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A 11 C H I V
FÜB
A N T H R OPOL O G I E.
XIV. BAND.
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Holzetiche
»na dem x;logr»phi«cb«n Atelier von Friedrich Vieweg und Sohn in Brannach weig.
P » p i e r
»na der mechmiichcn Papier* Fabrik der Gebrüder Vieweg zu WendliMUtfeu bei Rrunnaehweig.
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A R C II I \
• FÜR
A N T II R O P O L () G I E.
ZEITSCHRIFT
FOB
NATURGESCHICHTE UND URGESCHICHTE DES MENSCHEN.
$
Organ
der
deutschen Gesellschaft lur Anthropologie, Ethnologie und Urgeschichte.
Unter Mitwirkung von
A. Bastian in Berlin, O. Fraas in Stuttgart, F. v. Hellwald in Canst-att,
W. His in Leipzig, H. v. Holder in Stuttgart, Q. Lucae in Frankfurt a, M., I«. Rütimeyor in Baael, H. Schaaffhausen in Bonn, C. Semper in Würzburg, R. Virchow in Berlin,
C. Vogt in Genf, A. Voss in Berlin und H. Welcker in Halle,
herausgegeben und redigirt von
A. Ecker iu Freiburg, L. Lindenschmit in Mainz und J. Ranke in München.*
V i e r z e li n t e r Band.
Mit in den Text eingedruckten Ilalzatichon und fünfzehn lithogrnphirten Tafeln.
BRAUNSCHWEIG,
DRUCK UND VERLAG VON FRIEDRICH VIEWEG UND SOHN.
1 8 8 3.
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21571?
Alle Rechte Vorbehalten.
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INHALT DES VIERZEHNTEN BANDES.
Seit«
I. Beitrage zu einer Kraniologi«- der europäischen Völker. Von TrofeBaor Pr. Kollmann (Pasel?.
( F oH »etzurig von Nr. II, 1hl, XIII. III. Ahtheilung und Schluss.) Hierzu Tafel I und II . . . 1
II. Drei Fälle leitender Mikroeephalen. Von t'nrl M, Fürst in Stockholm. (Mit 9 Holzschnitten.) 41
III. Kin Heitmg zur Anthropologie der Juden. Von Dr. Ludwig Stieda, Profu>-Bor der Anatomie
in Dorrmt 61
IV. Kin Beitrag zu «len Merkmalen niederer Menschenrassen am Schädel. Von Dr. ined. Kugen
Kolli, Mit Itifcl IU. üüd IV. Aus dein mmtomiaclisu lnsümtc in München . . . 1A
V. lieber einige Unterschiede des (»rowahirnft nach dem («eschleeht. Von Dr. med. Passet. Mit Tafel V um! VI. (Aus dein anatomischen Institute in München unter iler Leitung von Professor
Pr. Rüdinger bearbeitet) 80
VI. Pie Jadeit gegenstände den National - MuseumB zu Washington. Von Carl Kan in Washington.
(Hierzu Tafel VII.) 157
VII. Ueber die Anwendnng der Wahrscheinlichkeitsrechnung in der authropologischen Statistik. Von
Professur Dr. I.u<I w ig Stic Ja 167
VIII. Ueber die roexicupittchen Namen für Schmucktieitic und Metalle. Von II. Flacher (Freibarg
in Buden) 133
IX. Pie Kiuhornhöhle Ih-i Scharzfeld am Harz. Kin Beitrag zur Urgeschichte dos nordwestlichen
Demachlflnda. Van C. hlrmiknunü in Hannover Mit Tafel VIII lii.i X lül
X. Zur Statistik der Körpergrössc der Schleswiger Wehrpflichtigen. Von I>r. Meiauer, Stabsarzt.
Bima MI XI > : ,^5
Ckliki RflJml ÜMJtiiL Kin Nachruf Vtm KiÜiJULÜJuLJiJLftiL .......... 381
XI. Grabhügelfundc bei Ludwigsburg ( Württemberg). Von Prof. Dr. U. Fraa», (Hieran Tafel Xll.) 835 Anhang. Ein Schädel nus dem Ludvigeburger FurBtenhiigel, Von v. Hohler» Stuttgart . 333
XII. Unber einen Fall von abnormer Behaarung hei einem Kinde. Von Pr. H. Ranke, Professor
iler Kinderheilkunde in München. (Hierzu Tafel XIII.) 330
XIII. lieber eine flughaut-ähnliche Ausbreitung am Halse, Von 0. Kobylinaki, sind. med, Aua
der Yogel’tchen Klinik in Dorpat, (Hierzu Tafel XIV.) 343
XIV. lieber die Augen der Feuerlinder und da» Sehen der Naturvölker im Verhältnis» zu dein der
Kulturvölker. Von Dr. Segge). Stabsarzt 849
XV. Die Kupferlegirungcn , ihre Darstellung und Verwendung bei den Völkern des Alterthum».
Von Dr. E. Key er, Professor der Geologie an der Universität Wien 357
XVI. I>er Bronaepfahlhau in Spandau. Von Krnst Friedei, Dirigenten d«»B Märkischen Provinzial*
Muiouma zu Berlin. (Mit Tufel XV.) 973
Kleinere Mlttheilungen.
Blondhcit und Albinismus. Von Th. Pocaclie LH
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VI
Inhalt.
Referate.
Srii*»
1. Dr. Heinrich Janke: Pie Yorherhestimmung des Geschlechts beim Rinde.
Zweite, vollständig neu bearbeitete Auflage. Berlin 1881. fe°. 100 S 151
2. Tu dep Anal, de In Socieriail fcsimnola de Hist, nat. Tom» X. 1KS1, veröffentlicht Pro- fessor Francisco Qniroga in Madrid . . . ♦ . . 152
3. Fischer, Heinr., Bericht über eine Anzahl Steiusculpturcn aus Costarica, in: Abhandlungen des naturwissenschaftl. Vereins r.u Bremen. liil. VII. Mit 5 Tafeln.
[Taf. VII bis XI de« betreffenden Hefte»! (75 Figuren enthaltend). Bremen 1881. 8°,
122 Seiten). Fischer, Heinr. und Wiede mann. Alfred, lieber babylonische „Talismane" (Cylinder und andere Forme») ans dem historiBL-hen Museum im steierisch-
landschaftlichen Joanneum au Graz, Mineralogisch und archäologisch bearbeitet. Mit
3 photographischen Tafeln <42 Figuren enthaltend) und 15 Holzschnitten. Stuttgart,
K. Schweizcrbart'Hche Verlagshandlung |K. KuclQ 1861. 4°. (11 Seiten) ..... 153
4. Physiologie der Zeugung. Von V. Hangen in Kiel, (Bd. VI. II. des von
L. Hermaun heransgegebenen Handbuches der Physiologie.) 267
5. Die anthropologische Ausstellung in Moskau 1*79. Von Professor Pr. Ludwig
Siiadi . . ............... 2M
6. Der V. (russische) archüologische Congreas in Tiflis 1831. Von Professor Dr. L u d w i g
S L i i. d a . ■ . . ■ ....... d2Ü
7. Berichte aus der russischen Literatur über Anthropologie, Ethnologie und Koisin.
Von Dr. Ludwig Stieda. Professor der Anatomie in .Dorpat 3S7
B. Aun der akandiimvitjuhcn Literatur. Vim J. Mratürf . , . . . . 3-4
9, Mittheilungen aus der anthropologischen Literatur Amerikas. Von Dr. Emil Schmidt 411
UL Hermann Weickttr; Die neue anatomische Anstalt an Halle durch
einen Vortrag über Wirbelsäule und Becken eingewoiht. His und Braune, Archiv für Anatomie und Entwickelungsgeschichte 1881, S. 161 biB 192 . . 435 11. Jimeno, Francisco: Periodo yrchiatorico cubano. Matanras, Cuba 1381, pag. 419
bis 102 43Ü
12. J. Barhoaa Hodrigues; Idolo amazonico achado no ria Amazonas (Jornal do com» mercio de 19. Agosto de 1H75) Rio de Janeiro, Typographia de Brown et Kvaristo. 8*.
Mit einer Tafel. 17 S 438
13. Hunfälvy: Die Ungern. Teschen 1881. Prochaaka 413
14. VAmböry: Die primitire Cnltur des turko-tatarischen Volkes anf Grund sprachlicher Forschungen erörtert. Leipzig, 1879. F. A. Brnckhaua 445
Ih. Slavici; Die Rumänen. lcttiL I eschen. PruchaBku ^ 110
Iß. Szujski: Die Polen und Ruthencn in Galizien. Tesch en 1881, Prochaaka 444»
17. Stare: Die Kroaten im Königreiche Kroatien uud Slavonien. 1S82.
T i'.a c. h r. n Prnr.haa ka . . , , . 14Z
18. Die Anfänge Roms von Dr, Robert Pöhlmann, Docent der Geschichte
an der Universität Krlangcu. — Krhingeu 1831. Deichert. M. 1,20 447
19. Zur albanischen Sprachkundo von lJr. Jarnik. Leipzig, lft*l. F. A. Brock«
hang .......... ....... . . . . ; i
2Ü l>r. (iinvAiini Alton: Proverbi cd Annecdnti rielle Valli Ladini QrienUli
con vorsione italiana. Innsbruck. ISrJl. Wagner 449
21. Reinisch: Die Kunamaspraehe in Xordostafrika. Sitzungsberichte der Wiener Acad.
der Wia». lftHI 449
22. Dur Mensch vor der Zeit der Metalle von X. Joly, Professor der Naturwissenschaften
tu Toulouse. Mit 136 Abbildungen in Holzschnitt. Autoriairte Ausgabe. Leipzig 1K*0.
Brnckhaua ...... . t : : : : ?
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Inhalt.
VII
Verzeichntes der anthropologischen Literatur.
Svil»
I. Urgeschichte und Archäologie. Von J. H. Müller in Hannover 1
(Die nordische Literatur [Dänemark, Schweden, Norwegen, Fiol&nd] ist, wie bither, von Fräulein J, Meitorf in Kiel zuaammengcstellt, die russische von Herrn Professor Dr. S t > e d a in Dorpat Ausführliches über die nordischen Arbeiten tbeilt Fräulein J. Mestorf unter der Rubrik: Referate mit.)
L Dciitüilhiaini .... 1
Hr OoBterrpjch 12
llL_£di&.ck. II
IV. Kngtfind 18
V. ^»enmrjc a , ; a ; ; , , .. a , , ; , , ; ; , , ; , , . . , . t , , , . , , , , , , , 2Q
XL Sclmyirikn ^ . . ... . t , 21
VII. Norwegen 23
YI1L Fmhnd , . . . . , , , , . ■ 24
IX. Frankreich ....... ......... 24
X, Belgien 29
XL Italien. * ... , , , , • 7 , • . r r r f t > t . 20
XU. Dalmatien, itumftnien 36
X11L Kmaland 1 r t . , 36
XIV. Spanien und Portugal 38
XX. Amerika : i : i i i i : .................. 23
XVI Asien . . . . Al
II. Aiialpniic. Januar lia Deceiaber 1ML Yi>n AiL Langcli . . . 12
. , . 42
'L Gehirn . . . - Ai
3. V erm-.hif.iir.nen 45
HL Völkerkunde and HeUcn. Von Dr. Albrecht Pcnck in München 1 1 i = = : -• : 1 : : 42
I. All ge me ine» 48
I. Allgemeine Völkerkunde. 2. Bibliographie. 3. Cotigrcsse und Versammlungen.
4, Sammlungen und Museen. 5. Mythen, Religion , Aberglauben, Sitten und Ge- brauche. — Sator-Arepu-Formel. 6. Sprache. 7. Krankheiten, Selbstverstümmelungen.
3. Verschiedenes. IL Weltreisen«
II. Europa .r>7
1. Allgemeines 57
2. Etrusker. — Kelten. ~ Formaten. — Zigeuner 58
2. flammen ?
4. Die Pyrenaen-Ilalbinsel. — Spanier. — Portugiesen. — Basken. — Iberer .... 59
£l Friuikrrii.lL — Franauacn. — Gallier .......... . . . lill
6. Italien. — Italiener, — Römer, — Ligurer 63
7. Rumänien. — Rumänen fifr
3 Germanen £3
9. Deutsches Reich 66
10. Oesterreich Ungarn. — Deutsche. - Slaven, — Ungarn. — Italiener 72
11. Schweiz. — Deutsche. — Franzosen. — Italiener. — Romanen 75
12 /-uht.rmiLe Dmitachc . . . . lii
13. Belgien uuil die Niederlande. — Niederländer. — Wallonen. — Bataver 76
14. Grosshritannien und Irland. — Engländer. — Giilen. — Iren, -- Schütten .... 70
15. Skandinavien und Island. Schweden. — Dänen. — Norweger. — Isländer. —
Lappen 78
HL Slaven i « : = r « , •
17. Europäisches ‘Russland und Finlaud, — Russen. — Polen. — Zerstreute Finnen. —
LitUner ..... . • » . »_ «_• IS
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VIII
Inhalt.
Seite
18. Balkanhftlbipgel RI
ltfa. Türkei im Allgemeinen . hl
18b. Macedonien etc. — Türken . ftl
18c. Albanesen 81
18d. Bosnien, — Dalmatien. — Herzegowina . 82
18e. Bulgarien. — Kumelien. — Serbien. — Montenegro 82
18f. Griechenland and Griechen K2
II I. Asien 83
1. Allgemeinen .... 83
2. Semitische Lander. — Syrien. — Palftetina. — Mesopotamieu, — Arabien 84
3. Juden , fti;
4. Klein-Asien und Türkisch-Armenien , , , ■ 01
5. Kaukasus-Lander 88
& Tu.raüi»<?h? Lander und Kuaaisgh Central- Attfcn ....... , . . . fcD
7. Persien. — Afghanistan. — BdudschiBtan 90
8. Alte Ari?r , . . Dü
9. Vorderindien und Ceylon 91
10. Hinterindien 93
11. Malayischcr Archipel mit Kippbaren 08
12. China, — Korea. — Mongolei — Tibet. — Chinesen 98
13. Japan. — Japaner. — Aino« 101
14. Sibirien 103
15. Beringavölker 104
IV. jtlnka ^ . . . . . 105
1. Allgemeine« 105
2. »jrd- Afrika. Araber. — Berber ........... Iü5
g. Sahara . « • i r , i r i ■ , • > > • > i • t , « . . , , . > t t i » . . , , , • 1 utt
1. Canar<?B und Madeira , . , ■ . ; r .... ; UW
0. Aegypten 110
ti, Ort-Afrika • i , Ul
7. Oeatlicher Sudan and obere NiH&nder 112
8. Westlicher Sudan. — Qber-Guinea. — Senegainbien, — Obere Xigerlftnder .... 114
9. Central-Afrika. — Bantuvölker . 115
10. Neger im Allgemeinen in und ausser Afrika 117
11. Süd-Afrika 117
V. Amerika 120
1. Allgemeine« . . . . 120
2. Nord- Amerika t , 121
3. Labrador. - Grünland. — Eskimo» 125
1. Ceiltrftl’Amerik» u»d Weatindien . . ■ • , 125
ü. Süd-Amerika 127
6. Fenerl&ndcr 131
ÜL Australien . . i . . . 122
1. Australien FeaUaiid mit Tasmanien , ; ; ; , r . 122
2. Qreanien ••■,,, 1 r r • 184
il. Keu-Giiinia. • - Melanesien. — M*krpne»ien mit VitHmelii . , , 135
4. Polynesien und Neuseeland 130
IV. Zoologie in Beziehung zur Anthropologie mit Einschluss der fossilen Landaüugethiere.
Von Dr. Georg Bochm in Mflnchen 138
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Druck feh lerberichtig-ung-eu
SU
Band 18, Supplement.
In der Abhandlung über die Skelete des römischen ßegräbuiasplatzas in Kegens- bürg sind neben anderen leicht zu verbessernden Druckfehlern folgende richtig zu »teilen:
Seite 2ß, Zeile lß von oben, lies statt:
„zur Zeit de* Kaiser* Augustus* — „vor der Zeit de» Kaiser» Augustus*. (Verrat ward iin Jahre 82 v. Chr. Quästor de* Cn. P. Carbo im cisalpinischeu (iallien. Die Begebenheit wird also wohl iu diese Zeit fallen.)
Seite 2C, Zeile 17 von oben, lies statt:
„Legio divina“ — „Legio divina martia*.
n
1
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I.
Beiträge zu einer Kraniologie der europäischen Völker.
Von
Professor Dr. Kollmann (Basel).
(Fortsetzung von Nr. U, Bd. XIII. III. Abtheilung and Schluss.)
Hierzu Tafel I. und II.
Es erübrigt noch, drei in Europa verkommende Typen zu schildern, welche ebenso, wie die im Vorausgehenden schon geschilderten, den vollen Werth von Racen besitzen. Die Species Homo sapiens zerfallt, wie jede andere Species der Schöpfung, in einen Cyclus von Subspecies, Unterarten oder Racen, für welche man in der Anthropologie auch den weniger vollklingendeu Namen „Typen* gebraucht. In Wirklichkeit wollen alle diese Namen dasselbe besagen, sie weinen auf Formen, welche durch eine Summe von bestimmten Eigenschaften ausgezeichnet sind vor anderen, und beständig mit denselben Merkmalen in der Zeitfolge wiederkehren.
Meine Gliederung der Bewohner Europas in fünf distinkte Racen ist begründet durch mehrere anatomische Eigenschaften einer Race. Nicht der Längsdurchmesser der Schädel für sich, oder vielleicht ein höherer oder geringerer Grad von Prognathie haben in Verbindung mit irgend einem dolicho- oder brachyeepkalen Index den Ausschlag gegeben, sondern eine ganze Reihe von Eigenschaften, welche bei charakteristischen Formen am Hirn- und am Gesiclitsscluidel Vorkommen. Bei der Gesainiutbetracktung aller am Schädel einer Race verkommenden Merkmale tritt un- verkennbar die Wirksamkeit einer bestimmten Regel zu Tage, welche man als Correlatiou der Theile bezeichnet bat An dem breiten Gesiebt und den vorspringenden Jockbogen sitzt eine bestimmte Form der Dolicho- und Brachycephalie, an welcher die scharfe, eckige, gedrungene Gestaltung unverkennbar zum Durchbrach kommt. Andererseits ist das schmale Gesicht mit den enganliegenden Jochbogen unter Schädelkapseln gesetzt, welche, wie ans weicherem Stoff geformt, die geschwungenen Linien leichter modcllirt zeigen. Alle Eigenschaften eines reinen Kaccschädels stehen mit denen des Gesichtes in einem verwandten Verhältniss. Mit der Chamfiprosopie steht der niedere Augenhöhleneingang, das niedere Gesicht, die kurze Nase, der weite üaumenbogen, die breite Stirn in einem nothwendigen Zusammenhang; der reinen Form eines Leptoprosopen
Archiv für Anthropologie. Bd. XIV. j
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2
Prot Dr. Kollmann,
sind hohe Orbital.'ihgänge, hoher Nasenrücken, lange Nase, schmale« Gesicht und enganliegende Joclibogcn die' durch das Gesetz der Correlation aufgeprägten Merkmale. Mit dieser Auffassung hängt es Zusarrfmen, dass die extremsten Formen für die Lösung anthropologischer Fragen die grösste 'Beachtung verdienen müssen. Nicht die Mittelglieder der Reihen, sondern die Endglieder sind Toii einschneidendem Wertkc.
Chamäprosope doliohooephale Race Europas.
Tafel I, Fig. 9 bis 11 (Chd). ,
Schädel mit einem Längenbreitenindex von 71 bis 74, breiter Stirn, vollem Occiput, sehr platten Schläfen und einer Crista sagittalis im Bereiche des Vorderkopfes. Die Muskelleisten stets bedeutend entwickelt und die Knochen des llirnschädels dick und schwer. Das Gesicht nieder, die Augenhöhlen cha- mäkonch, die Nase mesorrhin, der Nasenrücken mässig hoch, tief eingesetzt wegen starker, überhängender und in der Mitte conflui render Arcus super- ciliares. Der Oberkiefer kurz und breit, die Jochbogen weit ausgelegt, die Alveolarbogen weit, und damit im Zusammenhang der Gaumeu breit und kurz, ln extremen Graden erscheint der Ges ichtsschädel von oben nach unten zu- sammengedrückt. Der Profilwinkcl mesognath.
Eine genauere Aufzählung aller Einzelnhoitcn an dieser Sudle kann hier unterbleiben, weil zwei Schädel, Ilmazar Nr. 15 aus der anatomischen Sammlung zu Dorpat, und der Alte von Cro- Magnon, die in den folgenden Blättern aufgefuhrt werden, die vollständigsten Repräsentanten dieser Race sind und nach jeder Richtung als typisch bezeichnet werden können. Die Abbildung des Schädels „Ilmazar* in Drittel -Grösse bringt überdies alle Charaktere zum Ausdruck, seine Iudice8 und diejenigen der ganzen Gruppe dürften überdies völlig ausreichen, um ein zutreffendes Bild dieser dolicbocephaleu Race mit niederem Gesicht zu entwerfen.
Gemittelter Index dieser Race aus den absoluten Zahlen von 8 Schädeln berechnet:
Längenbreitenindex 73,8
Längenhöhenindex 72,5
Breitenhöhenindex 99,2
Gesichtsindex 76,2
Oberkieferiudex 48,2
Orbitalindex 76,1
Nasenindex 47,0
Gaumenindex 82,7
Protilwinkel 89,3
Vorkommen. Die nachfolgenden Mittheilungen bringen die Belege, dass diese chamä- prosope dolichocephalc Race sich deckt
1 ) mit der Ilügelgräbcrform Süddeutscbhinds (A. Ecker),
2) mit dem Sion-Typus der Schweiz (Ilis und Kütimeyer),
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3
Beiträge zu einer Kraniologie der europäischen Völker.
3) mit den mesorrhincn Dolichocephalcn (Franken der Merowinger* Periode Brocaj,
4) mit Formen, welche Da via und Thurnam der Altbritischen Periode zuweisen,
5) mit den durch v. Holder als germanische Form Stufe I bezcickneten Schädeln.
Die beigebrachten Belege werden ferner darthun, dass sie im Norden Deutschlands zu finden ist, ferner in den Ostseeprovinzeil, in Bulgarien und bei den Basken. In der Zeit lässt sie sich zurückverfolgen bis zu den Mammuthjägern von V ezcre. Das« ich die Dauer dieser Race ebenfalls bis in das Diluvium zurücktuhre, kann nach den vorliegenden Beweisstücken kaum überraschen. Der Gedanke einer Persistenz der europäischen Mensclienracen aus jener geologischen Epoche herauf bis in unsere Tage hat heute uichts Befremdendes mehr, er ist schon mehrfach ausgesprochen und begründet worden *).
Ilmazar, Tafel I, Fig. 9 bis 11 (Chd). Anatomische Sammlung zu Dorpat Nr. 25. Ein Schädel mit sehr bedeutendem Gewicht, festem Knochen und ausserordentlicher Wandstärke; alle Muskelleisten sind bis zum extremsten Grade entwickelt, so t. B. die Linea semicircularis superior und inferior und die Muskeleindrücke an der Facies muscularis des Occiput An dem niederen und breiten GesichUschädel sind alle Linien eckig und scharf geschnitten. Die Augen- höhlen sind vor Allem dazu angethan, diesen charakteristischen Ausdruck zu steigern, sie sind breit, nieder, von zusammenflieBSenden uberhängenden Augepbrauenbogen beschattet. Die Stirn ist breit, massig hoch, nicht platt, sondern stark gewölbt in der transversalen Ebene, mit einer starken SagitUdlcisto versehen. Die Nase tief eingesetzt, der ProccssuB nasalia ossis frontis im Vergleich zur Schädelstärke massig breit (2G mm) und kurz, mit Resten der Stirnnaht, die Sutura nasofrontalis nur im Bereich der schmalen Nasenbeine hochliegend, Nasenrücken eingebogen, massig hoch, nicht platt. Nasenbeine an der Basis 6 mm breit (Zirkelmaass) synostotisch, die Spina nasalis breit, vorne getrennt, Apertur massig weit, der untere Raud unvollkommen begrenzt, schwache Fossae praenasales. Fossae eaninae tief, weit, der Processus alveolaris de» Oberkiefers nieder, die vorhandenen Zahnkronen bis tief in die Pulpahöhle abgcschlificn, die Eckzahnalveolen stark vorspringeml, dazwischen der Alveolarbogen platt Der Unterkiefer hat starke Muskelleisten, bedeutende Entwickelung nach Höhe, Weite und Umfang, wie die unten stehenden Zahlen angeben, und die in */a natürlicher Grösse gegebene Abbildung der Norraa frontalis.
Die Norma verticalis breitoval, die Stirnbreite mit starker Ausladung nach dem Processus zygomaticus ossis frontis hin, macht sogar den Schädel vorn eckig; die Schlafen sind platt, die Jochbogen weit abstehend. Das Oval nimmt nach hinten langsam an Breite zu. Der breiteste Punkt liegt hinter der OhröfFnung, und von dort aus schliesst sieb in voller Rundung da« Hinter- haupt ab. Existirt schon in der Norma frontalis ein sehr grosser Unterschied zwischen dieser Form und den leptoprosopen Dolichocephalen , so tritt auch in der Ansicht von oben ein solcher sehr bcmcrklich hervor, denn bei jenen ist Stirn und Hinterhaupt schmal und ansgereckt, in diesem Typus breit und voll. Bei dem Schädel von Ilmazar ist die Linea infratemporalis zu einem dreieckigen Höcker (Tuber infrateuiporale Taf. I, Fig. 11 Ti) geworden, der in der Norma
*) A. 6p ring, Le* hotnea d'Engia et les homes des Chauvaux. Bruxelles 1S84 (Bulletins de l’Academie royale de Belgique, Ser. II, T, XV III, Nr. 12.
Virchow, Ueber die Urbevölkerung Belgiens. Verhandlungen der Berliuer antliroßol. Gesellschaft. Sitzung vom 14. Pccember 1872. Zeitschrift für Ethnologie, Bd. IV, S. 284.
!•
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4
Prof. Dr. Kol 1 mann,
verticalw, ebenso wie die ganze Linie über die seitliche Schädelcontur hervorspringt, ein Excess, den ich in diesem Grade für individuell halte.
Die Norma lateralis zeigt eine hoch gerundete Schädelcurve, deren Uebergang zur Stirn durch eine leichte Knicknng markirt ist; in weitem vollen Bogen beginnt schon vom vorderen Drittel der Sutura sagittalis die Curve zur Frotuberantia occipitalis sich nach abwärts zu wenden, um dort zu endigen. Die Schläfen bilden ein für europäische Schädel grosses plattes Feld, das nach vorn durch die hohe und rauhe Linea temporalis scharf abgetrennt ist. Die obere Schläfen- linie reicht bis über die Scheitelhöcker hinauf und grenzt hinten an die Lambdanaht. Links nirgends abnorme Knochennähte, rechts am vorderen unteren Winkel des Scheitelbeins ein drei- eckiger Schaltknochen. Die Warzen fortsätze gross, sehr hoch, rauh. Die Incisura mastoidca tief und weit
Die Norma occipitalis massig hoch, fünfeckig, nach unten divergirend, Scheitellinien dach- förmig, Intermastoideallinie nur in der bJmgebung des Foramen maguum etwas gewölbt, sonst, gerade. Die Frotuberantia occipitalis externa geflügelt, in der Mitte gesenkt, nach beiden Seiten in die Linea nuchae suprema auslaufend, Linea nuchae superior und inferior kräftig, keine Schalt- knochen, die Larabdanaht wie sämmtliche Nähte massig gezackt»
Die Norma basilaris breit, Iiinterhauptsloch gross und oval, vollkommen symmetrisch, die Coronae condyloideae stark convex, stehen vorn weit auseinander, die Forawina gross, z. B. das Foramen jugulare von einer sehr beträchtlichen Ausdehnung, der Canalis pterygoideus und inci- sivus weit, mit trichterförmigen Oeffnungen auf der Gaumenfläche auslaufend, die mediane Partie des Gaumens ist erhaben und bildet einen breiten Torus palatinus. Die Laminae externae der Pro- cessus pterygoidei niedrig und breit, die Choanen nieder und weit, der Alveolarbogen sowohl des
Ober- als Unterkiefers weit.
Indices:
Längenbreitenindex 73,8
Längenhöhenindex 73,8
Breitenböhenindex 100
Gesichtsindex 61,9
Oberkieferindex 42,3
Orbitalindex 85,3
Nasenindex 51,0
Gaumenindex .............. 82,7
Gesichtswinkel 88°
Für die Charakteristik des Gesichtaschüdela mag es dienlich sein, einige Zahlen dieses chamä- prosopet) Dolichocephalcn , der den kräftigsten männlichen Ausdruck an sich trägt, den ein euro- päischer Schädel bieten kann, mit einem ebenfalls kräftigen Repräsentanten der leptoprosopen Dolichocephalcn zu vergleichen. Ich wähle dazu den in Bd. XIII auf Tafel II bis IV, Fig. 7 L abgebildeten Schweizer Bannwart.
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Z i r k e 1 in a a a s c :
3. Abstand der Eckzahnproniiueuzen über der Mitte der Zahnkronen
4. Höhe des Alveolarfortsatzea am Oberkiefer von der Spina nasalis
|
Völker. |
5 |
|
Ilnmzar |
llanntran |
|
, 5.7 |
52 |
|
, 102 |
87,5 |
|
. 40 |
33 |
|
10'/, |
21 |
Am schärfsten tritt der Unterschied bei dem Vergleich zwischen den unteren Enden der Sutura malaris hervor. Schon die Betrachtung mit blossem Auge lehrt, dass die Tnberositas malaria bei diesem chamüprosopcn Typus weit nach aussen ragt, und zwar auf jeder Seite «in mehr als einen Centimoter. Die geringe Höhe des Alveolarfortsatzes, die nur die Hälfte betrügt im Vergleich mit dein des loptoprosopen, ist nicht auf einen Schwund der Alveolen zurückzuführen, denn bei Ilmazar waren dio Schneidezühne im Leben vorhanden. Dennoch hat die Form des Oberkiefers nichts Rohes, denn die Fo&sae caninae bringen Wechsel in die breite Gesichtsfläche und lassen die ebene Fläche zwischen den Eckzahnalveolen wenig hervortreten. Dass die Wangen- beine nach unten divergiron, ist aus der Abbildung in der Norma frontalis, Taf. 1, Fig. 9 (Cbd), leicht erkennbar. Das Gesichtsprofll ist niesognath zu nennen, steht nahe an der Grenze der Orthognathie, welche schon das blosse Auge vermuthet.
Die Maasse des Unterkiefers sind;
Mediane Höhe 33
Entfernung der Kieferwinkel 110
Innere Distanz zwischen den zweiten Molaren 45
Käthe Nr. 13. Aus dem anatomischen Institut zu Dorpat. Mannlicher Schädel mit denselben typi- schen Eigenschaften, wie Ilmazar gross, voluminös, mit starken Muskelloisten, die namentlich im Bereich der Facies mnscularis der Hinterhauptsschuppe mit seltener Schärfe, doch dabei mit einem gewissen Ebcrunaass auftreten. So ist die Prot uberantia occipitalis stark mit kleinen seitlichen Exostosen und weiten Gefässeanälen versehen, seitlich geschwungen iu dio Linea nuchae superior aaslaufend, in der Medianlinie sich allmälig in die Linea perpendicularis verachmälernd, die erst am Foramen raagnura aufhört , aber sie bleibt innerhalb massiger Grenzen. In detn Bereich des Vorderschadeis sind die Leisten und Willste weniger mächtig. Die Arcus superciliares zwar hoch, stark, mit vielen Gefässlöchern durchbohrt, doch nicht so überhängend wie bei Ilmazar, und ihre laterale Entwickelung ist geringer. Auch findet sich in der Medianlinie eine leichte Eineenkuug, in der oben eine Crista sagittalis bemerkbar wird, und nach den Naseubeinen hin Spuren einer Sutura frontalis. Die Schläfenlinien sind doppelt, hoch hinaufsteigend und bis an die Sutura squamowi aus- gedehnt, dadurch das Planum temporale weit und groBs und platt, wie bei seinem Landsmann. Die Nähte massig gezackt, nirgends etwas Abnormes.
Die Scheitclcurve ist miissig gewölbt und fällt- von der Mitte der Sagittalnaht iu voller Rundung zur Protubcrautia occipitalis hinab, nach der Stirn zu nicht abgesetzt. Die Sagittalnaht ist im Verschluss be* griffen und in der vorderen Hälfte breit geholten. Die Norma frontalis hat alle llaupteigeuschaften des Typus: stark eckige Orbitaleingange, die Nasenwurzel tief eingesetzt, der Nasenrücken schmal, in seinem Beginn leicht eingebogen, die Nasenbeine kurz, dio Apertur birnförrnig, unter ihr Spuren der Fossae prae- n anales. Die Jocbbogen weit abstehend, der Alveolarbogen weit gerundet, die Processus malares gross, die Fossa caninae wie bei dem vorigen, die Distanz zwischen den Kckzahnalveolen so gross wie bei Ilmazar, nur die Höhe des Alveolarfortsatzea ist beträchtlicher, sie beträgt 19 mm. Sowohl dadurch, als durch einen ver- hältnissmäseig laugen und schmalen ProcessuB nasalis ossis frontis wird der Gesichtsindex höher, als bei dem vorigen.
Sämmtliche Zähne sind erhalten, die Kronen namentlich der oberen Schneidezühne stark abgerittben, so dass nur mehr 1 mm übrig ist, die geöffneten Pulpahöhlen Bind mit Knochenmasse verschlossen. Die Kürze und Weite des Gaumenbogens beträchtlich, die Breite und Divergenz der Alae externae der Flügel- fortaätzc beträchtlich wie bei Ilmazar.
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Prof. Dr. Kollmann,
Längenbreitcnindcx . . 73,4
Längenhöhenindex 72,0
Breiteuhnhenindex 97,1
Gesiclitsindcx BO
Oberkieferindex , 60
Orbitalindex 62,9
Kasenindex 46,1
Gaumenindex KJ, 9
Profilvrinkel 85®
Die oben erwähnten zwei chamäprosopen Dolichocephalen aus der anatomischen Sammlung Dorjiats sind nicht die einzigen Vertreter jenes Typus dort in den Ostseeprovinzen. Ich will in den Tabellen von Witt nur noch auf einen verweisen, der auch dort abgebildet ist und nach nahezu allen Richtungen als ein classisches Exemplar dieser Kace zu betrachten ist Dass gerade er für die bildliche Darstellung gewählt wurde, ist jedenfalls ein Zeichen, dass er auch in Dorpat für eine typische Grundform gehalten wurde. Ich darf eine genauere Beschreibung unter- lassen, da die Abbildung bis auf die abgeschliffenen Zahnreihen dem unter dem Namen Ilmazar geschilderten gleicht Die absoluten Zahlen finden sich in der Tabelle, die relativen folgen hier:
Längenbreitenindex Längenhöhenindex Breitenhöhenindex Gesichtsindex . .
Oberkieferindex Orbitalindex . . .
Nasenindex . . .
Gaumenindex . .
74,1
74,1
100
80
50
82,9
45,1 (50? nach den Meaaunpen an der Abbildung.)
Alte Schädel aus sogenannten Livengräbern können hier mit vollem Recht rum Ver- gleich herangezogen werden. Es ist das Ogergehict, das eino beträchtliche Zahl gut erhaltener Objecte geliefert hat So ist z. B. der Fund bei Gulbern besonders ergiebig gewesen, er lieferte 9 Schädel. Die Beigaben sind wieder dieselben, wie im Rimiekaln, also auch die Zeit der Be- stattung gleich der weiter oben erwähnten.
Dem Längcnbrcitenindcx nach fallen die Schädel z. B. von Gulbern in die ausgemachte Doli- chocephalie, und zwar so, dass dieselbe bei deu Männern etwas mehr, bei den Frauen etwa» weniger entwickelt ist Unter allen Individuen findet sich nur ein leptorrhines, die übrigen sind mesorrbine, und ein Weib ist hyperplaiyrrhin. Die Hälfte dieser Schädel ist also mesorrliin, bei sieben Weibern steigt der Index auf 51,1, und zwar sind cs meist die höheren Grade der Mesorrbinie, dreimal 50,0, einmal 52,0, welche aullreten *). Die Nase ist dabei meist nach oben eingebogen. Die Ucbereinslimmung schon dieser Merkmale mit Ilmazar ist unverkennbar. Sie erstreckt sich aber noch auf andere Eiuzelnlieitcn, die sich völlig decken, so die Chainäprosopie i. e. das breite Gesicht, die Chamükonchio (niederer Augenhöhlcneingaug). Aus den Virehow 'sehen absoluten Zahlen stehen uns die Maassc zweier Schädel zur Verfügung, um zu den vorliegenden Indiccs nach unserer Methode auch Gesichts- und Oberkieferindex zu bestimmen.
]) Vircbow, Livländiache Schädel. Zeitschrift für Ethnologie, Bd. XI. Vsrhandl. der Berliner anthropol. Gesellschaft, Sitzung vom 16. Marz 1859, S. 38.
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Beiträge zu einer Kraniologie der europäischen Völker. 7
|
Galb.ru XIII $ |
Labey 12 $ |
|
|
Längenbreitenindex . . |
74.1 |
74,1 |
|
Längeuhöhcnindex . . |
74,1 |
|
|
Breitenhöhenindex . . |
100 |
|
|
Gesichtsindex |
80,3 |
|
|
Oberkieferindex .... |
47,0 |
|
|
Nasenindex |
62,0 |
|
|
Orbitalindex |
72,6 |
Geriehtaindex und Oberkieferindex sind im vollsten Einklang mit dem cbamilproaopen Typus, sic stehen am Anfang der Scala und beweisen so, dass diese Race der alten Bewohner der Ostsee- proviuzon sich auch noch in der heutigen Bevölkerung findet. Verlassen wir nunmehr die Ostsee- provinzen, um uns nach Deutschland zu wenden.
Einen eminent ohamfiprosopen dolichocephalen Schädel hat Virchow1) in dem Museum von Münster gefunden.
„Grosser männlicher Schädel von ungemein starkem, fast sklerotischem K noch enge füge und ganz un- gewöhnlichem, wildem Aussehen. Die mit «ehr starken iu der Mitte xusamtnenfliesseuden Stirn Wülsten ver- sehene Stirn ist breit, fliehend. Da» Gesicht breit und niedrig, sehr niedrige, wie gedrückte Augenhöhlen, vorspringende Wangenbeine mit grosser Malarbreite, die Jochbogen sehr stark ausgelegt, die Distanz ihrer Wölbungen betragt 118.“ Bei der Uebereinstiininnng so vieler typischer Kigenschaften fällt die Leptorrhinie wenig in die Wagschale, namentlich wenn man noch die ausserordentliche Entwickelung der Muskelleisten berücksichtigt, die sich in einer ungewöhnlich kräftigen Linea nuchae superior und einer sehr starken doppelten Protuberantia occipitalis externa ausprägen.
Längenbreitenindex 73,2
Lungenhöhenindex 66,1
BreitenhCihenindex 90,3
Orbitalindex 81,8
Nasenindex 41,3
Gesichtsiudex 75,0
Oberkieferindex 47,9
Gaumenindex 85,1
Virchow spricht wiederholt von dolichocephalen Formen (mit massiger Höhe), welche weder den friesischen noch den westfälischen gleichen. Ihr Typus gleiche vielmehr demjenigen der fränkischen Reihen- graber*). In der Thai ist diese Beobachtung vollkommen zutrefleud. Dieser Münsterschädel nimmt eine besondere Stellung ein vermöge seiner kraniologisohen Eigenschaften, obwohl wahrscheinlich Stamm, Herkunft, Heimath u. s. w. ihn und sein Geschlecht politisch mit den Germanen verbunden hatten. Wer also diesen Schädel als den eines Germanen bezeichnen will, findet hei mir keinen Widerspruch; denn jener dolichocephale Mann gehörte politisch, social, der Geburt nach — kurz ethnologisch zu ihnen, das hindert aber nicht, an ihm die besondere Schädclfonn za coust&tiren, welche unter den Germanen jener Zeit einen Bruchtheil au «machte. Wie gross dieser war, lässt sich heute noch nicht übersehen, dazu bedarf es be- sonderer statistischer Untersuchungen.
*) Physische Anthropologie a. a. 0., 8. 304 und Verhandlungen der Berliner anthropologischen Gesellschaft 1874, Taf. XVII, Fig. I. Zeitschrift für Ethnologie, Iki. VI. Aus der Abbildung ist nicht zu entnehmen, ob der Hinterkopf so ausgereckt ist wie bei den leptoprosopen Dolichocephalen. Die Lange an und für sich ist noch nicht entscheidend. Bei Chamäcephalie ist überdies die Raumvergrösserung nach hinten bedeutend genug, um eine Aohnlichkeit mit dem nestartig angesetzten Occiput hervorzurufen. Soweit die Figur eiue Bourt Heilung gestattet., fehlt dieselbe. Dem Schädel fehlt der Unterkiefer, Um dennoch den Gesichtaindex berechnen zu können, wurde zur Oberkiefer höhe die Zahl von 4önim addirt, wodurch «ich ein Gesichtsiudex von 75 ergiebt. Durch die Annahme einer Entfernung des oberen Alveularrandes bis zum unteren Rande der Maxilla inferior von 50 mm würde der Schädel bei der enormen Jochbogendistanz noch immer zu den niederen Graden der Cbamäprosopen gestellt werden. Er erhielte dann einen Gesichtsiudex von 8t.
2) Virchow, Physische Anthropologie, S. 310.
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Prof. Dr. Kollmann,
Mit (Irr Erwähnung des Kram uro, von Münster sind wir in das Gebiet des alten Friesluids gelangt. Wir werden auch dort Umschau halten und nicht ohne Erfolg.
Ich erinnere zunächst an die schon bei den chamnprosopen Mesoccphalcn citirte Beobachtung friesischer Ethnologen (Lu hach), dass dort ein Typus verkomme niit stark vorspringenden Jochbeinen, kleiner, stumpfer und dicker Nase, die bisweilen aufgestülpt int, der Kinn stark u. s. w. Das sind die von mir chainaprusop ge- nannten Schädel mit stark ausgelcgteu Jochbogen, von denen viele mesocepbale Repräsentanten aufgefunden sind, liier ist es meine Aufgabe, das Vorkommen des niederen Gesiebtes au langen Schädeln zu erweisen.
Ich kann hier an die Grupp« der von Spengel beschriebenen Neanderthaloiden •Schädel erinnern, deren Indien schon weiter oben mitgetheilt wurden. Unter ihr befinden sich Kranien, die man uotbwendig iu die Reihe der ebamäprosopen Dolichocephalcn rücken muss bei einem Indux von 74,5, nachdem das Mittel der charoüprosopen Mesocephnleu um die Zahl 77 oscillirt
Ich nenne also hier Nr. 270, Insel Marken in der Sammlung der Uacenschiidel zu Göttingen mit einer Obergesichtshöhe von 643 und einer Jochbreite von 142! Nimmt man 15 mm als Entfernung zwischen Alveolarrund des Oberkiefers und dem unteren Rande des Unterkiefers , so erhalten wir eine Gesichtshöhe von 111 und damit einen Gesichtsindex von 78,7, der auf eine ganz ausserordentliche Niedrigkeit des Gesichtes hinweist.
Bei dem Bremenser Fund ist leider in vielen Fällen gerade der Gesicht sscbftdel zerstört, und so bietet das zahlreiche Material verhältuissinassig wenig Ausbeute. Um so bemerkenswerther sind jedoch die Urtheile Gild enteister’»1), dem bei unvollkommenen Reihen dennoch die maangebraden Unterschiede nicht entgangen sind. Vor Allem betont er richtig einen Gegensatz in der Form de* Ilinterachädels bei den Dolichocephalen und den zur Dolichocephalie neigenden Kranien. Er selbst verweist auf eine typische ilirnkapsel Nr. 29, Taf. I, Fig. 3, wodurch in der Norma verticalis jene „langgezogene“ Ellipse entsteht, die den lepioprosopen l)olichocepba!en von mir zugetheilt wurde. In einen Gegensatz stellt er eine nach hinten verbreiterte Form, deren Hinterkopf stumpf, gewölbt und mächtig entwickelt ist Die Scheitelcontur bildet einen gleichmässig gerundeten Bogen; die Stirn ist mit stark entwickelten Brauenwülatan versehen, welche über der Nasenwurzel confluiren. Von zwei Schädeln wird besonders die steile Beschaffenheit der Plana temporal»* und der weitausgreifende Verlauf der Linea temporalis hervorgehoben, der Naseuindex iBt mesorrhin. An zwei Dolichocephalen von ausgesprochen dolichocephaiem Charakter bildet die Norma occipitalis ein scharf- kantiges Fünfeck mit steilen Seitenflächen, die Facies muscularis des Hinterhauptsbeins nahezu horizontal verlaufend.
Museam Bremense
Längenbreitenindex
Längenhöhenindex
Breitenhöhenindex . . .
Oberkieferindex
Nasenindex
Orbitaliudex
|
Nr. 16 |
Nr. 17 |
|
72,4 |
73,8 |
|
76,9 |
70,3 |
|
104,9 |
97,0 |
|
51,1 |
§0,7 |
|
49,0 |
50,0 |
|
78,5 |
82,9 |
Die Oberkieferindices zeigen die Charnftprosopte; der Orbitalindex ist bei Nr. IC mikrokonch in sehr hohem Grade, bei dem Nr. 17 steht er am Beginn der Mesokonehip, ist also noch immer nieder zu nennen.
Mit diesen Zahlenbelegen «oll die Nachricht über die chamaprosopen Dolichocephalen Frieslands abBchliessen, die mir nicht allein aus Zahlen, Beschreibungen und Abbildungen in vielen Belegen vorliegt sondern auch in einzelnen Schädeln uud Schädelabgüssen. Selbst durch Häufung zahlreicherer einzelner Fälle von meiner Seite kann der Beweis von der Existenz einer zweiten dolichocephalen Grundform Europa* kaum noch besondere Kraft gewinnen. Schwerer wiegt das Urtheil anderer Forscher, welche dieselbe Beob- achtung schon gemacht und sie durch die Untersuchung gefestigt haben.
Ich führe zunächst wieder die auch für diese Form grundlegende Arbeit A- Ecker’»*} an, der ihr sofort durch die weite Umschau eine breite Unterlage gegeben hat. Denn in den Crania Germaniae blieb er ja nicht allein bei den Gräberschädeln Deutschlands stehen, sondern verfolgte di« Formen in weitere Gebiete.
*) Gilde moister, Ein Beitrag etc. a. a. O,, 8.32. Bei den» für die Bestimmung der Gesichtsform *o sehr unzulänglichen Material fiUH bei Gilderneister der Schwerpunkt ln die Betrachtung der Hirukapsel. Dennoch erregt innerhalb des Funde« die niedere Form des Gesichtes seine Aufmerksamkeit, nicht allein in dem Bereich der Mesocephalie, sondern aueh der Dolichocephalie. Man vergleiche die Bemerkung auf S. 55, wo er die ßion- schädel von Hi» uud Rütimeyer wegen ihrer Aehnlichkeit herapxicht.
2) A. Ecker, Urania Germaniae a. a. 0,, 8. 79.
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Beiträge zu einer Kraniologie der europäischen Völker.
Nachdem ich im Eingang dieses Abschnittes die Eigenschaften der cbamäprosopen Dolichoccphaleu Kusammengefasst, dürfte wohl jeden Leser die ltctretTende Beschreibung A. Ecker’» überraschen, mit der er die sogenannte Hügelgräber form zu definiren wusste trotz eine» »ehr spärlichen Material*. „Die Schädel sind dolichocephal, jedoch in massigem Grade, sic zeigen eine nicht unbeträchtliche Länge, jedoch sind sie nicht schmal, di© Tuber» parietaiia »ind in der Kegel ziemlich ausgeprägt, und der Schädel scheint in dieser Gegend verbreitert , die Arcus »uperciliares bei männlichen Kramen meist deutlich entwickelt, der Stirn- naaenwinkel tief cingeechnitten. Der Schädel in der Norina occipitali» ganz verschieden vorn echten Keihengräberschädel. Da» Hinterhaupt ist wohl entwickelt, jedoch nicht vom Scheitel abgesetzt, vorstehend und zugespitzt, sondern gleichmässig kugelig gewölbt.“ Es war im Jahr© 1865, als jene Unterscheidung zweier dolichocephaler Racen, wenn auch mit äusserster Vorsicht, doch mit guten Gründen und als ein Bedürfnis» hingestellt worden war in der Ueberzengang, „dass e» lur eine künftige vergleichende Schädel* lehre besser ist, di© Unterschiede hervorzuheben, al» sie zu verwischen und zu verflachen.“
Die Trennung der langen Schädel in zwei Racen ist ferner von His und Rütimeyer1) ebenfalls schon seit langer Zeit erkannt und ausgesprochen worden. Während Ecker »ein Augenmerk vorzugsweise auf die alten Funde gerichtet hatte, haben die beiden Schweizer Gelehrten sowohl die Schädel der vorhistorischen al» historischen Zeit bis herab auf die gegenwärtige Generation in den Kreis ihrer Untersuchung gezogen. Gicht es doch, wie sie richtig betonen, manche Fragen, wie vor Allem die Frage nach den Folgen der Racenvermengung, die sich nur in Angriff nehmen lassen an der Hand einer sorgfältigen Vergleichung jetzt vorhandener und älterer Schädelformen. Bei dpr Bearbeitung eines für Krauiologen ausserst reichhaltigen Material», da» der Beiubäuser, erstreckte »ich die Umschau auf viele Hunderte von Schädeln, und von „vorn- herein haben sich die beiden Forscher auf einen rein nat urbistori sehen Standpunkt gestellt. Das ist ein Grundsatz, der im Jahre 1864 aufgestellt wurde, der schon »o früh dahin geführt hat, zwei typisch scharf getrennte Gruppen aufzustellen. Der eineu Gruppe, dem Hohbergtypus, habe ich unter den leptoprosopen Dolichocephal cn Europas »eine Stelle angewiesen, hier wird sich zeigen, das» der Siontypus der Schweiz bezüglich einzelner Repräsentanten mit vollem Recht den chamäprosopeti Typen Europas zugetlndU werden muss in der Weise, dass der eine Theil den Langschädelu, der andere den Mesoceplialeu »ich aurnht. Spater hat His*) die Existenz zweier dolichocephaler Racen in Europa bei Gelegenheit der Beschreibung einiger Schädel altschweizerischer Bevölkerung mit aller Schärfe betont.
Doch hören wir zunächst die Charakteristik des Sionschädels: „Mächtige Entwickelung de» Hinter* köpfe» nach Länge, Breite und Höhe, ln der Norm» occipitali« tritt die Rundung zu Tage, sie ist voll durch die Breite des Mastoidealtheile« und durch die Abstumpfung des Hinterhauptes. Das Gesicht ist mächtig entwickelt, bei männlichen Schädeln sind die Augenbrauenbogen stark verdickt, die Nasenwurzel tief eingezogen. An ihrer Wurzel erscheint die Nase bei allen Sionköpfcu ziemlich breit. Die Augenhöhlen sind nieder, breit (His), die Jochbogeu stark ausgelegt. Durch das Zusammentreffen dieser verschiedenen Charaktere erhält der Sionschädel in seinen woblausgebildeten Exemplaren einen ungemein kräftigen Aus- druck.“ Die Uebereinstimuiung mit den Cham&protopen Europas wird noch weiter erhärtet durch die muster- haften Abbildungen *) in natürlicher Grösse, und durch die Zahlen.
Die weite Verbreitung dieser Biet soll noch durch weitere Beispiele bewiesen werden, um die Lücke zwischen dem Norden uud Süden auezu füllen.
Da sind wieder die thüringischen Geeichter der von Virchow4) schon oben erwähnten Schädel, welche sich durch Platyrrhinie (Index von 52 bis 58) oder eine hart an die Platyrrhinie herantretende Meeorrhinic auszeiclmen, wie derjenige init einem Längenbreiteuindex von 70,7 und einem Nasenindex von 51,3. Zwei andere, mit Längonbreitenindioes veto 74,4, zeichnen sich durch Nasenindices von 57,4 und 61,3 aus! Daran reiht sich ein anderer Dolichocephale aus dem Hünengrab© bei Neubrandenburg Nr. 834 von Virchow5), als platyrrhin ausdrücklich hervorgehoben trotz de» Nasenindex von 50,0. Ein anderer hart au der Grenze der Dolichocephalie stehender (Längenbreitenindex 74,4) aus demselben Hügelgrabe ist ebenfalls platyrrhin, Naseuindex 52,0. Nach allen Anzeichen sind die letzterwähnten Specimiua au» der ältesten Zeit der mecklenburgischen Hünengräber.
Von Nr. 834 gebe ich die absoluten Zahlen, die Höhe des Gesichtes habe ich berechnet aus der Höhe der Nase: 52 4- Höhe des Atveolarrande» des Oberkiefers: 18 Höhe de« Unterkiefers: 32 -f- Höhe der
*) His und Rütimeyer, Crania Helvetica a. a. O., 8. 3.
*) His, W., Archiv für Anthropologie, B. I, 8. 61.
*) An diesen zeigt es eich recht deutlich, wie sehr die Klarheit gewinnt durch die in natürlicher Grösse dargestellten Typen.
*) Virchow, Zeitschrift für Ethnologie, Bd. IX. Verhandlungen der Berliner anthropologischen Gesell, schaft, Sitzung vom 21. Juli 1677.
ft) Virchow, ebenda. Sitzung vom 16. Mai 1676, 8. 29.
Archiv für AnthrofioUigi«. Bd XI Vr. 2
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Prot Dr. Kollmann,
beiden Zalmreihen 10 — 112, daraus ergiebt sich bei einer Jochbogendistanz von 137 ein chamäprosoper Ge- sichtsindex von 81,7. Au* der Beschreibung Virchow’s hebe ich der Uebereinstimmung mit den Haupt« eigenschaftcn de* Typus wegen hervor: Das Schädeldach ist vorn breit, starker Stirnnaaenwulat. Die Ober* schuppe de* Hinterhaupt« stark gewölbt, du» Hinterhaupt überhaupt gross. Die Facies muscularis steht fast horizontal und zeigt tiefe Muskelgruben. Die Augenhöhlen sind niedrig und von mehr viereckiger Gestalt (der untenstoheude Orbitalindex weist exquisite Chumäkonchie auf). Die Nase schmal und stark vortretend, mit tiefliegendem Ansatz und grosser Apertur (Nasenindex mesorrhin), Tiefe Foswae cauinae. Alveolar« fortsntz leicht prognath. Zähne tief abgeschliSen. Das breite Kinn tritt stark hervor. — Soweit Beschrei- bungen und Mitasse den Typus eines Schädels erkennen lassen, kann die Stellung diese« Specimeti* in der Reihe der chamäprosopen Dolichooephalen nicht zweifelhaft sein.
liängenhrcitenindex 74.2
Lüugenhöhcnindex 69,2
Breitenhöhenindex .... 93.2
Gesichtsindex * 81,7
Oberkiefer iudex 52, fl
Orbital iudex .... 77.6
Nasenindex 50,0
Es Hessen eich an der Hand der Literatur mit gutem Erfolge noch Streifzüg© unternehmen naeh 0*t- preussen, wo Lissaucr Schädel aus alter und neuer Zeit untersucht hat, und nach Württemberg, wo durch v. Holder die kraniologisciieu Eigenschaften seiner Landsleute beschrieben wurden. Tn dem letzterwähnten Gebiete sind bekanntlich mehrere Unterabtbpilungen für die Dolichocephalie aufgestcllt worden. Der germa- nische Typus, Stufe Nr. 1, ist unch meiuer Terminologie chamäprosop, denn seine Augenhöhlen sind nieder, die Jochbogen weit ausgelegt, und die Xorma occipitalis und lateralis stimmen mit denjenigen chamä- prosoper Dolichocephalen überein. Aus Frankreich treten uns als identische Schädel einige Repräsentanten der zweiten „Fossilen ltaco“ oder der Race von Cro-Magnon1) entgegen. Sowohl die Fundgeschichte als die einzelnen Specimiua sind allgemein bekannt und üt>erdies in den Crania ethnica vortrefflich abgebildet.
Die Form de» Schädels von Cro-Maguon Nr. 1 ist, um zunächst die allgemeinen Charaktere hervor- zuheben, chamäprosop und dolichocephal , seine Lange mit 73,7 lässt über den letzteren Punkt keinen Zweifel. In der Norma verticalis zeigt das Oval jene breite und nach hinten voll© C’ontur, die der Schädel von llmazar besitzt. Was da« Gesicht betrifft, so ist «eine niedere Beschaffenheit bei sonst orthoguathem Schnitt ausser allem Zweifel.
Die Indices, mit Hilfe der in den Crania ethnica vorliegenden Tafeln und nach den Maassangaben vervollständigt, sind folgende:
|
Läugenbreitenindcx |
.... 73,7 |
(73.7) A. d. |
Cran. ethn. |
|
Läogenhöhenindex |
.... 71,3 |
(63,3) „ „ |
n n |
|
Brcitenhöhenindex |
.... 95.3 |
•t !* |
|
|
Gesichtsindex |
.... 73,6 |
— |
|
|
Oberkieferindex |
. . 47,3 |
— |
|
|
Nasenindex |
. . . 40,9 |
(45,0) , , |
„ « |
|
Orbitalindex |
.... 61,3 |
(«1,8) . . |
n s |
|
Gaumenindex |
. ... 84,2 |
— |
|
|
Profilwinkel (v. Ihering) .... |
.... 87/. |
— |
Die Indices für den Gesichtsschädel bestimmen das ausserordentlich niedere Gesicht durch die Zahl 73,6, eine Chamüprosopie, die an dem Beginn der Scala steht. Dazu kommen Augenhöhlen, die noch be- trächtlich niederer sind, als jene von llmazar; ferner «iud beide mesorrhin, doch lässt sich darüber streiten, ob der alte Mann von Cro-Magnon nicht lcptorrhin sei. Nach den Zahlen in den Crania ethnica ist dies entschieden der Fall, und ich hin bereit, den Nasunindex 46,9 oder, wie die französische Bestimmung ge- rechnet hat, 45,0 anzunehmen und die volle Leptorrhiuie damit anzuerkenneu ; doch ist immerhin zu be- merken, dass durch die Incrustationen gerade die Weite der Apertur nicht vollkommen genau zu bestimmen ist Jedenfalls hat die Nasa eine vortreffliche Form, die Sutura naBofrontalia ist nicht gerade, sondern ziemlich stark gewölbt, liegt tief eingesetzt wegen der starken Entwickelung der Superciliarwülste, aber der Nasenrücken selbst ist nur auf eine kurze Strecke etwas eingeboren, am «ich dann zu erheben und kräftig
*) de Quatrefages und Hainy, Crania ethnica a. a. O., Taf. III, IV, V, pag. 79 ff. Absolute Maas«© und Indices Pruner-B«y Discrjption sommaire des reste* bumaines decouverts «lau« le* grottes de Cro-Magnon, 5. s«irie, Zool. T. x., pag. 145.
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Beiträge zu einer Kraniologie der europäischen Völker.
zu einer vorspringenden Nase sich auszu laden. Das ist di« Nase eines Europäers der besten Sorte, die durchaus nichts Primitives au sich hat, und die alten Versuchen, in ihr einen wilden Urcbaraktnr zu erblicken, hartnäckig durch ihre Prominen* widerstehen wird. Gerade und lange Nasen sind also schon bei den ältesten Colonialen Europas zu finden.
Es sind noch andere Eigenthiimlichkeiten in dem Gesichtsschädel, die mit clem typischen Esthen Ilmazar in frappanter Ue-boreinstimmung sind. Die vordere Fläche des Oberkiefers ist in beiden Kranien sehr gross, hat aber eine gute Modellirung Auch bei dem alten Manne sind die weiten Foesae caninae vor- handen; die Stellung der Waugenbeine i. e., die Divergenz ihrer unteren Ränder ist in gleicher Weise aus- geprägt, die Jochhogen sind in beiden Kranien gleich stark ausgelegt, bei dem einen 142, bei dem anderen 143 bi* 144. Keine dieser Eigenschaften giebt Veranlassung zu einer exceptionellen Stellung des Alten von Cro-Magnon. Wenn Hroca seiner Zeit sagen konnte, dass noch niemals bei einem Dolichocephalen eine solche Ausladung der Joch bogen constatirt worden sei, so kommt der Käthe nicht allein sehr nahe, relativ zur Höhe des Gesichtes übertrifft er sogar den Mammuthjäger , dessen Gesichtshöhe von der Nasenwurzel bis zum Kinn 106 beträgt: Höhe des Oberkiefers 68,0 -f- mediane Höhe des Unterkiefers 30,0 4- der Höhe der beiden Zahnreihen 8 mm. Diese Gesichtaliöhe giebt aber einen Gesichtsindex 73,6, während der Esthe einen Gesichtsiudex von ,61,9 aufweist. Zwei andere Schädel aus der Dorpater Anatomie, siehe die Tabelle der chamäprosopen Doliohocephalen Ksth* 13, Dorpat 13, weisen Indices von 80,0 auf, ebenso ein Schädel von Lubey (Nr. 12), der 80,3 ergiebt. Hier ist also eine Gruppe, die mit einem einheitlichen Charakter des Gesichtes ans entgegentritt und die Meinung zurückweist, dass man es mit einer itolirten Erscheinung zu tbun habe.
Die Identität der Formen erstreckt sich auch auf den Gaumen, der durch die Gestaltung des Ober- kiefers bedingt ist Die Gautnenindicea der drei nordischen Schädel gehen durch die Zahlen 82,7, 83,9 und 88, 0 , der des Alton von Cro-Magnon steht mit 84,2 zwischen dieser Reihe. Ilmazar und der Alte besitzen ferner jenen mittleren Wulst am Gaumen, den Kupffer1) mit dem Namen Torus palatinus belegt, bat und den de Quatrefages und Hamy in seinen Ei nzelnheiten deutlichst betont haben. Di« Identität der Formen erstrockt sich auch auf den Unterkiefer und zwar iu allen Kinzelnheiten, wie ein Blick auf meine Abbildung Taf. I, Fig.9 Chd 1, auf die Taf. IV in der Crania ethnica*) und jene von Witt ergeben wird, auf die schon oben aufmerksam gemacht wurde.
Von der Form des ilimsehüdels beton« ich an dem Alten vonCro-Magnoo zuerst die Form deB Oocipnt, das voll und weit in allen Thcilen übercinstimmt mit jenem der nordischen Männer aus unserer Zeit und gänzlich verschieden ist von dem zugespitzten Hinterschädel der leptoprosopen Dolichocephalen (aliis Reihen- gräberform, Uohbergtypus u. s. w.). Die Breite der Stirn, di« Weite und Abplattung der Schläfeufiuchen, die Norma occipitalis, die ein Fünfeck bildet mit massiger Convergenz nach den Warzen fortaätzen hin, das oben massig abgedacht ist mit scharfem Uebergang an den Scheitelhöckern: alle dies« Merkmale kehren wieder hei den Esthenschädeln. Was den 1 Jingcnhöhen- und den Breitenhöhenindex betrifft, so bestehen zwischen meineu Zahlen und denen der französischen Forscher beträchtliche Unterschiede. Nach der Höhe gemessen vom vorderen Rande des Foramen magnum zuiu höchsten Punkt des Scheitels, senkrecht zur Horizontalen, ergiebt sich die Zahl von 142, die mit dem geraden Durchmesser von 199 einen Höhenindex von 71,3 ausmacht, also einen massig hohen Scheitel anzeigt. Der von do Quntrefage» und Hamy angegebene Index Co, 3, durch die Be- stimmung der Höhe von 132 gewonnen, ist offenbar zu nieder. Dasselbe ist der Fall mit dem Breiten- höhenindex, der sich, nach der Pariser Methode berechnet, auf 88,3 stellt, während meine Abnahme ries Matisses 95,3 constatirt, eine Zahl, die sich vollkommen an die übrigen Glieder der Gruppe anschliesst. Ilmazar und Dorpat 13 : 100, Esthe 18 : 97,1.
Nach allen diesen Erörterungen dürfte es schwer sein, zwei Schädel zu finden, deren Eigeuthümlicb- keiten sich so völlig decken, wie die unserer Zeitgenossen aus dem Norden und jenes Mannes „diluvii testis“ ans dem Westen Europas.
Aus diesem für menschliche Urgeschichte so berühmten Funde von Cro-Magnon gestatten noch zwei Schädel eine kraniologische Beurthcilung, während der dritte hierfür unbrauchbar ist. Allerdings lässt auch der Erhaltungszustand der beiden erstereu manches zu wünschen übrig, allein die Beschreibungen, Zahlen und Abbildungen geben doch genügende Anhaltspunkte, um sie unter den Typus der chamäprosopen Doli* chocephalen zusammenzufnssen.
Der eine Schädel Cro-Magnon Nr. 3 gehört einem Maune zu, der andere „ „ * 2 „ „ Weibe „
*) Kupffer und Kessel Hagen, Schädel und Skelete der anthropologischen Sammlungen zu Königsberg in Preussen. Archiv für Anthropologie, Bd. XII, lieft 2, S. 8.
*) Crania ethnica a. a. (>.. pag. 49.
2*
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Prof. Dr. Kollmann,
Der Jet ter© wurde mit anderen Schädeln unter einem Type feminine vereinigt, eine Trennung, der ich nicht beipflichte and für die bezüglich dieses einen Schädels stichhaltige Qründe fehlen.
Männlicher Schädel Nr. 8*) Wiederholt die Schädelform des eben beschriebenen, die Grösse der Arcus superciliares, ihre Stellung zur Nasenwurzel sind gleich, die Stirn etwas höher, die mediane Curve des Stirnbeins langer, die Schläfenflächen platt, geringste Stirnbreite 98. ln der Lambdanaht einige 0#§a Wormiana, wodurch das Hinterhaupt sich treppenartig absetzt. Dennoch ist das Hinterhaupt voll und breit und hat nichts von der charakteristischen Gestalt bei diesem Typus verloren. Der Gesicht sschadel gleicht, soweit erhalten, vollkommen demjenigen des Alten, der Orbitalindex ist mikrokonch, der Nasenrücken massig breit, der Oberkiefer breit, selbst die Form des Unterkiefers ist dieselbe, wie bei Nr. 1.
Weiblicher Schädel von Cro-Magnon Nr. 2. Mit denselben Eigenschaften, am langen Hirnschädel gut entwickelte, gerade ansteigende Stirn, hohe Scheitelcurve, der Höhenindex leider nicht fest zustellen. Das Hinterhaupt breit uud voll, die Schläfen in der vorderen Hälfte platt, in der hinteren massig gebaucht. Der Gesichtaschidel trägt alle Spuren der nächsten Blutsverwandtschaft mit den beiden Männern, die Arcus superciliares sind, wie um weiblichen Schädel stets, gering entwickelt, aber sie sind doch uoch etwas über- hängend, so dass die Nasenwurzel »ich nicht in einer Flucht mit der vorderen Stirnfläche befindet, sondern etwas eingesetzt ist, der Nasenrücken ist breiter und flacher als bei den Männern, der Nasalindex steht an der oberen Grenze der Mesorrhinie mit 61,5, ist also nahezu platyrrhin. Die Nase der Frau ist nicht vorsprin- gend, sondern abgeplattet, sicht dadurch nicht so hübsch aus, wie unstreitig die der Männer; die Form des Augenhöhleneinganges ist auch bei ihr mikrokonch, wie bei den Männern, Orbitalindex 72,5, kur* die Uebercinslimmung der Hauptcharaktere unterliegt keinem Zweifel.
Die anthropologische Literatur weist wenige Kranien auf, die so deutliche und schnell für Auge wie Maassstab fassbare Ligen schäften besitzen, wie diese alten Troglodyten.
Mau darf also wohl annehmen, dass es nicht allzuschwer sein wird, ähnliche Spccimioa wieder- zufinden. de Quatrefages und H»myJ) berichten nun, dass unter den Baskensehädelu sich die Formen de« alten Mannes der Vecere wiederfänden. Br och nennt einen Baskenschädel von Zaraus, der denselben Orbitalindex besitzt 61,3; ein anderer hatte einen Orbitalindex von 67,4, und einer aus demselben Gebiete hatte noch stärker ausgelegte Jochbogen. Einige Individuen „reproduiseni le type de Cro-Magnon“. Die Schädel vorhistorischer Grälier von Algier (Nekropole von Hoktiia) sollen die Charaktere derer von Cro- Magrton aufweisen (Faidherbe, Bourguignat, Mac-Carthy). Ferner wird des Bestimmtesten behauptet, da*» die Guanchen auf den canariscben I titeln diesen Typus am besten erhalten hätten. Die in den Urania ethnica gegebene Abbildung eines solchen Schädels {Barranco- Hundo) */8 natürlicher Grosse spricht, ent- schieden für diese Ansicht. Es wird überdies bemerkt, dass Schädel und Gesichts indices mit denen de* Mannes von Cro • Mugtion übereinst immen. Ich lege diese Berichte mit aller Reserve vor. Obwohl die Glaubwürdigkeit der Beobachte 1* ja nicht im Geringsten bestritten werden soll, so sind doch auch hier vorerst weitere Bestätigungen abzuwarten. Mich bat vor Allem die l.'cberzeugung gefreut, welche au* diesen Vergleichen von Basken-, Guanehcuschndeln u. s. \v. mit den Leuten von Cro- Magnon spricht, nämlich die der Fortdauer eiueg Typus, der zu den ältesten Europas gestellt werden darf. Darin liegt ein fruchtbarer Gedauke der französisch-anthropologischen Schule, der, wenn auch langsam und auf manchem Irrwege, dennoch zu wichtigen Aufschlüssen über die Herkunft der europäischen Typen gerade durch die Vergleichung führen wifd. Können wir doch den Beweis antreten , dass die Nachkommen der Leute ans den Reihen- gräbern oder der Zeit der Pfahlbauten noch zu linden siud, ist ja doch schon unzählige Male darauf auf- merksam gemacht worden, dass der Fellache noch heute derselbe ist wie vor 5000 Jalireu, warum Jsoll die Zähigkeit der Vererbung nicht noch weiter reichen?
Wir haben schon wiederholt anf «las Werk von Davis und Thnrnam3) hingewiesen. Es liefert uns wie für die chamäcephale Mesocephalie, und die leptoprosope Dolichocephalie, bo auch für die Langschüdcl
*) Nach der Bvfcchreibung von Primer- Bey (Meliq. Aquit.) p. 7" trägt dieser Bcliädel die Nr. 2.
*j Urania ethnica a. a, O., pag. 95.
*) Da via and Thur hum ». a. 0., Vol. II, Taf. 5 und der dazu gehörige Text.
«I. B. Davis, Urania brit. Tom. I, Cliap. VII. 8. 200, bemerkt in West -Irland zwei verschiedene Ge- sichtsformen , die eine ist lang, mit langer gerader Nase, der Rücken meist etwa* gewölbt, doch nicht aquiline. Die andere ,the unbeutiful“ »st kürzer und breiter, mit weitem Vorderkopfe und vorspringenden Wangenbeinen, einer garstigen „Ugly*, eingedrückten Nase, und gTot-setn Munde.
Der Längenbreitenindex von 14 Männern ergiebt eiu Mittel von 75, 8. 201 u. ff. Angaben über Farbe der Augen und llnare.
l'eber die Gesichtsfonn in Schottland ähnliche Mitt bedungen 8. 2 io, der Unterschied zwischen dem langen und breite» Gesicht ist noch scharfer ausgeprägt nach Dr. Mitchell.
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13
Beiträge zu einer Kraniologie der europäischen Völker.
mit niederem Gesicht, einige werthvolle Anhaltspunkte. Pie englischen Maasse gestatten die Vergleichung der Indices, von denen die beiden Autoren den Längenbreiten- und den Längenhöhenindex angeben, den letzteren von der Eben« de« Kommen bis zu einem bestimmten Punkte in der Parietalnaht genommen. Für di« Bestimmung der GerichUform liegt eine werthvolle Zahl in den Urania Britanniea vor, von der ich schon wiederholt Gebrauch gemacht* Es ist die Angabe der grössten Distanz der Jochbogen (Face-Brcadt) und di« Höhe dea Gesichtes von der Sutura nasofrontalia bis zum Kinn gemessen (Face • Length). Aus diesen beiden Messungen, genau nach demselben Principe abgenommen, wie die unserigen, lässt sich ein voll- kommen zutreffender und vergleichbarer Geeichtaindex, die llauptzahl für den Gesichtsschädel, berechnen.
Die eingehende Beschreibung einzelner Kranien, dazu die Abbildungen, zeigen dem Kundigen, dass auch in England diese chamäprneopen Dolichoccphalcn zu linden sind. Jetzt liegen nnr Specimiua aus alten Gräbern vor, ich zweifle nicht, dass Schädel aus neueren ebenfalls solch« liefern werden. Ich greife di« folgenden Angaben über alte Gräberschädel heraus.
Altbritischer Schädel (chambered Tumulus at L’ley, Gloueoatershirc. Ternp. Ptolomaei, A. D. 120) aus einer Kiesunstube, wie wir diese Art der Bestattung nennen würden. Hoch überschant der ovale Hügel (Long-Barrow) das Severnthal. Er ist 12(/ lung, 85* breit, ll/ hoch. Im Innern eine aus Steinplatten ge- bildete Gallerie mit vier seitlichen Kammern, zwei symmetrisch auf jeder Seite. Zwischen den Steinen vor dem Eingang lagen zwei menschliche Skelete, und Unterkiefer und Zähne vom wrilden Bären. Im Innern befanden sich die Beste von 13 Skeleten, sechs in der mittleren Gallerie. Sitzend« Bestattung. Zerstreut Gefässreste, Thierknochen , römische Münzen mit dum Gepräge der Söhne Constantia'», und eine Flintaxt. Man vermuthet Nachbestattung. Zwei Schädel findet] sich in dem Museum of Guy ’s Hospital (Nr. 3200, 3201). Hier ist von dem «röteren die Bede: Alter circa (iö Jahre, die Nähte an manchen Stellen völlig ge- schlossen. Schädel sehr dick, besonder* atn Scheitel, in der Gegend der Tubera parietalia ist er un- gefähr V« engl. Zoll dick, und das Stirnbein in dem Bereich seiner Fortsätze *j% engl. Zoll. Bedeutende Capucität und sehr bedeutend« Länge im Vergleich zur Breite. Eine Crista sagittalis sehr deutlich auf dem Stirnbein. Das Hinterhaupt ist voll und gerundet mit einem Torus occipitatia (strougly marked trau»- versc ridge). Die Glabella gewölbt, die Nasenbeine von massiger Grosse, die Insertionen der Kaumuskeln stark entwickelt, but neither the upper nor lower jaw is so large, rugged or angular as is offen the case in skull» froin ancient British turauli, mit anderen Worten, die altbritischen Kranien haben oft eine extreme Entwickelung des Geeichtsscbädels. Wiederholt wird auf diese Erscheinung hingewiesen.
Der vorliegende Schädel gehört also nicht zu deuen ruit dem ganz ausgesprochenen larg, rugged and angular face, immerhin ist er nach dem Gesichtsindex 82,(1 ein guter Vertreter meiner charnftprosopcu Bace. Das beweist die ziemlich beträchtliche Jochhogendistanz, die den Schädel phanerozyg macht, die Entwickelung der Superciliarbogen (siehe die Norina lateralis in natürlicher Grösse), die niederen Orbitaleingünge , die breite Hundung des niederen Oberkiefers, der w'cite Abstand der Foratuiua infruorbiluJia, überhaupt das ganze Aussehen der Norm» frontalis, welche freilich nur in V4 natürlicher Grösse vorliegt, aber immerhin die charakteristischen Erscheinungen gut zum Ausdruck bringt. Und alle diese Zeichen gewinnen an Be- weiskraft für die Stellung, die ich dem Schädel auweise iin Hinblick auf den deutlichen Gegensatz, der durch die beiden englischen Forscher selbst bezüglich einer anderen Form von Dolichocephalen mit schmalem Gesicht gemacht wird, und wovon ich Beispiele bei don leptoprosopen Langschädulu angeführt habe1).
Altbritischer Schädel (chambred long Barrow at Kodtuartou Gloucestershire. Temp. Ptolomaei a. D. 120). Der Tumulus liegt auf einer ilügclecke, an der drei Thäler Zusammentreffen. Er ist 184/ laug, 70* breit, circa 8* hoch, ltn Innern drei Grabkummern mit mehreren Skeleten. Eine enthielt die Best« von 13 Individuell von Kindern und Erwachsenen, darunter Gefussscherbcn of r&ther thin, black, rüde pottery, Feuersteinäxte. Drei Schädel von Männern (Nr. 1 bis 3) und ein weiblicher Schädel (Nr. 4) alle gut erhalten, gehören alle zu dem laugen dolichocephalen Typus, und sind mehr oder weniger ähnlich denen aus deu Hügeln von llley, Nympefield etc. Der obere Theil des Ücciput ist voll und gerundet, die Stirnbeine sind nieder, da Oberkiefer sehr kurz und etwas prognath, die Zahnkrouen abguschliffen. Von eiuem Schädel Nr. & wird grobe, plumpe Gesichtsform hervorgehoben, „coaree, heavy features* und kurzer, breiter Ober- kiefer. Der Schädel Nr. 1, in natürlicher Grösse dargestellt, derselbe, dessen Index in der Tabelle unter Bodmarton, zeigt das charakteristische breite volle ücciput; die Stirn ist nieder, die Schläfen flach, Glabella und Augenbrauenhogen massig voll, die Nase breit und gerade, und erweitert (expanded), d. h. die Apertur gross und die Nase mesorrhitt. Das Gesicht, namentlich in der Alveolarregion, kurz, doch „tole- rably Orthognathie“. Gesichtswinkel nach v. Ihering un der Abbildung gemessen bU®.
*) Auf stark abgeriebene Zähne, die von diesem Schädel und von den Kiefern einiger anderer aus dem- selben Grabe erwähnt werden, will ich nur vorübergehend aufmerksam machen. Die»« Erscheinung kommt *o häutig vor, das« sie wohl einen tieferen üruud zu haben scheint, als the little care on preparation of the pro- ducta of the chase and other animal food.
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14
Prof. Dr. Kollmann,
Ea ward© im Laufe dieser Erörterungen über die Verbreitung der chamiiprosopcn Dolichocephalen «wir schon Frankreich» erwähnt, aber doch nur vorübergehend aus der allerfrühesten. Zeit (Gruppe von Cro-Magnon). Dieselbe Schädelform kommt selbstverständlich auch noch spater vor. Ea ist dieselbe, die dort den Schädeln aus der Merowinger Periode zugoachrieben wird. Wir müssen diese Franken der Mero- winger Periode, deren Eigenschaften namentlich von Broca am klarsten zusammengefasst worden sind, hier betrachten, und zwar am besten mit den Kurgauenschitdeln Russlands vergleichen. Es wird dadurch klar werden, was die französischen Anthropologen eigentlich meinen, wenn sie von der Mcsorrhinie der Franken sprechen und alles Ernstes die Behauptung aufstellen, durch die germanische Invasion sei die leptorrhine NaHe der Gallier stumpf und kurz geworden, denn die Franken der Merowinger Periode hätten eben lauter stumpfe Nasen gehabt, und dadurch hätten die Pariser jetzt ailmälig eine bedeutende Reduction ihrer früheren gallischeu Nasenlänge erfahren.
Schon weiter oben wurde das Falsche jener Nasentheorie, wenn ich sie so nennen darf, hervorgehoben, ln den Roihengrabern der germanischen Völker (ich gebrauche dieses Wort streng im ethnologischen Sinne) existiren genug langnasige (leptorrhine) dolichocephale Vertreter diesseits uud jenseits der Vogesen, and wenn die französischen Anthropologen Zweifel in unsere Angaben setzen , so mögen sie die gleichzeitigen Schade! z. B. aus englischen Gebieten vergleichen, um ihr Urtheil zu corrigiren. Dagegen muss man zu- gestehen , dass allerdings in denselben Gräbern eine zweite dolichocephale Schädelform mit starken Arcus superciliares, breitem Gesicht, etwas eingedrückter Nase vorkommt» die mit der von mir chamäprosop ge- nannten dolichocephalen Race identisch ist. Broca ist auf diesen Typus schon lange aufmerksam geworden und da« ist ein werthvoller Beleg für die von mir gemacht« Aufstellung des Typus als solchen. Dass Broca aber alle Franken der Merowinger Periode für Langschadel mit Stumpfnasen erklärt, ist durchaus willkürlich *).
Bei einem ßruchtheil der Schädel kommen meaorrhine Nasen vor, wie gross derselbe ist, das bleibt weiteren Untersuchungen Vorbehalten, gerade so wie die weitere sich daran anschliessende Frage, woher er stamme? In letzterer Hinsicht muss erst der Ausgangspunkt dieses chamäprosopen Typus überhaupt fest- gestellt werden, und Aufklärungen werden nur die kraniologischen Studien im Osten Europas bringen. Hierzu ist der Anfang gemacht. Ich erinnere an die Bchou oben erwähnten Funde Kopernieki’s *) und die Arbeiten der russischen Anthropologen, darunter Bogdano w’s 5). In den Kurganen finden Bich neben leptoprosopen Dolichocephalen auch chamäproBope, oder, wie sich Broca ausdrückt, leptorrhine und me- sorrhine Schädel. Der Gelegenheit, wo der französische Kraniologe diesen Ausspruch that, wurde schon weiter oben gedacht- Als vorhistorische Schädel aus dem alten Polen dem internationalen CongreB« für Anthropologie und Urgeschichte zu Pest vorgelegt wurden, bemerkte Broca4), die einen seien leptorrhin, wie die meisten der historischen und vorhistorischen Raceu Europas, die anderen roesorrbin, und diese hätten Aehnlichkeit mit denen der Franken der Merowinger Periode. Der Satz Broca ’s muss dahin richtig gestellt werden, dass man ragt,: In den Kurganen Russlands kommen neben schmalgesichtigen Dolicho- cephalen auch solche mit niederem i. e. breitem Gesicht vor und mesorrhiuer Nase. Diese beiden Formen gleichen denen der Franken aus der Merowinger Periode. Damit scheint mir diese Naseuangelegenlicit in das rechte Licht gesetzt. Was durch die Erörterung auf dem Pester Congresa klar gestellt wurde, ist nicht allein das Vorkommen der Dolichocephalen in den Kurganen Russlands überhaupt, das ja jetzt schon von mehreren Seiten mit durchaus zufriedenstellender Sicherheit geführt ist, sondern noch mehr da« Vor- kommen zweier verschiedener Formen, von denen bei Berücksichtigung des ganzen Gesichts- schädels die eine leptoprosop, die andere chamäprosop zu uennen ist,
*) In der letzten Zeit nennt man die Franken dar Merowinger auch wiederholt „Burgunden“ in den kranio- logischen Mittheilungen der Pariser anthropologischen Gesellschaft. Ich will nun hier bemerken, dass Hove- laque unter denselben doch vier verschiedene Scbädelformen aufstellt. Dolichocephalen 72,4, Subdolichocephulen 75,1 bis 78,0 , Mesocephalen 78,7 und Brachycephalen. (Le crane des Burgunder du moyeu äge. Revue d’ Anthropologie, 2. Ser. I, 187», pag. 205.) Ob Broca wohl den Nachweis versucht«, das» alle diese Leute mesorrhin waren?
*) Uud neuerdings in Horodnica am Dniestr. Unter 23 Schädeln waren 18 von dem bekannten dolicho- cephalen Typus. Archäologische Untersuchungen in Horodnica am Dniestr. Krakau 1878 (Polnisch).
*) Bogdano w, A., Beschreibung der Kurganeuschädel des Gouv. Smolensk, die in der krauiologiscbeu Sammlung der Freunde der Naturkunde sich befindet. Anthropologische Ausstellung in Moskau, Bd. II, April 1873. Auch in den Nachrichten der kaiserl. Gesellschaft der Freunde dev Naturkunde. Anthropologie uud Ethno* graphie, Tom. XXXV, Theil II, Moskau 1879.
Derselbe, ebenda, Ueber Kurganeuschädel aus dem Gouv. Kursk, Juli 1878.
4) Bulletin du Congrea a. a. O., Nr. 6.
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15
Beiträge zu einer Kraniologie dor europäischen Völker.
Ehe ich die Nachweise über diesen letzteren Typos abschliesse, möchte ich noch einer jungten Mit- theilung ülier die Bulgaren gedenken. Unter ihnen kommt neben einem chamäpro*op4*n mesocephalen auch ein chamäprosoper dolichoccphalur Typus vor. Von einem englischen Beobachter liegt eine Schilderung dieser dolichocephalen Form vor, die überraschend stimmt mit den Angaben Kopernicki’a *) und mit den Merk- malen der von mir in den obigen Blättern geschilderten chamaprosopen Langsehadel.
Beddoa*) betont folgende Eigenschaften: cylindrischer Hirnschädel, fliehende Stirn, grosses Hinterhaupt, weit altstehende Jochbogen, tiefer Einsatz der Nase und alveolare Prognathie, gleichzeitig sei jedoch auch das ganze Gesicht prognatli. Ich lege auf die letztere Angabe kein allzu grosses Gewicht, so lange nicht eine Anzahl vergleichbarer Gesichtswinkel vorliegt. Immerhin geht aus dieser und einer ähnlichen Bemerkung Köpern icki’s hervor, dass die Prognathie dort in der Thal »ehr häutig ist. Von grösserem Werth sind tür mich die Bemerkungen über das grosse Hinterhaupt, die weit abstehenden Jochbogen und den tiefen Einsatz der Nase, Eigenschaften, die charakteristisch sind für die Chamaprosopie dieser Langscbädel.
Chamuproftope Dolichocephalen Europas. Absolute Zahlen.
|
» w 3 t. 1 E -40 |
tr> 9 ~ W -40 |
fl o 23 -40 |
& 9 fl l 73 I M 3 O >5 -40 |
eo s t 9 Gl ■40 |
>5 a u 9 £ 3 ö ■40 |
C-l >» £ 0 -40 |
a 6 3 m X 53 2 ü ■40 |
|
|
Länge |
191 |
189 |
204 |
198 |
189 |
189 |
186 |
199 |
|
Breite |
141 |
140 |
189 |
147 |
140 |
140 |
138 |
149 |
|
Höhe |
160 |
142 |
135 |
137 |
140 |
141 |
139 |
142 |
|
Stirnbreite . ... |
104 |
98 |
105 |
— |
98 |
— |
— |
103 |
|
Circumferenz |
633 |
632 |
633 |
— |
532 |
522 |
512 |
568 |
|
Stirn bogen |
138 |
122 |
129 |
136 |
122 |
128 |
121 |
145? |
|
Scheitelbogen .... |
122 |
134 |
181 |
134 |
134 |
120 |
126 |
133? |
|
Hinterhauptabogen |
118 |
122 |
132,5 |
122 |
122 |
114 |
113 |
112 |
|
Gesammtbogen |
378 |
3*8 |
392,5 |
392 |
378 |
371 |
360 |
390 |
|
Getichtshöhe |
8» |
112 |
111 |
112 |
112 |
108 |
106 |
106 |
|
Oberkieferhöhe |
60 |
70 |
71 |
70 |
70 |
66 |
62 |
68 |
|
Jochbogendistanz |
142 |
140 |
148 |
137 |
140 |
132 |
132 |
144 |
|
Breite der Orbita . •. |
40 |
45 |
44 |
40 |
41 |
41 |
42 |
44 |
|
Höhe der Orbita |
31 |
33 |
36 |
31 |
34 |
85 |
30 |
27 |
|
Länge der Nase |
49 |
51 |
38 |
62 |
51 |
51 |
48 |
49 |
|
Apert urbreite |
26 |
24 |
24 |
26 |
23 |
25 |
25 |
23 |
|
Gaumen länge |
52 |
56 |
47 |
— |
50 |
— |
— |
57 |
|
Gaumen breite * , . |
43 |
47 |
40 |
— |
44 |
— |
49 |
|
|
Länge der Basis . |
110 |
109 |
100 |
110 |
106 |
— |
— |
104 |
|
Länge dea Occiput |
81 |
SO |
93 |
88 |
83 |
- |
— |
95 |
|
Capaciät ccm |
1460 |
1480 |
1575 |
1550 |
1480 |
- |
- |
1590 |
*) Köper nicki, Revue d’Anthropologie a. a. O.
lieddoe, J., üu the Bulgariaus. Jouru. of the antbrop. Inst. Vol. VIII, Nr. IV, Febr. 187ö, pag. 232.
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IC
Prof. Dr. Kollmann,
Indices der cliamäp ros open Dolielioceplialen Europas.
|
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© fj 13 «e _ T 2z |
|
|
Längenbreitenindex .... |
73,8 |
73,4 |
73,2 |
74,2 |
74,1 |
74,1 |
74,1 |
73,7 |
71,6 |
72 |
73,8 |
|
Längenhöhenindex |
73,8 |
72,0 |
60,1 |
69,2 |
74,1 |
74,6 |
74,1 |
71.3 |
68? * |
09? |
72,5 |
|
Breitenhöhenindex ... |
100 |
97,1 |
ao,3 |
99,2 |
100 |
100,7 |
100 |
95,3 |
— |
— |
99,2 |
|
Gesichtsindex |
tu, 9 |
60 |
75 |
81,7 |
80 |
81,8 |
80.3 |
73,6 |
82,6 |
86,5 |
76,2 |
|
Oberkieferindex ...... |
42,3 |
50 |
47,9 |
52,6 |
50 |
49,3 |
47,0 |
47,2 |
— |
— |
48,2 |
|
Orbitaliudox |
Ttfi |
7.1,3 |
81.8 |
77,5 |
82,9 |
66,2 |
72,6 |
61,3 |
— |
— |
76,1 |
|
Nasenindex |
51,0 |
45.1 |
41,3 |
50 |
45,1 |
56,2 |
52,0 |
4GJ9 |
— |
— |
47 |
|
Gaumenindex |
«2,7 |
83.9 |
85,1 |
— |
88 |
— |
— |
842 |
— |
— |
82,7 |
|
Profilwinket |
880 |
86» |
— |
— |
— |
87,5 |
92 |
89° |
89,3° |
Wer für die Bestimmung der in Europa vorkommenden Racen die Berücksichtigung der Eigenschaften der Ilirnkapsel und des facialeti Abschnittes als eine conditio sine qua non betrachtet, wird nur mit der grössten Zurückhaltung an die Aufgabe herantreten, dem Neanderthaler seine Stellung innerhalb der bis jetat erörterten Typen anzuweisen. Es unterliegt wohl keinem Zweifel, bei seiner beträchtlichen Länge wird er in eine der beiden dolichocephalcn Gruppen zu setzen sein, und hei der Form der Augenbrauenwülste kann die weitere Wahl wohl kaum zweifehaft sein. Aber die Summe der Beweise für seine Stellung hört damit auf. Nachdem ich keinerlei Gründe sehe, in ihm den Repräsentanten einer besonderen Race zu sehen, bo bleibt nur die eine Wahl, ihn unter dem Typus der chamäprosopen Dolichocephalcn einzureihen.
Chamäprosope brachyoephale Race Europas.
Tafel II, Fig. 15 bis 17 (Chb).
Unter der in Europa so weit verbreiteten Brachycephalie Bind zwei verschiedene Formen zu unterscheiden: eine chamäprosope Brachycephalie mit niederem und breitem Gesicht, und eine leptoprosope Brachycephalie, deren lange und schmale Gesichter in so grosser Zahl die Schränke unserer anatomischen Sammlungen füllen; die entere, von der hier die Kode sein soll, ist wohl nur aus ganz äusscrlichen Gründen gerade dort selten, denn im Leben ist sie zahlreich vertreten, wie jede Umschau in nächster Nähe deutlich beweist.
Schädel mit einem Längenbreiteniinlo* von 80 bis 93, breiter Stirn und flachem jäh abfallendem Hinterhaupt Da» Gesicht nieder, die Nase kurz, breit und eingebogen, massig tief eingesetzt Die Arcus superciliares in der Mitte vereinigt, die Augenhöhlen chamäkonch, der Oberkiefer breit, die Wangen-
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Beiträge zu einer Kraniologie der europäischen Völker. 17
beino vorstehend, die Jochbogen weit ausgelegt, der Gaumen und der Unter- kiefer weit, der Profilwinkel an der unteren Grenze der Mcsognathie mit 83, 30- Die Schädolknochen dick nnd schwer, wie bei allen chamäprosopen Formen.
Aus der früheren Beschreibung zweier ohamäprosoper Racen, einer mesocepUalcn und einer dolichocepbaleu geht eine unverkennbare Uebereinstimmnng mit der eben gegebenen Charakteristik in Bezug auf die Hanptcigenschaften des Gesichtsschädels hervor. Die breite Stirn, die weit aus- gelegten Jochbogen, die breiten Obergesichter mit niederen Orbitaleingängen, ein breiter, kurzer Gaumen, eingebogene meso- nnd platyrrhine Nase, das sind gemeinsame Eigenschaften, welche allen chamäprosopcu Kacen Europas znkommen. Und dennoch hat jede ihre Besonderheit, welche an jedem Typus auf das Entschiedenste von der Form der Hirnkapsel beeinflusst wird und nament- lich von den seitlichen und basalen Theilcn. Die ersteren sind es, welche bei den chamäprosopen Brachyocphalcn die Stirn schmäler erscheinen lassen, als sie in der That zur Breite des Gesichtes ist. Die starke Entwickelung der seitlichen Partien der Hirnkapsel tritt in der Norina frontalis so sehr in den Vordergrund, dass der Beobachter nnr durch eine genaue Messung und Vergleichung guter geometrischer Bilder die richtige Vorstellung von der typischen Form der Stirn gewinnt Von der Länge der Schüdelkapscl und der basalen Tbeilo hängt es offenbar ab, dass bei der cha- mäprosopen Doliehocephalic der Profllwirikol im Mittel nahe bis an die Orthognathie heranreicht, während er schon bei der Mcsocephatie kleiner wird, nnd bei der chamäprosopen Brachycephalie hart bis an die Prognathie heranrückt. Typisch mit allen Eigenschaften der Hace geschmückte Specimina sind sogar in hohem Grade prognath, wie aus den folgenden Angaben über einzelne Schädel hervorgehen wird. Dass dann, wie z. B. bei Schenk Taf. 11, Fig. 15 Chb die Apertnra pyriformis sich weitet, der Nasenrücken einsinkl, der Gaumen weit und der Alveolarbogen des Oberkiefers stirnwärts sich hebt, die Augenhöhlen nieder nnd das Gesiebt znsammengedrückt ist, das sind lauter Erscheinungen, welche in einem Causalnexus zu einander stehen. Durch die Kreuzung können fremdartige Bildungen einzelner Theile sich eindrängen nnd typische Charaktere dadurch verschwinden, aber bei dem Vollblut reiht Bicb ein Glied an das andere, von der breiten Stirn bis zum weiten Gaumen.
Mittel der Indices aus deu absoluten Zahlen:
Längenbreitenindex 84,0
Längen hüllen iudex • . 78,2
ßreitenhüheuindex 92,7
Gesichtsindex 82,0
Oberkieferindex 46,9
Orbitalindex 77,5
Nasenindex 48,4
Gaumenindex 85,1
Profilwinkel 83,3
Synonyma: Slaviscbe Hrachycepltalie (Virchow),
Turatiische Brachycephalie (v. Holder),
Type mongoioidc (Prtiner-Bey).
Der Leser der eben augefübrten Synonyma erwartet mit Recht eine kurze Mittheilung über das, was unter diesen Namen gemeint ist. Es sind diese ethnologischen Bezeichnungen stets
Archiv fttr Anthropologie. Dd. XIV. <j
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Prof. Dr. Kollmann,
dazu angethan, die beiden Begriffe von Race und Nation zu vermengen, was jedoch einen fundamentalen Irrthum nach »ich zieht. Denn das Wort aRaoe“ bedeutet eine anatomisch oder zoologisch erkennbare Abart der Species Homo sapiens. Nation ist ein durch gemeinsame Lebens-, Denk-, Empfindung»- und Handlungsweise von anderen unterschiedener Theil der Mensch- heit Eine Nation kam» aus mehreren Kacen zusammengesetzt sein, und ist es in der Thal, wie die Curventftfel erkennen lasst, stets auf europäischem Hoden. Die Itace ist immer nur eine gleich- artige Erscheinung. Die Componenten der Nation sind sehr verschieden, die der Race sind ein- ander völlig gleich. Die Bezeichnung „slavische Brachycephalie“ kann also nur bedeuten, dass innerhalb der slavischen Nationen diese Itace sehr häufig vorkommt In demselben Sinne muss der Type mongoloide von Pruner-Bey aufgefasst werden, v. Holder will mit dem Ausdruck nTuraui9cher Typus“ ebenfalls eine bestimmte Form der Brachycephalie im Gegensatz zu einer anderen, der Sarmatischen , bezeichnen. Unter all diesen verschiedenen Namen verstehen die erwähnten Autoren ein und dieselbe Itace, sofern ich die Angaben richtig deute, die ich hier anführen will. Virchow*1) betont das rasch abfallende Hinterhaupt, den breiten Ilinterkopf und die sehr breite Basis; v. Holder*) erwähnt die breite Stirn, das breite Gesicht von einem eigen- tümlich finsteren Ausdruck. Die Jochbeine weit vorstehend, die Nasenbeine kurz, die Nasen- wurzel tief eingesebnitten. Pruner-Bey5) sagt zehn Jahre früher schon fast dasselbe über eine brachycephale Kacc, „deren Gesicht eckig und platt ist; die Apertur weit, die Alveolen kurz und abgefiackt in der Mitte“. Solchen gleichlautenden Bemerkungen werden wir noch mehrfach begegnen.
Vorkom m e n. Die chnmäprosopc Brachycephalie kommt gleich der leptoprosopen in ganz Europa vor. Nach meiner persönlichen Umschau und den Berichten in der Literatur giebt es kein Land, von Norwegen bis nach Sicilien, und vorn schwarzen Meere bis an den Ocean, in welchem sich nicht diese Brachycephalie nachweiseil liesse.
Chamäprosopo Brachycephalie unter den Friesen.
Die Beschreibung einzelner Schädel mit des Berichterstatters {Virchow) eigenen Worten wird dem Leser die Uebereinstitnmung unverkennbar zeigen, welche in der Aufzählung der kranio logischen Eigen- schaften herrscht, die ich oben als bezeichnend für den Typus hingestellt habe.
Friesland, jüngerer Or abcrschüdel, Warga Nr. III $ «). Der Schädel ist auffallend prognath. Nach meiner Bestimmung an dem Holzschnitt ergäbe sich ein Gesichtswinkel von 78°, ein Profilwinkel, wie ihn einzelne Papuas aufweisen. lu der Norrna frontalU walten durchweg die QuerdurchmcBscr vor, wahrend sowohl das Ganze, als namentlich Ober- und Unterkiefer ungemein niedrig sind. Die Augenhöhlen sind so niedrig, gleichsam von oben her zusaminengedrückt, das« der Schädel einen sehr niederen Orhitaliudex darbietet und in der Gesichtsbildung als höchst autfällig erscheint. Die Nase ist sehr kurz, kürzer als bei irgend einem anderen Schädel. Sie ist eingelmgeu und tritt nur wenig im Profil hervor, ja sie ennuert an die katarrhine Form. Der niedrige Alveolarf’ortsatz ist sowohl am Ober- als Unterkiefer so stark vor- geschoben, dass die vorderen Zähne schräg gegeneinander gestellt sind und negerartig vorspringen. Die Normt» vertieulis zeigt eine breitovalo Contour, au der namentlich die Stirn voll hervortritt, der kurze Mittel- kopf am stärksten sich ausbuchtet, jedoch auch das Hinterhaupt eine breite kugelige Wölbung darbietet, ln der Hinteransicht ist das Dach tlachruudlich gewölbt, die Seiten voll:
*) Virchow, Bericht über die Versammlung der deutschen anthropologischen Gesellschaft in Dresden a. a. O., 8. 15.
8) v. Holder, Zusammenstellung der in Württemberg verkommenden Schädelformen a. a. O., 8. 4. Alle diese oben angeführten Eigenschaften stimmen mit meiner clnuuäprosof**n Race. nur nicht die Angaben Holder'» über die Form der Hirnkapscl, welche ich mit Yircbow's Angaben übereinsümmen sehe.
a) Pruner-Bey, Congre* d'Anthrojtologie etd'Archeologie prehist. Compte rendu de la Session du Pari« 1807.
*) Virchow, Physische Anthropologie a, a. O., 8. 181.
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Beiträge zu einer Kraniologie der europäischen Völker. 19
Längenbreitenindex . 81,7
L mgenhöhenindex 69,6
Breitenhöhenindex 84,6
Gesichtsindex * . « 79,8
Oberkieferindex 46,7
Orhitalindex 79,2
Nasen iudex 4.%6
Gaumenindex 68,6
Profilwinkel 78°(?).
Ein Vierlindertchidel, wahrscheinlich weiblich von Kurslack, „brachyoephal , von geringer Höhe ; alle Verhältnisse gehen stark ins Breite. Sowohl das Hinterhaupt, als die sehr niedrige und platte Stirn er- scheinen mehr breit. Sehr breite Basis mit grossem liinterkopf. Breites niedriges Gesicht mit niedrigen Augenhöhlen und kurzem Gaumen. Sehr stark abstehende Joch bogen. 11 Die Nasenbeine fehlen, aber der Nasalindex ist un Stande, diese» Verlust zu ersetzen, wie aus der Reihe der von Virchow ^mitgetheiltcn Indices hervorgeht:
Längenbreitenindex 80,4
Längenhöhenindex 71,8
Breitenhöhenindex 89,2
Orbitaliudex 89,1
Nasenindex 64,1
Der brachycephale Schädel ist platyrrhin.
Aus demselben Ort« kommt ebenfalls ein weiblicher Schädel, den ich nach der Beschreibung in dem- selben Werke der von mir als „leptorrhine Brachyoephalie* bezeichnten Grundform zu weise. Obwohl auf derselben Scholle geboren, in einem und demselben Dorfe, das schon 1162 erwähnt wird, sind diese Weiber doch gänzlich verschiedener Abstammung, sobald der Gesichtsschädel berücksichtigt wird. Vielleicht konnte schon die Verschiedenheit in den Indices des Hirnschädels in Betracht kommen, allein um darüber ent- scheidende Belege beibringen zu könuen, bedarf es zunächst nicht allein einer Untersuchung der betreffenden Schädel, sondern gleichzeitig eines sehr reichen Vergleichsmaterials, um den Werth einer starken oder schwachen Brachycephalie als typisches Merkmal feststellen zu können. Das Gesicht giebt schärfere unter- scheidende Zeichen.
Zu den Chamäprosopen mit kurzem Schädel stellt sich ferner ein jüngerer Gräberschädel aus dem Ostergau (Friesland) mit extrem niederem Orbitaleingang und auffallender negerühnlicher Prognathie, die Nase ist schmal , aber noch viel mehr kurz, ihre Höhe beträgt nur 46 mm, sie erinnert durch den tief ein- getragenen Rücken an die katarrhine Form8).
Der Längenlireitenindex beträgt 81,7.
Diesen friesischen Kranien reihen »ich kurze Schädel mit entschieden gleichem Gesichtstypus aus anderen Gebieten an. Zunächst das Kranium eines Mannes aus dem Ct. Aargau, Taf. 11, Fig. 15 bis 17 (Chb), dessen Leiche auf der hiesigen Anatomie zur Untersuchung kam. Ich kenne nicht allein die so- malischen Eigenschaften (Farbe der Augen, der Haare und der Haut), sondern auch Beruf und Grad der geistigen Fähigkeiten, und die Thatsache, dasB die Eltern des „Schenk41 zu den seit zwei Jahrhunderten ansässigen Leuten gehören. Diese Einzelnbeitcn schienen mir hier von Werth, weil die ganze Form deB Gesichtes die extremen Grade der Chamäprosopie zur Schau trägt, wie sie zwar nicht gerade isolirt, doch auch nicht allzuhäufig sind. Soweit Schilderungen einen Schluss erlauben, gleicht der Aargauer so voll- kommen den vor ihm geschilderten Schädeln vom Ufer der Ostsee, dass er geradozu als Zwillingsbruder der friesischen Frauen gelten köunte.
Lfmgenbreitenindex 83,0
Längenhöhenindex 72,9
Broitenhöhenindex 81,6
Gesichtsindex 86,0
Oberkieferindex 51,8
Orbitalindex "2,5
Naseuindex 60,8
Gaumenindex * 81,8
Profilwinkel 63°
*) Virchow, Physische Anthropologie a. a. 0., 8. 311.
*) Virchow, Physische Anthropologie a. a. 0., 8. 181.
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Die Stirn ist breit, mittig hoch, die Glabella ein aasgedehntes dreieckiges Feld, das nach unten durch beträchtlich starke Arcus superciliare« begrenzt wird, die in der Milte zusammenstossen, und überhängeud den tiefen Ansatz der Nasa liedingen. Der Processus nasalis obsis frontis ist breit und kurz, die Nasofrontal- naht wenig nach oben gekrümmt, die Nasenbeine gut entwickelt, oben tief eingebogen, der Winkel, mit dem sie in der Mitte Zusammenstößen, fast Null; dip sonst lateral gerichtete Fläche de* Processus frontalia dea Oberkiefers liegt, zum grössten Theil nach vorn gewendet, somit wird der Nasenrücken breit und eingedrückt. (Breite des Proc. na». oss. frontis 80,0, Breite dea Nasenrückens 25,0. einen Centimeter unterhalb der Stirn- nasennaht gemessen.) Die Apertura pyriformis wie bei Nigritiern der besten Sorte, weil, nieder, breitoval (Höhe median 27 mm; grösste Breite 20 mm). So kommt es. dass ein Nasenindex von 00,8!! entsteht. — > Wollte man nun glauben, dieser Mann habe eine »ehr stumpfe und in das Gesicht geschlagene Nase gehallt, »o würde man sich sehr täuschen; der Bücken war allerdings breit und eingedrückt, doch in massigem Grade, die etwas gedrungene Form de# Gesichte» veraulasste mich, den Schädel akeletiren zu lasseu, aber nichts deutete darauf hin, das# schliesslich eine solche überraschende Ursprünglichkeit, wenn hier dieser Ausdruck gestattet ist, sich ergeben sollte. Der Abstand zwischen Neger und Europäer ist ain Lebenden bei fast identischem Kochenbau durch den verschmälerten Ansatz der knorpeligen und häutigen Nase bedingt und durch dünne Lippen, die nicht wie hei jenem, die hervortretenden Kiefer mit einem dicken Wulst wie mit einer vorspringenden, beweglichen Schnauze bedecken. An dem von seinen Weichtheilen befreiten Gesicht •ucht man aber mit Mühe nach unterscheidenden Merkmalen. Der Alveolarfortsatt des Oberkiefer» ist weil nach vorn gereckt und die Zähne schief eingesetzt; der Unterkiefer und die Stellung seiner Zähue sind es allein, welche noch europäische Form retten. Sie sind in den Alveolarforlsatz gerade eingesetzt, i teilen also hinter denen des Oberkiefer» zurück. Doch diese» Merkmal besserer Gesicbt»form wird der Beobachter erst spät entdecken, denn der Oberkiefer fesselt »tet« wieder die Blicke; fehlen doch die Fossae caninae nahezu voll- kommen, sie sind wenigstens so weit und flach, dass sie wenig iu die Augen springen. Die Alveolen der beiden intacten Kckzühne sind stark erhaben, und die dazwischen befindliche Strecke de» Alveoljwrfortsatzes gross und flach. Der Alveolarbogen sowohl des Ober- als Unterkiefers weit, die Zähue zum grossen Theil verloren, doch die Alveolarwäudc de» Oberkiefers noch hoch und gut erhalten.
Die Schädelkapsel ist bei einem Iudex von 83,0 in der Normt verticalis leicht, aber doch unverkennbar viereckig, die Parietalhöcker springen weit hinaus über die seitliche Grenze der sonst breiten Stirn. Iu der Norma lateralis obere und untere Scbläfeulinie auf einem im vorderen Abschnitte mehr flachen Planum temporale, die Schläfenschuppe nach hinten sehr nieder, die Alae magnae hoch, keine Stenokrotaphie, keine Abnormität im Bereich der Nähte, die Laminae pterygoideae extt verhältnis*mä»»ig breit Die Norma occi- pitalis breit, Index 81. Die Wölbung de« Scheitels flach. Er nähert Bich dadurch, wie in »o vielen Merk- malen, den FrieBenschädeln. Bezüglich anderer Eigenschaften darf ich wohl auf die Abbildungen in Drittel- Grösse verweisen, und will nur noch bezüglich der Indicee bemerken, dass Nasen- und Orbitaiindex den chamäprnsopen Typus in schärfster Weise zum Ausdruck briugeu. Die Zahlen für den Gesichtsindex stehen etwas höher als die Mittelzahl, was von der geringen Jochbugendistanz herrührt, und von den verhältniss- mässig schwach entwickelten Wangenbeinen l).
Grauhündtner, männlicher Schädel RS.a 10, abgebildet in der Crouia Helvetica von llis und Rütimeyer unter Disentisform E II, ein in der Literatur schon viel genanntes Kranium2), das manche Eigen- thümlichkeitcu der charnüprosopen Brachycephalen in einer höchst vollkommenen Weise zum Ausdruck bringt: flache, breite Stirn, verhält nissinäesig flache Plana temporalia, soweit dies innerhalb der Bracbycephalie möglich ist,' starke Ausladung der Tubera parietalia, kurzes Hinterhaupt, daß im Vergleich mit dem der chamäprosopen Doiichoccphalen wie ahgeschnitten erscheint. Von der Mitte des Scheitels jäher Abfall dessellien. Die Stirn ist leicht fliehend, die Scheitelcurve wenig gewölbt, die Parietalia in der Mitte geradem geknickt, »o scharf ist der Uebergang zum Occiput. Die Protuheruntia occipitalis externa flach und breit, die Muskelleisten überhaupt kräftig. Die Linea temporalis superior steigt über den Scheitelliöcker in die Höh© und erreicht die Lambdaoalit. Die Linea temporalis inferior am Stirnbein kräftig entwickelt, endigt nach einem hohen Bogenverlauf au eiuem Höcker, der in der Verlängerung der Linea infratemporaiis liegt, wie bei Ilmazar, die Schläfenschuppe kurz, aber hoch 56 : 40 (die Höhe an der Linea infratemporaiis über der Ohr- üflhung gemessen). Die Squama sieht überhaupt geradezu viereckig aus. Die Alae magnae des Keilbeins schmal , aber flach und hoch. Nirgends im Bereich der Nähte eine Abnormität. Die Sphenotemporalnaht
*) Um nicht die Meinung entstehen zu lassen, als sei diese Form der Nase ein Curinsum und der Schädel dürfe also nicht als typisch hervorgehoben werden, will ich doch bemerken, dass solche Individuen überall in Europa zu Anden. Ich vermöchte aus der Baseler anatomischen Sammlung noch manches Spocimen vor- zuführen, und auf der Ausstellung hei Gelegenheit der XI. üeueral Versammlung zu Berlin war aus München durch Herrn J- Ranke eine ganze Suite eliMinäprotoper Schädel aufgestellt worden.
3) Dieser Schädel hat A. Retziu» veranlasst, die Khätier als einen Rest der brachycephalen Urbevölkerung Europas zu betrachten, einer Auffassung, der sich K. E. v. User auf dos Studium dieses Schädels und der bündtnerischen Beinhäuser hin abgeschlossen hat.
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Beiträge zu einer Kraniologie der europäischen Völker.
offen, die Coronal- und Lambdanaht in ihrem ganzen Umfang; nur die Sagittalnaht ist verstrichen. Das Gericht macht bei der Betrachtung in der Norma frontaiis sofort den Eindruck der Breite, denn die Wangen* beine stehen weit ab auf dem seitwärts ragenden Processus malaris, ihre Seitenflächen sind überdies diver- girend nach abwärts; der Alveolarbogen breit und voll, die Fossae camnae weit, die Orbitaleingänge niedrig: das ist der Totaleindruck. Pie Einzelnheiton ergeben breites, flaches Stirnbein, die Glabella gross, die Arcus superciliaris sehr massig, der Processus nnsulis ossis frontis massig breit und ziemlich lang, wie denn über* haupt die Nase schmal und eng erscheint ; bei genauerem Zusehen treten alter doch charakteristische Merk* male in deu Vordergrund, als da sind flacher Nasenrücken, die Nasenbeine an ihrem Ausatz sehr schmal, nur je 3 mm, nach unten verbreitert, aber in massigem Grade, sie stossen sowohl unter einander, als mit dem Processus frontaiis maxillae superioris nur in sehr stumpfen Winkeln zusammen, und so ist denn auch die Sutura naso- frontaiis kaum gewölbt und diu sonst laterale Flache der Stirn fortsätxe des Oberkiefers liegen zum grössten Theil frontal, der Nasen Machet ist niedrig, Spuren der Fotsae praenasales vorhanden, die Entfernung von dem Naseustachel bis zum Alveolarrand gering, 16 mm. Die Zähne waren einst voll- ständig vorhanden, die des Oberkiefers etwas schief eingesetxt. Die Jochbogen nur tnässig gewölbt, denn die Wungenbeiue sind so weit nach aussen gelegt, dass von ihrem dorsalen Rande der Arcus zygonmticus fast gerade zur Schläfenschuppe zieht. Der Unterkiefer kräftig, Kinn breit und leicht eckig, der Alveolar- l»ogen des Unterkiefers weit, wie derjenige des Oberkiefers. Diu Norma basilaris kurz, die Foramina weit, auch das Formaten magnum und die Chomnen. Die Lamiuue externau der Flügelfortsätze zwar schmal, aber stark lateral divergirend.
Längenbreitenindex 93,3
Längenhohenindex . H4,0
Breitenhöhenindex 00,1
Gesichtsindvx 88,4
Oberkieferindox 51,1
Orbitalindex 72,5
Nasenindex 48,0
Gaumenindex 83,6
Profilwinkel 82»
Die meisten der hier erwähuten Schweizerschädel, ebenso Nr. a 12 der Baseler anatomischen Sammlung, sind in der Norma frontaiis und verticalis in den Urania helvetica abgebildet, und zeichnen sich durch eine mächtige Schädelwaud aus.
Die Indices des männlichen SchädelB a 12 mögen genügen für den Beweis, dass er in diese Reihe gehört. Denn wie hei der bisher betrachteten ist die breite platte Form der Stirn die Kürze und Bruite des Gesichtes, die niederen Orbitaleingänge, der breite Alveolarbogen, die Fossa praenaaalis, das steilabfallende Hinterhaupt vorhanden, genug Belege für die Ucbereiustimuiung. Bei der formidabeln Dicke der Kuochen- wiindo hat es in diesem Fülle sicherlich wenig Bedeutung, dass die Arcus superciliares fuhlüu, weil die Sinus frontaiis zu einer allzuschwachen Entwickelung kanten, denn als ausgleichendes Merkmal kann doch wohl jeden Krnniologen der andere Umstand beruhigen, das* die Sutura naso - frontaiis und der Nasenrücken fluch verlaufen; ergo die Nase flach und nach dem Nasalindex platyrrhiu ist.
Längenbreitenindex Längenhohenindex Breitenhöbeniudex Gesichtsindex Oberkieferindex Orbitalindex . . . Nasenindex .... Gaumenindex . . . Profil winkel , . .
89,8
81.7
90.8
82.4
48.4
72.4 63,3
88.8 89°
Seit vier Jahren bewahre ich mir einKranium aus der Gegend desAmmersees bei München, ein ebenbürtiges Specimen der chamäprosopen Brmcbycephalen. Es stammt offenbar von einem jungen Manne. Der letzte Molar war erst seit Kurzem durchgebrochen, die Zähne beim Tode im Kiefer vollständig vorhanden, die Sehneidezälme schief nach vorn in den schiefen Alveolen eingesetzt, der Knochen schwer und massiv. Die Coroualuaht ist links bereit« geschlossen, ebenso die Parietalualit. Das batte eine compen- ssborische Ausdehnung im Bereich der rechten Hälfte des Occiput zur Folge. Sonst ist der Schädel völlig normal, die Stirn breit, platt, die Glabella gross, die Arcus superciliares sehr kräftig zu einem Nasenwulst vereinigt, die Nasenwurzel sitzt massig tief, der Processus nasalis ossis frontis breit und kurz, die Wangenbeine gross, weit hinausgeschoben von den breiten Processus malarcs, ihre Seitenränder divergirend, die Jochbogen stark ausgobogen. Foesae caninae sehr seicht — weit, der Alveolarbogen voll, weit gerundet. Die Stirn ist gut entwickelt, steigt hoch an und wendet »ich gerundet zu dem hochgewölbten Scheitel. Die Muskel*
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leisten namentlich am Occiput sehr kräftig, Processus mastoideus gross, die .Schläfenlinien weit ansgreifend, also auch in diesem wie in früheren Fällen derbes Kuochengefüge und starke Muskeln.
Längenbreitenindex (Utting) 81,3
Längenhöhenindex 81,9
Breitenböhenindex 86,2
Gesichtsindex 81,4
Oberkieferindex 49,6
Orbitalindex 73,1
Nasenindex 49,0
Gaumenindex 62,7
Hat das Stadium einzelner moderner Schädel hi* jetzt unzweifelhaft die Zeichen eine* charakteristischen brachycephalcn Typus innerhalb Europas, der durch Chamäprosopie charakterisirt ist, dargelegt, so ist es vielleicht jetzt an der Zeit, auf Schädel aus älteren Perioden zurückzugrrifeo. Als eine Fundgrube für die vergleichende Kraniotogie nach dieser Richtung hin betrachte ich die Urania britannicu. Sie enthalten ein sicheres Material, dessen Herkunft wohl f es (gestellt ist, vortreffliche Abbildungen und seihst für die vermehrten Bedürfnisse anthropologischer Bestimmung ausreichende erläuternde Notizen. Die im-ulare Lage de» Lundes hat doch so manche Völkerwoge abgehalten von der Zufuhr neuer ethnischer Elemeute, und so giebt da« Alter der Funde den Schädeln eine besondere Bedeutung für die Krauiologie Europas. Unter den den „Alt-Briten* ««geschriebenen Kranien tritt uns eine bedeutende Zahl von Brachyeephalcu entgegen, und darunter viele Specimina, welche als chamäprosop bezeichnet werden müssen.
Ein ausgezeichnete* Specimen dieser Art ist der Schädel von Barrow on Hitter Hill, the Peak, Derbyskire Tafel 53.
Langenbreitenindex 86,0
Längenhöhenindex 83,0
Breitenhöhenindex 96,0
Gesicktsiudex 80
Oberkieferindex 43,8
Profilwinkel 64°
Wie schon bei einer anderen Gelegenheit erwähnt, lässt sich der Gesichtsindex au* der bei Davis und Thurnam angegebenen Gesichtslänge und Jochbogendistauz bestimmen. Aber auch der Obergesichts* index lässt sich durch Umrechnung des letzteren Maaase* in Millimeter und die Abnahme der Oberkiefer- lange an dem in natürlicher Grösse ausgeführten Schädel feststellen und *o der Olwrkieferiudcx berechnen. Die Jochbogendistan* ergiebt nun die respectabln Weite von 142,1 mm1), die Oberkieferhöhe misst 62 mm, das entspricht einem Oberkieferindex von 43,8. Die ausgezeichnete Chamäprosopie lässt «ich jedoch schon au* den Abbildungen entnehmen. Diese und die Beschreibung ergeben noch folgende charakteristische Merk- male: „Stark entwickelte Augenbraucnhogcn, breiter Vortierkopf, der Abstand der Orbitae gross, i. e. breiter Processus uasalia ossis frontis. Der Schädel kugelförmig (globose), reprasentirt eine typische Form (der alten Briten) in einem eminenten Grade. Die Augenhöhlen sind chamäkonch iu einem vorzüglichen Grade, die Nase tief eingesetzt, der Rücken eingebogen, der Gaumen weit, der Alveolarbogen des Oberkiefers rund und voll, ebenso wie der Bogen des Unterkiefers.“
Dieter Schädel wurde in einem Hügel gefunden, in welchem mehrere Bestattungen au* verschiedenen Perioden nachgewiesen sind. Er gehört nach den vorliegenden Zeugnissen keinesfalls der römischen Invasion an. Sein charakteristisches Aussehen hat die Aufmerksamkeit schon vieler Beobachter erregt (M. Batem&n „was struk by it“ and D. D. Wilaon spricht von ihm etc.). Aber er ist nicht der einzige Repräsentant dieses Typus. Ihm gleich ist sowohl nach den Abbildungen und Maasscu als nach den Verfassern der Urania britannica der Schädel vom Barrow at Codford, Wiltshire Taf. XIV, vom Barrow at Tosson, Northumbcrland Taf. 54. Green Gate Hille, Yorkshire Taf. 4 u. a. m.
Der Schädel von Codford, von einem Maune von ungefähr 40 Jahren, schwer, ist brachvcephal mit platten Schläfen, gut entwickelten Muskelleisten. Von der breiten flachen Stirn laden sich die Seiten- linien aus und die Parietalhöcker springen weit vor. Die Schidellcipsel ist vollkommen regelmässig. Das Hinterhaupt fällt »teil ab, ist wie bei dieser Form der Bruchycephalie mehr platt, die Norma occipit&lis breit, die Seitenränder nur wenig convergirend gegen die Processus mastoidei, die Intermastoidoallinie gerade, das Dach flach gewölbt. Die*e letztere Erscheinung ist beachtcuswerth für die ganze Gruppe, noch niemals i*t mir bei den chamäprosopen Brmchycephalen ein sagittaler Kumm begegnet Von der Norm« fron, t&tis fällt „die Kürze de» Gesichtes auf, der finstere Ausdruck the stern features resulting from the depression in the superior maxillary, the frowning elevation marking the frontal sinuses“, die in der Mitte zusammen-
•) t engl. Zoll sa 25,4 oder genauer 25,39® mm, ergo Jochbogeudistanz 5,6 englisch X 25,399 = 149,1 mm.
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Beiträge zu einer Kraniologie der europäischen Völker.
ftiessen. Unter diesen düster vnrspringcndcn Augenbrauenwnlsten ist die Nase tief eingesetzt, der ProcessuB nasftltK oBsis frontis ist breit. Die Orbitaliingänge nieder und eckig, der Nasenrücken etngebogen, doch die Naaenbciue wohl entwickelt. Die Aperturm pyriformis ziemlich weit, Fossae praenasales vorhanden, der Alveolarbogcn gross und gerundet und ebenso der Gaumen.
Längenbreiten indcx .... * 83
Längenhohenindex . 76
Breiteuhöbeuiudex 91,2
Gesichts iudex 82,8
Obergesichtsiodex 47,7
Frofilwinkel 88°
Diese Gesichtaindicea entstehen
bei einer Jochbogendistanz von 134 mm
„ 9 Gesichtslänge „ . 110 „
„ , Oberkieferliinge „ 64 „
Von dieser vorhistorischen Periode aus lässt. sich unser Typus noch weiter zurückverfolgen. Freilich ist der Sprung beträchtlich von dem 1. oder 2. Jahrhundert vor Christus bis in die quaternären Lager von Greuelle bei Paris. Und doch scheint mir der Nachweis nicht schwer, dass derselbe Typus schon ein alter Gast in Europa ist. In den Schichten von Grenelle hat man dolichocephale und hrachycephale Schädel gefunden *), die ersteren sollen alle Zeichen der nächsten Verwand tseh* ft mit dem Typus von Cro-Maguon an sich tragen. Es ist nun wohl zu beachten, dass schon so früh, »eit dem Diluvium, die beiden extremen Formen neben einander Vorkommen.
Zwei dieser brachycephnlen Schädel sind männlich. Nr. 3 (Nr. 2 bei Martin E.) iat ziemlich gut erhalten. Die Arcus superciliares sind gut entwickelt UDd bilden auf jeder Seite einen Wulst von 4 cm. Die Glabella ist gross, die Stirn steil uud ziemlich hoch, die Schlafenflächen in ihrem vorderen Tlicile platt. Das Hinterhaupt iat steil abfallend, die Scheitelbeine sind stark ausgebaucht Leider fehlen die Jochbogen, aber die Distanz wird auf 13h mm geschätzt auf Grund des noch vorhandenen Wangenbeines, die Länge des Gesichtsschädels auf 99 a), ein Verhalten, das ausdrücklich übereinstimmend mit der ganzen Uenfiguration geschildert wird. Duraus ergiebt sich ein Gesichtsindex von 73,3, der auf der unteren Stufe der Chama- prosopiu steht. Der Orbitaliudcx ergiebt Cbamäkonchie mit 80, ein massiger Grad. Die Wangenbeine sind weit ausgelegt, die Nase ist mesorrhiu, die Fosaue cuniuue wenig tief, derZaknhogen sehr kräftig mit einem geringen Grad von alveolarer Prognathie. Der Unterkiefer massig, hat ein eckiges Kinn , „menton carre“, die Kicferwinkel abstehend. Mit Ausuahme des dritten linken Backenzahnes waren alle Zähne erhalten und stark abgcricbeu.
Längenbreitenindex 83,5
Gesichtsindex 73,3 (80,0)
Nasenindex . 47,2 (50,3 nach Tab. XIV, S. 125)
Orbitalindcx 80,0 (81,5 nach Tab. XIV, S. 125)
Noch vier andere Schädel von demselben langer sind in der Norma verticalis in den Crania ethnica S. 123 in Vs natürlicher Grosse neben einander gestellt, au» deren Beschreibung ich nur einige Bemerkungen hervorhebe, wichtig für die Charakteristik der Braehycephalen,
Grenelle Schädel Nr. 4 (Nr. 3 Martin E.) iat sehr defect, aber dem vorigen, soweit die Unter- suchung möglich, vollkommen gleich. Die Einzelheiten der Stirn nnd der Norraa verticalis kehren wieder, aber in abgeschwächter Form. Die Schläfen platt, die Tubera parietalia weit vorspringend, die Jochbogen breit ausgelegt, ein Umstand, auf den ich grosses Gewicht lege, namentlich bei Brachycephalcn. Wo die Summe der entscheidenden Anhaltspunkte so spärlich ist, muss 6ich das Augenmerk auf alle Eigenschaften richten, und so sei denn hier darauf ausdrücklichst hingewiesen, das» Phanerozygie bei Brachycephalcn
*) Vergl. hierüber Crania etbnica a. a. 0., 3. Lieferung, S. 118, Fig. 122, ferner Martin Emile: Os hnmain*** d’une sabbere quaternaire de Grenelle Congr. Internat. d’Anthrop. et d’Arch. pröhist. 2. Sess. Paris 1887, 8. 337; deBgl. Hatny, Rcsumc de ln communieation sur les cmnes *dea dlpots quaternaire» de Grenelle; Congres internet. d'Anthrnp. ct d’Arch. prehist. 7. Seae. Stockholm 1874, Bd. II, S. 772. Hamy wollte auf dem Stockholmer Congresse das jüngere Alter der Brachycephalen demonstriren, allein es zeigte sich doch, dass die Bedenken sehr beträchtlich sind.
a) Die Abbildung des Schädels Va natürlicher Grösse giebt eine Länge von circa 108, so dass nach meiner Berechnung der Gesichtsindex auf 80 hinaufrückt. Doch gleichviel, auch im letzteren Falle ist die CliamÄ- proeopie beträchtlich. Uebrigens ist hervorzuheben, dass der Nasenindex im Text und der Tabelle nicht über- «inztimmen, an letzterer Stelle wird er auf 50,3 angegeben!
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wegen der starken Ausladung des Hirnschädels nur dann Vorkommen kann, wenn der Abstand der Joch- bogen ein sehr bedeutender ist, und wenn die Schläfen in dem vorderen Abschnitte etwas abgeplattet sind. Diese beiden Eigenschaften treffen an vier Krnnicn von Grenelle zusammen, im Zusammenhalt mit Zahlen und Beschreibung hinreichende Anhaltspunkte, um die Chamipi osopie dieser KurzscbaWel zu bestimmen.
Brachycephale von Grenelle Nr. 5 (Hg, 125) stammt wahrscheinlich von einem Weibe. Die Arcus superciliares fehlen, die Muskelleisten sind schwach, keine Protubcrantia occipitalis externa, und der Processus mastoideus verkürzt. Die Stirn ist gewölbt, jedoch nieder und geht in scharfer Knickung in den platten Scheitel übor. Da» Gesicht ist nach den vorliegenden Resten beträchtlich prognath gewesen, und der Unterkiefer gleicht mit seinem viereckigen Kinn den vorhergehenden.
Der Schädel Nr. ft von Grenelle stammt ebenfalls von einem Weibe, ist aber beträchtlich besser erhalten. Die Eigenschaften stimmen mit den oben erwähnten überein, doch siud die Arcus superciliares besser ausgeprägt, die Stirn besser gewölbt, nur die Höhe ebenfalls gering. Die Formen sind „weich und harmonisch“, die Muskalleistcn schwach, die Protubcrantia occipitalis fehlt, die Warzenfortsatze sind klein, atteignent un faible developpemeut, l'ossature de la face est fine, le prognathisme est assez apparent (nach der Abbildung zu urtheilen sehr massig!). Die Nase ist eingebogen, kürzer als die deB Mannes, die Malar* fortsätze dos Oberkiefers sehr weit nach aussen reichend, die Orbitaleingänge viereckig, der Nasalindax mesorrhin.
Längenbreitenindex . 83, 6
Gesichtaindex 91,8
wenn ich nach der Zeichnung die Gesichtsliinge bestimme, und die Breite der Jochbogen mit 122 damit vergleiche. Die Oberkieferlänge beträgt Gl, also
Oberkieferindex 500
Nasenindex 51,1
Ganmenindex 97,4
Orbitaliudex 84,7
Aus der ganzen Beschreibung dieses Schädels ist namentlich auch im Zusammenhang mit den Indioei wichtig, dass die Frauen des alten Grenelle durchaus keine brutalen Formen hatten, denn das Gesicht mit einem Index von 91,8 ist schon etwa« hoch, obwohl ich nicht die Sicherheit der Zahl verbürgen will. Die Zahlen in den Crania können nur theilweise die Grundlage für unsere Unterscheidung abgehen *).
Von zwei anderen Schädeln, Grenelle 7 und 8, deren Norrna verticalis in Fig. 126 und 127 angegeben, kann ich nur die Brachycophalic und zwar die Uebereiustimmung der Normt verticalis hervorheben, welche platte. Schläfenflächcn in der vorderen Hälfte der Gruben erkennen lässt, und Phanerozygie. Sie stammen von jugendlichen Individuen mit zartem Kochenbau. Das Gesummtbild der Brachycephalie der Schädel bub dem Diluvium zu Grenelle ist also das von chamäprosopcn Brachycephalen , und ich freue mich, in den Crania ethnica noch einen weiteren Beleg für die Richtigkeit dieser Bezeichnung zu finden, dadurch, dass der Schädel von Nagy-Sap8) zum Vergleich herangezogen wurde, der nach der Form des Gesichte« und der Cal varia in dieselbe Reihe gehört; ferner der Schädel von Lappen, unter denen ähnliche Kranien Vor- kommen, dass ferner auf ähnliche Formen in den Arbeiten von Ecker, His und Rütimeyer u. s. w. hingewiesen wird. Wenn jedoch das Kranium von Truch^re mit in dieselbe Reihe gestellt wird, das mit Klephui primigenius gefunden wurde, so bin ich in dem Falle, mit aller Entschiedenheit dagegen protestiren zu müssen. Durch die Güte des Herrn E. C ha nt re besitze ich einen Gipsabguss dieses brachycephalen Zeit- genossen das Mummuth, und werde Zahlenbelege beihringen, das» er einem anderen brachycephalen Typus angehört, den ich als leptoprosop bezeichne. An derselben Stelle wird sich dann auch endgültig die Frage entscheiden lassen, ob die Dolichoccphalen in der That die ersten Einwanderer in Europa waren, oder ob nicht beide Schädelformen gleichzeitig im Westen Frankreichs erschienen sind.
Zunächst sollen uns noch einige brachycephale Schädel aus dem Süden und Osten Europas beschäftigen, an denen eine nahe Verwandtschaft mit allen den weiter oben erwähnten nicht zu verkennen ist.
Schädel aus Albanien sind im Jahre 1877 durch Virchow*) beschrieben worden, von denen ich zwei hier, möglichst mit dp» Autors eigenen Worten und Zahlen, schildere.
Ein Albanese, ein Anführer, getödtet in den Gefechten im Jahre 1877 in Montenegro, vielleicht 6in dänisches Speeimcn, bietet an seinem Schädel folgende Eigenschaften. Die Knochen sind derb, scheinbar
*) Auf dem Tableau Nr. XIV, 8. 125 findet «ich *. B. Hautenr de la face angegeben zu 78. Diese Zahl entspricht weder der Länge des Oberkiefers, noch unserer Geaicht»h<die.
*) F. Lu sch an, Die Funde von N»gy-8ap. Miuheihingen der anthropologischen Gesellschaft in Wieu 1872, Nr. 9.
8 ) Virchow, R., Zur Kraniologie lllyriens. Berichte der fegl. Akud. d. Wiss. zu Berlin. Sitzung der Physik, inath. dass« 17. 8ept. 1877, 8. 769. Mit 2 Tafeln.
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25
Beiträge zu einer Kraniologie der europäischen Völker.
■ehr dick, der Schädel ungemein pro»«, ausgezeichnet brachycephal, vou mittlerer Höhe und stark me»orrhin, nahe an der Grenze der I'latyrrhinie. 1>M Planum temporale ist platt und hoch, nach vorn und unten mehr platt. In der Normst verticnlis tritt diese Erscheinung trotz der Breite dennoch hervor. Die Stirnlinie wenig gewölbt, die Tubera parietalia platt, die Pnrietnluaht fast ganz verstrichen. lu der Norm» frotitalis erscheint da* Gesicht gegen den breiten Schädel gracil und nicht hoch! Ich berechne einen chamä- prosopen GcHichtsindex von 89,2. Trotz der beträchtlichen Joclibogendistanz steigt der Gesichtsindex, die Lunge des Gesichtes zu 125 rnm angenommen, auf diese Stufe, obwohl weder die Hohe des Oberkiefers noch die des Unterkiefers sehr beträchtlich ist 09 -f- 31 = 100. I)je Höhe der Zähne, welche fehlen, zu 20mm Länge angenommp«, würde die Gesichtshöhe um 5 mm kürzer, und damit der Gesichtsindex auf 85,7 herab- gesetzt. Ziehen wir den Oberkieferindex heran, so wird der Ausdruck der Chaniäprosopie schlagend mit 49,2. Die Orbitaleingänge, breit und niedrig, haben einen Index von 79,2. Die Nase kurz und breit, reicht an die Platyrrhinie. Der Band der Nasenöffnung ist scharf, die Fossae caninae massig Gef, der Alveolar- fortsau niedrig, nicht unbeträchtlich hervortretend, Gaumen sehr breit mit einem Index von 96,0.
Lüngcnbreitenindex ’ 91,5
Lnngenhöhenindex • . 75.9
Breitenhöhenindex 82,9
Gesichtsindex 89,2 (85,7?)
Oberkieferindex . x. . . . . 49,2
Orbitaliudex 79,2
Naseuindex 51,8
Gaumeniudex 95,6
Schädel Nr. I aus Ragusa1), von einem Manne der niederen Volksclasse, wahrscheinlich dem lerbo-kruntischen Zweige der slavischen Stämme angehörend.
Grosser plumper, ziemlich schmaler Schädel, von derbem Knochengefüge und stark entwickelten Sehnenansätzen. Die Stirn ist fliehend, mit ausgeprägten Wülsten, aber schwachen Tubera. Die Curve steigt bi« zur Kranznaht fortwährend an. In der Lumbdanaht ungewöhnlich grosse Worm’scbe Knochen. Grosse dicke Warzenfortsätze, hohe Fliigolfortsätze mit »ehr weiter segelförmiger Lamina externa. Das Gesicht macht einen sehr iimiteren Kindruck, der durch die Stärke des Stininasenwulste», den tiefen Kinaatz der Nase und die niedrigen eckigen Orbitae hauptsächlich bestimmt wird. Die Nasenwurzel setzt sehr tief an, und ist schmal, der Rücken scharf und wenig eingebogen; Apertur schmal, Index 45,1, also leptorrhin. Kckige Backenknochen, sehr tiefe Fossae caninae. Ausgemacht proguuthe Kiefcrstellung, welche nicht bloss alveolar ist. Der Zahnfortsatz kurz, Guumenfiächo breit.
Langenbreitenindex 80,7
Längenhöhenindex 78,5
Breitenhöheuindex . 97,2
Gesichtsindex 87,8
Oberkieferindex .. 65,j2
Orbitalindex 75,6
Naseuindex 45,1
Gaumeniudex 97.8
Profil winkel 82°(?)
Dieser Schädel bietet eine grosse Zahl typischer Eigenschaften in ganz scharf ausgeprägter Form. Der Gesichtsindex wurde gewonnen (hei dem Fehlen des Oberkiefers) durch Addition der Zahl 43 = Höhe de« Unterkiefers und der Zahne zu der Höhe des Oberkiefers 78 4* 43 = 116. Jochbogendintanz 132 = Ue- sichtsindex 87,8 i. e. chamäprosop. Allerdings überschreitet der Oberkieferindex die Grenze des niederen Gesichtetypus um zwei Decimalen. was von der Länge der Nase herrührt. Allein wo so viele hervorragende Merkmale Zusammentreffen: die eckigen Backenknochen zu der t'hamäkonchie, der Prognathie und dem weiteu Alveolarbogen hinzukommen, ist cs gestattet, diesem einen Merkmale in diesem Falle kein allzu- grosse» Gewicht beizumessen. Wir dürfen kaum erwarten, stets Collectivtypen zu fiuden, die alle Merkmale in sich vereinigen.
Von Schädeln aus dein Osten werde ich zwei aus Ungarn hier erwähnen, die hei Gelegenheit des inter- nationalen Congreues für Anthropologie und Urgeschichte ausgestellt waren. Ihre typischen Eigenschaften stimmen mit denen der oben beschriebenen Schädel überein. Au» den Indices geht eiu beträchtlicher Grad von Rrachycephalie hervor. Der eine, den ich unter dem Namen deB Fundortes „Hugyaj“ aufführe, befindet sich in dem Museum vou Magy-KälJö, Commitat Szabolc». Er wurde zusammen mit einem Steinmeiwel und einer kleinen zierlichen Pfeilspitze von Obsidian gefunden. Der andere, „Bene“, war der Sammlung Ober-
*) Vlrcbow a. a. O. Zur Kraniologie Illyrieus, S. 78b. Archiv fOr Anthropologie. IUI XIV.
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Prof. Dr. Ko 11 mann.
Ungarns, der Stadt Hansa (Commitat Albaiy), einverleiht. Mit ihm wurden nach der Mittheil ung dea Präsidenten dea C-onfrreaa©» Herrn Fr. v. Pulszky Erzeugnisse von Ilorn, polirtrn und geschlagenen Steinen gefunden. Leider habe ich den iluuptmaacM»n des Schüdela nicht auch jene des Gesichtes beigelügt, allein die Notizen über dessen Form betonen besonders die niedere Stirn, die an der Wurzel breit© eingebogene Nase, die breiten Nasenbeine uud den flachen und breiten Oberkiefer.
Hugyai £ Bene £ 0
Längenbreitenindex 86,7 88,2
Längenkühemndex . 75.7 79.4
Breitcuhbhcuiudcx 68,3 69,9
Ein Blick auf die Tabelle der Indiens zeigt di© gross© üehereinstimniung der Zahlen, zu denen ich noch die der Stirnbreite beifügen möchte, welch© gerade die bet rächt liehe transversal© Ausdehnung im Bereich der Glabella beweisen und so ein weiteres Merkmal der ebamäprosopen Brachycephalen hinzufügen. Die Stirnbreite betragt bei Hugyai 100, bei Bene 103.
Lassen wir die Hämintlichen Iudices, die an dem Schluss diese« Abschnitte« zusanimengcsteUt, an uns vorüberziehen, «o drangt «ich bezüglich der Lange der Hirnkapsel die Erscheinung auf, dass sehr beträchtliche Schwankungen Vorkommen, die zwischen den Lüngonhreiumtndiccs von 80,4 bi» 93,3 liegen. Der mittlere Index der 13 Schädel beträgt 84,0, noch immer ein massiger Grad. Diese Stufe tritt auch numerisch am stärksten innerhalb dieses Typus auf. Zählen wir die beiden Schädel von Grenelle hinzu, so liegen unter der Zahl 85 neun Kranicn , sieben darüber, v. Holder giebt den Längenbreitenindex seines t (iranischen Typus 87,9 und 89,3 an, also höhere Zahlen als die von mir gefundenen. Dennoch kann bei der Uebereinstimmung der Merkmale des Occipnt und des Gesichtsschädels kein Zweifel über die Identität der beiden Typen bestehen, und es bleibt abzuwarten, ob nicht ausführliche Zahlreihen, die au» Württemberg vielleicht noch zur Veröffentlichung gelangen, eine ähnliche Oscillation bemerken lassen werden. Die Höhe ist sowohl im Längen- als Hreitenhöbenindex beträchtlich, und die Cham&oephalie ist offenbar durch diesen Typus nicht nach Europa gebracht worden. Es finden sich zwar Chamäcephalen darunter, aber ihre Zahl ist «ehr gering; unter dem Längenhöhonindox von 70,0 nur zwei.
Die Gründe, welche zu einer Aufstellung verschiedener Formen der Braehyccphalie drängen, sind nicht allein an der Hirnkapsel, sondern auch an dem Gesichtsschädel zu suchen. Es hiesse auf die analytische Kraft unserer kraniometrischen Methoden völlig verzichten, und die marken« testen Zeichen unberücksichtigt zur Seite liegen lassen, wollte man nicht die kurzen niederen Gesichtsschädel als eine besondere Form den hohen gegenüberstellen. Schon am Lebenden werden diese Unterschiede innerhalb der heutigen Bevölkerung leicht bemerkbar, vielleicht noch schärfer stehen sich die osteologischen Charaktere gegenüber.
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Chainäjirosope Braohycepliale n. Absolute Zahle u.
|
11! S |
s ei «5 5 e * c < Of |
ad 0 j» “ei 2 14 o. Of |
s> u s < M S c. — Q «5 40 |
M 1 63 « a 0 s 2 40 |
c 1 C i3 £ 2 2 C5 W |
Ssc c U |
c ’s s 5 |
< 2 Ul c§ |
8 st *5* M 2 |
e s A |
|
|
Länge |
175 |
182 |
174 |
177 |
109 |
163 |
177 |
179 |
182 |
173 |
170 |
|
Breite : |
143 |
146 |
140 |
147 |
152 |
152 |
144 |
164 |
147 |
150,5 |
150 |
|
Höhe |
123,5 |
112 |
125 |
129 |
138 |
137 |
145 |
136 |
143 |
131 |
135 |
|
Stirubreite, geringste .... |
95 |
89,5 |
101,0 |
92 |
100 |
90 |
101 |
103 |
96 |
100 |
103 |
|
Circumferenz |
507 |
520 |
504 |
495 |
515 |
490 |
515 |
540 |
511 |
522 |
526 |
|
Stirnbogen |
122 |
120 |
120 |
123 |
136 |
110 |
116 |
121? |
115,5 |
— |
— |
|
Scheitelbogen |
122 |
103 |
110 |
122 |
125 |
115 |
140 |
125 |
129 |
— |
— |
|
Hinterhauptsbogen .... |
10G |
137 |
115 |
140 |
110 |
115 |
117 |
113 |
127 |
- |
— |
|
Geaammthogen |
350 |
s«o |
351 |
345 |
370 |
336 |
375 |
359 |
371 |
— |
— |
|
Gesichtshöhe |
99,6 |
106 |
103 |
. 114 |
108 |
110 |
110 |
125 |
173 |
— |
— |
|
Oberkieferhöhe |
58 |
04 |
« |
70 |
64 |
67 |
«7- |
09 |
73 |
— |
|
|
Jnchbogendi&tanz |
124,2 |
126 |
130 |
134 |
131 |
131 |
135 |
140 |
132 |
— |
— |
|
Breite der Orbita |
39 |
37,3 |
38 |
40 |
42 |
40 |
41 |
41 |
41 |
— |
— |
|
Höhe der Orbita |
31 |
34 |
34 |
2» |
30 |
29 |
30 |
32 |
31 |
— |
— |
|
Nasenlänge |
4«? |
6iJ |
43 |
40 |
45 |
50 |
51 |
52 |
56,5 |
— |
— |
|
Aperturbreite |
21 |
20 |
20 |
19 |
24 |
24 |
25 |
27 |
25,5 |
— |
— |
|
daumenlange |
51 |
40 |
40 |
65 |
45 |
49 |
52 |
46 |
47 |
— |
— |
|
daumenbreite |
35 |
32 |
33 |
45 |
40 |
41 |
43 |
44 |
46 |
— |
— |
|
Länge der Basis |
96 |
88 |
91,7 |
96 |
93 |
92 |
90 |
90 |
105 |
— |
— |
|
Länge des Occiput |
79 |
94 |
83 |
82 |
76 |
71 |
81 |
83 |
77 |
- |
- |
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Prof. Dr. Ko 11 mann
I ml i c e s il c r c h a m ä j> r o s o |i o <> 15 r a c h v c c ]> h a 1 c n. (Aus den absoluten Zahlen berechnet.)
|
I^ngenbreitenindex .... |
81.7 |
61,3 |
80,4 |
83,0 |
89,9 |
933 |
81,3 |
91.5 |
80,7 |
8*1 |
83 |
667 |
88,2 |
84,0 |
83^1 |
|
Längen höhen mdex .... |
69,6 |
61,6 |
71,8 |
72,9 |
-1.7 |
84,0 |
«1.9 |
75,9 |
78,5 |
83 |
76 |
757 |
79.4 |
78,2 |
75,8 |
|
Braitenhöhen iudex .... |
84,6 |
76,6 |
89,2 |
81,6 |
90,1 |
■8...' |
82,9 |
97,2 |
96 |
91,2 |
86,3 |
89,9 |
02,7 |
91,0 |
|
|
Gerichts iudex |
79,8 |
85,7 |
79,2 |
«1.0 |
82,4 |
88.1 |
81,4 |
89,2 |
87,8 |
80 |
82,8 |
— |
— |
82,0 |
3:i,3 |
|
Oberkieferindex |
467 |
50,7 |
46.0 |
51,8 |
48,8 |
1 1,1 |
49.6 |
49,2 |
55,2 |
43,8 |
47.7 |
— |
— |
46.9 |
49,2 |
|
Orbitalindex ....... |
79,2 |
91,1 |
89,4 |
K |
72,1 |
72.7 |
78,1 |
79,2 |
76,6 |
— |
— |
77,5 |
77,5 |
||
|
Nasen indes |
45,6 |
52.0 |
54,1 |
«Vr |
M,S |
KO |
49.« |
51,8 |
46,1 |
— |
— |
— |
48,4 |
48,4*) |
|
|
Gaumen iudex . |
68,6 |
80 |
82,5 |
81.5 |
88,8 |
83,6 |
82,7 |
95,6 |
97,8 |
— |
— |
66,1 |
-r.,i |
||
|
Profilwinkel ....... |
7, |
— |
83* |
89* |
85« |
82« |
84« |
88° |
— |
- |
83,3« |
Leptoprosope braohy oephale Raoe Europas.
Taf. I, Fig. 12 bis 14 (Lb), Taf. II, Fig. 18 bi« 20 (Lb).
Schade! mit kurzem, aber gerundetem Oval, also gewölbten Schläfen und kuge- ligem Occiput. Der Gesichtsschädel ist hoch, schmal, die Jochbogen anliegend, die Nase lang und schmal, die Orbitaleingänge weit geöffnet, rund, der Alveolar- bogen des Ober- und Unterkiefers eng.
Genauere Beschreibung:
Das am meisten entscheidende Kriterium fiir diese Race ist der GesichUmdex. Brachycephnlen, deren Gesichtsschädel höher als breit Ist, sind leptoprosop zu nennen, im Gegensatz zu der oben erwähnten Kaee, bei der die Jochbogendistanz bedeutend die Höhe des Gerichtes übertrifft, wie folgender Zahlcnvcrglcich ergiebt.
l) Zu den Iudices mm den absoluten Zahlen von IS Schädeln wurden di« Indires der beiden englische« Bracbycephalen hinzugezählt. Dadurch stieg der mittlere Längenbreitenindex von 83,3 auf A4,u, der Breiten* hölieniiulux von 91,0 auf 93,7. Der Gesichtsindex de! von 83,3 auf 83,0, der Oherkieferindex von 49,2 auf 46,9. Em rührt dies daher, dass die eharuüprosopeti Brachvcephaluu aus dem alten Britannien sehr ausgesprochene Repräsentanten dieses Typus sind.
a) Nach Weghovsuug von dem Nasenindax des Schädels von Warga und BagOM steigt der Index auf 50.
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Beitrage zu einer Kraniologie der europäischen Völker.
Brachycephalen,
chamäprosope leptoprosope
Gesichtsindex 82,0 104
Oborkieferindcx 46,9 54,3
Mit diesem hohen oder schmalen Gesicht steht eine Anzahl typischer Eigenschaften in innigem Zusammenhänge, welche alle, ohne Ausnahme, bei gut geprägten Exemplaren der Uace zu finden sind. Es ist die lange Nase mit dem schmalen hohen Nasenrücken, die auch zur Adlernase werden kann. Die Orbitaleingange müssen sich dadurch nähern, denn bei schmaler Nase ist auch der Processus nasalis ossis front» schmal und lang. Die Angenhöhlen sind weit geöffnet, hoch, rund, oder, wie der Terminus lautet „hypeikonoh*. Die Stirn muss bei der vorsprin- getidcu Nase und den hohen Orbitae nothwendig schmal und convex werden. Die anliegenden Joch- bogen stehen im Einklang mit anliegenden Wangenbeinen, deren Gesichtsfläche zum grössten Theil lateral gerichtet ist, während bei der vorhergehenden Iiace dieselbe frontal gestellt ist. An dem schmalen Oberkiefer sind die Alveolarbogen lang und gerundet, die Zähne mit längeren Wurzeln und langer schmaler Krone, besonders an den Schneidezähnen, irn Gegensatz zu der mehr gedrungenen Zahuform bei allen chamäprosopen Racen. Bei den sch inalgesichtigen Racen ist, entsprechend der Form der Oberkiefer uud der Rundung der Alveolarbogen, der Gaumen lang und schmal, eine Erscheinung, welche der Gaurnenimlex auf das Schärfste zum Ausdruck bringt,
Brachycephalen,
chamäprosope leptoprosope
Gautneuindcx im Mittel 85,1 75,0
Diese geschlossene Kette von Merkmalen wird durch die Kreuzung mit chamäprosopen Racen durchbrochen. Es drängen sich niedere Augenhöhlen, oder breite Alveolarfortsätze mit breitem und kurzem Gaumen u. s. w. in den Gesichtsschädel, während die übrigen Eigenschaften erhalten bleiben können. Es entstehen zahlreiche Combiuationen , welche die Unterscheidung erschweren und die {Sprache der Zahlen verwirren, wenn man nicht typische, d. h. reine Formen für die Unter- suchung gewählt hat.
Was den Hirnschfidel betrifft, so beruht seine charakteristische Eigenschaft in der Rundung des Ovales: Stirn, Schläfen und Occiput sind gewölbt, die Scheitellinie beschreibt eine hohe Curve und fällt nicht flach, wie bei den chamäprosopen Kurzschädeln, sondern im Rogen nach abwärts. Ueberdies ist dünne Beschaffenheit des Knochengerüstes und damit zusammenhängend schwache Prägung der MuskeUcistcn, soweit meine Erfahrungen reichen, charakteristisch. Die Arcus superciliares sind von massiger Grösse und in der Mitte getrennt
Ich hatte die Hoffnung lange Zeit festgehalten , dass sich ein sehr beträchtlicher Unterschied zwischen chamäprosopen und leptoprosopen Kurzschädeln in Bezug auf den Längenbrciteniudex herausstellen werde. Hat doch v. Holder zwischen seinen beiden brachyeephalen Racen sehr beträchtliche Differenzen nach dieser Richtung gefunden und J. Ranke1) durch Curven anschaulich gemacht, dass neben dem am häufigsten auftretenden Index von 82 bis 83, noch eine besondere Form höclister Kurzköpfigkeit in Bayern zu finden sei, deren Index zwischen 85 bis 90 und
') J. Ranke, Beiträge a. h. O. Beilage 3 und die dieser Arbeit entnommene Curve auf der Curventafel in dem I. Abschnitte dieser Abhandlung,
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Prof. Pr. Kol 1 mann.
darüber liegt. Nach die«er Seite hin sind aber meine Erfahrungen von negativem Erfolge gewesen.
Gemittelter Index aus den absoluten Zahlen berechnet.
Langen bmlenindcx 83,1
Eangenhöhetiindex 75,8
Brcitenhühenindex 92,5
Gesichtsindex 104.0
Oberkieferindex 54,3
Orbital index 87,1
Nasenindex 40,4
Guurnouindex 75,0
Profilwinkel 88,5
Vorkommen. In den folgenden Blättern sind Repräsentanten dieses Typus beschrieben aus Kurland, Ungarn, der Schweix, aus Baden, Friesland, Tirol, England und Frankreich. Belege ITir das Vorkommen derselben Formen liegen noch vor aus Bayern und Württemberg, Schweden und Lappland, Finnland und Italien. l>er Zeit nach erstreckt sich das Vorkommen der leptopro- sopen Brachycephalen bis in das Diluvium wie das der übrigen europäischen Kaccn.
Synonyma.
Ihre Zahl ist auffallend gering im Vergleich zu der Häufigkeit, mit der diese Race allen Beobachtern entgegentritt. Vielleicht hat man gerade darum auf eine besondere Bezeichnung verzichtet und sich mit dem schon von A. Rutzius gebrauchten Terminus „orthognathe Brachy- cepbalen“ begnügt. Allein orthognathe Brachycephalen kommen auch in anderen Welttheilen vor, und Überdies ist die Orthognathie zwar unter dieser Race die herrschende Profillinic, aber doch nicht die ausschliessliche. Ich habe deshalb vorgezogen, die ganze Form des Gesichtsschädels in den Vordergrund zu stellen, die ja auf den ersten Blick das Urtheil bestimmt. Die classischen Formen der Antike und die Büßten aus römischer Zeit geben uns zahlreiche Portrait» dieser Race.
Dissentis-Ty pus ist der Name, mit dem Hin und Rütimeyer diese Race in der Schweiz bezeichnet haben, und v. Holder stellt die Vertreter der orthognathe n Brachycephalen mit schmalem, hohem Gesicht zu dem Sarmatischen Typus1).
Esthe Nr. R ans der anatomischen Sammlung zu Dorpat, Taf, I, Fig. 12 bis 11 (Lb). Schädel eines jungen Mannes mit ziemlich dicken Wänden, aber mit massigen Muskelleisten. Die Protu- berantia occip, externa ist zwar kraft g, diu Muskclgrubcn ziemlich tief, die Incisura mnstoidea weil und tief, der Proc. mastoideus gross, allein iiu Vordersckädel sind die Schläfenlinien hinter der Sutura coronalis nur ungedeutet, vor ihr nur iu nächster Nähe der Processus zygoinaticus ossis frontis etwas vortretend. Die Arcus supereiiiare* nur schwach, in der Mitte weit getrennt. Die Nähte vorhanden und völlig normal in allen Abschnitten de» Schädels. Norma verticalis eiu regelmässiges Oval, an den Schläfen ausgebaucht, an der Stirn schmal. Scheitelhöcker verstrichen, nicht hervortreteud. Norma lateralis gestreckte, regel- mässige Curve, ohne Knickung an der Stirn, vom vorderen Drittel kugelige Wölbung bis zur Protabcraulia occipitalia externa. Das Planum temporale massig gewölbt, erreicht die Scheitclbucker nicht. Norma occi- pitalis voll, mehr breit als hoch, die liitermastoidealliuie leicht gewölbt, die Seitenlinien gleichfalls und zu
') Eine völlige CongTUenz mit dem von v. Holder bezeichnet*!] Typen exiatirt, wie der Vergleich der *»ii gegebenen Merkmale erweist, nicht, ja Rabl -Itück liardt deutet v. Holder'* Typen geradezu entgegengesetzt. Daran ist die allzu knappe Beschreibung schuld, mit der v. llölder seine Typen cinführt.
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Beiträge zu einer Kraniologie der europäischen Völker.
«len Warzen fortsätsen convergirenri. Norm*» frontalis zeigt einen zehr schmalen, hohen un«l pt geformten Geeicht' schädel; die Stirn schmal , Ginbella von geringer Ausdehnung; Processus nasalis des Stirnbeins lang and schmal, die Orbitaleingäng« hoch und dadurch weit erscheinend. Nase schmal und hoch, Nasenbeine lang und breit, stossen in einem Winkel von ungefähr 6»»° aneinander, die Processus nasales des Oberkiefers steil lateral gewendet, Apertur eng und hoch. Spinn nasali* kräftig, get heilt. Jnoh bogen anliegend, Wangen- bein« mit der ganzen Fläche lateral gerichtet, Alveolarforttatz lang, schmal, Fossac caninae flach und aus- gi'delitit. Gaumen lang und schmal und tief, Unterkiefer mit schmalem Bogen, hoch, kräftig, die Winkel leicht nach aussen gebogen, Kinn etwas spitz. Alle Zähne erhalten und vollendet in der Form.
Längenbreitenindex 80,9
Lungenhöhenindex 71,1
Breitcnhöhcnindex 87,9
Gcsirhtaindcx 104,3
Oberkieferindex 60,4
Orhitalindex . 92>1
Nasenindex ... 39,7
Gaumenindex 82,3
Profilwinkel 88°
Drei leptoprosope Ungnrschädel gleichen dem des Kathen so vollständig, dass es mir eine unnütze Wiederholung schiene, dieselhen F.inzelnheiten zu wiederholen, um hier und da etwa eine kräftigere Entwickelung der Muskelleisten zu betonen, die x. 11. in einer stärkeren Ausladung der Unterkieferwinkel, in einer mehr eckigen Form des Kinns gipfeln, weil hier die Tubera mentalia weit auseinander stehen. Die schmale Stirn un«l der breite Hinterkopf, die gebauchten Schläfen, dann ein leptoprosoper Gesicht.sschädel mit hoher Nase, weit geöffneten Orbitalein gangen, getrennten Arcus superciliare*, schmalem Alveolarbogen sind bei ullen gleich !).
Biro Kiss Nr. 480
Längenbreitenindex .... 87,2 80,5 81,1
Längetihöhenimlex 78,7 74,6 78,4
ßreitenhöhenindex 90,2 93,3 93,8
Gesichtsindex 96,8 92,6 108,9
Oberkieferindex 57,6 58,5 59,6
Thnrgauerin circa 20 Jahre alt (die letxtpn Molaren noch nicht durch gebrochen), in den Urania Helvetica abgebildet. Nähte alle noch offen, doch beginnt auf dem linken lateralen Ende der Coronalnaht bereit* die Verwachsung, die Sphenobasilarnaht median l'/jCm breit geschlossen, seitlich noch theilweise offen. Der Schädel ist etwas asymmetrisch, das rechte Tuber parietale steht etwas höher und die hintere rechte Hälfte des Occiput ist etwas flacher al* die linke. Im Bereich der Nähte nirgends oino Unregel- mässigkeit. Muskelleisten schwach am Vorderkopfe, an der Facies musoularis des Occiput aber sehr kräftig. Die Nortna verticalis oval, doch mit stark ausgesprochenen Ecken an den Tubera parietalia, die weit und voll sind, auch die Tubera frontalin sind gut entwickelt, das Occiput nicht platt, Bondern leicht kugelig, die Stirnlinie des Ovales schmal. Nomia lateralis: die Stirn steil ansteigend geht unter starker Knickung in den leicht gewölbten Scheitel über, und fällt von der Mitte der Scheitelbeine mit massiger Rundung zur Facies musciilari» des Hinterhauptbein*. Die Processus mastoidei ziemlich gross, mit Rauhigkeiten versehen, die Schläfen steil, hoch, wenig gewölbt, irn Bereich der Keilbciulhlgel stark eingezogen. Die obere Schläfen- linie zieht bis über die Tubera parietal a iu die Höhe und erreicht die Lambdauaht. Nortna occipitalis ist durch das starke Vorspringen der Scheitelhöcker um! die geringe Convergenz der Seitenlinien gegen die Warzenfortsätxe eigentlich viereckig, wenn mau von der miUsigen Wölbung des Scheitels oder der Inter- mastoidealiini« absieht. Doch scheint mir diese eckige Form keine Veranlassung, diesen brachycephalen Schädel in eine andere Gruppe zu stellen, oder ihn auszuschciden, und dies um so weniger, al* der Gesichta- schädcl charakteristisch ist im höchsten Grade. Ich verweise besonders auf die Abbildung bei llis und Rütimeyer, wenn es nöthig sein sollte, die Beschreibung des langen und schmalen Gesichtes noch durch eine Abbildung erläutert zu sehen. Die Stirn schmal, Glabclla klein, etwas gewölbt, Processus nasalis oBsia frontis lang, die Orbitaleingänge deshalb sehr genähert, sie sind übereinstimmend mit dem Typus, weit geöffnet, der Nasenrücken schmal, hoch, die Apertur bimförmig, die Fossae caninae breite flache Gruben,
*) Die beiden Schädel Biro und Kiss befinden sich in der Sammlung der Münchener anthropologischen Gesellschaft. Sie sind ein Geschenk de« Herrn v. Lenhossek. Der Schädel Nr. 490 befindet sich in der anatomischen Sammlung von Pest, die Mnassa sind von mir mit der Erlaubnis« dos Herrn v. Lenhossek an Ort und Stelle gewouueu worden, finden sich jedoch auch in dem Werke Cranioaeopie a. a. O.
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Prof. Dr. Kollmann,
denn ein nicht unschöner, doch deutlicher Grad von Prognathie beginnt eich schon unterhalb des örbital- eingango* bemerkbar zu machen, und der mi*««ig schmale Alveolnrbogen steigt nach vorwärts allmälig herab. Die Zähne vortrefflich, mit starken hohen prouiiuirenden Wurzeln, ihre Kronen leicht nach vorn gestellt. Die Spina nasali» gut entwickelt, der uutere Rand der Apertur» pyriformis scharf. Die Wangen- beine lateral gerichtet, nach unten schwach divergirend, die Jochbogen anliegend. Der Unterkiefer ziemlich kräftig, die Andeutungen der Tubercula mentalia ziemlich weit auseinander liegend 37 mm, wodurch das Kinn, etwas breit, gerundet wird. Die horizontalen Acste schief ansteigend berühren die Unterlage nicht, wenn der Schädel auf dem Tische ruht. Das ist jedoch kein Merkmal von irgend welchem Helaug, kein Grund, um diesem Schädel eine andere Stellung anzuweisen, die ihm dicht bei dem eben beschriebenen Estheu gebührt.
Längenbreitenindex 84,1
Lüugenhöhenindex *1,1
11 reiten hohen Index . 100,0
Gesichtsindex 93,4
Oberkieferindex 59,6
Orhitalindex 86,4
Nasen iudex 46,6
Gaumenindex 81,6
Profilwinkel . 88°
Zwei Schädel aus dem Schwarzwaldc und zwar aus dem Gebiete der ehemaligen Grafschaft IlBuenstein. A. Ecker1) hat die Bevölkerung dieses Gebietes aufmerksam verfolgt, und die Resultate wiederholt veröffentlicht. Den Kraniologen sind wohl allgemein die charakteristischen Portrait* von männlichen Langgesichtern erinnerlich, die an einem brachycephalen Schädel sitzen. Zwei Repräsentanten aus diesem Gebiete hebe ich ans dem grossen Material heraus, und reiho die absoluten Zahlen und die Indice* den Tabellen au. Die erläuternden Bemerkungen entnehme ich dem Text der Urania Gennaniae.
Schädel eines alten Mannes aus dem Hauensteiuschen.
Längeubreitenindex 86,9
Gesichtsindex 91,7
Norma vfliücalis oval, Schädel ziemlich nieder, Arcus fuperciliarea sehr stark entwickelt, Stirnnason- winkel tief, Nasenrücken sehr vorspringend, Schläfen sehr gewölbt, in V« natürlicher Grösse abgebildet auf Tafel XXVII, 3 in der Norma verticalis, occipitalis, lateralis und frontalis.
Schädel eines 20 Jahre alten Mannes aus Todtmoos (Amt St. Blasien).
Längenbreitenindex 86,7
Gesichtsindex 103,2
Schädel gross, breit, hoch, Stirn hoch, Arcus superciliareH Btark entwickelt, Stirnnasen winkel tief ein- gesebuitten, Nasenrücken vorspringend, Scheitelhöcker stark entwickelt, Scheitelgegend dadurch sehr breit, Schläfen platt, Hinterhaupt kurz, platt, Norma occipitalis ein Viereck mit nach unten convergirendcu Seiten- wiukeli», Gesicht lang und schmal; in % natürlicher Grösse abgebildet auf Tafel XXVIII, X 1.
Die Schwarzwälder, von denen diese Schädel stammen, waren Leute von beträchtlicher Kör|>ergrösae (von dem einen wird dieselbe auf 6 * 7" angegeben) und starkem Knochenbau. Damit stehen im Einklang die kräftigen MuBkelleisten und die kräftigen Arcus superciliares, aber sie sind, wie die Abbildung des enteren deutlich erkennen lässt, in der Medianlinie getrennt, fliessen also nicht in der Mitte zusammen.
Ich bemerke dies ausdrücklich, um einem naheliegenden Vorwurf zu begegnen, als hätte ich Schädel mit starker Entwickelung der Muskelleisten, mit grossem Horizontulumfang und dicken Knochen zusammen- gestellt mit anderen, welche gerade durch das Gegentheil excelliren. Allein die Schwere und dio absolute Grösse sind es nicht, welche die Raccnmerkmale bestimmen, sondern e* ist die morphologische Gestaltung, dio w'ir durch dio relativen Zahlen auszudrimken suchen. Soviel zur Abwehr gegen einen Tadel, dass ich den brachyccphalen dünnknochigen Esthenachftdel mit den massiven Krsnien der Hauenstciner in eine Reihe gestellt. Solche Verschiedenheiten mögen von Klima und Nahrung herrühren, aber die typischen Eigenschaften erhalten sich als solche durchaus unverändert.
Die Brachycephalie mit schmalem Gesicht, findet sich auch in Friesland. Als Repräsentant soll hier erwähnt werden ein männlicher Schädel aus der Stadt Varel am südwestlichen Umfange de» Jahdehusen* (aus einem Ziegelsteingrabe). Abgcachliffene, gerade Zähne, grosses, breites, stark vorspringendes Hinterhaupt. In der Hinteransicht erscheint das Schädelgewölbe sehr dach, die Stirn ist niedrig, die Augenhöhlen gleichfalls.
*) A. Ecker, Crania Germania« etc. a. a. 0., 8. 67 und 82.
*) A. Ecker, Zur Statistik der Körpergrüsse im Groesherzogtkam Baden, 'Archiv für Anthropologie, Bd. IX.
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Beiträge zu einer Kraniologie der europäischen Völker. 33
Die überaus lange und schmale Nase springt sehr weit vor, ihre W urtel liegt hoch, Oberkiefer hoch, ebenso der Unterkiefer, der steile Aest« und ein »ehr vorspringende« Kinn besitzt
Längenbreitenindex 80,0
Längenhöhenindux 72,4
Breitenhöhenindex 80J>
Gesichtrindex 102,9
Nasenindex 37,9
Der Schädel ist, wie man sieht, extrem leptoprosop, sclimnlgesiclitig und, was damit znsammenhängt, leptorrhin, jedoch theilweis© ein Product der Mischung, worauf die chamäkoncheti Orbitae hinweisc-n.
Andere Schädel derselben Form finden sich an derselben Stelle erwähnt, sie sind es, welche in Gemein- schaft der leptoprosopen Dotichocephalen und ihrer Abkömmlinge den von Virohow betonten Charakter der Lcptorrhinie bei den Friesen bedingen, welche eine besondere Tabelle dem Leser vorführt *). Dass auch chamiproaope Dolicho-, Meso- und Brachycephalen rorkomraen und mit diesen Meaorrhiuie und Platyrrhinie, wurde schon weiter oben erwähnt Man kann unter solchen Umständen verstehen, dass, sobald eine gewisse Auswahl in dem untersuchten Material getroffen wird, sich aus jedem Gebiete eine Gruppe von mesorrhinen oder platyrrhincn Schädeln zusammeustelh-n lässt Sasse31) hat bekanntlich solche Zusammenstellungen geliefert, und insofern sie auf directer Beobachtung beruhen, ist die Richtigkeit der materiellen Seite kaum in ernste Zweifel zu ziehen. Dass er meint, die aalischeu Franken hatten die Stumpfnasen ins Land gebracht, ist eine gänzlich willkürliche Behauptung, die wir schon weiter oben zurückgewiesen. Aber dieser Irrthum Sasse’« hat den kraniologischen Hintergrund einer thatsäch liehen Existenz der Mesor- rhinie, eine Erscheinung, die schon in dieser Form zur Annahme eines complicirten ethnischen Gefüges innerhalb der Friesen auffordert
Derselben Erscheinung begegnen wir in England. Als Beweis die Muasso und Notizen von folgendem Schädel.
Aueien skull from stoue-cist near Kinaldie, Aberdconshiro *). Das Skelet lag mit dem Rücken nach Norden zusammen gebogen, an der linken Seite stand eine irdene Vase, gut gebrannt, rüthlieh, schwarz auf dem Bruch, und ornamentirt.
Der Schädel gehörte einem typisch brachycephalen Manne von ungefähr 40 J ah reu au. Das Gesicht lang, der untere T 'heil schmal, die Aperturn pyriformis schmal, die Nase gebogen mit mehr Eleganz als dies sonst bei alten Schädeln der Fall. Der Gaumen tief und schmal, der Unterkiefer von massigen Dimensionen. Das Vorderhaupt ist geräumig, da« Hinterhaupt kugelig. Die Scheitelcurve beginnt mit scharfer Knickung an der Stirn und zieht in sanfter Wölbung bi« zur Hälfte der ParieUlia , um dann zur Basis herabzugehen. Die Muskelleisten sehr kräftig, die Arcus superciliaris massig, die Nase massig tief eingesetzt.
Ich führe den Leser nochmal auf den Continent zurück und zwar in die Thäler am südlichen Abhang der Alpen. Ich kenne aus eigener Anschauung die Bevölkerung in der Umgegend von Botzen und den anstossendeu Gebirgsthälern. Wie audere Touristen, die sich auch um die Menschen interesBiren, so war auch ich stets erstaunt über diese kräftigen Gestalten von hohem Wuchs, mit dem länglichen Gesicht, da« markig ist, und doch von schönem Schnitt, die Nase schmal, hoch, und zum langen Gesicht in vollkommen- ster Proportion, die vortrefflichen Farben der llaut, die schmucke Tracht, das ruhige selbstbewusste Wesen, der ganze Mann wie aus einem Guss4), Das sind typische leptoprosope Brachycephalen. Ich selbst habe einige ihrer Schädel gemessen, aber ich ziehe es vor, Zahlen aus der Arbeit von Rabl-llückhard *) zu benützen und seine Beschreibung, soweit dienlich, hierher zu setzen. Gleichzeitig verweise ich auf die Tafel VIII und IX, welche Abbildungen der Korina vcrticulie, basilariH, frontalis, lateralis enthält6).
*) Virohow, Beiträge zur physischen Anthropologie a. a. O., 8. 259 (3 Schädel) and Verhandlungen der Berliner anthropologischen Gesellschaft 1872, 8. 240. Zeitschrift für Ethnologie, Bd. IV, Nr. 10 der Tabelle, — Vircliow, Beiträge zur physischen Anthropologie a. a. O., Ö. 350.
*) Rasse, A., Revue d 'Anthropologie 1873, T. 11, pag. 416.
*) Davis und Thurnaui, Crania llritauica a. a. 0., Tafel 25 mit Text.
4) Wer begeistertes Lob über diesen Menschenschlag hören will, der nehme z. B. das Buch von Weber zur Hand: Das Thal Passeyer und seine Bewohner. Insbruck 1852, 8. 125.
Rabl-Rück hard. Die Anthropologie Südtirols, namentlich über Schädel von 8t. Peter bei Meran. Verhandlungen der Berliner anthropologischen Gesellschaft, Ritzung vom 16. Februar 1878. Zeitschrift für Ethnologie, Bd. X, mit Taf. VIII und IX.
®) Leider sind die abgebildeten Schädel ohne Vorderzähne nnd ohne Unterkiefer, zwei Mängel, die sehr störend sind für den Beschauer. Um dennoch die Zahl für die Gesichlshöbe zu gewinnen, und so durch den Index bestimmte Anhaltspunkte zu erreichen, habe ich zu der Oberkieferhöhe 50 addirt,' als Mittel der Unter- kiefer- und Zahnhühe der leptoprosopen Brachycephalen. Ich konnte um so eher Zuflucht zu diesem Auswege nehmen, da ich, wie schon erwähnt, die Leute dieser Thäler sehr wohl kenne, und die Zahl 50 eher unter, als über dem Mittel liegen dürfte.
Archiv fOr Anthropologie. Bd. XIV. 5
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Prof. Dr. Kollmann,
Tirol Nr. 25704« Schwerer männlicher Schädel, Norma vertic&lis elliptisch, die Schläfen gebaucht, Stirn breit, Occiput kugelig. Stirn nieder, biegt in der Höhe der Tubern frontal iu unter starker Knickung in den flachen, fast ebenen Scheitel um, der dann plötzlich zu dem kugeligen Hinterhaupt ticb rundet. Augenbruueuwülste massig, Nasenwulat fehlend, platte flache, breite ülabelln.
Längenbreitenindex . 82,7
Längenhöbenindex 71.4
Breitenhöheniudex 06,3
Gesichtsindex 92,3
Oberkieferindex 53,8
Orbitalindex 89,7
Naaenindex 47,5
Gaumenindex 74,5
Profilwiokel 89*
Tirol Nr. 25706. Schwerer, wahrscheinlich männlicher Schädel. Offene Stirnnaht. Hinterer Theil der Suturm sagittalis obliterirt und in einen nach hinten breiter werdenden Kamm erhöht. Medialer Theil derSutura lambdoides im Obliteriren begriffen. Protuberantia occipitalis externa ein atark hervorspringemler Knochenzapfen. Zahne fehlend bia auf wenige Wurzeln. Nasenwulst sehr wenig auageprägt, Augenbrauen- wülste ebcuso. Die senkrecht ansteigende hohe Stirn geht in achöu gerundetem Winkel in den flachen Scheitel über. Leichte alveolare Prognathie.
Längenbreitenindex *. 81,3
Längenhöbenindex 74,7
Breitenhöhenindex 91,4
Geaichtsindex 104,0
Oberkieferindex 57,6
Orbitalindex 82,9
Naaenindex 46,8
Gaumenindex 79,9
Profilwinkcl 89°
Diese zwei Schädel hat Rabl-Kückhard unter der Gruppe! anfgeführt, .welche am nächsten einer- seits dem Disentistypus, andererseits der Schädelform der heutigen Bewohner Badens steht.“ Doch veranlasst ihn die geringe Höhe, aie vorläufig noch nicht mit einer dieser Formen xusatnrnenzuwerfen. Ich habe mich schon oben wiederholt Ober die (’hamäcephalie ausgesprochen, und finde die Reserve llabl-Rückhard’s vollkommen gerechtfertigt. Nach einer jüngsten Durchsicht des beträchtlichen kraniologiachen Materials aus den friesischen Gebieten bei Gelegenheit der Generalversammlung der deutschen anthropologischen Gesellschaft zu Berlin halte ich die Frage über den Werth der Chamäcpphalie als Racencharakter noch als eine offene. Der negative Standpunkt v. Höldor’s1) übersieht vollständig, dass dort oben in Friesland niedere Schädel sehr häufig, und dass diese und die extremen Grade dieser Chamäceph&len eine Erklärnng * fordern.
Um zu «eigen, dass nicht das Gebiet von Meran und Umgegend allein diese brachvcephalen Recken mit gut geformtem leptoprosopen Antlitz beherbergt, führe ich die Maaaso eines AppeuzeUers hier an, der am Säntia als Führer die Fremden begleitet, und bemerke nur, dass er nicht der einzige seine« Stammes ist. Also nicht eine besondere Ausnahme führe ich hier auf, sondern deu Repräsentanten des auch dort ver- breiteten leptoprosopen Typus.
Döring, Jos., 48 Jahre alt.
Längenbreitenindex 81,5
Geaichtsindex 90,5
Überkieferindex 53,2
Dass der Mann (mit blauen Augen und braunem Haare) eine lange Nase besitzt, ergiebt das Längen- BMIN derselben, 61,0 von der Nasenwurzel bis zur Spina nasalia gemessen, sie ist schmal und hoch. Der Nasenfortsatx des Stirnbeins »st »ehr schmal, 18 mm. Die Arcus superciliares massig entwickelt, in der Mitte getrennt. Das fast fettlose Gesicht lässt die Höbe und Breite der Orbita leicht bestimmen; die Zahlen bestätigen, waa schon die blosse Betrachtung voraussetzt: hohe, weit geöffnete Orbitaleingänge mit einem Orbitalindex von 89,7. — Um die Vergleiche innerhalb der Zuhlen auf eiue breitere Basis stellen zu können,
*) v. Holder, Ueber die in Deutschland vorkommenden und von Herrn Yirehow den Friesen xu- gesprochenen niederen Schädelformen. Archiv für Anthropologie, Bd. XU, S. 315 u. ff.
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Boitrüge zu einer Kraniologie der europäischen Völker.
nehmt* ich zn der Nasenlänge eine Breite der Apertur von 26 mm an, ein offenbar sehr beträchtliches Maas* bei dieser Schmalheit des Gerichtes und der Nase. Dadurch ergiebt eich ein Nasenindex vou 42.5, welcher der ganzen Form am Lebenden entspricht.
Zum Abschluss unseres Ueberblickes auf schmalgerichtigo Schädel in Europa sollen noch die Gips« . abgüsse zweier Kranien beschrieben werden, die aus Frankreich stammen, nämlich
1) Schädel aus einem Tumulus du camp de Larina, Bieres (Isere).
2) Schädel aus einem Lager von 4,50 m Tiefe gefunden mit einem Schädel von Elephas primigenius in Villars bei Tournns (Saone et Loire), in den Crania ethnica aufgeführt unter dem Namen „Crane de la Truchere *).
Die Gipsabgüsse stammen aus dem Museum zu Lyon nnd sind unter der Aufsicht de« Herrn E. Cbaulre auageführt worden, dem ich auch diese Specimina verdanke. Die in der Tabelle aufgeführten Maasse werden ziemlich genau mit dem Originale stimmen, denn die Abgüsse sind sorgfältig hergestellt, es ist das Foramen magnum, ül>erhaupt die Basis mit vielen Details erhalten, die Nähte sind sichtbar u. s. w, l’eherdiea habe ich daneben in der Tabelle die in den Crania ethnica angegebenen Malaie aufgelührt und so wenigstens die Controle gp wahrt.
Der Schädel aus dem Ilügelgrabe von Larina ist gross, breit, in der Norm» verticalis mit sehr gebauchten Schläfen, ohne Tuberm parietalia. Das Occiput voll, die Stirn breit mit einer schwachen Crista sagittalis, die gegen die ülabella hin endigt. Norme lateralis nnd die 55 mm hohe Stirn (von der Sutura naso'frontalis aus gemessen) wendet sich in scharfer Knickung gogpn den flachen Scheitel, der vom hinteren Drittel der Parietalia rasch sich zur Protuberautia occipitalis externa wendet. An der Lambdanabt ist die Contour unterbrochen durch einen etufenartigpn Absatz, wahrschein lieh bedingt durch Ossa Wonuiana, von denen sogar auf der rechten Hälfte der Naht Spuren erkennbar sind. Die Schläfen gross, gewölbt, die grossen Keilbeinflügel gross, nicht eingebogen, die Sphenotemporalnaht auf beiden Seiten erkennbar. Die übrigen Detail» verschwommen. Die Norm» occipitalis mehr breit als hoch, die Seitenlinien nicht cou- vergirend gegen die Warzen fortsätxe, die obere und untere Grenzlinie massig gewölbt. Unten sind die Cerebellaransch wellungen ausserordentlich deutlich. Muskel fort sätze mus.-ig, die Warzen fort «atze gleichfalls, Foramen magnum gross, weit, der Gaumen schmal und lang, wie der Index ausweist. Die Norm* frontalis zeigt ein schmales Gesicht mit allen dazu gehörigen Eigenschaften und schmaler Nase, hohem Nasenrücken, dümiem Nasenfortsatz des Stirnbein», getrennte Arcus superciliare», die Wangenbeine lateral gestellt und anliegend wie die vordere Hälfte der Jochlmgen. Auf beiden Seiten wendet »ich dann der Bogen mehr nach aussen, um in kurzer Krümmung das Schläfenbein zu erreichen. Die Orbitaleingänge weit und grosB, der lüind der Apertur scharf, die Alveolen der Schneidezähue etwa» geschwunden, die der Eckzähne prominent.
Leider fehlt der Unterkiefer, aber bei der ganzen Form des Gesichtes trage ich kein Bedenken, zur Gewinnung der Gesichtshöhe diejenige für den Oberkiefer mit 50 mm zu addiren. Denn alle Merkmale berechtigen dazu, in ihm einen guten Repräsentanten der leptoprosopen Braebycephalen zu erkennen.
Längeiibreiteuindex £5,1
Längenhöhenindex . 76,9
Breitenhöhenindex 90,8
Gesichtsindex 90,8
Oberkieferindex 53,3
Orbitalindex * 99,4
Naaenindex 41,0
Gaumenindex 66,6
Profilwinkel • $8°
Cranium de la Truchere Taf. II, Figuren 18 bis 20 (Lb), gieht das Knochenportrait eines Mammuth- jägers mit hohem Nasenrücken, schmaler Nasenwurzel, gut entwickelter hoher Stirn und nichts weniger als raongoloidem Typus, im Gegentheil Behr europäisch, wie sein eben beschriebener Landsmaun. Die Norma verticalis zeigt ein regelmässiges an den Schläfen gebauchtes Oval, das Hinterhaupt breit und voll, ohne gerade kugelig zu sein, auch die Stirncontour gewölbt, offenbar in Folge der Stirnnaht, dio etwa» nach rechts abweicht in der Nähe der Coronalnaht (16 mm) von der Sagittalnaht entfernt Dennoch ist der Schädel nicht asymmetrisch. Die Norma occipitalis hoch, die obere Linie leicht dachförmig, die seitlichen mit schwacher Convergenz zu den Warzenfortsätzen, die Intermastoideallinie gerade. In der Norma lateralis tritt eine steil emporziehende Stirnliuie zu aiisehuliclier Höhe (5-1 mm von der Nasenwurzel aus gemessen), um in scharfer Biegung zu dem massig gewölbten Scheitel anzusteigen und vom hinteren Drittel der Scheitelbeine gegen die schwache Protuhcrunlia occipitalis externa herabzuziehen. Die Plana temporal)** sind im unteren Theile flach, allein die obere Uulfte ist bauchig, so dass die Norma verticalis ein regel-
a) de Quatrefages und Hainy, Crania ethnica a..a. O., pag. 127 u. ff., dazu 3 Abbildungen auf 8. 128. Figuren 134 bis 136.
5*
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30
Prof. Pr. Kollmann,
massiges Oral aufweist. Die grossen Keilheinflügel hoch, breit, nicht eingezogen, im Bereich der Nähte keine Abnormität bemerkbar. Die Lineae temporales schwach, selbst in der Stirngegend, die Proce»sus# mastoidei gross, mit Rauhigkeiten bedeckt. Norm» basilaris und Facies musculark des Occiput mit Rauhig- keiten bedeckt. Das Foraraen magnum oval, Processus oondyloidei gewölbt, wenig divergirend, die (’hoanen hoch und schmal wie bei dem vorigen, der Gaumen lang und tief. Noch einige Molaren und Praemolaren in don Alveolen, die Kronen massig abgerieben, kein Torus palatinus. Weder hier noch im Gesicht Zeichen von es4|uimoider brutaler Construction desAutlitr.es. Die Stirnhöcker deutlich sichtbar, liegen trotz der Stirn* naht ziemlich dicht beisuunnen , Entfernung ihrer höchsten Punkte 75,0. Am Stirnwinkel erhebt sich eine Crista sngiltulis, die in der Mitte der Scheitelbeine wieder verschwindet und den weiten Stirnscheitel etwas dachförmig macht. Der Schädel ist gross, in den Crania ethnica wird eine Capacität von 1,925cm angegeben. Die Arcus nu perciliares massig, in der Mitte getrennt, seitlich schon in der Hälfte über dem Orbitalraude endigend. Die OrbitalöfTnungen etwas eng, viereckig, was jedoch ein individuelles Merkmal zu sein scheint, denn hinter den Rändern vergrößert sich die Hohlpyramide beträchtlich. Die Wangenbeine mit ihrer Fläche lateral gewendet, Jochbogen anliegend, der Alveolar bogen breit, voll, die Kckxähne etwas promiuirend, die einzige Partie, welche durch die vorspringondeu Alveolen der Eckzähne an die chamä* proBopen Brachycephalen erinnert, und den Gedanken nahelegt an den Einfluss einer Rare mit breitem Gesicht. Allein Jochbogen, die Nase, die Apertur, der Hirnschädel, die Stirn und ihre Verbindung mit der Nase, die steile, streng laterale Stellung der Processus frontali* ossis maxtllaria zeigen, dass jedenfalls der Grad der Mischung ein ä unterst geringer war, wenn überhaupt einer stattgefunden hatte.
Längenbreitenindex 83,1
Längenhöheuindex 78,9
Breitenhohenindex 95,4
üesichtsindex 93,1
Oberkieferindex 55,3
Orbitalindex 77,5
Nasenitidex . 43,7
Gaumenindex 73,5
Profilwinkel 89*
Wir müssen jetzt nothwendig die Beschreibung in den Crania ethnica mit der eben gegebenen ver- gleichen. Es bandelt si^h um Vervollständigung des Berichtes, der nur nach einem Abguss erstattet ist, und dann um die Entscheidung der Frage, ob dieser Ureuropäer mit Recht unter der Reihe der lepto- prosopeu Brachycephalen steht.
Crania ethnica S. 128. „Dieses merkwürdige Fossil stimmt nahezu mit demjenigen von Grenelle *) in Bezug auf seinen Längenbreitenindex, aller es unterscheidet sich doch auch durch eine bestimmte Anzahl anderer Merkmale. Das Stirnbein erreicht durch bedeutende Entwickelung eine sagittale Länge von 145 mm. Die Scheitellinie ist sehr verschieden, die Stiru steht fast vertical über den kurzen und schmächtigen Augen- . brauenbogen, sie wölbt sich von den Stirnhöckern zu dem Bregma hoch ansteigend. Die Sutura frontalis
blieb bestehen , und das verursachte an der überdies abnormen Verbindungsstelle zwischen Stirnbein und % Parietale eine ziemlich beträchtliche Erhöhung. Im Bereich der Stirnnaht eine Crista sagittalis. Die Tubern parietoJia kaum sichtbar, das Hinterhaupt gross, ohne Protuberantia occipitalis externa, die Muskel- leisten massig. In der Sutura lambdoidea beiderseits ein kleiner Schaltknoeben. Das Gesicht unter dieser grossen Hirnkapsel ist verhältnissmässig klein, mit einer grossen vorspringenden laugen Nase versehen (Leptorrhinien ä 42,5), kleine und viereckige Orbitaleingänge, die Wangenbeine (uu peu effacee«) etwas zurück weichend, doch kräftig, der Alveolarbogen verhält nissmässig weit, das Os iutcrmaxillare wenig vor- tretend.“ Man sieht, im Ganzen stimmen die Beschreibungen überein, die Brachycephalie steht über jedem Zweifel fest, die gute, sogar elegante Construction des Gesichtsschädols ist in den Haupttheilen anerkanut, die Verschiedenheit zwischen diesem Schädel und den Brachycephalen von Grenelle geradezu betont, dennoch wird S. 14fi*) der jugendliche Maun der Mammuthzeit der grossen mongoloiden Gruppe zugewiesen, deren Definition durch die Verfasser nicht beigebracht ist. Ich habe nicht die Absicht, diese Mougoloiden-Theorie hier weiter zu verfolgen. Es ist von Virchow8) schon in der vortrefflichsten Weise ihre Kühnheit hervor- gehoben worden.
Dass Asien Europa nicht bloss eine Race zugesendet hat aus seinem unermesslichen Füllhorn, wer wird es bestreiten wollen? Dass darunter Aeste jenes Stammes waren, aus dem die mongolischen Völker hervorwuchsen, ist möglich, ja sogar sehr plausibel, aber warum ethnische Namen für Mammuthjäger?
l) Der Leser erinnere sich, ich habe die Brachycephalen von Grenelle zu den cham Ipronopen gestellt.
*) Trunia ethnica a. a. 0., 4. Lieferung. — Virchow, Zeitschrift für Ethnologie, Bd. IV. Verhandlungen der Berliner anthropologischen Gesellschaft, Sitzung vom 14. Decbr. 1872: Leber die Urbevölkerung Belgiens.
8) Virchow, Geber alt- und neubelgische Schädel a. a. O., 8. 10Ö.
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Beiträge zn einer Kraniologie (1er europäischen Völker. 37
Für brachycephale ichmslgedchtig© (»©«eilen, mit langer feiner No*e, hoher Stirn — warum Namen für di© .©raten Europäer, nachdem Völkernamen erst ungezählte Jnhrtauaendc apfttcr entstanden sind. Sie führen hier zu endlosen Verwirrungen , zu einem unerquicklichen Wortstreit, in welchem die positiven Thatsachen •chlieaslich vergessen werden. Di© Verfasser der Crania ethnica rufen erstaunt, dieser Mann de la Truchere sei ein Unicum bezüglich seiner Scbüdclform. Das ist nicht der Fall. Bracbycephale Schädel sind wiederholt schon gefunden in Lagern des Diluvium; schon weiter oben wurde auf die guten orthognaten Reste des Gesichtsschädcls hingewiesen, S. 87, die in der Hohle von Tnrfooc vorkamen, in der die Brachycephali« ihre Vertreter hiriterlassen hat. Wo ist unter solchen Umständen da* Unicum V In der ersten Ucberraachung ob solch unerwarteter Funde gab man Entscheidungen über Racencharaktere, über mongoloide, esquimoide, australoido Verwandtschaft oder Aehnlichkeit, die sich bei genauerer Betrachtung nicht fetthalten lassen. Es scheint deshalb jetzt an der Zeit, diesen Boden zu verlassen, der höchst schwankend geworden ist
Dieser bracbycephale Vertreter der Mammutlijäger von La Truchere veranlasst mich jetzt endgiltig Stellung zu nehmen zu der Bchon oben aufgeworfenen Krage, welche Raoe als erste und älteste Europas angesehen werden müsse. Gerade der letzterwähnte Schädel ist ein schla- gendes Argument gegen die weit verbreitete Ansicht, dass niederstehende Dolichocephalen die frühesten Eindringlinge gewesen seien. Sind ja doch Leute mit langen und kurzen Ilirnkapseln bchon mit den Knochen des Elcphas primigenius zusammen gefunden worden, und Niemand vermag nach den Funden mit Bestimmtheit zu sagen, welche Kace die Erste war. Noch mehr! Nicht allein Lang- mul Kurzschädel, sondern sofort zwei verschiedene dolichocephale Kacen, zwei verschiedene brachycephale und sogar eine uiesocephale Race treten auf den Schauplatz. Die verschiedenen Racen des europäischen Menschen sind also alle gleich alt, alle — und es ist falsch, von primitiven Racen Europas zu sprechen und damit etwas „Infcreriores“ nusdrücken zu wollen. Es giebt keine primitiven Racen in Europa in diesem Sinne. Seitdem wir ferner wissen, dass die Prognathie zum Theil auch eine Erbschaft, der europäischen Racen, und dass die Intelligenz weder von der Stumpf- noch von der Habichtsnase abhängig ist, hat man kein Recht, das beliebte Schlag- wort von niederen europäischen Urracen lurder aufrecht zu halten.
Dio europäischen Racen haben einen primitiven Culturzustand au fzu weisen, das liegt, im Entwickelungsgange menschlicher Gesellschaft in allen Weitthcilcn, und diesen Nachweis erbracht zu haben, ist das Verdienst der prähistorischen Forschung. Wenn also heute Anthropologie und Ethnologie daran gehen, die Entstehung der Völker und Stämme zu studiren, so ist dabei nach dem eben erwähnten Alter aller europäischer Racen vor Allem zu erwägen, dass jede ethnische Gruppe das Product ist der Vermengung und der Kreuzung mehrerer Racen. Kein europäischer Stamm besteht heute mehr aus einer einzigen Race. Ein deutliches Bild der complieirtcn Zu- sammensetzung geben die auf der Curventafel ersichtlichen Linien.
Jede grössere Erhebung der Curve entspricht einer neuen Race, welche an dem Aufbau der dort analysirten Stämme sich betheiligt hat- Wie Beit langen Jahrtausenden dieses Durchdringen unaufhörlich fortdauert, das beweist die Thatsache, dass selbst in ein und derselben Familie, unter Eltern und Kindern, die Repräsentanten verschiedener Racen mit aller Schärfe hervortreten: Lang- und Kurzschädel, solche mit niederem und hohem Gesicht, blonde und brünette. Das ist der stärkste Beweis von der Dauerbarkeit der Racen trotz Klima und Nahrung und endloser Ver- mischung.
Diese Unzerstörbarkeit der Racen oder Typen des europäischen Menschen ist die sicherste Bürgschaft für einen schliessliehen Erfolg der anthropologischen Studien.
Dabei ist zu berücksichtigen, und auch hierfür enthalten die Curven lehrreiche Belege, dass
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Prof. T)r. K oll man n,
die Individuenzahl einer und derselben Race nicht in allen Volkerstämmen gleich gross ist, Bondern bedeutenden Schwankungen unterliegt.
Diejenige Race, die am zahlreichsten in einem Gebiete vorhanden ist, giebt der Nation das anthropologische Gepräge, und druckt ihr einen bestimmten Raeencharakter auf.
Die anthropologische Verschiedenheit einer bestimmten ethnischen Gruppe von anderen ist also bedingt durch die Zahl, in welcher die Vertreter der verschiedenen Karen und ihrer Misch- linge zu einander stehen. Diese zahlen massige Feststellung des relativen Verhältnisses hat nun- mehr zu geschehen, sowie dies für einzelne Stamme in der Curventafel versucht worden i#L
Die gewonnenen Resultate werden dann auch lur die Ethnologin und Linguistik eine verständ- liche Sprache sprechen. Sie werden begreifen lassen, wie die »eit Jahrtausenden dauernden Eben der verschiedenen Kacen miteinander noth wendig, auch verschiedene Sprachen und Sitten in die Zusammensetzung der Völker hineintragen mussten, und man darf helfen, allmalig dann auch die Träger dieser Geistesproducte bestimmen zu können. Ein Beispiel wird dies anschaulicher machen. Der dänische Sprachforscher Thomson hat die fremden Elemente in den finnischen Sprachen einer Prüfung unterzogen, und einen Einfluss germanischer Sprachen entdeckt, der von Jahr- hunderte langer Berührung zeigt, und eine Reihe verschiedenartiger Ent wickelungsstufen innerhalb de« germanischen Sprachstammes abspiegelt. Die Curventafel zeigt nun, dass der finnische Stamm von heute eine complicirte Racenzusammensetzung besitzt. Verschiedene Wogen der über Europa vordringenden Völkerfluthen sind auch über dieses Gebiet hingezogen, und haben befruchtend da» Land mit immer anderen Elementen bevölkert. Sollte e» nicht möglich «ein, mit Hilfe de« Maass- stabes schliesslich jene Kacc zu finden, welche der Träger diese« frühen germanischen Einflusses war? Ich babo die volle Zuversicht Nicht so, als ob am Schädel die Geister der germanischen Sprache «ich abgreifen Heesen, aber die Racenverwandtschaften. Und diese werden nach be- stimmten Richtungen hinweiseil und wenigstens einen sicheren Fingerzeig erkennen lassen. Dann können im Verein mit der Anthropologie die Sprachvergleichung und die Sagenforschung ihr*? Erfahrungen Austauschen. Sind doch gerade die letzteren Wissenschaften die Leuchte geworden, welche längst vergessene Wanderungen alter Völker klar erkennen liess. Möge man doch in der Anthropologie nicht vergessen, dass zwar ungezählte Völker schon versanken im gähnenden Schooss der Zeit, dass aber die Racen in demselben gähnenden Schoosse nicht etwa untergingen, sondern sich mit ewig jugendlicher Kraft, stets wieder verjüngten.
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Beiträge zu einer Kraniologie dor europäischen Völker.
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Leptoprotopc brachv oephale Itace Europas. (Absolute Zahlen.)
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182 |
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184 |
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|
|
Breite |
140 |
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135 |
147 |
138 |
160 |
157 |
— |
153 |
148 |
155 |
156 |
153 |
16« |
146 |
|
Höhe |
127 |
126 |
188 |
138 |
140 |
152 |
— |
131,5 |
136 |
— |
140 |
146 |
|
137 |
|
|
Stirnbreite (geringste) .... |
91 |
92 |
65 |
100 |
m |
102 |
100 |
— |
106 |
106 |
— |
105 |
105 |
— |
— |
|
Circumfereru |
610 |
494 |
486 |
520 |
4 56 |
636 |
538 |
545 |
545 |
632 |
640 |
542 |
543 |
5-16 |
— |
|
Ötirnbogea ......... |
125 |
118 |
123 |
128 |
135 |
130 |
140 |
130 |
iso |
137 |
— |
140 |
140 |
— |
— |
|
Scheitelbügen |
116 |
120 |
112 |
127 |
125 |
130 |
140 |
132 |
132 |
130 |
— |
125 |
140 |
145 |
— |
|
Hinterhaupt bogen |
111 |
IU7 |
110 |
120 |
100 |
130 |
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111 |
111 |
110 |
— |
116 |
118 |
121 |
— |
|
Ge&am ratbogen |
352 |
856 |
345 |
876 |
MO |
870 |
330 |
373 |
373 |
377 |
— |
381 |
398 |
— |
|
|
Gesiobtaböhe ........ |
129 |
121 |
114 |
122 |
114 |
133 |
125 |
CI |
120 |
125 |
124 |
122 |
123 |
— |
124 |
|
Oberkieferhöhe |
75 |
72 |
72 |
65 |
08 |
60 |
72 |
— |
70 |
T.i |
73 |
72 |
73 |
— |
70 |
|
Joebbogendistanx ...... |
124 |
125 |
123 |
112 |
122 |
11:. |
129 |
135 |
130 |
180 |
187 |
185 |
132 |
— |
12» |
|
Breite der Orbita ...... |
88 |
39 |
— |
37 |
36 |
40 |
— |
89 |
41 |
39 |
42 |
40 |
— |
39 |
|
|
Höhe der Orbita |
35 |
35 |
— |
— |
32 |
32 |
3G |
— |
35 |
34 |
35 |
38 |
31 |
— |
3t |
|
Nasenlänge |
68 |
62 |
49 |
53 |
51 |
— |
— |
— |
60 |
55 |
i,i |
.68 |
59 |
— |
51 |
|
Aperturbreite |
23 |
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— |
— |
24 |
— |
— |
— |
21 |
26 |
26 |
24 |
26 |
— |
24 |
|
Gaumen länge . , |
51 |
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49 |
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51 |
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|
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|
Länge der Basis |
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93 |
90 |
98 |
90 |
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— |
— |
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— |
95 |
108 |
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Länge des Oeciput |
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Prof. Dr. K oll mann, Beiträge zu einer Kraniologie etc.
Leploprosope brachyeephale lUce Europa». Indiens.
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|
|
Breitenhöhenindex . . . |
87,9 |
90,2 |
93,8 |
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Geeiebtaindex |
104,3 |
96,8 |
108,9 |
98,4 |
91,7 |
108,2 |
102,9 |
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104 |
90,6 |
90,3 |
93Tl |
— |
104,0 |
|
|
Orbitalkieferindex . . . |
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57,6 |
58,5 |
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59,6 |
56,2 |
55,8 |
— |
58,8 |
57,6 |
532! |
53,3 |
55,3 |
— |
7-1,2 |
|
Orbitalindex |
93,1 |
89,7 |
_ |
— |
Ml 1 |
88,9 |
90 |
— |
89,7 |
82,9 |
89,7 |
90,4 |
77,5 |
— |
87.1 |
|
Nasenindex ...... |
39,7 |
41 |
— |
— |
46,6 |
— |
— |
37,9 |
47,5 |
46,9 |
42,5 i 41,0 |
43,7 |
42,5 |
46,6 |
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|
Gaumenindex |
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— |
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— |
75,0 |
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Profilwinkel |
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— |
— |
— |
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Erklärung der Sclnidelubbildungen.
Bd. XIII. lieft 3. Taf. II, III, IY, Fig. 1 bia 6 (Ch). Chainüprasope Mesocepbalen io der Norm« frontali», lateralis uud verticalis, nämlich: Fig. 1 £ Ungar, Fig. 2 $ EHthe, Fig. 3 $ Esthe, Fig. 4 9 Bayer (altes Grab), Fig. 5 $ Bayer (alte» Grab), Fig. 0 jj> Bayer (alles Grab).
Taf. II, III, IV, Fig. 7 (Li. Leptopronoper Dolichoccpli&le (Schweizer) in drei Ansichten. Taf. III n. IV, Fig. d(L), Fig. 8» (L), Fig. 8h (L). Leptoproaoper Dolichocephale (Esthe).
Säuimtliche Figuren mit dem Lucae* »eben Apparat gezuiehnet und in */a und */4 der natürlichen GrÖRse dargestdlt.
|)d. XIV. Taf. 1, Fig. 9(Chd) bis Fig. ll(Chd). Clmmäprosoper Dolichocephale (Esthe). Fig. 12 (Lb)
bis Fig. 14 (Lb). Leptoproaoper Brachyeephale (Esthe).
Taf. II, Fig. 15(Chb)biaFig. 17(Chb). ChamÄprouoper Brachyceplmle (Schweizer). Fig. 18 (Lb) bi9 Fig. 20 (Lb). Leptoprosoper Brachyeephale aus dem Diluvium.
Auch die Figuren der Taf. I und II sind mit dem L u ca e* sehen Apparat gezeichnet, aber auf Ys der natürlichen Grvisse reducirt.
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H.
Drei Fälle lebender Mikrocephalen.
Tod
Carl M. Fürst in Stockholm.
(Mit 9 Holzschnitten.)
lieber dio eigentümlichen Geschöpfe, die gewöhnlich „Mikrocephalen“ genannt werden, hat die Wissenschaft nicht ihr letztes Wort gesprochen '); namentlich zu wenig mikrocephalc Gehirne sind bis jetzt genau beschrieben. Etwas über secliBzig Fälle sind gekannt und vier derselben sind in Schweden beobachtet worden. Herr Professor Gustav ltetzius hat in der Zeitschrift der an- thropologischen Section, Bd. I, Nr. 1, 1878 einen interessantem Fall von Mikrocephalic beschrieben; es war ein Knabe, etwas über zwei Jahre alt gestorben. In derselben Zeitschrift Nr. 7, 1880, theilten Sigurd Loven und ich einen neuen Fall von Mikrocephalie mit; diesmal aber bei einem lebenden Weibe. Neuerdings habe ich Gelegenheit gehabt noch zw*ei weibliche Mikrocephalen zu untersuchen. Da die genannte Zeitschrift wenig gekannt ist, werde ich hier eine Beschreibung sümmtliohcr drei in Schweden beobachteten Fälle von Mikrocephalic geben.
Die erste bekannte schwedische lebendige Mikrocephalc war Maria Carlsson in Carlscrona (Figuren 1 bis 3). Im Herbste 1878 erhielt Dr. Sigurd Loven, Arzt bei der Abnormen -Anstalt in Stockholm, Nachricht von diesem Mädchen, das damals im Verpfle gungshau Be für Taubstumme und Idioten in Carlscrona gepflegt wurde. Aus der Zusammenstellung, die sich Loven aus den Mittheilungen des Herrn Dr. med. Klas Linroth und der Vorsteherinnen des Verpflegungs- hauses machte, theilen wir Folgendes mit:
Maria Carlsson ist den 1. Januar 1857 in Vstad geboren; der Vater Marinesoldat, die Mutter Wäscherin, daselbst wohnhaft. Die Verunstaltung des Kindes wurde erst drei Monate nach der Geburt bemerkt. Während des Wachsthums war Maria sehr ungezogen und wild; am meisten vielleicht wegen unverantwortlicher Vernachlässigung und nicht hinreichender Aufsicht. Es ist gesagt worden, dass das Mädchen mehr unterm offenen Himmel als im Hause gelegen hat. Den
*} Wir haben die Dictiou diesem Aufsatzes nur so weit berichtigen zu dürfen geglaubt, als cIhh für sein vollem Verständnis« not big zn «ein schien. D. R.
Archiv far AoUiropnlogie. Bd. XIV. (j
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Carl M. Fürst,
ganzen Tag lang boII sic mit den Strassenjungen herumgestreift haben, ein Schrecken der ganzen Stadt dermaasBen, dass jeder seine Thür verriegelte, wenn er sie von Weitem her ankommen sah. In Ystad wurde sie gewöhnlich „die Aeffin“ (Apan) genannt Mehrere Male soll sie von den Autoritäten daselbst in Verwahrung genommen und auch — falls man ihren eigenen Worten Glauben schenken darf — von der Polizei in der genannten Stadt wegen ihres Uencbmens Züch-
Fig. 1.
tigung bekommen haben. Schliesslich nahm Jemand sich ihrer an und veranstaltete, dass sie im Monat Mai 1872, 15 Jahre alt, in das Verpflegungshaus zu C'arlscrona aufgenommen wurde.
Dort angekommen, zeigte sic sich wild und schwer zu regieren. Vom Geburtsorte brachte sie viele schlechte aber keine gute Gewohnheiten mit, weshalb der erste Theil ihrer Erziehung auch sehr mühsam war. Wie sie gewohnt war, die Närrin der Strassenjungen und ein Werkzeug der Einlulle derselben zu sein, tbat sie allerlei Ungezogenes; sie warf die Fenster ein, drang gcwalt-
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Drei Fälle lebender Mikroceplialen.
6am in Gärten ein, wo sic die Gewächse ausriss u. \V. ; kam sie aus der Thiire, so nahm sie Steine und warf sie auf die Vorübergehenden, besonders auf Knaben, während sie ungeziemende Worte aussprach und aufgeregt aussah; sie fluchte und ßclilug um sich. Mitunter tanzte sie u. s. w., mit- unter stieg sie aus dem IJette und hüpfte znsam inengekauert auf dem Fusaboden herum. Wo sie ein Loch oder eine Oeffnuiig Anden konnte, kroch sie so weit hinein, als sie kommen konnte; sie suchte in die Kommode hineinzukriechen, die sich in ihrem Zimmer befand, kroch unter Tische,
Sophas u. s. w. Nach und nach liess diese Neigung nach.
In Folge einer gelinden und geduldigen Behandlung ohne irgend eine körperliche Bestrafung, besserten sich ihr Wesen und ihr Betragen. Sie tvurde in die Schule des Verpflegungshauses «
Fig. 2. Fig. 8.
\
gesetzt und man versuchte ihr christlichen Unterricht zu geben. In welchem Maasse dieses glückte, ist schwer zu entscheiden. Ihre Lehrerin erklärt, dass „sie alles, was man ihr von Gott und unserem Verhältnisse zu ihm erzählt, begreift“. Wahrscheinlich ist ihr schwaches Begriffsvermögen überan- strengt worden, denn, nachdem ihr Schulbesuch während der ersten zwei Jahre „über Erwartung gut geglückt, An g es plötzlich an znrückzugehen; sie machte keine Fortschritte, war für keine intellectuelle Arbeit gestimmt, sie wurde leicht zornig und schliesslich bekam sie ein Paar Mal Paroxismen von Wild- heit und Zorn, und es war sehr schwer, sie wieder ruhig zu bekommen. Sie musste dann das Lernen aufgeben, wurde in Buhe gelassen und mit häuslichen Verrichtungen und Handarbeit beschäftigt“. Dass der Aufenthalt im Verpflegungshause in Carlscrona Maria zu verhält niBSinässig grossem Nutzen gewesen in Beziehung auf gewöhnliche Entw ickelung und Sauberkeit, wird ans der folgen-
6*
Maria Carlsson.
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Carl M. Fürst,
den Schilderung ihrer Persönlichkeit hervorgehen : „Der Ausdruck des gesichtes ist nicht unan-
genehm, gut und kindisch.“ Was dagegen den Personen, die Maria «um ersten Male sehen, unangenehm verkommt, ist der Anblick der „grossen Figur mit dem kleinen Kopfe obenauf*. Noch in einem höheren Grade macht das Missverhältnis« zwischen der Grösse des Körpers und derjenigen des Kopfes einen unangenehmen Eindruck, wenn sie spricht, singt, geht oder läuft. Wahrend des Laufens beugt sie den Oberkörper vor, die Brust ist dabei eingezogen und der Kopf vorgistreckt. Neigung für’s Klettern hat sie nicht gezeigt. Ist sie vergnügt, so lacht sie und springt und im Allgemeinen hüpft sie lieber herum, als sie geht
Wenn sie schläft „rollt sie sich zusammen wie ein King“ die Knice unter das Kinn gezogen und verbirgt sich ganz und gar unter die Decke. Ungefähr ein Mal monatlich geschieht es, dass sie während des Schlafes „sonderbare Anfalle“ bekommt; wahrend dieser schnarcht sie sehr laut „wie bei einem Schlaganfalle“, schlägt um sich herum und stösst das Bett entzwei. So wie mau sie wach bekommt, ist der Anfall vorüber.
Der Appetit ist gut; „sie liebt Milch, Brot, Fleisch, aber nicht besonders Fische, Kartoffeln und Wurzeln“.
Die Menstruation zeigte sich zur gewöhnlichen Zeit und dauert normal fort. Man hat bei ihr keine Aeusserung des Gesell lech tstriebes bemerkt, Unsittlichkeit auch nicht. Sie ist vollkommen reinlich und verrichtet ihre Bedürfnisse wie andere Menschen. Ihre körperliche Gesundheit ist sehr gut; sie ist niemals krank.
Das Sprachvermögen ist vollkommen; die Aussprache zischend. Wegen ihres Wortvorrathea ist nichts mitgetheilt worden. Die Ausdrucksweiae ist kindisch, lebhaft und oft mit der Zeichen- sprache vereint; diese letzte hat sie sich durch beständiges Zusammensein mit Taubstummen zu- geeignet und sie versteht dieselbe ganz gut und kann sie anwenden.
Bezüglich ihres Auffassungsvermögens ersieht man aus den Mittheilangen , dass sie das, was man ihr über die Ereignisse des täglichen Lebens um sie herum erzählt, versteht. Spricht man mit ihr, so ist sie sehr aufmerksam; sie versteht das Gehorchen und gehorcht auch; Bie zeigt auch deutlich, dass sie im Besitz weiblicher Schüchternheit ist.
Das Gedächtnis« ist auch in gewissen Fällen sehr gut, so dass sie sich Bibelsprüche, Sagen nnd Begebenheiten erinnern kann. Doch ist sie nicht immer vollständig zuverlässig in ihren Angaben; eine ziemlich lebhafte Phantasie verleitet sie, in ihre Erzählungen verwirrte, die Sache nicht an- gehende oder auch gauz grundlose Angaben hiueiuzumischen. Doch scheint sie selbst von der Wahrheit dessen, was sie erzählt, überzeugt zu sein. Sie kann z. B. lange Geschichten von der Mutter und dem Bruder erzählen und sagen: „Mama tat heute bei mir gewesen“, und darauf er- zählen, wie die Mutter gekleidet war, was sie ihr gegeben u. a. dergleichen. Obschon dieses den Worten nach nicht Wahrheit tat, liegt doch etwas dafür zu Grunde. Marie liat nämlich angefangeu eine Madame Johansson, deren Schwester in Ystad wohnt und an welche die Mutter Maria'» ihre Kleider und kleine Geschenke zu senden pflegt, Mama zu nennen, und meist meint sie diese, wenn sie von ihrer Mama spricht. — Wegen der Erzählungen von dem Bruder, welche in Bezug auf Talent und Gedankengang nicht jedes Mal gleich sind, wetas man sich die Ursache weniger zu erklären. Oft weint sie über Plagen, die sie zu haben sich eiubildet, oder über Verhältnisse, die sie erdichtet. Ortskenntnis scheint sie im gewissen Grade zu besitzen, denn man kann ihr kleine Aufträge in der Nachbarschaft des Verpflegungshauses anvertrauen. Frau Sophie Wilkens, die
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Drei Fälle lebender Mikrocephalen. 45
mehrere Jahre lang Idioten studirt hat, bemerkt, das» „das Gedächtnis and die Auffassung durch das Gehör bei Maria ganz gut sind, wogegen Alles, was durch die Augen aufgefasst werden soll, ihr unmöglich zu lernen scheint, wie z. B. zu lesen u. a*“
Sie hat nicht lernen können sich selbst anzuziehen; wogegen „sie beim Essen selbst Löffel, Messer und Gabel braucht; sie sitzt am Esstische und beträgt sich wie ein vernünftiger Mensch“*
Sie zeigt keine eigentliche Arbeitslust; jedoch will sie gern mit dabei sein, wenn die Anderen arbeiten, besorgt gern die Aufträgo und hilft mit bei gröberen Arbeiten, obwohl ihr dio Aus- führung derselben nicht gut glückt* Unaufhörlichen Bemühungen in sieben and einem hall>en Jahre zum Trotz hat man ihr von Handarbeiten nicht mehr lehren können als einen Knäuel während des Wickeln» zu halten. Zerstörungslust zeigt sie nur soweit, dass sie gern ihre Kleider entzwei rcissen will.
Ihr Humor iBt sehr wechselnd; den einen Augenblick kann sie froh und freundlich sein, den nächsten zornig und unfreundlich werden ; doch kehrt bald wieder eine ruhigere Stimmung zurück. Gleich den meisten Idioten liebt sie Musik und Gesang sehr, und sie hat ihre grösste Freude, wenn man ihr was vorspielt; sie kann „darum so lieblich bitten“. Wenn sie Musik hört, kommt sie in eine wehmüthige Gemüthsstimmung; mitunter fangt sie dabei an, leise zu weinen, während sie den Körper hin und zurück bewegt.
Wegen ihrer Gcmüthsart erzählen die Notirungen, dass sie ihrer Umgebung ziemlich grosse Zärtlichkeit und Liebe zeigen kann. Da aber ihre Laune so wechselnd, ist sie doch mitanter ziem- lich beschwerlich; sie wird aber leicht wieder freundlich, wenn man in einer freudigen und freund- lichen Wciso mit ihr scherzt und sich ansteLlt, als ob man nicht verstände, dass sie in schlechter Laune ist. Selten wird sie mit Vorstellungen gewonnen; sie wird dann wortreich und unge- zogen in ihrer Rede, ohne dass man sie dahin bringen kann, das zu thun was man wünscht.
Im Allgemeinen von Herzen sehr gut und wohlwollend den Kameraden gegenüber, spricht sie gern und freudig mit denselben so lange sie nicht gereizt wird. Besonders zeigt sie den kleinen Kindern und denjenigen unter den Idioten, die noch mehr hülflos als sie selbst sind, grosse Freundlichkeit und Theilnahrae; die Kranken beklagt und liebkost sie herzlich. Eine Zeit lang vertraute man ihrer Pflege zwei Idioten an, welche Bie täglich mit grosser Vorsicht und Zärt- lichkeit in die Schule führte, einen an jeder Hand.
Im Sommer 1879 erzählte mir Dr. II. Limroth während eines Aufenthaltes in Carlscrona von Maria Carlsson und ich beschloss ihren Kopf und Körper zu messen, weshalb ich sie im Ver* pflegungshause besuchte. Sie mochte indessen meine Messungen nicht leiden, weshalb dieselben mehrere Male abgebrochen werden mussten. Zwei Mal schlug sie das Instrument weg und drohte mit Gebärden mich selbst auch zu schlagen. Sie u-urdo doch wieder zu Ruhe gebracht, theils da* durch, dass die Wärterin ihr einen Löffel süsser Suppe gab, theils durch einen Schilling, den sie bekam. Den Schilling drehte sie in der Hand und sagte „Buch kaufen“, welche Worte sie mir eine Zeit lang wiederholte.
Bei meinem zweiten Besuche im Verpflegungshausc kannte sie mich gleich wieder und zeigte mir mit vieler Freude, dass sie ein Buch bekommen hatte. Sie blätterte in demselben und murmelte dabei, wie sic es von ihren glücklicheren Kameraden gehört hatte.
Den Sommer 1880 besuchte ich Carlscrona wieder. Ich wollte damals Maria in einer Zu- sammenkunft der ärztlichen Gesellschaft in Carlscrona vorzeigen; als sie aberden Saal voll Menschen
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Carl M. Fürst,
sah, konnte man sie nicht überreden hineinzugehen. Einer der Anwesenden fing an Piano zu spielen und jeder Widerstand and jedes Widerstreben verschwand sofort Sie ging in den Saal hin- ein und war spater sehr freundlich. — Sie kannte mich wieder, obschon sie mich in einem ganzen Jahre nicht gesehen hatte. — Ich sprach ein Mal der Wärterin die Hoffnung ans, dass wir Maria Carlsson iu das in der Einrichtung begriffene Idiotcnhnus in Stockholm bekommen könnten; die Wärterin erzählte Marien, was ich ihr gesagt hatte. Beim nächsten Besuche, den ich im Ver- pflegungshause machte, sprang Maria erschrocken von mir weg der Wärterin za, indem sie mit der Hand schlug «nd sagte „nicht mitgehen“.
Die Augen Maria Carlsson s sind hellbräunlich mit einer grünlichen Nuance. Sie sind schräge gestellt und schielen etwas (strabismus convergens). Die Augenbrauen sind sehr dünn und decken nicht mehr als die mediale Hälfte des oberen Orbitalrandes. Ihr Haar ist braun und dick; die Zähne regelmässig geordnet und frisch. Sie ist wohlgenährt und die Haut ist von ge- wöhnlicher Farbe.
Indem ich jetzt zu den Messungen, die ich gemacht habe, übergehe, bemerke ich zuvörderst, dass ich die Maasse so angebe, wie ich sie genommen habe, ohne die Dicke der Haut abzurechnen. Wo die Maasse den Scheitel berührten, wurde das bei allen drei beobachteten Personen reiche Haar so weit möglich zur Seite geführt. Es ist natürlich unmöglich, nach den Maassen einen ganz cxacten Begriff von dem Kran iura zu bekommen, doch geben sie immerhin eine ziemlich klare Vorstellung von dessen Form. Ihr Werth wird durch den Vergleich mit anderen in derselben Weise genommenen Maassen vergrössert; deshalb habe ich sie alle in einer Tabelle neben Maassen normaler Weiber eingetragen. Um die Eigentümlichkeiten der Formen der Schädel und der Körperproportionen noch mehr sichtbar zu machen, wurden die Holzschnitte 1, 2, 3 nach Photo- graphien gemacht beigegeben.
Bei meinen Messungen habe ich das Maassschema benutzt, das Chr. Loven, Erik Norden - son und Gustav Ketzins1) bei ihren Messungen an lebendigen Finnländern benutzt haben. Von den Körpermaassen habe ich nur die wesentlichsten genommen oder diejenigen, die die obenge- nannten Forscher bei ihren späteren Messungen an den Karelen angewandt haben. Von den Kopf- maassen habe ich das Welcker’sche KopÜängenmaass weggelassen. Das Schema lautet:
I. Maasse des Kopfes.
a. Umfangsmaast.
1. Horizontalumfang über glahella und oceiput.
2. Bogen von der einen OhröfTnung nach der anderen.
3. Sa git talbogen von der Wurzel der Nase nach tuher occipitale.
b. L ä n g e n m a a « s.
4. Grösste Länge von glahella nach tuber occipitale.
l) Till kftnnedom om de fraska folkstammerne« »skarakterer. Tidaskrtft für Antropologi och kulturhUtoria Bd. I, Nr. 9, ß. £ o. 9.
Finska Krauler jetnte nagro natur- och titeraturstudier inorn andr» omrüdcu af fiusk Antropologi ftf Gnstaf Ketzins. Stockholm 1879, 8. 157 und 158.
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Drei Fälle lebender Mikrocephalen.
c. Breitenmaa* n.
5. Grösste Breite, wo sie Bich findet.
6. Maatoidelbreite zwischen den äusseren Seiten der Basen der processus roastoidei.
7. Stirn breite zwischen den einander nächsten Punkten der beiden liue&c semicirculares.
d. Halbmessermaasse (von der Mitte der Ohröifnungen).
8. Occipitalhalbmesser nach tuber occipitale.
9. Parietal halbmesser nach der Mitte zwischen tnbera parietalia.
10. Verticalhalbmesser nach dem höchsten Punkte des Schädels in verticaler Richtung.
11. Frontalhalbmesser nach der Mitte zwischen tubera frontalia.
12. G labellarhalbmesser nach glabella.
13. Fronto*nasalhalbmeaser nach der Wurzel der Nase.
14. Subnasalhalbmesser nach spina nasalis.
15. Oberer Alveolarhalbmesser nach dem oberen Alveolarrande.
16. Unterer Alveolarhalbmesser nach dem unteren Alveolarrande.
17. Mentalhalbmesser nach dem Kinn.
e. Gesichtsmaassc.
18. Höhe der Stirne von dem Anfang des Haares nach der Wurzel der Nase.
19. Höhe der Nase von der Wurzel der Nase nach spina nasalis.
20. Hoho des Oberkieferbeines von der Wurzel der Nase nach dem oberen Alveolarrande.
21. Höhe des Gesichtes von der Wurzel der Nase nach dem Kinn.
22. Diagonal des Gesichtes von der Wurzel der Nase nach dem einen hinteren UnterkieferwinkeL
23. Joch breite zwischen den am meisten hervorstehend on Punkten vom Jochbogen.
24. Breite des Unterkiefers zwischen den beiden hinteren Winkeln.
2 Ä. Länge der Naso von der Wurzel nach der Spitze der Nase.
26. Länge der Augenöffu ungen.
27. Abstand der Augenöffnungcu zwischen den inneren Winkeln der beiden AugenöfTnungen.
n. Körpermaaase.
28. Lange dos Körpers von dem Scheitel nach der Fusssohle.
29. Abstand zwischen acromia. ,
30. Abstand zwischen cristae Uli.
31. Abstand zwischen troehanteres majores.
32. Lauge des Armes vom acromion nach der Spitze de» Mittelfingers.
33. Länge de» Beines vom trochanter imyor nach der Fusssohle.
Sämmtliche Mausse, die ich sowohl an Maria Cnrlsson als an den beiden anderen später zu beschreibenden Mikrocephalen genommen habe, sind vereinigt in der beigegebenen Tabelle, die folgende rmaanse n zusammengestellt ist:
In der ersten verticalen Zahlenreihe stehen die Mittelzahlen der Maasse an sieben karelischen Weibern von Lovea, Nordenson und R e t z i u s genommen ; in der zweiten Reihe stehen die Maximumzahlen derselben Maasse und in der dritten die Minimumzahlen.
In der vierten Reihe gebe ich die Maasse von Maria Carls son, in der fünften die von Charlotte Norström und in der sechsten die von Emma llia.
In der siebenten, achten und neunten Reihe stehen die Minimum*, Maximum* und Mittelzahl* maasse, die ich an sieben blekingischen Weibern, besonders aus der Kästengegend und den Schee- reu des östlichen Blekings, genommen habe.
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Oarl M. Fürst,
Die Maasse der Mikrocephalon sind den Minimummaussen zunächst gestellt, um die Kleinheit derselben noch deutlicher hervortreten zu lassen.
Die benutzten Maasse der normalen Weiber sind die einzigen, nach demselben Schema ge- nommen, die mir zur Hund waren; eine Auswahl hat sich desluilb nicht gut machen lassen.
Alle Maasse sind in Millimetern angegeben.
Was Maria Carlssou betrifft, so sehen wir aus den Tabellen, dass sie ein mittelgrosses Weib ist mit einem ungewöhnlich kleinen Schädeldach, aber verhältnissmässig langem Gesichte; die Schulter- und Lendenbreite ist klein, sie hat aber lange Extremitäten.
Sämmtliche Schädelmaasse sind, wie wir sehen, bedeutend unter den Minimumzableu bei den normalen Weibern. Die Gehirnmasse, die von einem so kleinen Schädel eingcschlosson w ird, muss ungewöhnlich klein sein.
Das Verhältnis» zwischen der Länge und der Breite des Schädels ist nicht angewöhnlich, was am besten daraus zu ersehen ist, dass ihr Index (nach Abzug von 5 mm der doppelten Ilaut- bedeckung wegen), 77,1 beträgt; er unterscheidet sich also von dem von Anders Retzius für schwedische Kranieu festgesetzten mittleren Index von 77,3 nur wenig.
Bei den llalbmessennaassen tritt die Kleinheit des Schädels sehr deutlich hervor, besonders bei den Parietal- und Verüc&lbalbmessern , die um 44 mm kleiner sind, als die nebenstehenden Minimumzahlen normaler Weiber.
Die Stirn ist nach hinten abgeflacht, was aus den einander folgenden Maasacn der Kronto-Nasal-, Glabellar-, Frontal- und Verticalhalbmesser, bezugsweise 78, 80, 82 und 81 min hervorgeht.
Das Profil, das wir aus den llalbmessermaasse bekommen, bildet hier wirklich einen Umkreis mit den Ohröffnungen als Mittelpunkt, was bei den normal gebildeten Menschen lange nicht der Fall zu sein pflegt; im Gegentheil pflegt die Länge der llulbmesscr von dem V ertioal- nach dem Frontonasalhalbmesser abzunehmen.
Die Halbmesser des Gesichts sind an und für sich klein, aber im Vergleich mit denjenigen des Gehirnschädel» erscheinen sie gross.
Die Alveolarhalbmesser sind eigentümlich , indem sich der obere etwas über den unteren erhebt, aber nur durch die Hoho des Unterkiefers, nicht durch ein Uervoroteben desselben, bekommt der Mcutalhalbinesscr seine Grösse. Uebrigens findet sich kein Prognatismns.
Von den Gcsichtsmaassen sind die Höhen maasse unter der Wurzel der Nase und besonders die von der spina nasalis nach unten genommenen von mehr als gewöhnlicher Grösse. Es sind die Kiefern stark entwickelt. Indessen ist der ratuua maxillaris kurz und der Unterkieferwinkel, der ungewöhnlich ollen ist, liegt hoch im Verhältnisse zu dem Kinn. Das Gegenteil pflegt da» gewöhnliche Verhältnis* zu sein.
Die Nase ist unproportionirt laug; die Stirn und die Nase liegen ungefähr in derselben Ebene und die Wurzel der Nase befindet sich in der Mitte zwischen dem Anfang der Haare und der Spitze der Nase.
Die Länge des Körper», 1565 mm, ist, wie wir sehen, mittelmlsrig. Denken wir uns indessen 40 mm oder die Zahl, um welche der Verticalhalbmesaer des Schädels kleiner ist, ab das Minimuiu- maass der normalen Weiber, der Länge von Maria Carlsson zugelegt, so wurde sie dadurch das Aussehen eines normalen Weibes, und dann eine Länge von 1605 mm bekommen. Ihre Körperläuge wäre dann eine ganz bedeutende, wie sie auch den Eindruck macht
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Drei Fälle lebender Mikrocephalen.
Die Breite des Körpers ist nicht ungewöhnlich klein; sämmtliche Maassc aber sind kleiner als die Minimummoasse. Die Arme sind von ungefähr Mittel Hinge; die Beine dagegen sind von einer ungewöhnlichen Länge, 925 mm, während die beiden Maximumzahlen nur 845 und 898 mm betragen- Die Hände sind „ klein und steif“; die Fflsse von gewöhnlicher Grösse.
Was das Aussehen ira Uebrigen betrifft, verweise ich auf die Figuren 1, 2 und 3. —
Am Schlüsse des vergangenen Jahres bekam ich von Professor Gustav Rctzius die Nach* rieht, dass auf „Söder“ in Stockholm eine weibliche Idiotin sich befände, die er auf Aufforderung des Herrn Directors F. T. Borg besucht und als Mikrocephale erkannt habe; die Untersuchung und Beschreibung derselben wurde mir übergeben.
Catharina Charlotta Victoria Norström, den 17. Decembor 1855 in Stockholm geboren, war der Aussage der Mutter zufolge bei der Geburt sehr zart und klein. Der Verlauf der Geburt war natürlich gewesen. Den anderen Tag nach der Geburt bekam das Kind einen „Schlaganfall“, welcher sich am folgenden Tage erneuerte. Zwei Jahre alt lernte sie das erste Wort sagen und dieses war „nein“ und „sic hat später“, so erzählt die Mutter, „immer für dieses Wort mehr Vorliebe als für andere Wörter gehabt“. Sie fing mit dem dritten Jahre an gehen zu lernen. Früher pflegte sie mit kreuzweis gelegten Beinen da zu sitzen, den Körper hin und zurück wiegend. Von ihrem dritten bis zu ihrem sechsten Jahre hatte sie epileptische „Schlagatifülle“, die oft eine halbe Stunde dauern konuten. Nach diesen konnte sie weder sprechen noch sich rühren, sondern lag ganz und gar gelähmt, mitunter sogar zwei ganze Tage lang. Schon seit der Zeit ist sie immer zitternd.
Als Kind hat sie die Masern, das Scharlachfleber und die Wasserpocken gehabt Im fünften oder sechsten Jahre hatte sie init Wunden verbundenen Ausschlag über den ganzen Körper. Jeden Frühling und Herbst war sie krank bis zu ihrem siebenzehnten Jahre, oder bis 1872, nach welcher Zeit sie sich bedeutend kräftiger entwickelte, und jetzt ist sie immer gesund. Im Jahre 1870 wurde sie in die Idiotenheimath zu Stockholm aufgenommen und blieb da bis 1872, in welchem Jahre sio zu dem Grafen Henning Hamilton auf Hedenlunda kam, dort blieb sie bis 1874, und kehrte dann zu ihren Eltern zurück, bei welchen sie sich gegenwärtig befindet
Charlotta Norström hat bei ihren Eltern zärtliche Pflege genossen und ist immer unter Aufsicht gewesen. Dank diesem Umstande besitzt sie in einem nicht geringen Grade Sauberkeit und die Eltern haben niemals bei ihr Neigung zu Unreinlichkeit bemerkt
Ihr Schlaf ist immer ruhig gewesen. Wenn Bie liegt, zieht sie die Kniee über den Bauch hoch hinauf und kriecht gleichsam in sich zusammen. Sie ist sehr starrköpfig. Mitunter fangt sie an zu weinen, ohne dass mau irgend eine Veranlassung finden kann, und dann kann sie wieder lachen, während ihr noch die Thränen herunterfallen.
In ihrer Sprache ist sio sparsam an Worten; die Aussprache ist kindisch und sie bringt die Worte stoBBweise hervor. Der Wortvorrath ist auch sparsam und sie braucht, wenn sie spricht, keine Wörter für abstrakte Begriffe. Sie liebt von Ereignissen, die passirt sind, zu sprechen, z. B. wie sie mit einem Kinde gespielt hat oder dergleichen; ihr Wortvorrath reicht al>er zu längeren Erzählungen nicht au», so dass sie, nachdem sie einige einzelne Worte unter lebhaften Bewegungen mit den Armen hervorgeBprochen hat, die Erzählung BcbliesBt.
Archiv für AuUiropolcflt. Bd XIV. 7
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BO
Carl M. Fürst,
Ans einem Bericht, den Professor U. 6. Kjcllberg dem Verein zur Pflege der abnormen Kinder über den Zustand und die Entwickelung der Schüler, die zur Pflege in die Schule des Vereins in Stockholm 1871 uufgenormnen worden sind, abgegeben hat, wird unter Anderem über Charlotta Norström mitgethcilt:
Fig. 4.
Charlotta Norström.
„Der Appetit war beim Eintritt in die Schule ausserordentlich gross; die Nutrition ziemlich gut, das Aussehen Irisch. Die Laune wechselnd, mitunter war sio freudig und freundlich, mit- unter zornig und zurückstossend ; sie gehorchte ungern, war starrköpfig und plagte die Kameraden gern. Sie verstand die Aussprache ganz gut; es war ihr aber sehr schwer, etwas zu lernen oder zu erinnern. u Der Angabe der Mutter zufolge tTillt es ihr im Allgemeinen jedoch nicht schwer sich an etwas zu erinnern, es geht das auch aus dem hervor, was unten wegen des Auswendig- lernens gesagt wird.
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Drei Fälle lebender Mikroccplialen.
„Sie wusste nichts von ihrem Alter und konnte nnch im L'ebrigen keine Miltheilungen betreffs ihrer selbst geben. Sie konnte sich selbst nicht vollstiindig unlieben; kannte den einen oder nn- deren Buchstaben wieder; wollte' gern Beschäftigung haben, konnte aber nichts Ordentliches zu Stande bringen.“
„Nach dem Aufenthalt durch ein und ein halbes Jahr zeigte sich der Zustand in folgender Weise verändert: Die Laune ist mehr egal; sie ist freundlicher gegen die Kameraden, mehr zärt- lich und lielienswflrdig gegen ihre Wärterinnen; mitunter kommt aber doch der Eigensinn wieder wie früher. Sie hat sich in keinem Grade für den religiösen Unterricht empfänglich gezeigt, wo*
Fig. 6.
Fig. fk
Charlottn Nnrström.
Charlotta Korström.
gegen sie einfache Wörter zu buehstabireu und die kleinen Buchstaben zu schreiben gelernt hat.“ Jetzt kann sic indessen weder die Bueiislabcu wieder erkennen und noch weniger buehstabireu, und was das Schreiben betrifft, so kann sie die Buchstaben nur nach Vorschrift copiren. „Sie hat Gebete und Gesänge auswendig gelernt, die sie mitunter für sich selbst singt Sie hat zu nähen gelernt, obwohl schlecht ; dagegen strickt sie einigermaassen selbständig; nimmt gern an den häuslichen Arbeiten Thoil, obwohl die Arbeit von ihr oft nicht gerade gut ausgefuhrt wird; sie legt grossen Werth auf ihre Kleider und will gern fein sein.“
Charlotta hat Geschwister, von welchen jedoch keines mikrocephal ist, alle sind vollständig normal.
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Carl M. Fürst,
Charlotta Norström ist ein grosses Weib: 157,5mm, schwer und kräftig gebaut- Sie ist sehr breit sowohl über die Schultern als auch über die Lenden. Die Extremitäten sind gross aber nicht unproportionirt. Ihr Gang ist unregelmässig und stossend. Wenn sie geht, dreht sie den oberen Körper, indem sie die eine Seite hervorschiebt
Sie ist gnt bei Leibe; das Gesicht ist gross und „schnurrig“; der Ausdruck desselben höchst dumm und etwas grinsend. Die Augen sind blaugrau und schräge (strabismus convergens). Das Haar ist braun, sehr reich und dicht gewachsen und sehr beschwerlich bei den Messungen; es wurde indessen so viel wie möglich zur Seite gebracht Jedoch darf der Unterschied zwischen ihren hier angegebenen Maassen und den Maassen des Craniuras grösser angenommen werden, als zwischen den entsprechenden Maassen der anderen beiden Mikrocephalen , besonders deshalb, weil ihre Haut außergewöhnlich dick und etwas ödematös war. Bei einzelnen Maassen, wie bei den Um- fangsmaasseu, bat das Haar die Maasszahlen vergrößert, obschon es mit Sorgfalt zur Seite ge- schoben wurde.
Die Maassc Charlotta Norström ’s nehmen die fünfte verticale Reibe der beigegebeneii Tabelle ein. — Bei der Untersuchung der Kopimaasse ersehen wir, dass sich diese* in der Wirk- lichkeit nicht durch solche bedeutende Kleinheit wie die der anderen beiden Mikrocephalen, die hier beschrieben sind, auszeichncn, aber sie sind doch meistens kleiner als die Minimummaassc der normalen Weiber, und setzen wir sie in Verhältniss zu der Körpergrösse Charlotten ’s, so erscheinen sie auffallend klein. Die grösste Länge, 162 mm, und die grösste Breite, UOram, geben nach der gewöhnlichen Correction einen Craniumindex von 79,).
Unter den Geaiobtsmaasaen springen die hohen Breitemaassen gleich in die Augen, nämlich die Jochbreite und die Unterkieferbreite und in Folge der letzten die Diagonale des Gesichtes: diese grossen Maassen erklären das breite flache Aussehen des Gesichtes.
Sowohl bei Maria Carlsson und Charlotta Norström wie auch bei der unten beschriebe- nen Emma Ria, habe ich die Lage der tnbera parietalia apro ximal bestimmen müssen, für die Messung des Parietalhalbmessers, da nirgends eine llervorragung an der Stirn zu erkennen war. —
Ende 1880 bekam Professor Gustav Rctzius von dem Director der öffentlichen Taub- stummenanstalt in Skara, Herrn Fredrik Nordin, brieflich die Nachricht, dass in der genannten Anstalt sich eine weibliche Idiotin befände, die er für mikrocephal halte. Herr Retzius veran- lasst« die UeberfÜhrnng dieses Mädchens nach Stockholm, wo sie durch die freundliche Vermitte- lung des Herrn Dr. Sigurd Loveu in die Idiotenbeimath zu Stockholm Aufnahme fand für die Zeit, die zu ihrer näheren Untersuchung notkwendig sein würde. Die Untersuchung eigab wirklich, dass das Mädchen, deren Name Emma Iüb ist, eine Mikrocephal« ist und zwar eine sehr interessante*
Dem Wohlwollen des Herrn Nordin zufolge bin ich im Stande über ihr verflossenes Leben einige Mittheilungen geben zu können; diese Mittheilungen hat er selbst bei der Zusammenkunft der schwedischen Gesellschaft für Anthropologie und Geographie im December 1880 gegeben, wobei Enuna Ris selbst zugegen war, und vorgezeigt wurde.
„Emma Ris ist in Wennland im Fryksände Kirchspiel den 8. März 1858 geboren; sie ist Tochter des Bauers Ilnkon Ris und seiner Frau Catharina Janstochter. Die Eltern sind nicht mit einander (verwandt In ihren Gesuchdocumenten heisst es, dass sie eine Schwester habe, die gemüthskrank ist und dass „irgend ein Fehler der Sinne der ganzen Familie anzu kleben scheint“.
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Drei Fälle lebender Mikrocephalen. 53
Den 20. Januar 1880 wurde Emma in die öffentliche Lehranstalt für „überjährige“ Taubstumme in Skara aufgenommen, wo sie während zweier Termine sich auf hielt. Ara Schlüsse dieses Termine» wird wie ausgeschrieben werden müssen, weil Bie zu einer anderen Kategorie von Abnormen gehört als diejenigen, für welche die genannte Anstalt bestimmt ist.
Als wie zuerst nach Skara kam, konnte sie sich selbst weder an- noch ausziehen. Wo es war
»
befriedigte sie ihre Bedürfnisse und in der Gegenwart von Jedermann. Die Excremente der Pferde und anderer Thiere sammelte sie, steckte sie in die Tasche und verzehrte sie. Sogar ihre eigenen Excremente verschmähte sie nicht.
Sie war damals in männliche Personen sehr verliebt und zeigte sich beinahe überzärtlich ihnen gegenüber. Dieses schrieb sich jedoch wahrscheinlich mehr daher, dass sie im Allgemeinen sehr zärtlich und einschmeichelnd war als aus irgend einem eigentlichen GeachlechUtriebe.
Sie riss oder schnitt oft ihre Kleider entzwei; dabei konnte sie sich auch selbst stechen oder schneiden ohne zu jammern.
In allem diesen hat sie sich indessen sehr zu ihrem Vortheil verbessert; während sie hier (in Skara) gewesen ist. Was besonders ihre Vorliebe für Männer betrifft, so scheint dieselbe ver- schwunden zu sein. Sämmtliche Männer scheint sie jetzt viel mehr zu verabscheuen und sie hat dafür ihre Liebesbezeigungen auf ihre weiblichen Kameraden übertragen, denen es mitunter schwer fällt sich vor denselben zu wehren.
Da« Einzige, wozu man sie bringen kann, es zu sagen, ist das Wort „Affe“ (Apa).
Wenn man sie anredet, hört sie es, versteht aber nicht das auszufuhren, was man ihr gebietet. Sie scheint nicht ohne musikalisches Gehör zu sein, denn wenn man ihr etwas vorsingt, singt sie in derselben Tonart nach.
In der ganzen Zeit, während welcher sie hier gewesen ist, hat sie auch nicht mehr gelernt als „a“ und ,i“ vinigormaassen zu schreiben. Dass sie keine grösseren Fortschritte im Schreiben ge- macht hat, ist ganz eigenthümlich, da sie Formsinn nicht vermissen lässt Sie kann nämlich ofl dasitzen, und Thiere und andere Sachen so zeichnen, dass mau versteht was sie meint. Durch den Umgang mit den taubstummen Kameraden, die sie in allen möglichen Weisen gereizt haben, sich mit Zeichen auszudrücken , hat sie sich in der letzten Zeit grosse Fertigkeit darin erworben. Ereignisse, die passirt, kann sie jetzt mit Geberden erzählen. Wenn sie zeichnet, timt Bie es mit der grössten Schnelligkeit
Wenn man ihr zum Beispiel ein Bild eines Thiere» zeigt, kann sie mit Geberden die Hand- lungen dieses Thicres nachmachen. Ihre Aufmerksamkeit aber lange auf dieselbe Sache zu fixiren, ist unmöglich, und sie kann einer Vorlesung oder Erzählung, die ihr vorgezcichnct wird, nicht folgen. Er geschieht dann oft, dass sie — wie auch sonst — in ein dummen Lachen ausbricht, ohne dass man weis«, weshalb sie lacht.
Bei mehreren Gelegenheiten hat Bie Proben einer ziemlich grossen Schlauheit abgelegt So rächte sie sich z. B. einmal folgender Weise an einigen Fuhrleuten, die sie auf irgend eine Weise belästigt haben mochten. Die Fuhrleute waren beschäftigt eine Wasserwanne bei einer Pumpe zu fällen und wollten gerade die Wanne unter die Pumpe binstellen. Den Augenblick als diese sich bückten, um die Wanne unter die Pumpe zu stellen, passte da» Mädchen ab, und pumpte nun aus aller Kratt Wasser auf die beiden Leute. Darauf sprang sie ihren Weg, so schnell sie konnte, indem sie hoch triumphirend lachte.
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Carl M. Fürst,
Stand eine Schale mit Zucker auf dem Tische, so konnte es passiven, dass sic unbemerkt ver- suchte, sich ein Stück Zucker zuzueignen. Bekamen dieses die Kameraden zu sehen, so sachte sie dieselben mit allerlei Mienen und Geberden zu überreden, nichts zu sagen.
Mitunter wurde sie überrascht, wie sie stand, um durch ein Schlüsselloch zu guckeu oder in ein anderes Zimmer hineinzuspringen versuchte, utn Personen da drinnen zu beobachten. Sie stellte sich auch mitunter an die Tbfire, als ob sie lauschen wollte.
Sie zeigte denjenigen eine ausserordentliche I.iebe, denen ihr Unterricht anvertraut war. Ihre Iajhrerin reiste einmal auf einige Tage weg; während dieser Zeit sass sic jeden Tag stundenlang
Fitr. 7.
Emma Ris.
und weinte, schrie lnut und sprang mitunter hinein um zu sehen, ob ihre Lehrerin in ihrem Zimmer sei. Ein anderes Mal war dieselbe Lehrerin krank und lag zu Bett; wenn man das Mädchen mit- unter hineinliess, um sie zu besuchen, schlich sie sich leise vorwärts nach dem Bette und liebkoste die Kranke freundlich, aber mit einem besorgten Aussehen.
Ihre Laune ist sehr heftig und sie wird leicht aufgeregt. Wenn sie wirklich böse wird, beisst sie sich in die Arme oder rückt sich in die Haare.
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Ihr Appetit ist änsserst stark. Sie isst so lange man ihr Essen giebt Eines Abends, als sie schon ihr gewöhnliches Abendbrot bekommen hatte, bekam ihre Hausmutter Last, ihren Appetit zu prüfen. Sic ass dann noch sechs grosse Pfannkuchen und verlangte noch mehr zu bekommen.
Die Menstruationen sind wie es scheint regelmässig.
Aus den Notizen, die in der Schule für abnorme Kinder von der Baronin Tberborg Happe, geborene Rappe, und dem Arzt der Schale, Dr. Sigurd Loven, über Emma 11 is während ihres Aufenthaltes dort vom 18. December 1880 bis zum 4. März 1881 gemacht worden, mag Folgendes mitgetheilt werden:
Kiff. 9.
Emma Ris.
„Bei der Aukunft in der Schule den 18. December 1880 am Vormittage war Emma krank. Sie litt an oft zurückkehrenden Erstickiingsanfullen und Erbrechen, an welchen sie auch während der Eisenbahnfahrt von Skara nach Stockholm gelitten haben soll. Vielleicht ist das Erbrechen durch das Schütteln im Eisenbahnwagen verursacht worden; es war aber deutlich zu sehen, dass sie an einem acuten Magenkatarrh litt Später fand man auch, dass sie Ascariden in grosser Menge hatte. Epileptische oder epileptiforme Anfälle wurden nicht beobachtet Nach einigen Tagen geeigneter Behandlung und Diät wurde sie gesund und blieb es auch wfdirend des ganzen Aufenthaltes in der Sehule.
Im Allgemeinen schlief sie wenig uud unruhig; im Bette lag sie, den Kopf unter der Decke, mit gebogenem Rücken und die Kniee bis an den Rumpf aufgezogen. Mehrere Male wurde walir- genommen, dass sie des Nachts jammerte oder laut in einer unangenehmen Weise lachte.
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Carl M. Fürst,
Sic isst jetzt nicht gebrechlich viel, zeigt aber guten Appetit and hat eine deutliche Vorliebe für »gutes Essen4*.
Die Menstruationen sind während ihres Aufenthaltes in der Schule regelmässig gewesen in regelmässigen Zwischenräumen. Man hat keine Aeuaserung von Gcschlechtstrieh gemerkt, cImwho wenig wie Neigung zu ungewöhnlichem oder unanständigem Betragen. Auch merkte man kein Anhängen an männliche Individuen, obgleich sie jeden Tag mit vielen solchen zusammen war. Sie ist reinlich und verrichtet ihre Bedürfnisse wie normale Menschen. Ihr Sprachvermögen ist sehr klein; als sie in die Schule kam, konnte sie nur das Wort „Apa“ (Affe) anssprechen und den Laut »mackmack“, ein Laut, dessen man sich bedient, wenn man Pferden liebkosend entgegen* kommt. Während ihres Aufenthaltes in der Schule lernte sie die Silbe „ma“ und konnte dazu gebracht werden, dass sie andere einsilbige Wortthcile nachsprach. Aus diesem Grunde scheint es nicht unmöglich, dass sie auch andere Wörter aussprechen lernen kann. Während der Gebete in der Schule nahm sie am Singen in einer Weise Theil, die weder Gesang noch Ton genannt werden kann.
Als sie in die Schule kam, war sie, wie gesagt, krank. Da es indessen bestimmt war, dass sie denselben Abend in der Gesellschaft für Anthropologie und Geographie vorgezeigt werden sollte, weil Director Nord in einen Vortrag über sie angemeldet hatte, hatte man keine andere Wahl, als sie wieder anzuziehen und sie darauf vorzubereiten , was kommen würde. Krank wie sie war, zeigte sie »ich sehr unwillig, wieder an gezogen zu werden; als man sie aber durch die Erzählung bewegen wollte, dass „sie in einein feinen Wagen“ fahren sollte (die Idioten haben gewöhnlich eine Vorliebe für das, was „fein“ ist), schlug sie unzufrieden mit der Hand und zeigte dadurch, dass sie mit Mienen, die Pein und Ekel auadrückten , die Hand unter die Brust und auf die Stirn legte, dass sie krank werden würde; sie beschrieb dann mit Geberden wie sie ins Bett gelegt, dann begraben und mit sehr viel Erde bedeckt werden, und schliesslich in den Himmel kommen würde, wohin sie mit der Hand zeigte und die Augen empor hob. (Wo- her sic diese Geschichte hat, die sie später, besonders wenn sie „muthfallen“ geworden, mehrere Male wiederholte, ist unbekannt.) Nachdem sie von der Zusammenkunft surtickgekehrt war, erzählte sie mit ihrer Geberdensprache, wie Herren, die sie dadurch bezeichnete * «lass sie Schnurrbart und Kinnbart andeutetc, ihren Kopf untersucht hatten; sie beschrieb auch verschiedene andere Sachen, wovon man indessen nicht inehr verstand, als dass Kronleuchter unter der Decke gewesen seien.
Gedächtnis« schien sie in einem nicht ganz geringen Grade zu besitzen; sie erzählt detaillirter Weiße alles, was sie erlebt hat. So konnte sie z. B. ausführlich beschreiben, wie das Backen vor sich geht, wobei sic deutlicher Weise Zeuge gewesen sein muss. Als sie ungefähr zwei Monate nachher wieder in dasselbe Local hineinkam, wo sie der Gesellschaft für Anthropologie und Geo- graphie gezeigt worden war, kannte sie sehr gut die Treppen, die Zimmer, die angezündeten Kronleuchter u. s. w. wieder.
Betreffs ihrer Auffassung verdient Folgendes bemerkt zu werden: Sie versteht das Ge- horchen und gehorcht auch auf Zureden. Sie fasst es als eine Schmach auf, aus den Unterrichts, zimmern geleitet zu werden und an den Arbeiten der Kameraden nicht Theil nehmen zu dürfen. Sie besitzt deutlich weibliche Schüchternheit.
Sie liebt, wie gesagt, das Zeichnen und so unvollkommen ihre Zeichnungen auch sind, beweisen sie doch einen gewissen Grad von Beobachtungsverinögen. Als sie z. B. einmal einen ihr gegenüber
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Droi Fälle lebender Mikrocephalen.
sitzenden Herrn „zeichnete*4, gab eie im Portrait deutlich an, das« diu Schnurrbartbaare den Originals auf eine auffallende Weise nach unten gerichtet waren. Neben diesem Grade von Beobachtungsverinögen , das sich auch in ihrer Lust naclizuahmen äussert, besitzt sie auch Kritik. Wenn einige der anderen Idioten ihre Arbeiten in der Schule schlecht auafÜhrten, bemerkte sie dieses; oder wenn eine Lampe zu hoch aufgeschraubt war, bezeugte sie der Wärterin darüber ihr Missfallen.
Folgender Zug ist ein Beispiel ihres Heflexionsvermögens. Als der Arzt der Anstalt einmal die Schule besucht* und sich mit ihr unterhielt, erzählte sie mit ihren Geberden, dass sie »ehr gut wisse, dass der Doctor zu Wagen gekommen war, und fügte bei, das» sie selbst zu Wagen in die Schule? gekommen »ei. Sie wusste auch, dass der Kutscher die Pferde mit der Peitsche zu schlagen pflege, drückte ihr grosses Missfallen darüber aus und forderte den Arzt in der deut- lichsten Weise von der Welt auf, dem Kutscher, wenn er das Pferd schlagen wurde, eine Ohrfeige zu geben.
Die Laune ist sehr lebhaft, lebhafter als sie bei Idioten im Allgemeinen zu sein pflegt. Die Gemüthstiimmung wechselt schnell; Emma wird leicht böse und leicht wieder freundlich; bekommt leicht Eindrücke und ist nicht schwer zu regieren. Wenn sie eich beobachtet sieht, wird eie gern „affeotirt* und sucht dadurch Interesse zu erwecken, dass eie irgend etwas erdichtet, z. B. dass Jemand sie geschlagen habe, dass sie krank sei u. s. w. Sobald man aber zeigt, dass mau ihr nicht glaubt, beharrt sie nicht auf ihrer Angabe. Hat sie selbst ein Versehen begangen, so sucht sie es gewöhnlich auf andere abzulenken. Ausser in den eben genannten Beziehungen zeigt sie den Besitz von Phantasie auch darin, dass sie liebt, ihren Kameraden Geschichten zu erzählen. Unter den Kameraden gewann sie gleich bei der Ankunft in der Schule ein 17 jähriges Mädchen lieb, Idiotin in Folge Meningitis und, obsehon sie sprechen konnte, in intcllectueller Beziehung Emma Hi» ganz bedeutend unterlegen. Diese gute Freundin unterhielt Emma Iiis mit Erzäh- lungen, wahrscheinlich oft erdichteten, und dieser suchte sie auch gern die Versehen, wofür ihr zugeredet wurde, aufzubürden.
Sie spielt gern mit den Kameraden, aber auch allein für sich. Des Abends, wenn die Hänge- lampe unter der Decke angezüudet ist, spielt sie mit ihrem Schatten, bannt und schlägt ihn, „streckt die Zunge nach ihm nusu 11. s. w\
Unter Aufsicht kann sie sich selbst anziehen; sie isst mit einem Löffel, ganz nett Wenn man die Beschreibung über ihren Zustand vor dem Eintritt in die Taubstummenanstalt in Skara liest, muss man erkennen, dass ihre Erziehung ziemlich rasch gegangen.
Sie zeigt sich Behr interessirt für die Handarbeiten der Mädchen und hätte wahrscheinlich derartiges lernen können, fall» sie in ihren jungen Jahren etwas Anleitung bekommen hätte. Jetzt wird sie bei den Unterrichtsversuchen böse und bekommt Lust zum Heissen und ßeissen. Man hat sie indessen lehren können, zu wickeln sowie eine Nadel ein- und auszustechen. Sie kann kleine Aufträge besorgen, z. II. eine Thür zumacheu, eine Photogenlampe anzünden u. s. w. Während de» Aufenthaltes in der Schule zeigte »ie mehr und mehr Lust an den Beschäftigungen Theil zu nehmen und auch in den Unterrichtszimmem zugegen zu sein.
Emma Ris hat eine geringe lvörperläiige , 1505 mm, mit vcrhältnissmäsaig langen
Armen, die im Verhältnisse zu den Beinen sehr entwickelte Musculatur haben« Die Beine sind nämlich klein von gracilem Knochenbau und schwacher Musculatur; die Küsse sind klein* der
Archiv für Anthropologie, Bd. XIV. g
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Carl M. Fürst,
Rumpf int gut entwickelt und diu Mammae wie bei normalen Individuen. Sie hat eine vorgebückte Körperhaltung und den für Idioten charakteristischen stossenden und unregelmässigen Rang.
Wie wir aus den Maassen näher erkennen, ist der Kopf auffallend klein und, wie gewöhnlich bei Mikrocephalen , mit einem sehr dichten Haare, das eine gelbliche Farbe hat, bedeckt. Der Ausdruck des Gesichtes ist dumm, jedoch bedeutend lebhafter als bei Idioten im Allgemeinen. Die Rippen sind dick und hervorstehend; der Mund meist halboflen. Den Kopf trägt sie ein wenig hervorgestreckt und nach unten gebeugt.
Die Augen sind blau und nach der Untersuchung des Herrn Doetor Alexander Schcrdin schielen sie etwas (strabismus convergens); diu linke Pupille reagirt lebhafter auf Uichteindruck als die rechte, llypermetropie des linken Auges ■/»> der Augenluntergrund blass. Sonst wurde nichts Abnormes beobachtet, ausgenommen dass sich auf dem rechten Augenhintergrunde des rechten Auges ein pigmenter Flecken auf der Medial - Seite der Pupille befindet.
Betrachten wir die Maasse, die ich von Emma Bis genommen, welche die sechste Reihe der Tabelle bilden, so sehen wir wie bedeutend kleiner sämmliiclie Kopf-Maasae sind, als die Minimum- zahlen der normalen Weiber; vergleichen wir sie dagegen mit den MausBcn von Maria Garlsson, so sehen wir, dass die Verticalhalbmesser bei Emma grösser sind als bei Maria nnd dass bei der ersteren keine eigentliche Abflachung der Stirn, wie sie bei der letzteren so auffallend ist, vor- handen ist. Das Gesicht ist nicht gross; die 'Kauapparate — sowohl die Knochen, als die Muskeln — sind sehr gut entwickelt und die Unterkieferwinkol sind bedeutend geschieden, was wir aus den Maassen und den Abbildungen ersehen können.
Dio grösste Länge des Kopfes beträgt nnr 142 und die Breite 117. Ihr Index nach der ge- wöhnlichen Correction, 8mm Abzng für die Haut, wird also 81,3.
Die Mastoidalbreite ist ungewöhnlich klein, nur 110 mm. Indessen ist hier das Verhältnis« nicht so wie bei Maria Carlsson, dass dio grösste Breite nnd die Mastoidalbreite gleich sind, sondern mehr in Ueboreinstimmung mit dem Verhältnisse bei den Normalen, dass das grösste Breiten- maass grösser ist, nämlich 117.
Dio Gcsichtsmuskeln sind sehr gut entwickelt und werden bei dem sehr lebhaften Mundspiel Emma's sehr in Anspruch genommen. Durch ihr Zusammensein mit Taubstummen hat sie die Gcbcrdcnsprache gelernt, in welcher sie grosse Fertigkeit erreicht hat und sie bediente sich derer mehr als sogar mancher der Mimiker. Es ist sonderbar, dass Emma Itis, die mit Sicherheit horcht nnd die, wie wir gesehen halten, Beobachtungsvermögen , gutes Nachalimungsvermögen und Formsinn besitzt und die überdies einer Geberdensprache mächtig ist — das Sprechen nicht hat lernen können. Vielleicht würde sic, falls man ihr mehr Zeit gewidmet hätte, dieses auch ge- lernt haben.
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Drei Fälle lebender Mikrocephalen.
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Maas« der 7 karelischen Weiber nach Ketziu«, Nordeuson und Loven |
p ■o m fr. d U ei ei 7. |
8 fr. m 9 SC |
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