mit Staunen konstatieren, daß Grimm den Ausdruck Meerochs, in unserem Sinne, nicht kennt, denn er führt unter diesem Namen drei verschiedene Tiere an:

a) Zrechechus Manatı,

b) eine Fischart,

c) einen Vogel: Rohrdommel.

Ich forschte daher weiter.

Nach Jou. Curist. ApeLunc (Grammat. Krit. Wörterb. d. hochdeut. M. 1808. Wien. p. 434 und Friscu, Wörterb. p. 40) soll das Meerrind ein Vogel sein (Rohrdommel = Ardea stellarıs), der in anderen Gegenden der Schweiz auch den Namen: Moor- ochse führt. Hier steht also auch Moor statt Meer, und dies spricht scheinbar wieder für die Richtigkeit der Neurınsschen Anschauung.

Im Grossen vollst. Universal-Lexikon (von JoH. HEINR. ZEDLER 1733. Halle) lesen wir:

Meerochs = Hıppopotamus.

Ich muß dazu gleich bemerken, daß ZEDLER hier einfach einen französischen Namen: Boeuf de mer, den man in Frankreich hie und da für das Nilpferd anwendete, verdeutscht hat, siehe: Dic- tionnaire des Sciences Natur. Strassb. 1817. V. 33.

Zum Vergleich füge ich hier die alten Namen des Nilpferdes hinzu; es sind dies:

Meerpferd und Meerroß (ZEDLER),

Meerpferd = Hippopotamus = ein Tier im Meere, sagt Frisch,

054,

Mer-ros = Hippopotamus (LexER I. 116),

Merphert = Hippopotamus (DierenpacH; LEXER),

Wasserpfard Equus fluminis (MEGENBERG p. 236), darauf folgt die Beschreibung nach den alten Griechen),

Szalay, Der Meerochs. 79

Gerade bei den zahlreichen Umdeutschungen MEGENBERGS habe ich bemerkt, daß viele dieser deutschen Tiernamen rein nur bessere oder schlechtere Übersetzungen aus dem Lateinischen darstellen, die das Volk und ebenso die Literatur vorher nie kannte. Oft wird es von Wichtigkeit sein, diesen Grundsatz vor Augen zu halten.

Das ,Merrint“ wird auch bei MEGEnBERG (XIV. Jahrhundert) erwähnt, aber nur als eine Robbe (Buch der Natur, 237, 19):

„Foca haizt ain merrint“. Kommt auch in Glossen vor. Deshalb sagt Lexer I. 2111 (Handwb.):

Merkuo = foca.

Dieses Tier hieß auch Meerkaib (Albert. Mag: Von Weibern, 1575, Frankfurt. 100). Wir lesen bei STEINMEYER (Althd. Glossen INA 120):

Alga merogs.

Alga = herba maritima, meergras.“

(Glossae Salomonis). Das erste ,merogs“ dürfte hier nur eine Verschreibung sein, statt „mergras“.

Weiter folgt die Glosse:

„Bullus = thaurus marinus, qui dicitur selh (shel)“ und dazu:

youllo = taur“. (STEINMEvER IV. 182).

Es ist damit wieder eine Robbe gemeint.

(Selah = phoca = bos marinus, sagt Cod. Selestad. f. 124a. Siehe auch bei ARENANDER p. 64).

Die Robben haben überhaupt in alten Glossen oft die Namen: Merihunt, Merikuo, merikalb, meriohso.

Bei Jou. LeonH. Frisco (Teutsch-lat. Wörterb. Berlin 1741) bedeutet das Wort Meerochs = eine Rochenart (einen Fisch); Meerkuh eine Fischart in Amerika = Vacca marina.

Der niederländische MAERLANT sagt anno 1268: „Foca dat es een stier van der zee“. I. 322.

Es steht aber fest, daß unter den gleichlautenden Namen des TreBlerbuches unmôglich ein Vogel oder das Nilpferd ver- standen werden kann, denn wir wissen aus der Geschichte des letzteren, daß //rppopotamus sehr selten, nur mit den größten Schwierigkeiten und nie in Mehrzahl nach Europa gebracht wurde, immer als eine große Sehenswürdigkeit galt, welcher gegenüber, besonders in Anbetracht der großen Auslagen, mit denen die Verpflegung des Tieres verbunden ist, sich unsere

80 Szalay, Der Meerochs.

Quelle gewiß nicht so wortarm verhalten würde, als dies der Fall ist. Ich glaube, niemand wird es fiir wahrscheinlich halten, daß im Jahre 1408 im Stuhmer Wildparke etwa acht Nilpferde sich: zwischen den Hirschen aufgehalten hätten, ohne daß dieser Fall durch alle Chroniken weltberühmt geworden ware.

Kurzum, aus den philologischen Lexikas läßt sich das Wort Meerochs nicht deuten.

Wir miissen nun auf die Unzulänglichkeit der bisherigen Deutungsversuche näher eingehen.

1. Es ist rein unmöglich, daß die deutschen Bewohner Preußens den Elch je einen Meerochsen hätten nennen können. Den Kern der TreıcneL schen Beweisführung bildet die Annahme, daß der Alces im Jahre 1405 schon in Preußen ein seltenes Tier und gerade deshalb sein deutscher Name nicht allbekannt war. Daß das eine vollkommen irrige Annahme TREICHELS ist, darauf hat schon NeHRInG hingewiesen. In der Zeit war dieses Tier nicht nur in Preußen, sondern sogar in Süddeutschland noch gewöhnlich, derart, daß sein Name jedem deutschen Bauer wohlbekannt war. Um so mehr mußte ihn aber der Schreiber des Treßlerbuches kennen, weil er doch bei den die Jagd in hohem Grade liebenden Hochmeistern angestellt war (s. Voıcr), derart, daß er die in der Nachbarschaft erlegten Elche jede Woche mit eigenen Augen besichtigen und deren Namen von einem jedem Diener hören konnte und hören mußte.

Alle die vielen Verfasser, die uns die Geschichte des deutschen Elches überliefert haben, behaupten einstimmig die Häufigkeit des Alces nicht nur im ı5., sondern auch in den viel späteren Jahrhunderten in Ostpreußen. Ich könnte hier leicht 80—100 Werke erwähnen, nachdem ich die Literatur über dieses Tier seit Jahren sammle; es sei hier jedoch nur auf einige hingewiesen: Lanpau (Gesch. Jagd in Hessen, p. 205); mehrere Aufsätze von Buyack; BRINCKEN, WANGENHEIM, ÖLBERG, RzaczynsK1, Bock, Riesen- THAL, SCHLOTFELDT, WIGAND (1590), Baccro ANDREA, GESNER, Lucas Davin I. 64 anno 1576), SCALIGER, NIEREMBERG, MENABENUS APOLLONIUS 1581, Datums und viele andere.

Kart Hipper behauptet (Die früheren und heutigen Wild- bestande Ostpreußens, Neudamm 1897. p. 52), daß der Elch im Jahre 1700 in allen Wäldern Preußens gewöhnlich und dem Volke ein sehr bekanntes Wild war. Sein Fleisch war noch Ende des XVIII. Jahrhunderts nicht teurer, als das Hirschwildpret (Dans,

N

Szalay, Der Meerochs. 81

Ehem. Verbreit. u. Auss. d. Elches. Globus 1898. 238a). Als diese Tiere im Jahre 1848 bei Ibenhorst massenhaft nieder- gemetzelt wurden, war der Preis eines Pfundes auf 5 Pfennige gesunken.

Bock schreibt noch im Jahre 1784, daß er sehr oft Gelegen- heit hatte, das Elen in Preußen zu sehen und in der freien Natur zu beobachten (IV. 94). Der Preis eines ganzen abgeschossenen Elches war im Jahre 1782 nur 10—12 Taler. Damals war zu Kônigsberg (also unweit von Stuhm!!) eine , Wildprettfaktorey“ errichtet, welche auf Bestellung das Fleisch jedes Wildes, und speziell auch dasjenige des Elches in jedem Quantum lieferte.

Ich glaube, hiermit zur Genüge bewiesen zu haben, daß das Elen im Jahre 1400 bei Marienburg ein sehr gewöhnliches Tier sein mußte, dessen Name jedermann kannte, und gerade deshalb spielt er auch im Stuhmer Wildparke keine Rolle! somit fällt aber gerade die Basis der TrercHELschen und Neurincschen Hypothese weg!).

2. Die Alten hatten von der Einteilung der Tiere ganz andere Ansichten, als die heutige Zoologie. Wir wissen z. B., daß die Römer das Nashorn (Boves aethiopici) und den Elefant (Boves Lucae) als Ochsenarten betrachteten. Die Araber faßten die Hirsche und die Antilopen auch als Ochsen?) auf.

KEMALEDDIN EL Damirr (7 1405) reiht unter dem Titel: Die wilden Ochsen nur Antilopen auf; Kazwini hingegen den Hirsch

(BocHArTus II) 972). In vielen Werken lesen wir, daß die Araber noch heute dieser Auffassung huldigen (SHaw, HEUGLIN, Hommet etc.). Ähnliches bietet auch die große Naturgeschichte

(Pen thsao kang-mu) des berühmten chinesischen Naturforschers Lı-Car-Tscahm (XVI. Jahrh.) wo beim Genus Rind auch der Yack, die Antilopen und das Rhinoceros aufgezählt werden (AzBEL- Rémusat: Mémoires de l’Inst. Roy. de France X. 1833. 132. Paris). Die Araber betrachten auch das Nilpferd als eine Ochsenart, dessen Name „Wasserbüffel“ = ,Gamus el Baher‘ ist (HeuGLIN, Reise im NO. Afr. 1877. 96). |

1) Gerade Preußen ist der Teil Deutschlands, wo sich der Elch am längsten bis heute erhalten hat. In Süddeutschland verschwand er bedeutend früher, und besonders im westlichen Teile der deutschen Heimat. So lesen wir in der Frankfurter Chronik aus dem J. 1751 (Der Zoolog. Garten: Max Schmidt, 1867. 347), daß dort in einer wandernden Menagerie „ein fremdes Thier“ zu sehen ist, nämlich der Elch.

?) Hierüber ausführlich in meiner Monographie „Der Bubalus“.

Szalay, Der Meerochs.

00 to

Demgegentiber besitzen wir aber gar keine Belege dafiir, daß .der germanische Genius je die Hirsche zu den Ochsen ge- zählt oder selbe Ochsen genannt hatte. Der Umstand, daß das , Lier“ der Hirche auch heute zuweilen „die Kuh“ genannt wird, gehört unter eine ganz andere Beurteilung, indem das Wort „Kuh“ gar nichts anderes, als nur „das weibliche Tier im allge- meinen“ bezeichnen will, so daß dasselbe sogar für den weiblichen Elefant gebraucht werden könnte, ohne daß dabei der männliche für einen „Stier“ gedacht werden müßte.

Hiermit wird aber auch die Annahme Neurincs: „Meerochs = Moorochs = Elch“ äußerst unwahrscheinlich; dabei ist auch die für das Jahr 1407 schon vielleicht anachronistische Philo- logie (Meer = Moor) zu berücksichtigen.

3. Es muß schließlich nochmals mit Nachdruck hervorgehoben werden, daß dieses Tier, dessen uralte deutsche Namen: Elahò, Elch, Schelch, Elen, Elendt in unzähligen mittelalterlichen Glossen angeführt werden!) im 15. Jahrhundert überall eine alltägliche Erscheinung war, dessen Name gerade so allbekannt sein mußte, als heute derjenige des Rehes und somit müssen wir logisch daran festhalten, daß der Elch nirgend und nie mit dem ganz dunklen und gar nicht passenden Namen „Meerochse“ angeführt werden konnte.

Setzen wir den Fall, ein ,vornehmer Fremde“ würde das Reh einmal „Rotschaf“ oder „Meerbock“ nennen: Was glauben meine Leser, wird sich nur ein einziger Bauer oder Waidmann finden, der ihm diesen pedanten Namen nachsagen würde? Wird dieser „kurzer Hand im Gange sein“? Gewiß nicht und wenn doch so nur als Spott! Der Bauer war und ist immer sehr konservativ.

Ich rekapituliere:

TREICHEL und NEHRING zogen alle Umstände in Erwägung und kamen zu dem Endresultat, daß der Meerochs nur der Elch sein kann. Wir haben aber in obigen drei Punkten bewiesen, daß der fragliche Name gerade auf den Elch am wenigsten paßt. Damit ist auch festgestellt, daß heute weder die Zoologie noch die Philologie von der speziellen Bedeutung des Wortes Meer- ochse irgend eine Ahnung besitzt. Daß dies aber auch von der Geschichte gesagt werden muß, wird später erörtert.

1) Siehe diese bei STEINMEYER.

Szalay, Der Meerochs.

(oe)

IL.

Nehmen wir nun Abschied von Preußen und vom Stuhmer Wildpark, um der schönen großen ungarischen Ebene (Alföld) einen Besuch abstatten zu können, deren Bewohner, berühmt durch ihren gesunden Menschenverstand und die Originalität ihrer Auffassungsweise, schon oft die Lehrer der Gelehrten wurden.

In unübersehbarer Weite wogt das gelbe Meer des berühmten fetten ungarischen Kornes, des Hafers und des Maises. Den letzteren heißt der Ungar tengeri. Siehe da! welch’ eine ganz eigentümliche Benennung. Tengeri bedeutet soviel, als im Latei- nischen marinus = „vom Meere stammend“. (Tenger = Meer). Wie kam der Mais zu diesem merkwürdigen Namen?. Das Wörterbuch belehrt uns: „Tengeri“ ist nur eine Abkürzung und sollte heißen „tengeri bùza“ d.i. Meerkorn. Die Geschichte der ungarischen Sprache beweist, daß der Ungar viele Gegenstände, die zwar nicht aus dem Meere, aber doch über das Meer, d.h. auf einem Schiffe ins Land kamen, mit dem Adjektiv tengeri be- zeichnet, und somit bedeutet dieses Wort im allgemeinen nur so viel: auBereuropäisch. Die Volkslogik meint nämlich, daß jedes Land, welches uns seine überseeischen Produkte liefert, neben dem Meere liegen muß. Somit wurden auch solche Gegen- stände, die aus Zentralasien stammten, als Meerwaren bezeichnet, sie kamen über’s Meer. Als Beweise dieser Auffassungsart dienen z.B folgende Namen: Tengeri macska (Meerkatze), tengeri tyuk (Meerhahn = der Truthahn aus Amerika), etc. siehe später.

Wenn man die mittelalterliche Bedeutung des Wortes tengeri näher prüft, so wird dieselbe immer natürlicher und logischer erscheinen, dermaßen, daß es sogar zu wundern wäre, wenn diese Logik nur dem ungarischen Bauer eigen gewesen wäre. Ich habe Belege dafür, daß dieselbe auch in anderen europäischen Sprachen, so in der holländischen, ferner auch in der französischen. auftaucht: Dindon du mer ist der Truthahn (Suolahti 244). Binden, —dinder ‚de md)

Wir sind in der Lage, viele hierher gehörende Beispiele in der deutschen Sprache vergleichen zu können.

Halten wir uns an den großen Sprachschatz Grimms. Man findet da über 100 Wörter, die mit dem Substantivum Meer- zusammengesetzt sind. Uns interessieren aber hiervon zuerst nur die zoologischen Benennungen, ca. 50 an der Zahl, die wir in vier Gruppen teilen können.

AOL Te

84 Szalay, Der Meerochs.

TEN,

1. Die meisten mit Meer- verbundenen Hauptwörter beziehen sich auf solche Tiere, die tatsàchlich im Meere hausen, wie Fische, Weichtiere, Strahltiere, Würmer usw.:

Meerapfel = Meerigel = Seeigel = Æchinus,

Meeresel = ein Fisch (Rrombus),

Meerhahn, Meerhase, Meerhirsch, alles Fischgattungen.

Meerhund = Seehund (Robbe),

Meerrind = Robbe (bei MEGENBERG),

Meerkalb = Phoca vitulina,

Meerkuh und Meerochs = Manati, Lamantin (= ein Sauge- tier),

Meerlöwe = Seelöwe (Robbe),

Meermaus (Aphrodite aculeata L.) eine Art Ringelwürmer,

Meerpfau und Meerpferd sind Fische (Seepferdchen),

Meersau, eine Haifischart,

Meerschlange (fabelhafte Schlange),

Meerschwein = Delphin,

Meertaube = ein Fisch,

Meerwidder = Walfischart,

Meerwolf alte Benennung einer Robbenart.

2. Tiere, besonders Vögel, die sich nicht immer im Meere, sondern meistens nur in dessen Nähe, an den Küsten aufhalten:

Meeradler,

Meeramsel,

Meerdrehals,

Meerente = Anas nigricans, (Meerfichte: Pinus maritima), Meerhuhn = Scolopax glottis et totanus, Meerlerche = eine Art Strandlaufer, Meerotter = Seeotter = Mustela lustris, Meerschwalbe = Sterna,

Meerzeisig ein Vogel.

3. Diese Gruppe wird durch Namen dunklen Ursprungs ge- bildet, wo das Wort Meer- nicht erklart werden kann. Da spielen entweder alte Fabeln, Sagen, oder Mißverständnisse und Un- gelehrtheit eine Rolle, in anderen Fallen wird es sich um die so gewohnlichen Tiernamen-Ubertragungen handeln (siehe über diese ausführlich in meiner Arbeit: Die Namen des Wisent) dann

Szalay, Der Meerochs. 85

um Idiomen oder wohl um einfache Irrtiimer der Verfasser, ja um Schreibfehler der Abschreiber. Hierher gehòren z. B.: Meerochs und Meerrind = Rohrdommel.

Wir haben es da nur mit einem Provinzialismus zu tun, und diese Benennungen sollen auf Moorochs und Moorrind richtig- gestellt werden, wie denn viele Sprachen die Rohrdommel durch den Namen ,Moorstier“ wiedergeben, wie: Boeuf de marais, buhai de balta (Moorstier, im Rumänischen), Nadibika (Rohrstier, im Ungarischen); ,Ochsvogel“ in mehreren türkisch-tatarischen Sprachen; sogar im Deutschen: Urrind, oder Mooskuh (FriscH, Wôrterb. 40.) Der lateinische Name: Botaurus scheint auch zu dieser Sippe zu gehören. (Vincentius BeLLovacensis sagt: Bo- taurus, quasi boo-taurus!).

Meer und Moor haben dieselbe Wurzel und konnten sich im frühen Mittelalter ersetzen.

Das Bläßhuhn (Zudca atra) heißt niederl. meerkoet, weil hier meer = Sumpf. Das Teichhuhn (Gallnula chloropus) hatte früher auch den Namen: Meerhuhn, wo Meer wieder die Be- deutung von Moor hat (SuoLAHTI 302 und 307).

Es gibt aber auch falsche Meer-Zusammensetzungen. Aus dem lateinischen Vogelnamen Merg-us entstand früher die deutsche Benennung merch, dann Merrache und schließlich Meerrache (SUOLAHTI 440.)

4. Diese Gruppe ist entschieden die interessanteste, indem uns die hierher gehörenden Namen den klaren Beweis liefern, daß gerade entsprechend dem ungarischen Ausdrucke tengeri buza, mehrere deutsche Tier- und Pflanzennamen gebildet wurden, in welchen das Wort Meer- allein nur die außereuropäische, durch Schiffe bewirkte Herkunft zum Ausdrucke bringen will. Das sind folgende:

1. Meeraffe und

2. Meerkatze, eine Affenart in Afrika (Cercopithecus),

3. Meerschweinchen = Cova cobaya, stammt aus Brasilien,

4. Meerwolf = die Hyäne in Afrika (Nenmicu).

5. Meerochse muß somit auch hierher gehören.

Ich fand in der übrigen Literatur noch einige lehrreiche Beispiele:

6. Meergans ist der Pelikan (ApeLunc und viele andere,

STEINMEYER etc.),

86 Szalay, Der Meerochs.

7. Meer-Ferkel = Tati, der Armadill oder Gürteltier (Dasy- pus) in Amerika (ZEDLER, Gross. vollst. Universal-Lexikon, 1733. Halle), Meer-Elster = die „persianische Elster“ (ZEDLER), 9. Meerschwein (Merswein = Dornswein = Istrix, bei MEGEN- BERG p. 142), d.i. das Stachelschwein in Nord-Afrika und Spanien. 10. Meerhuhn = Truthahn (aus Amerika, SuoLAHTI 243, 244.) (Link heißt ihn den „welschen Hahn“. (Urwelt u. Alt. 1821. p. 204). 11. Meerhirsch = Antilope! in der Frankfurter Chronik (Dr. .. Max Scamipr, Der Zool. Garten VIII, 1867. 431), die im Jahre 1771 eine Menagerie uns vorführt, in welcher ,zwey Ostindische getygerte Meer- Hirschen, oder Antiluppen genannt, aus Ceylon“ zu sehen waren (= die Antzlope prcta = Nilgau nach Scumiptrs Meinung).

Hieraus lernen wir, daf diese Ausdrucksweise noch vor 140 Jahren Gang und Gabe war und oft für außereuropäische Tiere angewandt wurde; das diesbezügliche Sprachgefühl ver- schwand also erst im Anfange des XIX. Jahrhunderts aus der deutschen Sprache!), Interessant ist aber das hohe Alter der mit Meer- im erwähnten Sinne zusammengesetzten Tiernamen, indem z.B. die Meerkatze schon in einer althochdeutschen Quelle aus dem XI. Jahrhundert merchazza (STEINMEYER III. 34) genannt wird. Die Wiege dieser Auffassungsweise muß also unbedingt bis ins gotische Zeitalter zurückgelegt werden ?).

O0

ADELUNG erklärt das Wort folgendermaßen: „Weil dieser Affe aus wärmeren Ländern über das Meer zu uns gebracht wurde“. Diese Erklärung wurde schon seit ZEDLER oft wiederholt, aber nur in der Form einer Vermutung. Näher hat sich unseres Wissens mit diesem Gegenstand niemand befaßt.

Das Wort Meerschwein hat in der alten Litteratur eine vielfache Bedeutung. Meistens bezeichnet es den Delphin in den Glossen (MEGENBERG 27. 117. 141. 256, LEXER, DIEFENBACH Wörterb.

!) Die Namen: Seehund und Meerkatze kommen in den Chroniken des 17. und 18. Jahrhunderts wiederholt vor, so z. B. in der Solothurner Chronik des Jahres 1663, (Der Zoolog. Garten 1867. p. 66. 346).

?) Siehe weitere Erwähnungen im STEINMEYER III. 81. 714. IV. 355. Da guieen ist der Name mit, spinga, spinta, symia wiedergegeben. (Ferner bei LexER, KLUGE | usw. Auch in den Carmina Burana verzeichnet = XIII. Jh.)

Szalay, Der Meerochs. 87

756), aber auch eine Fischart, welche MEGENBERG Porcus marinus heißt. Dasselbe kommt auch bei Marrtant (Naturen Bloeme) vor II. 30.

Das bekannte heutige Meerschweinchen (Cazia cobaya) heißt bei Friscx (p. 654) Meerschweinlein = Cuniculus brasilianus = Porcellus transmarinus.

ZEDLER sagt schon im Jahre 1739, daß es den Namen daher bekam, weil es „aus Westindien übers Meer zu uns gebracht“ wurde. (Wiederholt bei ADELUNG).

Dieses Wort hat also vier ganz verschiedene Tiere bezeichnet.

Sehr interessante und lehrreiche Beispiele habe ich aus der ungarischen Sprachgeschichte gesammelt:

a) Tengeri juh (Juh = Schaf), also Meerschaf). Im Jahre 1543 wird eine türkische Fahne erwähnt, die mit dem Schweif irgend einer orientalischen Schafart geziert war (— bei ZOLNAY.)

b) Tengeri kecske (Meerziege). Eine auslandische Ziegen- art, die sich in einem Tiergarten befindet 1568. (Zay, Vadaszlap 1889. 83.)

c) Tengeri macska (Meerkatze) = Cercopithecus (Pallas Lex.)

d) Tengeri malac = Meerschweinchen, Cavza cobaya aus Brasilien,

e) „Lengeri tik“ (= Meerhahn) = der Truthahn! weil er aus Amerika stammt. (Comenius 30.)

5. Die letzte Gruppe entstand durch Verallgemeinerung der Bezeichnung „Meer“ im Sinne „ausländisch“. Diese Namen lauter Provinzialismen beziehen sich auf solche Tiere, deren Heimat dem Volke unbekannt war. Selbe sahen fremd aus, und der Bauer vermutete eine überseeische Herkunft. Dies geschah auch, wenn echte einheimische Bergvögel zuweilen die Ebenen besuchten; siehe SvoLautı (Vogelnamen 1909. p. 17, 58, 122). Beispiele:

Meeramsel (= Ringdrossel, Zurdus torquatus), Meerzeisig (Zrıngılla lnaria, Leinfink), Meerhäher (Blaukrähe, Coracıas garrula).

Ferner im Ungarischen:

Tengeri fülemile (Meernachtigall) ist der Eisvogel A/cedo. (ZOLNAY) 1543.

Tengeri kan (Meereber) = Stachelschwein (//5sZrıx cristata bei Comentus),

88 Szalay, Der Meerochs. Tengeri kacsa (Meergans) eine auslandische Gans, 1712. (ZOLNAY), Tengeri ugul das Kaninchen. (Comentus). Das allerinteressanteste ist aber ein altes ungarisches Ad- jektiv: „tengeri“ marinus („meerisch“ als alte Glosse bei LexER

I. 2111), welches auch selbständig, ohne Pflanzen- oder Tier- namen die Bedeutung ,ausländisch® hatte. So sagt z. B. Graf GEorc THurzé in einem Briefe an seine Frau (ca. 1610): „Ich kann dir allerlei Gewürze, wie Rosinen, Reinfall und noch ähnliche Meeresdinge (tengeri marhat) schicken.“ In der heutigen Sprache bedeutet ferner ,tengeri“ (= marinus) auch selbstàndig soviel wie Mais.

Es sei hier noch erwähnt, daß zur Bezeichnung der aus- landischen Herkunft außer dem Worte „Meer“ noch viele andere gebräuchlich waren, wie dies SuoLAHTI betont, so z.B. „ungarisch“, „spanisch“, „türkisch“, „indisch“, „welsch“, ,rheinlandisch* ohne daß sich die Heimat jener Vogel mit diesem Beinamen irgendwie decken würde und das ist dabei eben das Neue. Diese Namen wollen nichts anderes bedeuten, als: „fremdartig“.

Beispiele aus SUOLAHTI:

Ungarischer Heher = Blaukrähe = Coracıas garrula, Rheinschwalbe,

Rheingans,

Spanischer Buchfink,

Spanischer Dorndreher,

Welschhahn (= Truthuhn),

Indianisch Kann (= Truthenn),

Turkische Henne (= Truthuhn),

Welscher Hänfling,

Welsche Goldammer etc,

„Indisch“ wurde übrigens im XVL—XVIIl. Jahrhundert auch vieles bezeichnet, das aus Amerika kam, abgekürzt aus „west- indisch.“ Diese Ausdrucksart war auch im Spanischen und Französischen üblich. Im Ungarischen heißt der Mais auch török- buza = türkisches Korn.

B.

Die Untersuchung der mit Meer- zusammengesetzten Pflanzen- namen in der einschlägigen Literatur ergab sechs Klassen:

ı. Pflanzen, die neben dem deutschen Meere wachsen, bei welchen dieser Umstand dem Volke bekannt sein mußte.

I4 __

Szalay, Der Meerochs. 89

2. Pflanzen, die in der mittelalterlichen lateinischen Arznei- sprache (oder, aber seltener, überhaupt in der Botanik) das Adjektiv marinus aufweisen. Diese wurden zuerst von den Gelehrten tiber- setzt; viele verbreiteten sich aber unter dem Volke. (Im Unga- rischen gehören auch die deutschen Übersetzungen her.)

Cedrus maritimus: Merzeder bei MEGENBERG,

Tengeri kaposzta (= etwa Meerkraut) = Crambe maritima, Tengeri kômény (Meerfenchel) = Crzthmum marinum, Tengeri retek (Meerettig).

3. Pflanzen, die bekanntlich von außereuropäischen Staaten (vor- her sagte man „von Übermeer“ siehe Lexer) herrühren, also über das Meer kamen. Die interessantesten Beispiele gehören hierher:

1. Meerapfel = Paradiesapfel, aus Südamerika (Grimm),

2. MeernuB = die Muskatnuß = Nux moschata aus Hol-

landisch-Indien (ZEDLER),

3. Meerrohr = Arundo indica (Zornai: Oklevelszotar) aus

Indien. Auch im Ungarischen: Tengeri nad (= Rohr),

4. Tengeri buza (Meerkorn) = der Mais, aus Amerika.

4. AuBerdeutsche Gewächse, die sowohl am Kontinent, wie eventuell auch neben dem Meere wachsen, welch’ letzterer Um- stand aber dem Volke nicht bekannt sein konnte. Das Wort Meer- ist hier nichts anderes, als eine sekundäre Verallgemeinerung des Sinnes „überseeisch“ und bedeutet einfach soviel wie aus- ländisch (also auch eurcpäisch) Man könnte auch annehmen, daß diese Pflanzen irrtümlich für außereuropäisch gehalten wurden, Hierher gehörende Beispiele habe ich unter den Ge- wächsen sowohl in der deutschen als in der ungarischen Sprache sehr viele gefunden.

Meerbirnbaum = Z:2yPhus vulg. (ZEDLER), Meer-Cucumer = Citrulle = Wasser-Melone (ZEDLER), Meer-Granatapfelbaum (Purzca granatum ZEDLER), Meerhirse (Lzthospermum ADELUNG),

auch im Ungarischen: Tengeri köles, Meerkirsche (Arbutus unedo)

= jetzt Erdbeerbaum (ADELUNG), Meerklee Burgundisches Heu (Friscn),

= Medicago sativa (Luzerne), Meer-Rauke (Zruca maritima) Frisch, Meertraube = „gedorret weinper“ (LExER),

auch im Ungarischen: Tengeri sz616=Rosine= Uva passa.

go Szalay, Der Meerochs.

Im Ungarischen noch:

Tengeri barack (Meerpfirsich) = die Aprikose (Prunus armenıaca L.), aus dem Jahre 1588 (Frankovics und MorLnAR ALB.),

Tengeri bodza (Meer-Hollunder) so bieß der Flieder- strauch (Tajszotar),

Tengeri csalan (Meer-Brennessel,

Tengeri füge (Meerfeige = die gewöhnliche Feige),

Tengeri malyva (Meer-Eibisch),

Tengeri szölö (Meertraube) = die Johannisbeere, weil sie anfanglich hier nicht heimisch war,

Tengeri tövis (Meerstachel) = Rhamnus paliurus L.

5. Beispiele, die eventuell dafür zu sprechen scheinen, daß in manchen Namen Meer anstatt Moor. steht:

Meerlinse = Wasserlinse, Lentille des marais (ZEDLER),

wachst nur in Teichen,

Meerrettig, ein sehr altes Wort: = Cochlearia amo- racıaL. Wachst auch in Deutschland neben stehenden Wässern, und so hält es ApeLunc für wahrscheinlich, daß es ursprünglich Moorrettig lautete. Manche leiten es aus dem lateinischen amarus ab. und schreiben Märrettig. In einer Gegend lautet der Name aber Marreddik (mar = Pferd) entsprechend dem englischen horse-radish, weil es die Pferde gerne fressen.

6. Endlich Namen, die vorläufig ganz unklar bleiben. Dies sind bekannte deutsche Pflanzen, die weder neben dem Meere, noch im Moore wachsen. Z.B.: Meer- Stachelkraut = Fingerhut, Digzialıs purpurea (ZepLer). Hier müssen irgendwelche Verwechslungen

stattgefunden haben. IIL.

Hiermit haben wir den ersten und wichtigsten Schritt zur Deutung des Wortes Meerochs getan. Die nahere Bestimmung desselben wird aber nur dann gelingen, wenn wir unser Forschungs- feld von dem der Zoologie und Philologie auf jenes der Geschichte verlegen und nach anderen historischen Quellen suchen, die weniger wortarm als das Treßlerbuch sind. Alte Chroniken und solche Lexikas kommen da in Betracht, die aus den ersteren geschôpft haben. Und mit Erfolg.

Im Benecxeschen Mittelhochd. Wörterbuch lesen wir:

„Merohse ist im Mittelalter ein lasttragendes Landtier im Orient, und wird mit anderen Zugtieren, z. B. Kamelen, er-

6 =

Szalay, Der Meerochs. QI

wähnt.“ Siehe z. B.: Des Landgrafen Ludwigs des Frommen Kreuzfahrt, Z. 6075 (Hagen, 1854. Leipzig): Zur Beforderung des Gepäckes dienten „vil wagen, kamele, drumedar, olbenten, merohsen“. Benecxe ist der Meinung, daß hier das Wort „meer“ nicht buchstäblich zu nehmen ist; es will nur soviel sagen: fremd, was tiber das Meer gekommen ist (p. 138), und bezieht sich wahrscheinlich auf den Elefant! (IL/L 435, 722). Diese Vermutung spricht Eprincer schon als eine Tatsache aus: Meerrint = Elefant (p. 33). Das ist aber freilich ganz irrig, und wird schon durch den oben zitierten Text selbst widerlegt, wo der Elefant schon Olbent heiBt. Wir wissen, und haben viele Belege dafür, daß durch Olbent im Mittelalter sowohl der Elefant (Helfant = Olbent), als (wieder durch die schon erwähnte Tiernamentibertragung) das Kamel, manchmal aber abwechselnd beide bezeichnet werden. In den meisten Glossen heiBt es: Camelus = Olbent, Kaemlin.

Hingegen: Elefas = Helfant. (STEINMEYER: Die althochd. Glossen III. 32). Diese Formen wurden aber auch verwechselt, siehe spàter.

Im Texte Ludwigs des Frommen (aus der Zeit der Kreuz- züge) ist aber Camelus dromedarius durch drumedar wieder- gegeben, und so kann das Wort Olbenten nur den Elefant be- zeichnen. Man könnte zwar auch an das zweihöckerige Kamel denken, dessen Verbreitungskreis reicht aber nicht so tief, außer- dem ist es doch ganz unwahrscheinlich, daß der Chronist durch drei nacheinander folgende Namen (kamele, drumedar, olbenten) immer nur dasselbe Tier meinen wollte. Wenn aber unter ‚Olbenten‘ Elefanten zu verstehen sind, dann können eben die „merohsen“ nicht Elefanten sein. (Den endgültigen Beweis siehe später in Orracuers Reimchronik).

EpLincer behauptet p. 33: Die Formen Ulband und Olpent beziehen sich nie auf das Kamel, sondern nur auf den Elefant, während Olbent und Olbande = Kamel. Richtiger heißt es bei SCHADE (II. Aufl. p. 665): Olbent = Kamel und Elefant, hingegen bedeutet ahd. elafant und helfant nur den Elefant. Nach Pa- LANDER (p. 100) hätten die Formen Helfant und Olbent durchaus verschiedene Quellen beweisen läßt sich das aber schwer. WEINLAND meint (Zool. Garten 1862, 224), der Ursprung des germ. Wortes Helfant ware im Jiidischen.

BENECKE ist der Ansicht, daß das Wort Olbent nie den Elefant

bedeutet hat. Daf dies irrig ist, beweist ohne weiteres schon Zool. Annalen, VI. 7

92 Szalay, Der Meerochs.

der Umstand, dafi wir in den Glossen ohne Ausnahme alle Zwischenformen von Helfant bis Olbent nachweisen können; die Berührungsvarianten in der Mitte beider Reihen müssen aber für beide Tiere gemeinschaftlich gebraucht worden sein.

Übrigens lauten beide Grundformen so ähnlich, daß es ge- radezu auffallend wäre, wenn selbe nicht verwechselt worden

wären. Einige Beispiele: „Elefas es een elpendier“ beim niederl. Maerlandt p. 71. (VERWIJS),

Elefas = helphant = alpant (Sremnmeyer III. 80),

Olband = Kameel (Bexecke II/1. 437); Olbent = Elefant. „Der Olbent isset eine niht“ (WAcKERNAGEL, Lesebuch 505. 26.) Kann Kameel oder Elefant sein.

Elfent = Elefant (BENECKE I. 660).

Olfent = Kamel angelsachsisch; elpend = Elefant = olpend!

Ulband = Kamel gotisch (ScHwenck, Wôrterb. 1838. 169

noch viele sehr beweisende Beispiele) }).

Übrigens ist diese spezielle Frage von der ausschließlichen Bedeutung des Wortes Olbent nicht von Belang, indem man beim Durchlesen aller Meerochs-Erwähnungen, die sich größten- teils aus Dichterwerken sammeln lassen, lebhaft den Eindruck gewinnt, daß von den Dichtern gewiß nur wenige bewußt von diesem Tiere reden. Sie haben vom morgenländischen Meer- ochsen in anderen poetischen Leistungen gelesen; fanden, daß die Erwähnung desselben eine richtige orientalische Stimmung herbeiführt und nahmen dasselbe auch in Gebrauch, ohne das Tier näher zu kennen.

In den alten Heldengedichten werden die Kamele oft in allen Formen aufgereiht, z. B. bei Heinrich v. NEUENSTADT (Apoll. v. Tyrl. 6690 u. 10138):

„Helffan und Kamelein“; wieder weiter: Olbentin und Kamelein jae) dierissundidas helfitantasss =

1) ForsTEMANN erwähnt (Personennamen 1900. p. 840 u. 1173) den Personen- namen Helfant, welcher aus dem Zeitworte hilp helfen, stammen soll. Ferner eine Form Olpant, ebenfalls Mannesname, mit dem er nichts anzufangen weifs. Ich glaube, beide sind mit dem gewöhnlichen englischen Taufnamen Olifant identisch. Dieser wird allgemein als Tiername aufgefaßt und den übrigen Tiernamen, die gleichfalls Personen bezeichnen, zur Seite gestellt, wie: Pardus, Bock, Bär, Ursus, Wolf, Wismut, Lupus, Bubalus, Leo, Capreolus, Hirsch, Adler usw.

(Siehe meine Studie über den europäischen „Panther“, d. i. Luchs).

7

Szalay, Der Meerochs. 93

Bei dem Worte Meerrind sagt Benecxke (II/1. 722): „Ein Rind, wie es jenseits des Meeres im Osten, in Asien (bei den Sarazenen, nach den meisten Beispielen) vorkommt. Welches Tier aber gemeint ist, läßt sich schwer sagen; kaum der Elefant (doch vergl. ORRENDEL). Besonders als Zugtiere der Wagen, auf welchen die Heiden des Ostens ihre Fahnen angebracht haben.“

Es sind folgende Belege bekannt:

Wotrram v. EscHensacH: Willehalm (352, 7): „Carroschen giengen drunder, die zugen besunder gewäpende merrinder“.

Dann: „Stark liute menten diu merrinder mit garten = 352, 9. (Lachmann). Ferner: „ahtzehen merrint“: 161. 2. (menen ditrelbben)!

Und weiter: „Merrinder si menten (= treiben), diu die carroschen zugen, swen die gote dar betrugen, die darüf wärn gemachet, des geloube was geswachet“. (360, 24).

Herzog Ernst in den deutschen Gedichten d. Mittelalters (Hagen und Buscuine, Berlin 1808, S. 4692, cf. auch 4787): „Sinen got Machamet der vogt von Babilone, het ùf einen karrast hoch gesetzt, den zugen merrinder“. (Siehe hierzu W. Grimm: Athis und Propilius, Berlin 1846, p. 63.) Siehe auch die Ausgabe BARTSCH, 4204. „Der jüngere Titurel“ (Haun, 3635, 3): „vor nùner schar der witen sol man merrinder triben vil mit garten, diu dri karràtschen ziehent mit vanen wol gerichtet“. Siehe auch 3348. Herzog Ernst (3376): „ob wir noch frische hiute in den kiln vinden inder (= irgendwo) die gewesen sind merrinder“.

Im Orrendel („Der ungenähte graue Rock Christi wie König Orrendel ihn erwirbt) Hagen, Berlin 1844. (1352): „stant uf, trüt kint, und bint din merrint, daz ez dir niht entloufe.“ Beachtenswert ist meint Benecke daß kurz vorher (1342) für merrint helfant steht: „daz er muoste vallen mit helfant 7% la

94 Szalay, Der Meerochs.

und mit allem.“ (Das ist aber gar kein Beweis, denn . .. nonunquam dormitat etiam bonus Homerus . . .)

Die Meerochsen spielen auch im spanischen Feldzuge Karts pes Grossen eine ähnliche Rolle.

Der Kriegswagen der Sarazenen mit der Flagge wird folgender- maßen beschrieben (BartscH: Karl der Große, von dem Stricker 1857, p. 254, = 9631— 9640 Z.):

,»Do rihte man tf einen wagen

einen mast mit stahel wol beslagen.

Da was sin vane gebunden an,

den zugen vor dem her dan

zwéne starke merohsen gròz,

die man vil vaste beflòz

mit gewaefen und mit wenden,

daz sie niemen kunde erwenden,

sin zùgen den wagen fiir sich.

Der vane was harte witinneclich.“ etc.

Es ist hochinteressant, daß dieses Tier sogar in Europa u. z. in Rom auftaucht. Die dies betreffende Sage findet sich in der sog. Repgauischen Chronik (= Sächsische Weltchronik) aus dem XIII. Jahrhundert. Es wird erzählt, daß Drerrich von BERN (= THEODORICH DER Grosse, Bern = Verona) der Herrscher in Rom war, ein grobartiges Kastell erbauen ließ, das sog. „Dietriches- hus“ (oder Domus Theodorici, die Engelsburg) welches bekannter- maßen ursprünglich das Mausoleum des Haprianus darstellte. Man hieß es auch Castellum Crescentii, doch bildet es in den alten mittelalterlichen deutschen Sagen das „Dietrichshus“. Die Repg. Chronik beschreibt den Aufbau des Kastells folgend!):

„Didric buwede enen torn (Turm), de leget jegen de Tiberbrugge: he makede umme den torn enen viereggeden mantel van witten marmore. de sten sin unmate dicke unde lanc. se sin gelodet (gelötet) to enander mit bli unde mit iserinen krampen. uppe der vierden egge jegen das suden stet en osse gehouwen an enen sten. men seget dat en merosse toge (zòge) de groten sten al to samene.....“ („das heyst nu dy Engelsborg“ spatere Schrift).

1) K. MùLLeNHorr: Zeugnisse und Exkurse; Ztschr. f. deut. Alterthum XII. Berlin 1865. 322, und Monum. Germ. Hist. Deut. Chroniken II. 1877. p. 140. Zeile 26. Herausgeg. durch Lupw. WEILAND.

Szalay, Der Meerochs. 95

Weitanp fügt zu dem fraglichen Worte folgende Bemerkung (p. 685):

„Merosse, überseeisches, morgenländisches Rind, Zugthier.“

Wie ich nachträglich feststellen konnte, bildet die Quelle dieser Anschauung Ludwigs: Oscar ScHape (Altdeut. Wörterbuch, Halle 1866 p. 728), der sich folgendermaßen äußert.

Meerrind a) Seehund.

b) morgenländisches Rind, Zugtier der Sarazener

Rind aus dem Lande über dem Meere = Elefant! Zur Be- kräftigung des letzten Satzes führt ScHape an: In Tibet heißt der Elefant: „Der große Ochse oder einfach Ochs; das Wort Ele- phant = aleph hindi = indischer Ochse.“ (Diese Etymologie wider-

legt-aber Hommez mit Sicherheit Die Namen der Säugetiere bei den südsemit. Völkern p. 326). Endlich meint exer (1 2rri): Merrint —- überseeisches,

morgenländisches rind, zugtier, auch elephant, siehe ORENDEL*.

Hierauf folgen mehrere Erwähnungen:

a) OTTACHERS Reimchronik (Pez. in script. III. 423b: Kembel und merrinder“. Ein Beweis, daß Kamel und Merrind verschiedene Tiere sind!

b) , Willehalm von Österreich“ von Jon. v. Winrzsurc, im Jahre 1314.

c) , Wilh. v. Wenden“ von ULRICH v. EscHEnBAcH (Toischers Ausgabe 1876. Z. 3642). Siehe Lexer III. 314.

d) „Willehalm,“ v. Eschenbach, 161. 2 (LacHMann),

e) Der jüngere Titurel (Harn, 3348),

f) Herzog Ernst (BarrscH, 4204) —!).

Wir wollen noch eines Umstandes gedenken. Es wird auf- gefallen sein, daß der Meerochse in den alten Heldendichtungen meistens als ein orientalischer Zugochse dargestellt ist, der dem Fahnen- und Götterwagen der Sarazenen vorgespannt ist wie wenn das eine bekannte Sitte der Araber gewesen wäre. Dem ist es